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Hannuer Anjeiger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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M 187.

Donnerstag den 13. August.

1874.

Diejenigen im diesseitigen Bezirk sich aufhaltenden Invaliden deren Invalidität durch einen im letzten Kriege wider Frankreich im Dienste erlittene Beschädigung herbeigeführt worden ist und welche neben der ihnen zustehenden Pension mit dem Civilversorgungsschein abgefunden worden find, an Stelle des Letzteren jedoch, in Gemäß­heit des Gesetzes vom 4. April er. die Anstellungsentschädigung von 2 Thaler monatlich zu erhalten wünschen, haben ihre Ansprüche unver­züglich unter Abgabe des Civilversorgungsscheines bei den betreffen­den Bezirks-Feldwebeln geltend zu machen.

Das Recht zur Wahl erlischt am 22. October 1874.

Desgleichen haben diejenigen Invaliden, welche in Gemäßheit des §. 76 des Gesetzes vom 27. Juni 1871 wegen Nichtbenutzung des Civil- versorgungsscheins zur nächsthöheren Pensionsklasse anerkannt worden sind und welchen gemäß §. 12 des Gesetzes vom 4. April er. gegen entsprechende Minderung dieser Chargenpension eine Pensionszulage von 3 Thaler monatlich für Nichtbenutzung des Civilversorgungsscheins gewährt werden kann, ihre Ansprüche ebenfalls unverzüglich bei den be­treffenden Bezirks-Feldwebeln anzumelden.

Die Anmeldefrist für die auf den Krieg von 1870/71 zu begrün­denden Ansprüche auf Invaliden-Versorgung ist bis zum 20. Mai 1875 festgestellt.

Königliches Kommando des Reserve-Landwehr-Bataillons (Frankfurt a. M.) Nr. 80.

Wird veröffentlicht.

Hanau den 15. Juni 1874.

Der Landrath: Schrötter.

Gefundene Gegenstände. Ein Schiebkarren. Ein brauner Sonnenschirm. Ein Paar zugeschnittene lederne Vorblätter. Zwei Taschentücher. Ein seidenes Taschentuch. Ein Rädchen für Kinder. Eine Frauenjacke von schwarzem Orleans. Ein Arbeitsbuch. Eine Kin­derjacke. Ein Rechnenbuch. Ein evang. Gesangbuch. Ein Glaskugel- Halter. Ein Paar kleine goldene Ohrringe.

Zugelaufen. Ein großer brauner Hund. Ein hellgelber Pinscher.

Hanau am 12. August 1874.

Tagesschau.

Berlin, 9. Aug. Die Rückkehr des Fürsten Bismarck von Kiffingen hieher war, nach demSchw. Merk." ursprünglich nicht be­absichtigt. Da aber der Kaiser den Fürsten seit dem Kissinger Attentat (wie längere Zeit vorher) nicht gesehen hatte, so soll er selbst gewünscht haben, seinen Kanzler zu sprechen. Die politische Konstellation dürfte allerdings auch dazu beitragen, obgleich keine andere Frage als die spanische und etwa die Brüsseler Konferenz einen dringlichen Charakter haben. Ueber den von Spanien beabsichtigten Ankauf von Uniformen hier (bei der großen Militär-Effektenhandlung von Speyer u. Co.) höre ich aus guter Quelle, daß es sich in diesem Falle lediglich um Uni­formen handelt und daß der Abschluß des Geschäftes lediglich davon abhängt, daß die spanischen Unterhändler hinreichende Garantieen für die Zahlungsleistung geben, was ihnen bisher noch nicht gelungen zu sein scheint. Wenn außerdem noch Unterhandlungen wegen Beschaffung von Waffen im Gange sind, so werden sie jedenfalls an anderer Stelle geführt.

B erlin, 12. August. Der Reichskanzler Fürst von Bis­marck hat laut telegraphischer Meldung aus Kissingen heute Vormit­tag um 9^ Uhr in Begleitung seiner Familie die Rückreise nach Ber­lin-angetreten. Der Fürst wurde von der zahlreich versammelten Volks­menge mit den lebhaftesten Akklamationen begrüßt. Auf dem Bahnhöfe waren der Regierungs-Präsident von Unterfranken, Graf von Luxburg, der Badekomnnssar, Graf von Pappenheim, und der Berliner Polizei- Präsident, von Madai, anwesend, um sich von dem Fürsten zu verab­schieden.

DerPost" gehen betreffs der Anerkennung der spanischen Republik folgende Mittheilungen zu: Der von deutscher Seite gemachte

Vorschlag, die Regierung Serrano's anznerkennen, findet auch in Wien eine bessere Aufnahme als die Anhänger des Prinzen Alfons von Asturien vermuthet haben. Die vertraulichen Erörterungen, welche in der spanischen Frage zwischen der deutschen und andern europäischen Regierungen, mit denen in gleicher Linie zu bleiben die erstere immer beabsichtigte, gepflogen worden, sind von Erfolg gewesen. Die deutsche Regierung ist auf Grund derselben jetzt in der Lage, officielle Vor­schläge zu machen, welche mittels gemeinschaftlicher Anerkennung der de facto Regierung zur Consolidirnng derselben führen sollen.

