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M 179.
Dienstag den 4. August.
1874.
Tagesschau.
— Berlin, 3. August. Der „R. u. St.-A." schreibt: Die im Reichs-Eisenbahn-Amt gepflogenen Verhandlungen wegen Erlaß gleichmäßiger Eisenbahn-Fracht-Tarif-Vorschriften sind gestern geschlossen worden. Wenngleich Seitens einiger Delegirten der Eisenbahnen dem bisherigen Klassifikationssystem, insofern es gestatte, überall den lokalen Bedürfnissen Rechnung zu tragen, der Vorzug vor dem vom Bundesrathe beschlossenen modifizieren Wagenraumsystem gegeben wurde, so erklärte sich doch schließlich mit letzterem die große Majorität unter der Voraussetzung einverstanden, daß die Tariferhöhung nirgends Anstand finde, daß gestattet werde, Ausnahmetarife zu bilden, und daß das Elsaß-Lothringische System überall beseitigt, mithin im ganzen Deutschen Reich nur ein System eingeführt werde. Um jedoch die für gewisse wichtige Artikel besonderen ermäßigten Sätze bestimmen zu können, ohne bezüglich derselben sofort zu Ausnahme-Tarifen zu schreiten, haben die Verwaltungen die Bildung von elf Klassen vorgefchlagen. Wir werden die Tarifvorschriften und die Spezialklassen, wie solche im Reichs-Eisenbahn-Amte unter Vorbehalt der Genehmigung des Bundesraths redigirt worden sind, in den nächsten Tagen der Oeffentlichkeit übergeben und beschränken uns für jetzt auf die Bemerkung, daß die Bahnverwaltungen den von den Delegirten des Handelsstandes ausgesprochenen Wünschen fast durchgängig entsprochen haben. Da die Vertreter mehrerer größeren Verwaltungen die Berechnung und Publikation der Tarifsätze bis zum 1. Januar 1875 für unthunlich erklärten, so beschloß man, die Reichsbehörde zu ersuchen, als spätesten Termin für Einführung des neuen Systems den 1. Juli 1875 festzusetzen.
— Bekanntlich ist durch Beschluß des Bundesraths der Termin für die nächste Volkszählung im Deutschen Reich von dem 1. December 1874 auf den 1. Dezember 1875 verschoben worden, um dem statistischen Amt des Deutschen Reiches Gelegenheit zu geben, das durch die letzte Volkszählung angesammelte Material erst vollständig zu verarbeiten, bevor durch eine neue Volkszählung wiederum neues Material beschafft werde, und die Vorarbeiten für diese neue Zählung die Thätigkeit des statistischen Amtes des Reiches derartig in Anspruch nehmen, daß die ersteren Arbeiten liegen bleiben müßten. Inzwischen ist die Zeit für die nächstjährige Volkszählung schon so weit herangerückt, daß es nothwendig erscheint, schon jetzt mit den Vorarbeiten für dieselbe zu beginnen. Seitens des statistischen Reichs-Amtes sind gegenwärtig Vorschläge ausgearbeitet, welche eine Abänderung des bisher gebräuchlichen und bewährten Zählungsmodus bezwecken, und wird zur Berathung dieser Vorschläge die statistische Centralcommission des Deutschen Reichs am 5. August in Berlin znsammentreten, um die Vorschläge resp, ihre Einführung in ihre Berathung zu ziehen.
— In der Woche vom 12. bis 18. Juli 1874 sind geprägt worden an Goldmünzen: 1,394,600 Mark 20-Markstücke, — Mark 10-Markstücke; an Silbermünzen: 413,222 Mark 1-Markstücke, 177,408 Mark—Pf. 20-Pfennigstücke; an Nickelmünzen: 102,469 Mark 30 Pf. 10-Pfennigstücke, 30,136 Mark 90 Pf. 5-Pfennigstücke; an Kupfermünzen : 38,848 Mark 94 Pfennige 2-Pfennigstücke, 10,232 Mark 17 Pf. 1-Pfennigstücke. Vorher waren geprägt: an Goldmünzen: 841,346,820. Mark 20-Markstücke, 202,953,620 Mark 10-Markstücke: an Silber- munzen: 21,109,602 Mark 1-Markstücke, 6,381,582 Mark 80 Pf. 20- Pfenmgstücke; an Nickelmünzen: 2,890,439 Mark 10 Pf. 10-Pfennigstücke, an « — Pf- 5-Pfennigstücke; an Kupfermünzen: 461,307 Mark 92 Pf 2-Pfennigstücke, 206,392 Mark 8 Pf. 1-Pfennigstücke.
u sind im Ganzen geprägt: an Goldmünzen: 842,741,420 Mark 20-Markstücke, 202,953,620 Mark 10-Markstücke; an Silbermün- zen: 21,522,824 Mark 1-Markstücke, 6,558,990 Mark 80 Pf. 20-Pfen- Mücke; an Nickelmünzen: 2,992,908 Mark 40 Pf. 10-Pfennigstücke, 374,807 Mark 90 Pf. 5-Pfennigstücke; an Kupfermünzen: 500,156 Mark 86 Pf. 2-Pfennigstücke, 216,624 Mark 25 Pf. 1-Pfennigstücke. Gesammtausprägung: an Goldmünzen: 1,045,695,040 Mark; an Sil- bermunzen: 28,081,814 Mark 80 Pf.; an Nickelmünzen: 3,367,716 Mark 30 Pf.; an Kupfermünzen 716,781 Mark 11 Pf.
