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JK 164.

Freitag den 17. Juli.

1874.

Diejenigen im diesseitigen Bezirk sich aufhaltenden Invaliden, deren Invalidität durch einen im letzten Kriege wider Frankreich im Dienste erlittene Beschädigung herbeigeführt worden ist und welche neben der ihnen zustehenden Pension mit dem Civilversorgungsschein abgefunden worden sind, an Stelle des Letzteren jedoch, in Gemäß­heit des Gesetzes vom 4. April cr. die Anstellungsentschädigung von 2 Thaler monatlich zu erhalten wünschen, haben ihre Ansprüche unver­züglich unter Abgabe des Civilversorgungsscheines bei den betreffen­den Bezirks-Feldwebeln geltend zu machen.

Das Recht zur Wahl erlischt am 22. October 1874.

Desgleichen haben diejenigen Invaliden, welche in Gemäßheit des §. 76 des Gesetzes vom 27. Juni 1871 wegen Nichtbenutzung des Civil- Versorgungsscheins zur nächsthöheren Pensionsklasse anerkannt worden sind und welchen gemäß §. 12 des Gesetzes vom 4. April er. gegen entsprechende Minderung dieser Chargenpension eine Pensionszulage von 3 Thaler monatlich für Nichtbenutzung des Civilversorgungsscheins gewährt werden kann, ihre Ansprüche ebenfalls unverzüglich bei den be­treffenden Bezirks-Feldwebeln anzumelden.

Die Anmeldefrist für die auf den Krieg von 1870/71 zu begrün­denden Ansprüche auf Jnvaliden-Versorgung ist bis zum 20. Mai 1875 festgestellt.

Königliches Kommando des Reserve-Landwehr-Bataillons (Frankfurt a. M.) Nr. 80.

Wird veröffentlicht.

Hanau den 15. Juni 1874.

Der Landrath: Schrötter.

Tagesschau.

Ueber der Aufregung, so schreibt dieAschaffenb. Ztg.", welche das Attentat auf den Fürsten Bismarck in der ganzen Welt erregt hat, ist ein weiteres Ereigniß weniger beachtet worden, das sonst wohl aus­schließlich die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hätte. Die Zusammen­kunft der Kaiser von Deutschland und Oesterreich in Ischl, ein Zeugniß des glänzenden Gelingens der specifisch bièmarckischen Politik, erneuert die freundschaftlichen Beziehungen, welche nun schon seit Jahren die Regenten der beiden mitteleuropäischen Großmächte verbinden. In die­sen guten Beziehungen, die sich nicht nur auf die Personen der Regen­ten, sondern auch auf ihre Politik und die Gesinnung der beiderseitigen Völker erstrecken, liegt eine wesentliche Garantie des europäischen Frie­dens. Und nur mit Freuden kann die weitere Nachricht ausgenommen werden, daß die Kaiserin Elisabeth von Oesterreich auf der Reise nach England ihre kaiserliche Verwandte, die Kaiserin Augusta von Deutsch­land besuchen will. Wir erinnern daran, daß man bei dem vorjährigen Besuch unseres Kaisers in Wien eine ostentative Fernhaltung der Kai­serin Elisabeth hatte bemerken wollen. Der Besuch bei der Kaiserin Augusta zeigt nun, daß auch bei der Kai erin Elisabeth der letzte Groll gegen das deutsche Kaiserreich geschwunden ist.

Vom 1. Juli d. I. ab ist ein Theil des Kieler Hafens als specielles Gebiet der Kriegsmarine abgetrennt worden. Das Marine­gebiet umfaßt denjenigen Theil des Kieler Hafens, welcher außerhalb einer von dem innersten Duc d'Alben bei dem KasernenschiffBarba­rossa" nach der innersten Vertäuungsboje der Marine (Nr. 6) und von hört nach dem südwestlichsten Punkte des fiskalischen Terrains bei Wil­helminenhöhe führenden gebrochenen Linie liegt, und ist dem Marine- statlvnschef zur Wahrung der Hafenpolizeivorschriften direkt unterstellt. Der Stationschef trifft daher alle Bestimmungen über Passiren, Ankern, Löschen und Laden, sowie allgemeines seepolizeiliches Verhalten der Fahr- âe W ui dem Fahrwasser des Marinegebiets, während sich in der Auf- stcht über die Ufer und Landungsstellen nichts ändert und auch in allen übrigen Beziehungen die Vorschriften der Kieler Hafen- und Brücken­ordnung in Kraft bleiben. Die Aufsicht über das Fahrwasser des â^f^^gbbiets führt unter dem Stationschef der Hafenkapitän der

