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Hanimer Anzeiger.
Zugleich Amtliches Orga» für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Peilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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M 183.
Samstag den 8. August.
1874.
Tagesschau.
— Berlin, 7. August. Wie aus Gastein gemeldet wird, sind Se. Majestät der Kaiser und König heute Morgen um 8 Uhr unter begeisterten Hochrufen der zahlreich versammelten Badegäste und Einwohner von Gastein nach Salzburg abgereist. Die Stadt hatte festlich geflaggt. Se. Majestät verabschiedeten Sich in besonders herzlicher Weise von dem Minister-Präsidenten Grafen Auersperg und versprachen im nächsten Jahre wiederzukommen. R. u. stâz.
— Der deutsche Kronprinz wird den Herbstübungen von Truppentheilen des zweiten bayrischen Armeecorps am 7. und 9. September bei Homburg in der Pfalz beiwohnen. (Augsb. Abdztg.
— Die letzten Denkmünzen vom Kriege 1870/71 sollen demnächst vertheilt werden. Es sind noch etwa 5000 Erinnerungsmedaillen für Nichtkombattanten zur Anerkennung für Betheiligung an der freiwilligen Pflege für das Heer. Im Ganzen sind solcher Medaillen über 20,000 Stück vertheilt worden.
— Aus Schlesien den 2. August. In welcher Weise die Hierarchie das jetzt zugelassene Eintreten der Gemeinden für die Bestellung einer gesetzlichen Seelsorge zu vereiteln im Werke ist, lehrt folgende vom „Schief. Kirchenblatt" erlassene Instruktion: Die katholische Gemeinde, heißt es darin, muß auf jede gesetzliche Weise das Zustandekommen der in den Gesetzen vom 20. und 21. Mai 1874 in Aussicht genommenen Wahl des Pfarrers und Seelsorgers verhinden. Ist die Gemeinde einig und fest, so bedarf es weiterer Maßnahmen nicht; es wird Sache des benachbarten Klerus sein, der Gemeinde die nothwendige seelsorgerliche Thätigkeit angedeihen zn lassen. Finden sich aber in der Gemeinde 10 Mitglieder, welche auf eigenen oder fremden Antrieb eine Wahl beantragen, so ist es heilige Pflicht sämmtlicher wahlberechtigter Gemeindeglieder, zur Stunde der Wahl in dem Wahllokal zu erscheinen. Dort haben sie ihren Widerspruch gegen jede Wahl überhaupt zu erklären und dadurch die Wahl unmöglich zu machen. Denn eine Wahl kann nach §. 9 des Gesetzes vom 21. Mai d. I. nur durch die Majorität der Erschienenen zu Stande kommen.
— Dortmund, 4. Aug. Die „Wests. Ztg." schreibt: Sämmtliche Staatsanwälte, welche ihren Sitz innerhalb des Sprengels des Bischofs von Paderborn haben, sind angewiesen worden, gegen sämmtliche Geistliche, welche den bekannten Hirtenbrief vom 20. März d. J. verlesen haben, strafrechtlich vorzugehen.
— Elberfeld, 6. August. Der hiesige allgemeine deutsche Arbeiterverein ist heute zufolge einer Entscheidung des Königlichen Appellationsgerichts zu Cöln bis auf Weiteres geschlossen worden.
— Weimar, 6. August. Der Erbgroßherzog wird auf. seinen Antrag den diesjährigen Herbstübungen des XL Armee-Corps im Stäbe des General-Kommandos des genannten Armee-Corps beiwohnen.
— Graf Otto zu Stolberg-Wernigerohe hat nach einer Mittheilung der „M. Z." dem preußischen Staatsminifterium Kenntniß davon gegeben, daß er bereit sei, auf seine sogenannten Regierungsrechte zu verzichten. Bekanntlich scheiterte an dem früheren Festhalten dieser angemaßten Rechte der Gesetzentwurf, welcher die Kreisordnung auch auf die Grafschaft Wernigerode ausgedehnt wissen wollte. Es steht jetzt zu hoffen, daß das betreffende Gesetz im Beginn der nächsten Session des preußischen Landtages ohne jede Schwierigkeit durchgehen wird.
— Zu den Bischöfen von Posen, Köln und Trier hat sich, neuester Nachricht zufolge, nunmehr als vierter Gefangârer der Bischof Conrad Martin von Paderborn gesellt, nachdem das Obertribunal erst vor wenigen Tagen die eigenthümliche Ansicht des dortigen Appellations- gerichts hinsichtlich der Zahlung von Strafgeldern durch unbevollmächtigte Dritte zurückgewiesen hatte. Bischof Martin, der schon mehrfach seine lebhafte Sehnsucht nach dem Martyrium „in Ketten und Banden" kundgegeben, sich dabei aber zeitlichem Nachtheil durch rechtzeitige Schenkung seines Vermögens an seinen Bruder entzogen, ist einer der fanatischesten Ultramontanen unter unseren Bischöfen. Schon zur Zeit des österreichischen Krieges im Jahre 1866 erregten seine literarischen Leistungen in großdeutsch-clericalem Sinne unliebsames Aufsehen; auf dem vaticanischen Concil war er der Allererste, der sich unbedingt für die Jnf»llibilität erklärte. Er war es auch, der noch vor den Kirchen
gesetzen der Regierung den Krieg ansagte; als das Cultusministerium im Dezember 1872 Material für ein Gesetz über die Errichtung von Kirchenvorständen und Gemeindevertretungen für die katholischen Kirchengemeinden sammelte, erließ Bischof Martin einen Protest, der damals viel Aufsehen erregte, verbot seinen Pfarrgeistlichen jede Mitwirkung, und seitdem ist er in allen seinen öffentlichen Kundgebungen, Erlassen, Hirtenbriefen und Correspondenzen mit den Regierungsbehörden als der leidenschaftlichste und unversöhnlichste Gegner der preußischen Kirchenpolitik aufgetreten; auch die nachher von andern Bischöfen nachgeahmte Jnstitutition der „Wahlhirtenbriefe" ist eine Erfindung des Bischofs Martin. (Trib.)
