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gen regte man sich in einem hiesigen Tagblatt, indem man den Herren Metzgern etwas nachrechnete und ins Gewissen redete. Darauf hin gingen die Preise doch zurück und zwar Rindfleisch vor­läufig auf 16 fr., auch zu 15 kr. wird es schon verkauft, Kalbfleisch auf 12 kr.; bei diesen Preisen können die Metzger nicht nur recht gut bestehen, sondern es bleibt ihnen nach einstimmigem Urtheil aller Land­wirthe noch ein so ansehnlicher Gewinn, daß das Publikum berechtigt ist, bald eine weitere Preisreduktion zu erwarten. Landwirthe behaup­ten, daß die Metzger ein gutes Rindfleisch zu 1213 kr., Kalbfleisch zu 9 kr. per Pfund recht gut beschaffen können. Als die Agitation für billigere Preise begann, waren wohl einige der bedeutenderen Metzger sehr aufgebracht und sprachen vonnicht mehr schlachten", aber dagegen gab es Mittel genug. Der Stadtmagistrat lud sofort auswärtige Metz­ger ein, Fleisch hierher zu liefern und stellte Verkaufslokale zur Ver- sügung und mehrere der größeren Gutsbesitzer in weiterem Umkreise er­klärten sich bereit, Vieh hierher zu bringen und schlachten zu lassen. Das half und innerhalb 6 Tagen konnten die Herren Metzger die Fleischpreise um 34 fr. per Pfund reduziren und werden sie noch weiter reduziren müssen. Mannh. Tgsr

Metz, 10 Aug. Die Kreistage der sechs lothringischen Kreise Diedenhofen, Saargemünd, Forbach, Château-Salins, Saarbrück und Bolchen haben sich heute an den resp. Hauptorten der genannten Kreise konstituirt, nachdem im Ganzen 43 von 54 Vertretern den Eid auf den Kaiser und die Reichsverfassung geleistet hatten.

Laut Telegramm aus Genf hat P. Loyson seine Entlassung als Pfarrer von Genf dem dortigen Staatsrathe eingegeben, der sie in seiner heutigen Sitzung auch bereits genehmigt haben soll.

Wien, 8. Aug. Ein mehrseitig dem Einflüsse des Grafen Beust zugeschriebener Artikel desDaily Telegraph" über österreichische Allianzen macht augenblicklich hier, nach demSchw. Merk.", in der politischen Welt nicht geringes Aufsehen. Der Botschafter am britischen Hofe tritt darin für ein enges Zusammengehen des Wiener Kabinets mit den Westmächten ein, im Gegensatz zu dem herzlichen Einvernehmen zwischen Oesterreich, Rußland und dem deutschen Reich, wie es durch die Kaiserreisen der letzten Jahre auch nach Außen hin zur Erscheinung gelangte und in welchem sich die Politik des Grafen Andrassy zu kon- zentriren schien. Es wäre seltsam, wenn man auf diesem Wege einen Botschafter die politischen Pläne seines Vorgesetzten, des Ministers des Aeußern, ernstlich bekämpfen sähe, um so seltsamer, als ja bekanntlich noch unter Graf Beust selber die ersten Anäherungsversuche zwischen den Kabineten von Wien, Berlin und St. Petersburg gewagt wurden. Indeß sind alle diese Unterstellungen schwerlich sehr ernst zu nehmen und wenn wirklich der Artikel desDaily Telegraph" aus der Feder des Botschafters in London hervorgegangen sein sollte, so hälte man darin wohl kaum etwas Anderes als einen Versuch zu sehen, Ange­sichts des Aufenthalts der Kaiserin von Oesterreich auf britischem Bo­den der Eitelkeit John Bulls einen entsprechenden Tribut darzubringen, um der Hohen Dame in Presse und Publikum einen angenehmen Em­pfang zu sichern. Seltsamerweise haben bisher die größeren englischen Blätter, entgegen sonstiger Sitte, der Kaiserin noch wenig schwungvolle Begrüßungsartikel gewidmet und aller Wahrscheinlichkeit nach ist die Verkündigung eines österreichisch-englischen Einverständnisses nur in die Welt geschickt werden, um die Nachlässigen auf die versäumte Pflicht der Gastfreundschaft in zarter Weise aufmerksam zu machen.

