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Hanauer Anzeiger.

ZUgleich Amtliches Organ für Kreis »nd Stadt Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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M 168. Mittwoch den 22. Juli.

1874.

Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.

Bewerber um die erledigte 2. Schulstelle zu Niederrodenbach, mit welcher ein Diensteinkommen von 280 Thlr., sowie 30 Thlr. für Feuerung nebst freier Wohnung verbunden ist, wollen ihre Meldungs­gesuche mit den nöthigen Zeugnissen versehen binnen 3 Wochen ent­weder dahier oder bei dem Lokalschul-Jnspekior Pfarrer Ganß zu Niederrodenbach einreichen.

Hanau den 18. Juli 1874.

Die 4. Lehrerstelle an der Schule in Seckbach mit einem Ein­kommen von 300 Thlr. nebst freier Wohnung ist vakant. Die 4 Leh­rerstellen sind auf 300 bis 400 Thlr. normirt.

Bewerber um dieselbe werden aufgefordert, ihre mit den vorge­schriebenen Zeugnissen versehenen Meldungsgesuche binnen 3 Wochen dahier oder bei dem Herrn Schulinspektor Pfarrer Hartmann in Seckback einzureichen.

Hanau am 18. Juli 1874. <

Tagesschau.

— Die Central-Direktion des Instituts für archäologische Korre­spondenz hat in ihren Sitzungen vom 27. und 28. v. M. unter ande­ren auch die Herren Dr. Robert Weil aus Frankfurt a. M. und Dr. Karl Robert aus Marburg, als Stipendiaten des Instituts für archäo­logische Korrespondenz für das Jahr 1874 erwählt. Diese Wahl ist Seitens des Auswärtigen Amts bestätigt worden.

— Berlin, 21. Juli. Nach einem Bescheide des Ministers des Innern vom 2. Juli ist, wenn in einer Stadt ausnahmsweise auch der Standesbeamte eines ländlichen Standesamtsbezirks seinen amtlichen Wohnsitz hat, im Dienstsiegel die nähere Bezeichnung des qu. Bezirkes ebenso beizusügen, wie in dem Falle, wenn eine Stadt als solche in mehrere Standesamtsbezirke getheilt wird.

— Berlin, 21. Juli. Das Polizeipräsidium hat heute den ka­tholischen Gesellenverein, den Bonifaciusverein mit sämmtlichen zugehö­rigen Vereinen und den Piusverein, sämmtlich hier, unter Hinweis auf die Verordnung über den Mißbrauch des Vereinsrechtes und auf die dort für Zuwiderhandlungen angedrohten Strafen vorläufig geschlossen. Auch bei dem ehemaligen Feldprobst Namszanowski haben Haussuchungen stattgefunden. N. grants. Pr.

Das neue deutsche Feldgeschütz, das jetzt zum ersten Mal wäh­rend der Schießübungen der Feldartillerie von den Truppen versucht w^den ist, soll Vorzügliches geleistet haben. Es zeichnet sich haupt­sächlich durch eine große Anfangsgeschwindigkeit aus, durch welche wie­der eine große Schußweite, Rasanz der Flugbahn und große bestrichene Räume bedingt sind. Bis zum Herbst nächsten Jahres wird die ganze Feldartillerie mit diesem Geschütz bewaffnet sein, nur für die reitenden Batterien hat man ein leichteres in Aussicht genommen. Das Geschütz selbst ist aus Gußstahl, am hinteren Ende durch einen warm aufgezoge­nen Gußstahlring verstärkt (sogenanntes Mantelgeschütz); es hat als Verschluß einen Keil mit Broadwell-Liderung; Laffitte und Protze sind ganz aus Eisen. Das Gewicht des Geschützes ist nicht größer, als das deè jetzigen schweren Feldgeschützes.

Patent-Ertheilung.

~em Ober-Ingenieur Heusinger von Waldegg in Hannover und dem Ober-Inspektor Paulus in Stuttgart unter dem 19. Juli 1874 ^me Kuppelung für Eisenbahnwagen in der durch Zeichnung und Beschreibung nachgewiesene Zusammensetzung, ohne Jemanden in der Anwendung bekannter Theile zu behindern,

dem Civil-Jngenieur Hugo Nehrlich aus Frankfurt a./M., z. Z.

""ter demselben Tage auf eine durch Zeichnung und Be- schrelbung nachgewiesene Eisbereitungsmaschine, soweit dieselbe als neu und eigenthümlich erkannt worden ist, und ohne Jemand in der Anwen­dung bekannter Theile zu beschränken,

auf drei Jahre, und für den Umfang des preußischen Staats.

Der Bruder des von den Carlisten gemordeten Hauptmanns Schmidt, Seconde-Lieutenant im Fuß-Artillerie-Regiment Nr. 15, ^findet sich gegenwärtig in Berlin, um, soweit dies nach Lage der

Verhältnisse überhaupt möglich ist, Genugthuung für die Erschießung feines Bruders von den maßgebenden Behörden zu erbitten. Das Aus­wärtige Amt des Deutschen Reichs hat Herrn Schmidt in der zuvor­kommendsten Weise bereits zwei Mal empfangen, ohne ihm indeß Ver­sprechungen irgend welcher Art geben zu können.

