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Freitag den 24. Juli.

1874.

Bekanntmachung.

Mittwoch den 5. August cr., von 9 Uhr Vormittags ab, sol­len hierselbst circa 100 Gestütpferde, bestehend aus Landbeschälern, Mut- terstuten (meistens bedeckt), 4jährigen Hengsten, Wallachen und Stuten und jüngeren Fohlen meistbietend gegen Baarzahlung verkauft werden.

Sämmtliche 4jährigen und älteren Pferde sind mehr oder weni­ger geritten. Die zu verkaufenden Pferde werden am 3. und 4. August von 7 bis 10 Uhr Morgens geritten und Nachmittags von 3 bis 6 Uhr auf Wunsch an der Hand gezeigt.

Für Personenbeförderungen zu den bezüglichen Zügen vom und zum Bahnhöfe wird am 3., 4. und 5. August gesorgt sein.

Trakehnen den 27. April 1874.

Der Landstallmeister gez. von'Dassel.

Tagesschay.

DerR. u. St.-A." enthält: Konzessions-Urkunde, betreffend die Ausdehnung des Unternehmens der Altona-Kieler Eisenbahn-Gesell­schaft auf eine Hafenbahn von dem Elm-Quai bei Neumühlen nach dem Altonaer Bahnhöfe. Vöm 1. April 1874.

Berlin, 23. Juli. Gestern haben im Reichs-Eisenbahnamt die Verhandlungm mit den Delegirten des Handelsstandes bezüglich der vom Bundesrath in Aussicht genommenen Eisenbahn-Tarif-Reform be­gonnen.

Laut amtlicher Zusammenstellung waren bei Preußischen Staatseisenbahnen im März d. J. überhaupt 84 Frauen beschäftigt, wovon 15 in unselbstständiger Stellung, 25 in selbstständiger Stellung, nämlich 4 im Gepäck- und Billetexpeditions- und 21 im Bahntelegra­phendienste, 44 probeweise. Die Beschäftigungen erfolgten bei der Saarbrückener, Niederschlesisch-Märkischen, Westfälischen, Main-Weser- Bahn, Bergisch-Märkischen und Ostbahn. Auf der Oberschlesischen, Hannoverschen, Bebra-Hanauer und der Nassauischen Bahn hatte sich bis dahin keine Gelegenheit zur Beschäftigung von Frauen gefunden.

Die Aussicht auf einen günstig gelegenen und geeigneten Platz zur Erbauung des deutschen Parlamentshauses in Berlin soll sich nun dennoch verwirklichen. Der preußische Fiskus, schreibt man demNürnb. Korr., erhebt keinen Anstand gegen die Benutzung des Platzes des ge­genwärtigen, seinen Zweck nicht erfüllenden Akademiegebäudes, und es kommt nur noch darauf an, ob die Marställe und Kasernengebäude, dik sich auf dieser Stelle in iüniger Verbindung mit der deutschen Kunst befinden, mit benutzt werden können oder nicht. Ueber das Letztere hat lediglich der Kaiser zu entscheiden. Der Fürst Bismarck soll diesem Plan, der die Möglichkeit eines einzig würdigen Parlaments bietet, nicht abgeneigt sein.

Das dem Chemiker Octave Gauduiu und den Mechanikern Mignon und Röuart zu Paris unter dem 23. Februar 1873 ertheilte Patent auf ein Verfahren der Verkupferung von Eisen, Stahl und Eisenguß, soweit solches nach der vorgelegten Beschreibüng als neu und eigenthümlich erkannt worden, ist aufgehoben.

Patent-Ertheilung.

bem William Henry Bèchett zu Chelmsford in England unter dem

Juli d. Js: auf einen Bèrschlußschieber für Rohrleitütigen in bèr5 durch Zeichnung, und Beschreibung nachgewiesenen Zusammensetzung, ohne jemanden in der Benutzung bekannter Theile zu beschränken, auf drei Jahre, und für den Umfang des preußischen Staats.

Vom deutschen Protesiantenverein hatten verschiedene Blätter Auflösungsgerüchte ausgesprengt. Dieselben sind aber ganz grundlos. Wenn auch der seitherige geschäftsführende Ausschuß, aus welchem die Herren Hönig und Ohly nicht ausgetreten sind, ergänzt und an einen anderen Ort wird verlegt werden müssen, so hat dies doch auf den Fortbestand und die weitere Thätigkeit des Vereins gar keinen Einfluß; tm Gegentheil wird eine Anzahl seitheriger Führer des Vereins alsbald zu Berathungen und Beschlüssen zusammentreten, welche nicht nur den Fortbestand, sondern auch eine lebendigere Thätigkeit des Vereins sichern

sollen. Die Gegner des Protestanten-Vereins werden deshalb zu früh gejubelt haben.