Bei den letzten Truppenübungen der Lemberger Garnison wurde in Gegenwart des Erzherzogs Albrecht von einem Theile der Truppen statt mit blinden Patronen scharf geschossen, was die Verhängung einer Arreststrafe über alle sechs Bataillone zur Folge hatte. Das Lember­gerSlowo" erfährt, daß die Mannschaft der betreffenden Bataillone zumeist aus Ruthenen besteht. Was das Scharfschießen selbst anbe­langt, sagt das ruthenische Blatt, habe der Landeskommandirende, Graf Neipperg,zwei Steinchen dicht über seinen Generalshut hinwegpfeifen gehört." Die Schuldigen wurden nicht eruirt.

Paris, 7. Aug. Thiers ist auf seiner Reise nach Cauterets der Gegenstand einiger begeisterter Ovationen geworden. In Pau em­pfingen ihn mehrere hundert Personen am Bahnhof. Am Abend stell­ten sich in dem Salon seines Gasthofes zahlreiche Deputationen und Besucher ein, nm dem gewesenen Präsidenten der Republik ihre Achtung und Sympathie zu bezeugen. Eine Deputation junger Arbeiter machte den Anfang. Der Jndèpendant des Baffes-Pyrènèes weiß nicht genug zu rühmen, welchen günstigen Eindruck der jugendliche Greis auf seine Besucher gemacht habe. Nach Dunkelwerden drängten sich die Bewoh­ner von Pau in Masse an sein Hotel, die Musik der Pompiers brachte ihm tapfer eine Serenade, ohne die obrigkeitliche Bewilligung erhalten zu haben, und Thiers mußte wiederholt auf dem Balkon erscheinen, um für die nicht enden wollenden Hochrufe zu danken. In seinem Gast­hofe zu Cauterets ist Thiers mit mehren Prinzen und Prinzessinnen aus dem Hause Orleans zusammengetroffen. s^w. Merkur.

Paris, 11. Aug. Die Journale melden: Bazaine ist in der Stacht vom Sonntag auf Montag von Sainte Marguerite entflohen. Es heißt, Bazaine habe mittelst einer Strickleiter das Fort verlassen;

man vermuthet, er habe ein nach Italien gehendes Schiff erreicht. Hier meldet dieN. Frftr. Pr." weiter: Oberst Billette, ehemaliger Adjutant Bazaine's, welcher dessen Gefangenschaft freiwillig getheilt hatte, ist gestern in Marseille verhaftet worden. Man glaubt, Bazaine sei mit seiner Frau und seinen Kindern in einer Barke entflohen, in wel­cher seine Frau am Sonntag nach Ste. Marguerite gekommen war, um ihn zu besuchen. Welche Richtung die Flüchtlinge genommen haben, ist noch unbekannt.

Der Stadtpfarrer von Lourdes, Mg. Peyramale, Protonotarius apostolicus, hat an die ganze Geistlichkeit des Landes einen Aufruf er­gehen lassen, um sie um Beiträge zum Neubau seiner Stadtpfarrkirche anzugehen. Der Gemeinderath hat zu diesem Zwecke 100,000 Francs votirt. Der Gnadenort Lourdes wird dadurch um einen neuen monu­mentalen Bau reicher. Seit der ersten Wallfahrtsepoche hat sich dieser Flecken zu einer eleganten Stadt emporgeschwungen, wo Hotels, Klöster, Villen sich aneinander anreihen, und man hätte gewiß nie gedacht, daß das arme Bettlerkind, die kleine Bernadette, Ursache so großer Wirkungen sein werde.