7000, sage siebentausend Glückwunschadressen sind anläßlich des Kissinger Attentats bis jetzt an den Fürsten Bismarck gerichtet worden!

Die zur Uebernahme von Standesämtern verpflichteten Ge­meindebeamten und Gutsbesitzer sollen nach einer ministeriellen Verfü­gung im Fall der Weigerung nicht durch exekulivische Maßregeln zur Uebernahme der Geschäfte gezwungen werden. Wenn sie aber bei der deshalb vorzunehmenden protokollarischen Verhandlung auf ihrer Weige­rung bestehen, sollen sie bedeutet werden, daß eine Vertretung auf ihre Kosten angeordnet und die Kosten von ihnen exekutivisch beigetrieben werden würden.

Eine Untersuchung des Rheines von Basel bis zur Mündung soll demnächst durch eine Kommission von Wasserbau-Technikern,, die von sämmtlichen Rheinuferstaaten dazu ernannt sind, vorgenommen wer­den. Die Schifffahrts-Interessenten werden diese Gelegenheit benutzen, der Strombefahrungs-Kommission diejenigen Wünsche vorzutragen, welche sie in Bezug auf die Verbesserung des Fahrwassers und der Häfen, sowie auf die Vermehrung der Sicherheitshäfen legen, und dürfen wohl erwarten, daß ihren Anliegen gebührende Beachtung zu Theil werde, denn die Strombefahrung findet hauptsächlich im Interesse, der Schiff­fahrt statt.

Köln, 9. Aug. Wie groß der Widerstand gegen die kirchen­politischen Gesetze (aber auch die Energie der Regierung) ist, läßt sich ermessen, wenn man die klerikale Presse, welche alle Fälle gewissenhaft registrirt, mit einiger Aufmerksamkeit verfolgt. Aus der letzten Woche sind, nach demFr. I.", folgende Fälle zu buchen: Es wurden in Haft genommen der Kaplan Esser aus Crombach, Bischof Martin von Paderborn, Vikar Freihen von Wissen, Pastor Wehn von Niederberg, Kaplan I. Spanier von Hönningen. Man wies aus ihrem Wirkungs­kreis, bezw. Kreis- oder Regierungsbezirk aus: Kaplan Moll aus der Diözese Münster, Hausvikar Biszinck, Kuratpriester Wienken, Kloster­verwalter Niessing, Privatgeistlichen Hoemens aus dem Regierungsbe­zirk Aachen, Pfarr-Kooperator Lünz aus Lipstadt, Kapläne Schmidt, Alt und Esch aus dem Regierungsbezirk Trier, Kapläne Rokoch und Esser aus dem Regierungsbezirk Köln. Dgs Pfarrvermögen legte man mit Beschlag in Lammersdorf, Ittersdorf, Schöneberg, Ramborn, Edern, Störmede, Brilon, Alme, Bonkirchen, Astenberg, Grömbach, Silbach, Affunghausen, Deinfeld, Lenne, Olpe, Meschede, Oberweis, Altscheid und Wolsfeld. Mau schloß die Lokalvereine des Mainzer Kathotiken- vereins in Linde, Hochkeppel, Bergheim und Aldekerk, und stellte Nach­forschungen an gegen ähnliche Vereine in Koblenz, Walbock, Wetter, Twisteden, Meckenheim und Münster.

Coblenz, 12. August. Die Ortspolizeibehörden des hiesi­gen Kreises sind angewiesen worden, die Vereinigungen des Mainzer Katholikenvereins zu Kobern, Dieblich, Kärlich, Mühlheim, Urmitz, Rhens, Bendorf, Sayn und Weitersburg, sowie den katholischen Män­nerverein in Sayn unverweilt polizeilich zu schließen. R. u. St.-Anz.

Darmstadt, 10. August. Unser Ministerium hat, wie aus zuverlässiger Quelle mitgetheilt wird, den katholischen Beamten jede Theilnahme an demdeutschen Katholikenverein" bei Meidung dirci- plinärer Strafe verboten.

München, 10. August. Die Ehrung Kaulbachs an dessen Grabe durch den Nürnberger Männergesangverein Hat gestern morgen in feierlicher Weise stattgefunden. Es wurde zuerst ein von Dr. Wil­helm Beckh in Nürnberg verfaßtes weihevolles Gedicht in vollendeter Weise gesungen, dann legten der Vereinsvorstand Frhr. v. Kreß und der Präsident des deutschen Sängerausschusses Prof. Scherlmg aus