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Hananer Amtiger
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanan.
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M 180.
Mittwoch den 5. August.
1874.
Tagesschau.
— Nach der „D. R.-C." melden die von den Regierungsbehörden aus allen Theilen des Landes eingehenden Nachrichten, daß nicht nur der gewerbliche Verkehr im Allgemeinen sich vermindert habe, sondern daß geradezu in einzelnen Gewerbzweigen ein Stillstand eingetreten sei. So wird aus den Eisendistricten Westfalens und der Rheinprovinz mitgetheilt, daß auf den Eisenwerken ein derartiger Mangel an Aufträgen eingetreten sei, daß thatsächlich der größte Theil der Hochöfen ausgeblasen habe und daß zu fürchten sei, daß auch die übrigen noch im Betriebe befindlichen Oefen ein gleiches Geschick ereile.
— Paderborn, 4. August. , Der Bischof Martin ist heute Morgen um 8 Uhr vom Exekutions-Inspektor und einem Gerichtsdiener des hiesigen Kreisaerichts zur Verbüßung der gegen ihn erkannten Gefängnißstrafe von 4*/2 Monat verhaftet und zu Wagen in das hiesige Jnquisitoriatsgebäude abgeführt worden. Der Buchof, bei welchem das Domkapitel versammelt war, legte gegen seine Verhaftung Protest ein.
R. u. St^Anz.
— Es steht fest, daß viele Geistliche der Provinz Posen in regelmäßigem Verkehr mit den staatlich berufenen Administratoren der Diöcesen stehen, und daß dieser Verkehr, wie es sich wohl von selbst versteht, nur äußere Kirchenangelegenheiten, aber durchaus nicht rein kirchliche Gegenstände betrifft. Selbst der ultramontane „Kuryer Poz- nanski" muß gestehen, ihm seien Gerüchte zugegaugen, „daß Geistliche aus der Provinz, selbst solche, welche in den an das Domkapitel gesendeten Adressen wiederholt ihrem legitimen Oberhirten ihre unverbrüchliche Treue versichert haben, in Angelegenheiten des Kirchenvermögens sich an den R gierungs-Kommissar gewandt haben."
— Bessungen bei Darmstadt, 3. Aug. Heute Nacht geriethen beim Tanz in der Klier'schen Wirthschaft ein Gefreiter vom Train und ein Artillerist wegen eines Mädchens in Streit, wobei der Letztere seinem Nebenbuhler ein Ohr abbiß.
— Simbach, 2. August. Heute Vormittag fand unter Anwesenheit einer großen Anzahl aus Nah iub Fern herbeigekommener Altkatholiken die Einweihung der hiesigen neuerbauten allkakhotischen Kirche statt, und wurde dieselbe durch Herrn Bischof Dr. Reinkens unter Assistenz der Herren Professoren Friedrich und Meßmer, sowie des Hrn. Dr. Brater, Pfarrers in Ried in Oberösterreich, in erh bendster Weise vollzogen. Unmittelbar nach dem Weihakte las Dr. Friedrich eine stille Messe, welcher der Hr. B schuf in Civilkteidung, nur die goldene Kette mit Kreuz umgehängt, anwohnte. Nach der Messe hielt Dr. Reinkens eine erhebende und vom Geiste der Liebe und des Friedens durchwehte Ansprache an die Gläubigen und insbesondere an die Firmlinge, welche, 33 an der Zahl (meist aus Ried in Oesterreich), um ihn versammelt waren. Hierauf folgte die Firmung und nach dieser nahm Hr. Pro- fessor Friedrich die Taufe einiger junger Weltbürger theils von hier, theils von Pfarrkirchen vor, worunter sich das ungefähr 1 Jahr alte Söhnchen des Hrn. Malers Wiedemann von hier befand, welches an der Hand seines Vaters ganz festen Schrittes zur Taufe marschirte. Herr Bischof Dr. Reinkens verließ unterdessen die Kirche und fuhr in der ihm zur Verfügung gestellten Equipage des Hrn. Oberzollinspektors Dr. Seuffert von hier, begleitet von diesem und Hrn. Pfarrer Dr. ââr in sein Hotel (Föckerer) zurück. Heute Mittags ist Diner im großen Restaurationssaal am Bahnhof. «ur. f. Niedere.
ünchen, 4. August. Der hiesige Bürgermeister Erhardt hat ein Schreiben des Staats-Secretairs von Bülow erhalten, in wel- derselbe Namens des Reichskanzlers Fürsten von Bismarck den herzlichsten Dank desselben für die ihm übersendete Glückwunschadresse ausipricht. Zugleich wird die Versicherung beigefügt, wie wohlthuend es dem Reichskanzler gewesen fei, gerade aus München solche Kundgebungen patriotischer Theilnahme zu empfangen.
vr- ®’e^ 3- August. Die Dauer der Indienststellung des „Nau- tilius betragt nach der „Kieler Ztg." zwei Jahre, die des „Albatros" ein Jahr.