— Aus Thüringen den 2. August. Ein deutscher Dichtertag wird auf die Tage vom 25. bis 27. Sept, nach Weimar einberufen. Die Einladung ist von Berlin ausgegangen ; es soll eine Wallfahrt aller deutschen Schriftsteller und Dichter zu den Gräbern Schiller's und Goethe's werden, um dem rein idealen Streben gegenüber dem Ringen «ach dem roh materiellen Genuß wieder seine berechtigte Stellung zu gewinnen. Die Anregung geht von Männern aus, deren Namen einen guten Klang haben, u. A. Glasbren ner, Lindau, Löwenstein, Max Ring, Julius Rodenberg. (Magd. Z.)
— Die Fortbildungsschulen sollen nun auch in Hessen obligatorisch besucht werden, da freiwillig Niemand zu dauerndem Besuche derartiger Anstalten zu bewegen war und dem anfänglichen Interesse bald Theilnahmlosigkeit folgte. Jene Bestimmung findet in den Landgemeinden keinen besonderen Anklang; man erblickt darin einen ungerechtfertigten Zwang und glaubt, die Verpflichtung der aus der Volksschule ausgetretenen Knaben, die Fortbildungsschule noch drei Jahre lang zu besuchen, sei zu weit ausgedehnt. Die Folge wird die Nothwendigkeit dieser Bestimmung außer Zweifel stellen und es den Einzelnen klar machen, wie nothwendig es ist, das in der Volksschule erlernte zu erweitern. Berl. Tagedl.
— Von den vielen günstigen Ernteberichten, welche der „Schw. Merk." aus dem Würtembergischen tagtäglich bringt, greifen wir einen heraus: Urach, den 5. Äug. Die Ernte auf der Alb hat am Montag allgemein begonnen und das gute Wetter fördert das Geschäft sehr und bringt eine Fülle und Güte von Früchten in die Scheunen, wie sich die ältesten Männer nur sehr wenig erinnern. Auf einigen Markungen hat ein wohlthätiger Regen in der Nacht vom Montag auf Dienstag den Futterkräutern und den Kartoffeln sehr gut gethan und alle Gewächse stehen ausgezeichnet. Daß bei diesen vortrefflichen Ernteaussichten die Getreidepreise schon auf einigen der letzten Schrannen zurückgehen mußten und daß sie noch weiter zurückgehen müssen, ist klar, daß aber unsere Bäcker uns immer noch so gar kleine Wecken präfentirea, ist kaum mehr zu verantworten. Heute wurde Rindfleisch um 13 kr. das Pfund ausgeschellt.
— Passau, 4. Aug. Der Agitation gegen die unverhältniß- mäßig hohen Fleischpreise hat sich nnn auch der Magistrat Passau an- geschlossen, indem er den auswärtigen Metzgern die städtische Freibank an jedem Tage zum Verkaufe des Fleisches öffnet.
— Der „Nürnb. Corresp." bringt einen Artikel auch Lichtenfels über die Fleischpreise, welcher lautet: Bei der in jüngster Zeit so häufig ventilirten Frage der Fleischpreise verdient hervorgehoben zu werden, daß die Metzger der Nachbargemeinde Redwitz zuerst den Anstoß zur Herabsetzung derselben gegeben haben. In Fortsetzung dieser anerkennenswer- then Thatsache und im Einklänge zu den jetzigen Viehpreisen kostet u. A. bei Hrn. Metzgermeister Köhler daselbst Ochsenfleisch 12 kr., bestes Rindfleisch 10 kr., Kalbfleisch 9 kr. per Pfd.
— Ingolstadt, 6. August. Heute Vormittags wurde der Redakteur der „Jngolst. Ztg." auf Requisition des k. Untersuchungsrichters in Schweinfurt beim hiesigen Stadtgerichte als Zeuge eidlich vernommen über die in Nr. 169 der „Jngolst. Ztg." gebrachte Notiz: daß ein jüdischer Handelsmann schon 6 Tage vor dem Attentat auf Bismarck erzählt habe: „Auf Bismarck ist geschossen worden."
— München, 8. August. Bezüglich der Generalversammlung aller kath. Vereine, die im Lause dieses Monats in München stattfin- finden sollte, ist Seitens der Leiter derselben nunmehr definitiv beschlossen wm den, daß dieselbe unterbleibt und eine solche Versammlung für das laufende Jahr überhaupt nicht mehr stattfinven soll.