Patent-Ertheilung.
Bauschreiner Kaspar Heymer zu Hachen im Kreise Arnsberg
unter dem 31. Juli 1874 auf eine durch Zeichnung und Beschreibung nachgewiesene Maschine zum Lochen und Anschnüren der Nadeljchäfte in ihrer ganzen Zusammensetzung, ohne Jemand in der Anwendung bekannter Theile zu beschränken,
dem Königlichen Eisenbahn-Ober-Betriebs-Jnspektor Herrn Sebald zu Saarbrücken unter dem 30. Juli d. J. auf eine Kuppelungs-Vorrichtung an Eisenbahn-Fahrzeugen, wodurch das Zwischentreten zwischen die Wagen vermieden werden soll, in der durch Zeichnung und Beschreibung nachgewiesenen Zusammensetzung, ohne Jemanden in der Anwendung bekannter Theile zu beschränken,
auf drei Jahre, für den Umfang des preußischen Staats.
— Das dem Herrn A. Wilke zu Braunschweig unter dem 13. Mai 1873 ertheilte Patent auf eine bewegliche Bedachung an Eisen- bahn-Güterwagen ist aufgehoben.
— Crefeld, 28. Juli. Das „Neue Rhein. Wochenbl." enthält von einem hiesigen Lehrer die Mittheilung, daß das Stigma in dreien unserer katbolischen Mädchenschulen epidemisch aufgetreten ist. In einer einzigen Classe fand der Lehrer 17 mit den Wundmalen behaftete Schülerinnen. Die Kinder reiben sich die inneren Handflächen, der Schmerzen nicht achtend, so lange und so energisch, bis das Blut allenthalben heroorquillt, und glauben dann im Stande zu sein, die Zukunft vorherzusagen, Verborgenes ans Licht zu bringen, Geld und Schätze zu entdecken. Das ist eine Frucht der Saat, welche die ultramontane Presse tagtäglich in die Masse wirft.
— Wie die Ultramontanen den Altkatholiken gegenüber in gewissen Fällen handeln, zeigt folgende Anekdote, deren Wahrheit der „Elberf. Ztg." verbürgt wird. Eines der ältesten und treuesten Mitglieder der altkatholischen Gemeinde Düsseldorfs starb in bewußtlosem Zustande. Nach dem Tode stellte sich sofort ein katholischer Kaplan, der übrigens mit der Familie bekannt war, ein, und übernahm das ganze Arrangement zur Beerdigung, die Beschaffung der Geistlichkeit u. s. w. Auf eine Anfrage seitens des Altkatholiken-Vereins erklärte die Wittwe der Deputation Folgendes: Der Kaplan B. hätte ihr auf den Einwand, der Verstorbene sei Altkatholik gewesen, erwidert: Darauf komme es gar nicht an, der Altkatholicismus sei ja nichts anderes als der Katholicismus, welcher das Romanische abgestreift habe, wonach sie sich auch fast alle sehnten. Die Sache gelang und der gerettete Leichnam wurde mit allen kirchlichen Ehren zu Grabe befördert.
— Der altkatholische Pfarrer Kaminski zu Kattowitz beabsichtigt demnächst „Enthüllungen über die Glaubens- und Sittentreue der Ultramontanen" zu veröffentlichen, die auf selbsterlebten Thatsachen beruhen sollen.
— Posen, 1. August. Der Dekan von Olobok, Michalak in Droszew, ist durch den Distriktskommissar ausgewiesen und ihm der Aufenthalt in den Kreisen Pleschen und Adelnau verboten worden. Ebenso ist dem Vikar Nowrocki in Cerekwice wegen unbefugter Ausübung geistlicher Amtshandlungen der Aufenthalt in den Kreisen Obor- nik, Samter, Posen, sowie in der Stadt Posen untersagt worden.
— Am 29. Juli hat eine Feuersbrunst in wenigen Stunden 69 Häuser sammt Nebengebäuden des Ortes Breitenbrunn bei Schwarzenberg im Königreich Sachsen zerstört und 191 Familien mit ungefähr 700 bis 800 Köpfen um ihre Habe gebracht.
— Der Handelskammer zu Leipzig ist die Genehmigung zur Vornahme von Vorarbeiten ertheilt worden, für ein Kanalprojekt, welches Leipzig mit der Elbe, etwa in der Gegend von Wallwitzhafen bei Dessau, verbinden soll.
— München, 2. August. Die speziellen Reisedispositionen über die Rückkehr des deutschen Kaisers sind, nach der „Augsb. Abdztg.", nunmehr definitiv dahin getroffen, daß Se. Majestät nächsten Freitag den 7. d. M., Vormittags 8 Uhr, Gastein verläßt und sich nach Salzburg begibt, woselbst Nachtquartier genommen wird. Nächsten Tag Vorm. S1^ Uhr reist derselbe mittelst Extrazug von Salzburg ab und gelangt um 12*72 Uhr nach Passau. Während eines dreiviertelstündigen Aufenthalts wird daselbst ein Dejeuner eingenommen. Die Fahrt wird um 1 Uhr 15 Min. von Passau fortgesetzt, und findet um 3 Uhr 45 Min. Nachmittags in Regensburg Maschinenwechsel statt.