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M 173.
Dienstag den 28. Juli.
1874.
Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.
Jakob Sußmann zu Rückingen und Georg Liß mann zu Langendiebach sind als Ortswegewärter amtlich verpflichtet worden.
Hanau den 25. Juli 1874.
Tagesschau.
— Der „R. u. St.-A." enthält: Verordnung, betreffend die Kautionen der Beamten aus dem Bereiche des Staats-Ministeriums und des Finanzministeriums. Vom 10. Juli 1874.
— Berlin, 27. Jnli. In der Geschäftseintheilung des Ober- Tribunals sind nach dem „R. u. St.-Anz." neuerdings folgende Veränderungen eingetreten: 1) Es ist ein sechster Civilsenat gebildet, welchem die aus den Provinzen Hannover, Schleswig-Holstein, Hessen- Nassau, dem Herzogthum Lauenburg und den Fürstenthümern Waldeck und Pyrmont eingehenden Sachen überwiesen find, jedoch mit Ausschluß der Rechtsstreitigkeiten, welche sich auf das Handelsrecht, das Wechselrecht und das Bergrecht beziehen; 2) die aus den vorgenannten Landestheilen eingehenden Disziplinar-Strafsachen sind dem durch das Gesetz von 26. März 1856 gebildeten Disziplinar-Strafsenate überwiesen worden; die aus den gedachten Landestheilen hierher gelangenden Sachen des Bergrechtes werden von dem dritten, und die in das Handels- nnd Wechselrecht einschlagenden Sachen von dem vierten Civilsenate bearbeitet ; 4) die aus den zu 1 genannten Landestheilen eingehenden Strafsachen sind der ersten Abtheilung des Senates für Strafsachen, und dagegen die Strafsachen aus der Provinz Schlesien der zweiten Abtheilung desselben Senats übertragen.
— Die „Germania" schreibt: Das katholische Volk rückt nunmehr in den Kampf vor. Was mit der „ultramontanen Geistlichkeit" bisher geschehen, das war, wenn man will, nur Recognoscirungsgefecht, Plänkelei und Schüssewechseln mit Tirailleurschwärmen. Jetzt heißt es: Auf der ganzen Linie avanciren! Jetzt treten die geschlossenen Colonnen ins Feuer, jetzt wird's in den Massen lebendig! Hinter der Linie steht noch eine zahllose Landwehr und dann folgt ein ebenfalls nicht zu verachtender Landsturm! Und mit diesen Heeressäulen wollt Ihr papierenen „Culturkämpfer" fertig werden? Versucht es nur! Die Geschichte wird keine Siege auf Eurer Seite zu verzeichnen haben! — Man kann, so schreibt die „N. Fr. Pr.", der „Germania" für solche offenherzige Auslassungen nur dankbar sein. Sie sind geeignet, auch den Harmlosesten die Augen zu öffnen und sie über die Absichten der Ultramontanen nicht in Zweifel zu lassen.
— In der Woche vom 5. Juli bis 11. Juli 1874 sind geprägt worden an Goldmünzen: 2,571,800 Mark 20-Markstücke, — Mark 10-Markstücke; an Silbermünzen: 476,132 Mark 1-Markstücke, 144,368 Mark 60 Pf. 20-Pfennigstücke; an Nickelmünzen: 78,987 Mark 70 Pf. 10-Pfennigstücke, 20,800 Mark 40 Pf. 5-Pfennigstücke; an Kupfermünzen : 20,301 Mark 76 Pfennige 2-Pfennigstücke, 18,016 Mark 88 Pf. 1-Pfennigstücke. Vorher waren geprägt: an Goldmünzen: 838,775,020 Mark 20-Markstücke, 202,953,620 Mark 10-Markstücke; an Silbermünzen: 20,633,470 Mark 1-Markstücke, 6,237,214 Mark 20 Pf. 20- Pfennigstücke; an Nickelmünzen: 2,811,451 Mark 40 Pf. 10-Pfennigstücke, 323,870 Mark 60 Pf. 5-Pfennigstücke; an Kupfermünzen: 441,006 Mark 16 Pf. 2-Pfennigstücke, 188,375 Mark 20 Pf. 1-Pfennigstücke. Mithin sind im Ganzen geprägt: an Goldmünzen: 841,346,820 Mark 20-Markstücke, 202,953,620 Mark 10-Markstücke; an Silbermünzen: 21,109,602 Markl-Markstücke, 6,381,582 Mark 80 Pf. 20-Pfen- ulgstücke; an Nickelmünzen: 2,890,439 Mark 10 Pf. 10-Pfennigstücke, 344,671 Mark — Pf. 5-Pfennigstücke; an Kupfermünzen: 461,307 Mark 92 Pf. 2-Pfennigstücke, 206,392 Mark 8 Pf. 1-Pfennigstücke. Gesammtausprägung: an Goldmünzen: 1,044,300,440 Mark; an Silbermünzen: 27,491,184 Mark 80 Pf.; an Nickelmünzen: 3,235,110 Mark-10 Pf.; an Kupfermünzen 667,700 Mark — Pf.
