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M 18h Donnerstag den 6. August. 1874.

Tagesschau.

Berlin, 2. August. Nach gemeinsamer Vereinbarung der deutschen Regierungen sind vom Michaelistermin d. I. an die von d u außerpreußischen deutschen Gymnasien ausgestellten Maturitäts-Zengnisse als den Preuß. gleichgeltend anzusehen, so daß es für Preugen einer ausdrücklichen Anerkennung derselben seitens des Kultusminister nicht mehr bedarf.

Berlin, 5. August. Nach der Rang- und Quartierliste der Kaiserlichen Marine für das Jahr 1874 beträgt die Gesammtzahl aller Seeoffiziere 268, wovon einer â la suite der Marine. Die Admirals­und Vizè-Admirals-Charge sind gegenwärtig unbesetzt, und von den fünf Kontre-Admiralen sind zwei nur charakterisirt. Nach der Ancien- netätsliste der Kaiserlichen Marine waren folgende Kriegsschiffe vor­handen : 1) Dampffahrzeuge (30): 8 Panzerfregatten mit 6, 9, 16 und 23 Geschützen, 1 Panzerkorvette mit 8 Geschützen, 2 Panzerfregatten mit 3 und 4 Geschützen, 1 Linienschiff mit 23 Geschützen, 5 gedeckte Korvetten mit 18, 19 und 20 Geschützen, 8 Glattdecks-Korvetten mit 5, 6, 10 und 14 Geschützen, 4 Avisos mit 2 (1 ohne) Geschützen, 1 K. Macht. Kanonenboote (18): a. Albatroß-Klasse: 2 mit je 4 Geschützen, b. 1. Klasse: 7 mit je 3 Geschützen, c. 2. Klasse: 9 mit je 2 Geschützen, 2 Transportdampfer, 3 Torpedoboote. 2) Segel- Fahrzeuge (6): 2 Fregatten, eine ohne, die andere mit 12 Geschützen, 3 Briggs zu 6 und 8 Geschützen. Fahrzeuge zum Hafendienst: 11 Dampf-, 8 Segel-Fahrzeuge. Zusammen 79 Fahrzeuge.

Zm Ministerium des Innern sind nach derN. Fr. Pr." An­ordnungen zur Ausarbeitung des Entwurfs einer Landgemeindeordnung für die Provinzen Rheinland und Hessen-Nassau ergangen, worüber der Minister des Innern kürzlich in. Wie-baden Konferenzen abgehalten hatte. An den letzteren betheiligten sich mit dem Minister zwei Räche seines Ressorts, die Geheimen Räthe Wohlers und Persius und sechs Landräthe, unter ihnen auch der Abgeordnete Delius. Vorher hatte der Minister des Innern eine Besprechung über den Gegenstand mit dem Ober-Präsidenten v. Bardeleben und den Regierungs-Präsidenten v. Bernuth aus Köln, v. Ende aus Düsseldorf und v. Wurmb aus Wiesbaden. Die Besprechungen verheißen ein durchaus gedeihliches Re­sultat, obschon durch die neue Gesetzgebung einige nassauische Eigen­thümlichkeiten in Fortfall kommen möchten.

W. T. B. meldet Folgendes: Die von Madrider Zeitungen unterm 3. d. M. veröffentlichte, an den Fürsten Hohenlohe gerichtete, dem französischen Minister des Auswärtigen, Herzog von Decazes, am 27. v. M. angeblich mitgetheilte Depesche über Unterstützung der Car­listen Seitens Frankreichs ist tendenziöse Erfindung. Es ist deutscher Seits keine schriftliche Mittheilung an die französische Regierung er­folgt, und der Inhalt der stattgehabten vertraulichen Besprechungen ist ganz falsch wiedergegeben. st ». Stâz.

Bei dem Abschlusse über die Reichseinnahmen ist bemerkens- werth, daß die aus der Wechselstempelsteuer und der Telegraphenver­waltung anhaltend zurückgehen, was allerdings darin begründet ist, daß, was erstere betrifft, der Wechselverkehr im Jahre 1872 zumal eine ab­norme, allerdings nicht erfreuliche Höhe erreicht hatte, auf welcher sich die Einnahmen nicht halten konnten, während sie gegenwärtig die nor­male Lage in die Erscheinung treten lassen. Die Telegraphie heischt noch immer neue Anlagen, und es versteht sich von selbst, daß in ge- schäflslosen Zeiten den außerordentlichen Ausgaben keiiK außerordent­lichen Einnahmen gegenüberstehen.

Fürst Bismarck wird noch bis zum 14. oder 15. August in Kissingen verbleiben, über seine weiteren Sommerreisen sind noch keine Bestimmungen getroffen; es heißt, der Fürst dürfte Einladungen auf die Guter der Fürsten Hohenlohe-Langenburg oder Hohenlohe-Schillings­fürst folgen oder aber ein Seebad, und zwar Schwelungen, besuchen. In jedem Falle soll ein Besuch des Fürsten bei dem Könige von Bayern erfolgen, um demselben für die Ausnahme des. Reichskanzlers in Kiffingen zu danken. Köln. Ztg.