Rom. Die mit der Liquidation der Römischen Klostergüter beauftragte Kommission hat bis jetzt 97 Klöster in Besitz genommen und den Mönchen und Nonnen 2129 Pensionsbriefe zum Jahresbetrage von 984,882 Frcs. zugestellt. An Bäcker, Schlächter, Maurer, Zim­merleute u. A. hat die Kommission für Rechnung der Klöster 746,769 Frcs. und für Kapitalien und Interessen, welche die religiösen Körper­schaften schuldig waren, 63,910 Frcs ausgezahlt. Die Pfarrer der Kirchen, welche mit den aufgehobenen Klöstern verbunden sind, erhielten 21,600 Frcs. und für den Kirchendienst im Allgemeinen etwa 164,000 Frcs. ausgezahlt. In der Stadt Rom und seinem Weichbilde wurden von der Kommission 693 Kapellen mit weltlichem Patronatsrecht in Besitz genommen, deren Grundeigenthum ans 3,070,802 Frcs. geschätzt wird und wovon bereits 892,743 Frcs. liquidirt sind. Mit der Be­sitzergreifung und dem Verkauf dieser Klostergüter ging die Konversion der Güter von den noch beibehaltenen christlichen Körperschaften im italienischen Staate Hand in Hand. Im Ganzen wurden für 12,269,352 Frcs. Klostergüter verkauft, und da sie nur auf 9,939,559 Frcs. ge­schützt waren, wurden 2,329,792- Frcs. über den Taxationswerth er­zielt. Außerdem beschäftigt sich die Liquidations-Kommission noch mit der Ordnung der in den Klöstern vorgefundenen Bibliotheken.

Aus Philadelphia wird derTimes" unterm 5. d. M. per Kabel gemeldet: Der DampferPatrick Rogers" brannte heute auf dem Ohioflusse bis zum Wasserspiegel nieder, wodurch 20 Menschen ums Leben kamen.

DieNeue Frfrr. Pr." schreck unrerm 11. August aus Frank­furt a. M.: Wie man uns mittheilt, wurde verfloffenen Sonntag da­hier die Versammlung des katholischen Männervereins polizeilich über­wacht. Die Eröffnung der neuen Brücke ist von einem bereits sehr bemerkbaren Einfluß auf die alte Brücke, aber noch mehr auf den eisernen Steg. Die Fuhrwerke von Sachsenhausen, welche im westlichen und nordwestlichen Theil der Stadt zu thun haben, ebenso die Drosch­ken und Herrschaftswagen nehmen ihren Weg über diese Brücke, wodurch eine wesentliche Entlastung der alten Mainbrücke ensteht. Die durch­schnittliche Einbuße an der Einnahme des Stegs durch die neue Brücke soll sich auf circa 10 fl. täglich belaufen. Der Bienenzuchtverein für Frankfurt und Umgegend veranstaltet auch in diesem Jahre vom 23.25. August imCafè Thurm" am Eschenheimer Thor eine Aus­stellung von lebenden Bienenvölkern, Wohnungen, Geräthschaften aller Art, Honig, Wachs rc. und wird damit eine Verloosung von Bienen- producten und Geräthschaften verbinden. Wir wünschen diesem jungen und strebsamen Verein thatkräftige Unterstützung von Seiten hiesiger Bürger- und Einwohnerschaft.

Lskales und Provinzielles.

Hanau, 12. August 1874.

Unterm 10. August wird uns durch Freund Th. K. aus München gemeldet: Heute die Witterung etwas günstiger; um 6 Uhr Reveille und um 8 Uhr Beginn der Probe; wiederum außergewöhn­lich starker Menschenzudrang. Nachmittags 3 Uhr begann das Concert und wurden 14 Chöre gut vorgetragen, jedoch betheiligten sich viele Sänger, welche bereits zu sehr angestrengt waren, nicht daran. Nach dem Concert um 6 Uhr Festzug nach der Bavaria (auf den Straßen war nicht durchzukommen). Ten Anfang des Zuges bildeten Reiter m altdeutscher Tracht. Um sich einen Begriff von der Größe des Fest- zuges zu machen, sei bemerkt, daß in den gehörigen Zwischenräumen 18 Musikchöre dabei vertreten waren. Bei dem Feste auf der There- senwiese war die Bavaria elektrisch und bengalisch beleuchtet; in Wahr - beit ein überwältigender Anblick. Des Abends Festvorstellung in Sem Theater; wir Hanauer hörten die prachtvolle und gut ausgeführte Oper Tannhäuser". 11. August, Morgens 6 Uhr: Die Nacht hindurch viel Regen. Heute soll die Vergnügungstour nach dem Starnberger See vorgenommen werden.