Man schreibt dem „Reichsboten": In der Provinz Pommern reffen gegenwärtig zwei Erzbetrüger herum, die es besonders auf die Landherrschaften, Gutsbesitzer, Geistliche und Lehrer abgesehen zu haben scheinen. Ein ganz anständiger Halbwagen fährt vor. Der ältere der darin sitzenden Herren, der sich für einen holländischen Kaufmann aus
gibt, dessen Schiff in Swinemünde liege, sendet seinen jüngeren Doll- metscher und Gehülfen voraus. Letzterer berichtet kurz, daß sein „Herr" nach Amerika übersiedeln und deshalb mit seinem Geschäft hier in Europa räumen wollte. Dabei zeigt er Proben seiner auszuverkaufenden Waaren, besonders Säcke, Teppiche, Pferdedecken, Kleider aller Art u. a. vor, die so schön und spottbillig sind, daß man der Versuchung zum Kausen schwer widerstehen kann. Bald wird das Eine und das Andere notirt. Der „Herr" führt die Sachen nicht alle bei sich, wird sie aber unfehlbar in den nächsten Tagen bei einer Wiederdurchreise mitbringen. Inzwischen fällt, wie zufällig, die Bemerkung, daß auch noch ein Tuchrest vorhanden fei, der für einen äußerst billigen Preis losgeschlagen werden solle. Der „Herr" habe von diesem Stücke bereits 84,000 Ellen abgesetzt, mehrere Bekannte in der Nachbarschaft haben davon gekauft. Man sieht sich den Tuchrest an; es scheint wirklich starke, gute Waare zu sein, und der Preis ist enorm billig. Bald ist der provitabel scheinende Handel abgeschlossen. Der joviale „Herr", der selbst den Rest gebracht hat, öffnet seine reichgefüllte Geldtasche und fragt höflichst, ob man ihm nicht Papiergeld einwechseln könne. Bei der Gelegenheit wird das gekaufte Tuch sofort bezahlt, die notirten Waaren sollen natürlich erst nach ihrem Eintreffen berichtigt werden, das aber niemals erfolgt, denn es ist keineswegs auf das Absetzen dieser schönen Waaren, sondern nur auf den Verkauf des ganz werthlosen „Tuchrestes" abgesehen. Letzteres ist gar kein Tuch, sondern nur ein tuchartiges Gewebe mit Garnaufzug und wollenem Einschläge. Die Kunst hat in großartiger Weise die Augen verblendet und der Schwindel hat einen Triumph gefeiert. In der vorigen Woche haben die „Herren" den Camminer und Greifenberger Kreis heimgesucht und nicht wenige arglose Lente, zu denen Einsender dieses leider auch gehört, geprellt. Ein Gleiches soll vor einiger Zeit im Kösliner Regierungsbezirk geschehen sein. Wohin sie sich jetzt gewendet haben, ist nicht bekannt. Es wäre dringend zu wünschen, daß recht viele Blätter ihre Spalten dieser Mittheilung öffneten. Vielleicht wird dann Mancher rechtzeitig gewarnt und eine Handhabe gefunden, den höchst raffinirten Schwindlern, die dem Vernehmen nach bisweilen ihre Rollen auch vertauschen sollen, auf die Spur zu kommen. (Dieselben Schwindler haben auch im Kinzigthale ihre Schwindeleien getrieben und gute Geschäfte gemacht.)
— Posen, 25. Juli. Der aus Gnesen ausgewiesene Kanonikus Korytkowski ist, wie der „Kuryer Poznanski" meldet, weil er dem Ausweisungsbefehle keine Folge leistete, zwangsweise von dort entfernt worden.
— Posen, 25. Juli. Gestern Abend wurde der Domherr Korytkowski unter strenger polizeilicher Begleitung aus Gnesen gebracht. Er nahm seinen Weg nach Galizien. Auf ^er Bahn fand von Seiten der polnischen Bevölkerung eine große Ovation statt; Ruhestörungen kamen indessen nicht vor.
— Posen, 27. Juli. Der Weihbischof Janiszewski ist heute Vormittag um 10 Uhr zur Verbüßung der wider ihn erkannten Gefängnißstrafe von einem Jahre und drei Monaten von dem Polizei- Director Staudy verhaftet und in Begleitung des Polizei-Inspektors Klug im geschlossenen Wagen abgeführt worden.
— In der ersten Sitzung des 9. deutschen Journalistentags zu Baden-Baden am 26. Juli fand folgender Entwurf Annahme: „Der 9. deutsche Journalistentag nimmt den ihm Seitens der vom 8. deutschen Journalistentag niedergesetzten Kommission vorgelegten Entwurf des Statuts für ein Jnseraten-Bureau der deutschen Presse en bloc an und empfiehlt denselben den Verlegern deutscher Zeitungen und Zeitschriften zur Annahme, resp, fordert dieselben auf, auf Grund dieses Entwurfs ein Jnseraten-Bureau in's Leben zu rufen." —- Vom 27. Juli (dem Tage der zweiten Sitzung) wird gemeldet: Der Journalistentag beschloß einstimmig die Gründung einer Journalistengenossenschaft zunächst zu Zwecken der Altersversorgung, ferner die Einleitung von Maßnahmen gegen unberechtigten und gewerbsmäßigen Nachdruck."
— Mün chen, 26. Juli. Heute Morgen hielt Bischof Dr. Reinkens in der festlich geschmückten Nikolaikirche am Gasteig eine Predigt über den Text „Segnet die, die Euch fluchen." Bei der vom Herrn Pfarrer Gatzenmeier zelebrirten Messe empfingen 20 Kinder das