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M 182. Freitag den 7. August.
1874.
Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.
Unter den Schweinen zu Langendiebach ist die Klauenseuche aus- gebrochen.
Hanau am 3. August 1874.
Zugelaufen. Ein schwarzer kleiner Spitzhund mit weißem Fleckchen auf der Brust und ein Hahn. Die Eigenthümer können im Po- lizeibüreau erfahren, bei wem diese Thiere im Futter sind.
Hanau am 6. August 1874.
Tagesschau.
— Berlin, 6. August. Die gestern zur Berathung in Betreff der Volkszählung zusammengetretene statistische Kommission besteht, nach dem „R. u. St.-A.", aus folgenden Mitgliedern: Deutsches Reich: Becker, Direktor des statistischen Amtes, Dr. Meißen, Geheimer Regie - rungs-Rath; Königreich Preußen: vr. Engel, Geheimer Ober-Regie- rungs-Rath; Lauenburg: von Cossel, Regierungs-Assessor; Königreich Bayern: Dr. Mayr, Ministerial-Rath; Königreich Sachsen: Vr. Huelsse, Geheimer Regierungs-Rath; Königreich Wüttemberg: von Riecke, Ober- Finanz-Rath; Großherzogthum Baden: Hardeck, Legations-Rath; Groß- herzogthum Mecklenburg: Dr. Dippe, Ministerial-Rath; Vereinigte Thüringische Staaten: Dr. Hildebrand, Geheimer Regierungs-Raty; Großherzogthum Oldenburg: Dr. Kollmann, Regierungs-Rath; Her- zogthum Braunschweig: Kybitz, Hofrath; Freie und Hansestadt Lübeck; Dr. jur. G. Pabst. Freie und Hansestadt Hamburg: J. C. F. Neßmann, Vorstand des statistischen Bureaus; Elsaß-Lothringen : Metz, Re- gierungs-Rath.
— Am Abend des 3. August verstarb in Muskau Hans Ferdinand Maßmann, der bekannte Germanist und Förderer der Turnkunst. Geboren am 15. August 1797, trat er im Jahre 1814, nachdem er erst kurze Zeit dem Studium der Theologie obgelegen, bei den freiwilligen Jägern ein. Nach der Rückkehr aus Frankreich setzte er seine Studien auf verschiedenen deutschen Universitäten fort. Dann leitete er in Abwesenheit Jahns eine Zeit lang das Berliner Turnwesen und ging später als Lehrer nach Breslau. Im Jahre 1826 erhielt er einen Ruf nach München, wo er bis 1842 als Turnlehrer am Ka- detten-Corps und später als Professor der altdeutschen Literatur an der Universität wirkte. Im genannten Jahre wurde er nach Berlin berufen, um die Wiedereinrichtung des allgemeinen Turnunterrichts in Preußen zu übernehmen, im Jahre 1846 erhielt er dann eine Professur für Germanistik an der Universität. In der zweiten Hälfte seines Lebens war er auf pädagogischem Gebiete thätig. Seine literarische Wirksamkeit war eine sehr bedeutende, viele ältere deutsche Sprachdenkmäler verdanken ihm die erste Ausgabe. R. u. st^Kuj.
— Angesichts der traurigen Beispiele von Intoleranz und Fanatismus, welche eine Anzahl von evangelischen Kreissynoden geliefert hat, verdient es immer Anerkennung, wenn auderwärts die Grundsätze der Mäßigung und Duldsamkeit die Oberhand behalten haben. So ist es auf der Nordhäuser Kreissynode der Fall gewesen. Dieielbe hat es verschmäht, die kirchliche Trauung durch die Mittel der „Kirchenzucht" erzwingen zu wollen, sie ist von dec richtigeren und jedenfalls christlicheren Ansicht ausgegangen, daß auf dem Wege milder Ermahnung mehr zu erreichen sei, als auf dem der zornigen Drohungen. (iä)
— Nürnberg, 5. August. Bischof Dr. Reinkens, der bereits gestern in Begleitung der HH. Professor Friediich und Dr. Zirngiebl "us Passau hier angek mmen war, vollzog heute im Beisein einer großen Anzahl Andächiiger in der Marihakirche unter Assistenz der HH- vr. Friedrich und Pfarrer Dr. Haßler den Firmungsakt. Die Zahl der Firmlinge mag gegen 20 betragen haben. Nürnb. sorrefp.
