Einzelbild herunterladen
 

Abonnements Preis: '

Jährlich 3 Thlr.

H-lbj. Thlr. 1.15 Vierteljährlich 22 Sgr. 6 Pf.

fFür auäroürtiac Abonnenten

mit dem betreffen­den Postausschlag. Die einzelne Num­mer 1 Kgr.

hananer Air, citier

Insertions- Preis.

Die ispaltige Parmondzetle od deren Raum

1 Sgr.

Die »spalt. Zeile 2 Sgr.

165.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, utid Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

DieSspaltigcZeile EL 3 Sgr.

Samstag den 18. Juli.

1874.

Tagesschau.

Ein nie versiegendes Interesse bietet es, zu beobachten, welches Echo Vorgänge in Deutschland, auch die unbedeutendsten, bei unseren Nachbarn, dèn Franzosen, finden. Es dürfte sich empfehlen, in dieser Beziehung stets auf dem Laufenden zu bleiben. Folgendes sind einige Lesefrüchte aus französischen Zeitungen, welche die Aufmerksamkeit unse­rer Landsleute wohl verdienen. Daß dem Fürsten Bismarck auf seiner Reise ins Bad Kissingen allerorts ein so herzlicher Empfang bereitet wurde, ist natürlich gar nicht nach dem Geschmack der Franzosen. Daß vollends die deutschen Blätter sich unterfangen haben, über Dinge zu berichten, welche an sich klein sind, aber von einem solchen Manne er­zählt, doch interefsiren, das finden unsere Freunde an der Seine unver­zeihlich. Sie, die mit minutiöser Genauigkeit über die Toilette der Marschallin Mac Mahon berichten, finden es unbegreiflich, daß man sich in Deutschland über den Hut Bismarcks unterhält. Die Art, wie sie sich dieses Phänomen zu erklären suchen, ist charakteristisch für die höflichste" undgebildetste" Nation. So äußert sich Evenement:Die von der Bevölkerung dem Fürsten Bismarck dargebrachten Huldigungen beweisen, daß man ein Recht hat, die Deutschen eine Nation von Haus­knechten zu nennen. Dieses Volk kann nicht mit dem Recht, sondern nur durch die brutale Gewalt regiert werden." Wir können das Ur­theil hierüber ruhig denen überlassen, welche ihrem Pitt, denen, welche ihrem Cavour Verehrung gezollt haben. Die französische Regierung hält bekanntlich im Augenblick die Presse mit eiserner Hand nieder, und da ist es doch bezeichnend, daß dieselbe Regierung ruhig zusieht, wie die französische Presse ihren Giftzahn, für den sie im Lande im Augen­blick aus guten Gründen keinen Gegenstand hat, ungestraft über eine Nachbarnation entleert. Das gleiche Blatt schämt sich ferner nicht, über die Unruhen in Ostpreußen folgendermaßen zu berichten:Diese Nach­richt geben wir mit Vergnügen wieder. Wir bedauern nur tief, daß es nicht noch ärger hergeht. Alles ist in Deutschland zum Aufstand reif. Alles steht daher zum Besten." Hat man je in Deutschland eine Stimme gehört, die während der Kommune ähnliche Aeußerungen der Schadenfreude gethan hätte? Die neueste ethnographische Entdeckung des Hrn. Th. Petermann, daß die Sachsen Slaven seien, findet in der französischen Presse warmen Beifall. Der heutige Bien Public meint: Da die Sachsen slavischen Ursprungs seien, so können sie sich unter keiner Bedingung lusiovnor avec la race germanique.*) Dem Mainzer Katholikenkongreß macht der Siècle das Kompliment,er habe in sei­ner bekannten Resolution eine Sprache geführt, welche der Beobachter auch führen könne." Verwandte Seelen finden sich! Daß der König von Bayern eine Zusammenkunft mit Kaiser Wilhelm haben sollte, wollte den Franzosen gar nicht in den Kopf, es kam ihnen vor, wie wenn Berg und Thal zusammenkommen sollten. Nun aber etwas daraus geworden ist, tröstet sich zi B. Soir damit:König Ludwig könne es wohl thun, aber nimmermehr werden seine Unterthanen von den feindseligen Gefühlen lassen, welche sie gegen eine Nation hegen, der sie tributpflichtig sind." Merkwürdig, wie unerschütterlich das Vertrauen der Franzosen zu den Bevölkerungen der Mittelstaaten ist, obwohl sie doch vor 4 Jahren deren Bekanntschaft so gründlich gemacht haben, daß kein Miß­verständniß mehr möglich sein sollte. Sqw. Merlur.

Das Kriegsministerium hat die Generalcommandos abermals ermächtigt, den einzelnen Truppencommandenren anheimzustellen, auch in diesem Jahre Beurlaubungen von Militairmannschaften zum Zwecke der Aushülfe bei den Erntearbeiten, soweit das die örtlichen und Dienst­verhältnisse zulassen, zu gewähren. Die etwaigen Anträge um Beur­laubungen sind demnach an die Truppentheil-Befehlshaber zu richten, welchen die Entscheidung in jedem und für jeden einzelnen Fall zusteht, und welche die Beurlaubung auch zu jeder Zeit zurücknehmen können, wobei es sich von selbst versteht, daß sie auch die Bedingungen stellen, unter welchen die Beurlaubungen allein in Kraft treten.