sn - ~ Straßburg, 1. Aug. Der „Schw. Merk." schreibt: Den a rhâtagsabg. Teutsch in Hochberg lassen, seien es die Lorbeeren, seien
8 Ole ârnen, die er auf seinem bisherigen parlamentarischen Wege
erntete, nicht ruhen. Er hat eine kleine Broschüre von 18 Seiten erscheinen lassen, mit dem etwas unbehülflichen Titel: Fortsetzung der durch Herrn Kreisdirektor von Wulffen im Zaberner Wochenblatt vom 27. Juni veröffentlichten Korrespondenz zwischen ihm und dem Abg. Teutsch. Dem Drucke übergeben und seinen Wählern gewidmet durch rc. Wir erfahren aus der Broschüre zunächst, daß die Ausdrucksweise des Abg. Teutsch genau auf der Höhe seines parlamentarischen Taktes steht. Er nennt zwei Briefe des Kreisdirektors „Schimpfbriefe" und nimmt diesen Ausdruck später zurück. Er veröffentlicht ferner einige Aussagen von Bannwarten und Bürgermeistern in der von dem Kreisdirekior aus Anlaß der Klagen des Herrn Teutsch über Wahlbeeinflussung veranlaßten Untersuchung. Das Gravirendste scheint ihm zu sein — denn darauf kommt er immer wieder zurück — die Rede des Kreisdirektors, welche dieser gegen die bei ihm zur Erklärung des Wahlgesetzes versammelten Bürgermeister gethan hat, und zwar, wie dieß übereinstimmend konstatirt ist, in scherzhafter Weise gethan hat: er habe nichts gegen die Person des Herrn Teutsch; wenn derselbe aber in seinem Programm gegen alles bisher Geschehene protestire, so müssen konsequenterweise auch alle eingeführten Verbesserungen, wie z. B. die Aufbesserung der Lehrergehälter, ja sogar die Kriegsentschäoigungen rückgängig gemacht werden. — Hieße es nicht bei den Bürgermeistern des Kreises Zabern, eine kolossale Dummheit voraussetzcn, wenn man annehmen wollte, daß sie diese Worte als Drohung auffassen konnten ; ist es nicht jedem Unbefangenen klar, daß hier in humoristischer Weise dargelegt wird, was sich für das Land ergäbe, wenn man mit dem Programm der „Unversöhnlich.'»" Ernst machen wollte. Mit solchen Beweisen — der eben vorgelegte ist der stärkste — will der Abg. Teutsch erhärten, daß die Wahlbeeinflussung bei den letzten Reichstagswahlen im Kreise Zabern stärker gewesen sei, als jemals unter dem napoleonischen Kaiserreiche. Ueber diese Behauptung lacht Niemand mehr, als die Elsäßer selbst, welche sich noch erinnern, was das hieß, wenn die napoleonische Wahlmaichine zu arbeiten anfing. Aber Teutsch will um jeden Preis ein Märtyrer sein. „Ich, dec ich unter der despotischen Regierung Napoleons III. im Jahre 1864 die Ehre hatte zu protestiren," u. s. w. — mit diesen bescheidenen Worten führt sich der Tribun ein. In einem der Briefe an den Kcelsdicektoc aber heißt es: „wenn ich also, durch Sie gezwungen, seit einiger Zeit über die letzten Wahlen mit Ihnen korrespondirte, so denke ich natürlich, als Familienvater, mit Schaudern jedesmal an die Festungsmonate, welche für mich ein jedes meiner Worte nach sich ziehen könnte." Die Leser werden nach diesen Proben genug haben.
— Die galizischen Blätter berichten, daß der Jesuitenpater Katinka, der ehemalige Secretair des Fürsten Czartorysky, in Krakau angelangt sei, um daselbst Jesuitenmissionen im großartigsten Maßstabe zu organisiren. Diese Missionen sollen im August „auf Wiesen, Feldern, Dorfstraßen, in allen Gegenden des Landes", nicht nur nicht durch die galizische Geistlichkeit, sondern sogar „direct gegen deren Wil- len“ durch die von außerhalb gekommenen sogenannten Resurrectionisten abgehalten werden, „um die Massen gegen die neuen Kirchengesetze aufzubringen." Die liberalen Journale fügen hinzu, daß diese Missionen auf Kosten der Exkönigin von Neapel abgehalten werden sollen. Mit diesen Missionen bringt die „Ostd. 3 " auch die Reise des in der Organisation von Jesuiten-Missionen trefflich bewanderten Prälaten Koz- mian nach Galizien in Verbindung. Das Organ des Prälaten Koz- mian und des ehemaligen Erzbischofs Ledochowski, der „Kuryer Poznanski", behauptet freilich, daß die Reise des Prälaten nur Familienangelegenheiten gelte. Trib.
— Wren, 31. Juli. Es unterliegt heute schon keinem Zweifel mehr, daß die Gegner des Deutschen Reiches, aus welch verschiedenen Lagern sie immer sich auch rekrutiren mögen, hier wie anderwärts das Vorgehen Deutschlands gegen die Carlisten benutzen möchten, um dasselbe zu isoliren. Mit andern Worten, man will nichts unversucht lassen, um die durch Fürst Bismarck allem Anschein nach bereits eingeleitete Aktion, die ein gemeinsames Programm der Mächte zur Annahme und Ausführung zu bringen bezweckt, scheitern zu machen und somit das diplomatische Vorgehen mit einer moralischen Niederlage der