— Der Präsident des Centralausschusses des Deutschen Sänger- festes zu . München, Ober-Rechnungs-Rath Fentsch, hat nachstehendes Handschreiben Sr. Majestät des Königs von Bayern erhalten: „Hr. Ober-Rechnungs-Rath Fentsch! Mit Freuden habe ich aus dem Schreiben des Centralfestausschusses vom 25. Juli l. J. entnommen, daß die großen Vorbereitungen zu dem Feste, welches demnächst in Münchens Mauern stattsinden wird, einen glücklichen Abschluß gefunden haben,
und mit huldvollstem Danke erwidere ich die an mich gerichtete Einladung. Ich zweifle nicht, daß meine Residenzstadt durch dieses Fest um eine schöne Erinnerung reicher werden wird, und hege den Wunsch, daß der Eifer, welchen der Ausschuß seiner schwierigen Aufgabe zuwendete, von den besten Erfolgen für die Sache des deutschen Männergesanges begleitet sein möge. Gern spreche ich dem gesammten Festausschuß meine Anerkennung aus und bin mit aller Werthschätzung Ihr gnädigster König Ludwig." — Vom Magistrate in München wurde bekannt gegeben, daß sämmtliche städtischen Gebäude während der Dauer des Festes zu flaggen beschlossen seien und fordert derselbe die Bürgerschaft Münchens auf an allen Privatwohnungen das Gleiche zu thun.
— Bei dem großen eidgenössischen Schützenfest, welches die Schweizer vor Kurzem in St. Gallen begangen haben, waren wie der „Bund" mit gerechtem Stolze hervorhebt, alle politischen Parteien, die Ja- und Neinsager, zahlreich vertreten. Als die berner Schützen anzogen, sprach der Ständerath Hoffmann die zündenden Worte: „Wir ehren jede redliche religiöse Überzeugung, und sind weit davon entfernt, sie zu verletzen ; aber wenn eine fremde Macht, sich in den Mantel der Religiosität hüllend, bei uns eine Herrschaft ausüben will, so sagen wir: Weiche von unfern Marken, in unsern Marken sind nur wir Meister und nur wir." „Das alles", sagt die „Nordd. A. Z.", „paßt auch recht sehr auf unfere deutschen Zustände. Auch für Deutschland steht binnen Monatsfrist unser großes Nationalfest, die Sedanfeier, bevor. Möge das Beispiel des kleinen, aber doch starken Nachbarvolkes uns Deutsche lehren, wie die Liebe zum gemeinsamen Vaterlande alle Gegensätze zurücktreten läßt. Keine Partei schließt dort sich aus von den nationalen Ehrentagen oder sucht die Feier derselben in gehässiger Weise zu hintertreiben und abzuschwächen, eben so wie dort die in den politischen Kämpfen unterlegene Partei sich willig dem beschlossenen und damit geheiligten Gesetze beugt. Mit Stolz konnte Fürsprech Thuli von St. Gallen sagen: „Die Heftigkeit innerer Streitigkeiten ist kein Hinderniß vermehrter Stärke unseres Landes nach innen und außen. An unsern Festen finden wir uns wieder, reichen uns versöhnt die Hände und vereinen uns als Glieder desselben unauflöslichen Bundes?" Die Herzen aller Deutschen sind da, wo die deutschen Fahnen wehen! Mögen an dem bevorstehenden größten Erinnerungstage der neueren Geschichte alle Parteien dieses Wortes eingedenk sein!" s*y. wee tut.
— Schweiz. Zu dem internationalen Postcongreß, der am 15. September in Bern zusammentreten soll, haben, nach der „Trib." von den eingeladenen Staaten ihre Theilnahme zugesagt und bezügliche Vertreter bezeichnet: Belgien, Deutsches Reich, Griechenland, Großbri- tanien, Niederlande, Frankreich, Oesterreich, Portugal, Rußland, Schweden und Norwegen, Spanien, Türkei, Aegypten, Rumänien und Serbien. Ausstehend sind noch d e Zusagen von Italien und den Vereinigten Staaten von Nordamerika, die jedoch des Bestimmtesten erwartet w.rden. Die Verhandlungen des Congresses werden wohl vier bis fünf Wochen in Anspruch nehmen. Das Deutsche Reich wird durch den General-Postdirektor Stephan und den Geheimen Postrath Günther vertreten sein, die Schweiz durch den Chef des Postdepartements, Bundesrath Borel, welchem der Bundesrath voraussichtlich die Herren Ober- postsecretär Steinhäuslin und Secretär Höhe beigeben wird. Der Vertragsentwurf (von Stephan) strebt im Allgemeinen Erleichterungen im Postverkehr, im Speciellen vorzüglich eine, wenigstens annäherude Einführung einheitlicher Transitgebühren an, ohne da, wo zwischen einzelnen Gebieten bereits ein solcher engerer Postverein besteht, denjenigen Bestimmungen Eintrag zu thun, welche bezüglich der im Austausche der beteiligten Gebiete unter einander sich bewegenden Sendungen in einem solchen Verein getroffen worden sind. Die am Vertrag theilnehmenden Staaten sollen ein einheitliches Postgebiet barst Uen, welches mit dem Namen „Allgemeiner Postverein" bezeichnet wird. Die Festsetzungen d-sselben erstrecken sich auf Briefe, einschließlich der Postkarten, Zeitungen und anderen Drucksachen, sowie Waarenproben.
— Haag, 5. Augu>t. Eine oificielle aus Atchin vom 3. d. M. hier eingegangene Depesche meldet, daß die mederländsiche Flagge zu Telok^emawe aufgepflanzt sei, und daß Moesapl (östlich von der Mün-