Obwohl kürzlich Seitens des Bundesrathes der an ihn er­gangenen Bitte des Ausschusses des Centralvereins für Hebung der deutschen Fluß- und Canalschifffahrt, einleitende Schritte

*) Verschmelzen mit dem altdeutschen Stamm.

für die Durchführung eines einheitlichen Netzes leistungsfähiger Wasser­straßen im deutschen Reiche veranlassen zu wollen, keine weitere Folge gegeben ist, so wird man in Preußen doch nicht unterlassen, den Canal­bau zu fördern. Im Handelsministerium hält man die im Etat pro 1874 für diesen Zweck ausgeworfenen Summen für keineswegs genü­gend; man ist vielmehr mit dem Projekte der Herstellung eines um­fassenden Canalsystems beschäftigt. Viele Schwierigkeiten verursacht da­bei die Frage der Rentabilität. Jedenfalls werden nur da Canäle an­zulegen sein, wo ihre Herstellung und Erhaltung so billig ist, daß unter keinen Umständen die Eisenbahnen mit ihnen zu concuriren vermögen. Der Canalbau wird sich vorzugsweise auch da empfehlen, wo schon na­türliche Wasserverbindungen vorhanden sind und außerdem die Unter­brechung des Verkehrs im Winter nicht zu befürchten ist. Trib.

Ueber den Verbrecher Kullmann wird derKöln. Z." aus Kissingen mitgetheilt: Durch weitere Erhebungen ist festgestellt, daß Kullmann gegen Pfingsten 14 Tage in Berlin verweilte, um seinen Mordanschlag gegen den Fürsten Bismarck auszuführen. Dies wird bestätigt durch die Meldung desTgbl.", daß Kullmann hier in Berlin in der Zeit vom 28. Mai bis 8. Juni cr. bei dem Böttchermeister Geisler in der Elisabethstraße Nr. 57 in Arbeit gestanden und wäh­rend dessen beim Schuhmachermeister A. Posner (Landsbergerstraße Nr. 87 vier Treppen) als Schlafbursche gewohnt hat. Sowohl sein Mei­ster, als der Schlafwirth bezeichnen ihn als einen schmächtigen Men­schen von kleiner Statur und nicht besonders hervorragenden Geistesfä­higkeiten; doch soll er ein brauchbarer Arbeiter und anscheinend ein so­lider Bursche gewesen sein. Die Arbeit bei Geisler hat er ohne vor­herige Ankündigung vor etwa vierzehn Tage verlassen, wie man nun­mehr muthmaßt, um sich an den Ort seiner That zu begeben. Kull­mann soll schon im Sommer 1872 einmal in Berlin gewesen und da­mals bei dem Böttchermeister Rubow,. Grünstraße Nr. 17, eine Zeit lang in Arbeit gestanden haben. In Folge eines Wortwechsels aber mit seinem Mitgesellen Karl Otto (jetzt Böttchermeister in Wittstock) versetzte er demselben mehrere Messerstiche in den Hals und wurde dem­nächst festgenommen. Nach dreiwöchentlicher Untersuchungshaft nahm der Verletzte indeß gegen eine Entschädigung in Geld seinen Strafantrag zurück und Kullmann wurde in Freiheit gefetzt. Eduard Kullmann lernte bei den Böttchermeistern Gebrüder Welsch in Neustadt-Magde­burg das Böttcherhandwerk, war schon damals ein frecher Bube, der schon in der Lehre mit Pistolen umging, die ihm sein Meister weg­nahm, und in der Wuth schmiß er einst nach seinem Nebenlehrling Gu­stav Welsch mit dem Schnitzer, und wurde, ohne ausgelernt zu haben, von Herrn Welsch entlassen. Im Herbste des Jahres 1873 stach er im Vereine mit seinem Kumpan Gustav Welsch seinen jüngeren Lehrherrn Philipp Welsch aus Rache mit einem Messer, nachdem sie vorher den­selben in die Gosse getreten hatten, wofür sie beide vom Kreisgericht in Magdeburg mit Gefängniß bestraft wurden. Schon zu Pfingsten d. J. soll sich Kullmann in der Werkstatt der Gebr. Welsch in der Neustadt geäußert haben, daß er nach Berlin reisen und den Fürsten Bismarck ermorden wolle.

Kissingen, 16. Juli. Kullmann ist heute Nachmittag in das Gefängniß des Bezirksgerichts Schweinfurt eingeliefert worden. Ebendahin wurde mit dem heute Abend 7 Uhr 55 Minuten abgegange­nen Zuge der Pfarrer Hanthaler unter Gensd'armeriebedeckung abge­führt.

München, 16. Juli. Der heutige Beschluß der Kammer der Reichsräthe, daß die Beschwerde des P. Jesuiten Grafen v. Fugger eine unbegründete ist, ist in vielfacher Beziehung von nicht geringer Bedeu­tung. Derselbe ist aber auch für die patriotische Fraktion der Kammer der Abgeordneten da es bekanntlich durch die Abwesenheit des Abg. Dr. Sepp gelungen war, die Beschwerde mit einer Stimme Mehrheit in der Kammer als eine begründete erklären zu lassen eine neue und schwere Niederlage, um so schwerer, als der abweisende Beschluß von einer so hochkonservativen Körperschaft, wie es unsere Reichsraths­kammer ist, ausging und daß derselbe dazu noch mit einer so verhält- nißmäßig großen Majorität gefaßt wurde. Vom Gefühlsstandpuukte aus sollte man eigentlich Mitleid mit einer Kammerfraktion haben, der