Daß in den katholischen Gesellen- resp. Männervereinen auch politische Erörterungen gepflogen werden, dies hat sich bei der letzten Reichstagswahl auch im Magdeburger Wahlkreise gezeigt. In Buckau, in der Studenburg, wie in der Altstadt gaben die katholischen Wähler, natürlich mit Ausnahmen, ihre Stimmen für Majunke ab, ohne daß vorher zu diesem Zwecke eine öffentliche Versammlung abgehalten oder gar ein Programm veröffentlicht worden wäre, wie das sonst von po­litischen Parteien geschieht. Diese Erscheinung mußte um so mehr über­raschen, als früher unsere katholischen Mitbürger sich je nach Neigung und Gewohnheit den hier bestehenden politischen Parteien anschlossen. Daß ein so einmüthiges Vorgehen ohne vorhergegangene Besprechungen möglich sein sollte, wird man doch Niemand weiß machen wollen.

Dessau, 21. Juli. In den ersten Stunden des heutigen Tages entstand hier in der Nähe des Herzoglichen Schlosses eine sehr bedeutende Feuersbrunst, die durch das über einen großen Theil der Stadt sich ausbreitende Flugfeuer sehr verhängnißvoll werden konnte. Zum Glück blieb dieselbe auf die allerdings ziemlich ausgedehnten Ge­bäude der (zum größten Theile auf einer Muldeinsel gelegenen) Herzog­lichen Mühle beschränkt, welche in sehr kurzer Zeit, mit Ausnahme ei­nes Wohngebäudes und einer größeren Fabrik, sämmtlich ausbrannten. Auch der Thurm mit dem Reservoir einer Wasserleitung wurde zerstört. Leider ist auch der Verlust eines Menschenlebens zu beklagen.

München, 21. Juli. Wie wir vernehmen, haben sich der Absicht, in den ersten Wochen des August in München eine General­versammlung aller katholischen Vereine abzuhalten, Schwierigkeiten ent­gegengestellt, die noch nicht beseitigt sind, so daß es zweifelhaft erscheint, ob die Versammlung hier' stattfinden wird. (Augss. «Wim

Nürnberg, 21. Juli. In hiesiger Stadt beginnt jetzt eine sehr lebhafte Agitation gegen die hohen Fleischpreise, die allerdings An­gesichts des Abschlages auf allen fränkischen Viehmärkten keineswegs gerechtfertigt sind.

Metz, 20. Juli. Wie Ihnen schon von anderer Seite gemel­det, ist endlich die Auflösung des hiesigen Handelsgerichtes erfolgt. Darüber, daß letzteres in seiner jetzigen Zusammensetzung nicht mehr länger bestehen könne, war man von Seiten der deutschen und theil­weise' auch der französ. Kaufmannschaft einig; ebenso war man sich da­rüber klar, daß unter den hiesigen Verhältnissen eine Reorganisation nicht möglich sei. Die Gesinnungen der jetzigen Mitglieder der Han­delskammer berechtigen nämlich zu der Annahme, daß sie keinen von der deutschen Regierung berufenen Fachjuristen neben sich dulden, son­dern lieber ihre Entlassung einreichen würden. In letzterem Falle würde es gänzlich unmöglich gewesen sein, sie aus der übrigen Kaufmannschaft, die mehr oder weniger unter dem Druck der öffentlichen Meinung steht, zu ersetzen. Es blieb daher nichts übrig, als die Aufhebung der Kam­mer zu verfügen. Die Geschäfte derselben gehen vorläufig ans das hie­sige Landgericht über, bis' ein neues, dem deutschen Gewerbegesetz ent­sprechendes kaiserl. Handelsgericht ins Leben gerufen sein wird.

Schw. Merkur.

Schweiz. Die ultramontane Partei, welche im Jura bei der kürzlich daselbst Statt gefundenen Wahl der Regierungsstatthalter und Gerichtspräsidenten fast sämmtlich ihre Candidaten durchgebracht hat, wird die Frucht ihres Sieges nicht genießen, da den getroffenen Wahlen Seitens des Großen Rathes nicht die Bestätigung zu Theil werden, sondern dieser von dem ihm verfassungsgemäß zustehenden Rechte Gebrauch machen wird, für die vacanten Posten sich auch Candidaten von dem Regierungsrath und dem Obergericht Vorschlägen zu lassem Wenn dies seither auch nicht der Fall gewesen, so kann ihm diesen Schritt unter den gegenwärtig im Jura herrschenden Verhältnissen doch kein Unparteiischer verdenken. Eine liberale Staats- und Obergerichts­behörde, vertreten durch widerhaarige ultramontane Regierungsstatthal­ter und Gerichtspräsidenten, wäre geradezu ein Unsinn.

Die in Basel erscheinende SchweizerGrenzpost" sagt über das Kissinger Attentat:Es ist ein Glück, daß das Verbrechen miß­lungen, und mehr als begreiflich der Jubel, der in Kissingen über die