M ü n chen, 3. August. Im heute ausgegebenen Gesetz- und Verordnungsblatt Nr. 36 werden 8 in der letzten Landtagssession ver­einbarte Gesetze publizirt, welche von Sr. Majestät dem König zu Hohen­

schwangau, den 27. v. M., sanktionirt wurden. Es betreffen dieselben: Die Ausdehnung und Vervollständigung der Staatseisenbahnen (hier­unter ist die Fichtelgebirgsbahn); den Mehrbedarf für einige theils im Bau vollendete theils noch in der Ausführung begriffene Staatsbahnen; die Erbauung weiterer Vizinaleisenbahnen und den Mehrbedarf für bereits ausgeführte Vizinaleisenbahnen; die Ausdehnung der bayerischen Ostbahnen; die pfälzischen Eisenbahnen; die Abänderung desArt. 19 Abs. 1 des Ges. vom 10. Nov. 1861 über die Einführung des Allge­meinen Deutschen Handelsgesetzbuches, den Art. 28 des Ges. vom 26. Dez. 1871 über den Vollzug der Einführung des Strafgesetzbuches für das Deutsche Reich in Bayern, endlich die Todeserklärung der in Folge des Krieges von 1866 vermißten Personen betr.

Ebenso wie in Nürnberg beichäftigt sich auch in der Nach­barstadt Fürth die Gemeindevertretung mit der Frage, in welcher Weise den hohen Fleischpreisen entgegengetreten werden soll.

Nach 4jahriger Pause hat am 1. August, Vormittags 8 Uhr, der erste Bahnzug wieder das zweite Geleise der ganzen Rheinbrücke bei Kehl überfahren, nachd m von badischer Seite an einem der letzt­vergangenen Tage eine Probebelastung des neuerbauten eisernen Theils stattgesunden hat.

Königsberg i. Pr., 5. August. Aus Memel wird gemel­det, daß der dortige Arbeiter-Unterstützungsverband, sowie der Verein der Schiffsz-mmerer geschlossen worden ist.

Hamburg, 4. Aug. Der Hamburger PostdampferAl- satia" ist nach einem Telegramm desR. u. St.-A." nach hier einge­gangenen Meldungen aus St. Thomas vom 1. d. M. bei Puertoplata gestrandet und hat 8 Fuß Wasser im Raum. Ein Theil der Ladung ist beschädigt. Die von dem englischen SchiffEclipse" gemachten Ver­suche, den Dampfer wieder flott zu machen, waren bisher vergeblich.

Salzburg, 2. Aug. DerSchw. Merk, schreibt: In den letzten Tagen hatte hier die 7. Versammlung deutscher Turnlehrer statt. Gegen 250 Theilnehmer aus allen Theilen Deutschlands und Oester­reichs halten sich hiezu eingestellt. Seitens der Behörden der Stadt und des Landes ward allen Theilnehmern der herzlichste gastfreundlichste Empfang, der in dem am Donnerstag Abend stattgehabten Begrüßungs­commers den schönsten Ausdruck fand. Der Vorsitzende des Lokalaus­schusses, Graf Lamberg, der Landeshauptmann der Provinz Salzburg, hieß mit ebenso geistvollen als warmen Worten die Versammelten will­kommen. Ihm erwiederte der Vorsitzende der Turnlehrerschaft, Direktor Maul von Karlsruhe. Auch der Oberbürgermeister und der Landes- schul-Juspektor ergriffen das Wort. Unter stürmischem Applaus sprach Prof. Jäger von Stuttgart und noch viele Andere. Außer dem Ge­nannten sind von Ihren Landsleuten bei der Versammlung Bauer- Nürtingen, Bofinger, Reck und Renz-Stuttgart, Eichler-Blaubeuren, Beilhard-Ulm, Th. Georgii-Eßlingen, Schmöger-Ehingen, Wüst-Tübin­gen. Nachdem am Donnerstag Abend eine vorberathende Sitzung des Ausschusses stqttgehabt hatte, eröffnete der Vorsitzende die Versammlung am Freitag im Sitzungssaal des Landtags, berief zu seinem Stellver­treter Hoffer-Wien und zu Schriftführern Dr, Bach-Breslau, Bier- Dresden und Bofinger-Stuttgart. Aus der Tagesordnung stand zunächst ein Vortrag Dr. Lions in Leipzig, welcher in seinenphilosophischen Betrachtungen über die Turnerkunst" einen hervorragenden Beitrag zur wissenschaftlichen Begründung und Beleuchtung der ethischen Bedeutung der Turnerkunst lieferte. Nach ihm besprach Dr. Kloß in Dresden ei­nige Zeit- und Streitfragen auf dem Gebiete des Schulturnens. Kloß polemisirte in charfer, eingehender Weise gegen einige Sätze, welche eine medizinische Autorität, der geh. Sanitatsrath Dr. Snell auf der Ver­sammlung deutscher Aerzte zu Wiesbaden im vorigen Jahre, das jetzige Turnen verurtheilend, ausgestellt hattei Die lebhafte Debatte, an der sich besonders Göz-Lindenau, Maul, Jäger, Dr. Euler-Berlin u. a. be­theiligten, schloß mit Annahme einer Resolution, welche die erhobenen Vorwürfe auf einseitige Anschauung. zurückführt und die vorhandenen Mängel als in den Verhältnissen beruhend da'cstellt, welche die Turn­lehrer zu bessern eben bemüht sind. Die Sisfuifion über eine zweite These, die Turnspiele betreffend, fand ihre Erledigung in der nächsten Sitzung durch folgende Resolution:Im Anschlusse an die seither als