— Zwischen Vertretern österreichischer, norddeutscher und russischer Bahnen fanden vor Kurzem in Kiew Konferenzen statt, deren Ergeb­nisse wie ich erfahre, sehr befriedigender Natur waren. Es wurde ein direkter Personen- und Güterverkehr, wie derselbe bisher nur für Ge­treide und nur für Kiew bestand, über Galizien zwischen den norddeut­schen, österreichischen und russischen Bahnen vereinbart. Für die ge­nannten Verkehrsbeziehungen wurde auch von den russischen Bahnen das seit 1. Juli d. J. in Deutschland nnd Oesterreich-Ungarn eingeführte Be­triebsreglement adoptirt. Der direkte Personenverkehr auf der Strecke Odessa-Lemberg-Wien wurde einerseits nach Paris und London, ande­rerseits nach Konstantinopel ausgedehnt, und schließlich die Resolution gefaßt, in einer neuen Konferenz, welche im Monat September d. J. zusammentreten soll, die bestehenden Gütertarife zu revidiren, und nach dem Ergebnisse dieser Prüfung neu aufzustellen. Sqw. Merkur.

— Ein Brief des Bischofs Martin von Paderborn an den Ober­präsidenten von Westfalen, den die „Germania" veröffentlicht, gehört zum Stärksten, was sich die geistlichen Oberhirten neuerdings gegen die Staatsgewalt erlaubt haben. Der Brief ist vom 10. d. Mts. datirt, und bildet die Antwort auf die Aufforderung zu einer vom Gesetz vor­geschriebenen Handlung. Derselbe lautet: „Auf die an mich gerichtete Aufforderung, die Ausführung des Erkenntnisfes des k. Gerichtshofes in der Sache des p. Mönnikes in Lippspringe betreffend, hatte ich Ew. Excellenz unter dem 16. Mai er. offen erklärt, daß ich dieser Auffor­derung ohne einen Meineid nicht entsprechen könne. Hochdieselben ha­ben leider diesen mir durch Pflicht und Gewissen abgedrungenen Protest unberücksichtigt gelassen und jene Aufforderung unter erneuerten Straf­verfügungen inhaltlich des sehr geehrten Schreibens vom 26. v. Mts. einfach wiederholt. Ueber dieses Verfahren kann ich, ohne die Ew. Excellenz schuldigen Rücksichten, hintanzusetzen, mich nicht weiter äußern, und ich sehe mich daher zu meinem Bedauern genöthigt, jegliche Korre­spondenz über diese Angelegenheit mit Hochderselben hiermit abzu­brechen. Schw. Merkur.

— Darmstadt, 20. Juli. (Landes-Kriegerdenkmal.) Das Landes-Comite hat einstimmig das Modell, welchem das Preisgericht den ersten Preis zuerkannt hat (Nr. 16, Motto: 1870/71), auch zur Ausführung durch den Künstler, welcher dasselbe eingesandt hat, be­stimmt. Derselbe heißt August Herzig und ist, wie wir hören, ein noch junger Mann, Schüler Schilling's in Dresden. Die Concurrenz hat ihm so die Bahn des Ruhmes eröffnet.

— Zur Veranstaltung einer würdigen Feier des deutschen Natio­nalfestes am 2. September d. J. hat sich für Darmstadt-Bessungen ein provisorisches ßomtté gebildet, welches in einer am 17. Juli abgehalte­nen Versammlung das Programm der Feier festgestellt hat.

— Stuttgart, 21. Juli. In einer zahlreich besuchten Ver­sammlung hiesiger Altkatholiken wurde gestern Abend beschlossen, zur Bildung einer altkatholischen Gemeinde zu schreiten, nachdem der alt­katholische Pfarrer Dilger aus Pforzheim, welcher einen Vortrag hielt, sich bereit erklärt hatte, die Seelsorge für die Gemeindevon Pforz­heim aus zu versehen. Es sind bereits zahlreiche Beitrittserklärungen erfolgt.

— Metz, 17. Juli. Die Zahl der Anhänger des Altkatholicis- mus in unserer Stadt wächst von Tag zu Tag. Bereits werden Na­men aus allen Ständen genannt, welche sich der Bewegung angeschloffen haben, oder gewillt find, dieß zu thun, sobald sich die Gemeinde defini­tiv konstituirt haben wird. Letzteres dürfte in kürzester Zeit der Fall sein; dem Vernehmen ist es nicht unwahrscheinlich, daß Bischof Rein­kens in Person die Eröffnung des ersten altkathol. Gottesdienstes vor­nehmen wird. Nach den mit der Verwaltung gepflogenen Verhandlungen wird es keinen Schwierigkeiten unterliegen, die ehemalige Kirche der alten Templer, welche hier eine Niederlassung hatten, zur Benützung zu erhalten. ■ -