. ~ Berlin, 13. Juli. Die Nachrichten aus Frankreich erhöhen mit jedem Tage die Wahrscheinlichkeit, daß es im Laufe der jetzigen

Sitzungszeit zu wichtigeren Entscheidungen kaum noch kommen wird. Nicht blos das entschiedene Auftreten Mac Mahons ist in dieser Be­ziehung wichtig, sondern auch die Wahrnehmung, daß die Legitimisten nicht mehr den Muth zu haben scheinen, die vor kurzer Zeit begonnene Kampagne gegen den Marschall fortzusetzen. So scheint sich thatsächlich und bis auf Weiteres die frühere Mehrheit nothgedrungen wieder zu­sammenzufinden, nur mit dem Unterschiede, daß früher der Marschall sich als Bevollmächtigter der konservativen Partei geriete, jetzt aber die Mehrheit unter dem Protektorat und nach der Initiative des Mar­schalls fortvegetirt. Es ist eine Diktatur mit parlamentarischem Bei­werk, ähnlich, wie die Herrschaft Ludwig Napoleons vor dem Staats­streiche. Schw. Stertor.

Patent-Crtheilung.

Dem Mühlenbaumeister M. Martin zu Bitterfeld unterm 13. Juli d. J. auf eine Mehlsichtvorrichtung in der durch Zeichnung und Be­schreibung nachgewiesenen Zusammensetzung, ohne Jemanden in der An­wendung bekannter Theile zu beschränken,

auf drei Jahre, und für den Umfang des preußischen Staats.

DieProv.-Corr." spricht, nachdem sie sich über das Attentat gegen den Fürsten Bismarck äußert, am Schluffe des Artikels:Für die Regierung aber wird der Mordversuch von Kissingen mit Rücksicht auf die Umstände, die ihn characterisiren, ein dringender Anlaß sein, den Quellen, aus welchen der Fanatismus ungebildeter katholischer Volks­kreise immer neue Nahrung schöpft und schließlich bis zum Verbrechen des Meuchelmordes getrieben wird, näher zu treten, um die Mittel und Wege in Betracht zu ziehen, ihrer unheilvollen Wirksamkeit zum Wohle des Vaterlandes Einhalt zu thun."

Wie sich die ultramontanen Blätter über das frevelhafte At­tentat gegen unseren Reichskanzler äußern, haben wir zum großen Theile gestern gebracht, aber die verabscheuungswürdigsten Ansichten spricht doch jedenfalls dasVaterland" aus, und ein Jeder kann sich seinen Commentar selber machen, welchen Zweck jenes Blatt verfolgt. Wir nehmen die Stelle aus derAschaffenb. Ztg.":Zum Schluß sei denn auch Ehren-Sigl'sVaterland" citirt, das also sich vernehmen läßt:Das Wichtigste und Tröstlichste für uns ist, daß die Verletzung am Vorderarm unbedeutend ist. Zur Auffrischung der ziemlich abge­standenen durchlauchtigenPopularität" thut's eineunbedeutende Ver­letzung", etwa durch den Papierpfropfen einer blindgeladenen Schlüssel­büchse auch, zumal da kein edler Theil, sondern blos der Vorderarm getroffen wurde. Einer, der's wirklich ernst gemeint hätte, würde die Sache jedenfalls anders angefangen haben, dächten wir. Um nächstens überfanatisirte" Bauern, über Vereine jeder Art, über einefanati- sirende" Presse, dievon Kaiser und Reich", zumal vom Bismarck stets nurin gereiztem Tone" spricht, Herzusallen, that ein ungefährlicher blinder Schuß auf den Mann von Varzin vollkommen das Seine und brauchte gar nicht scharf geschossen zu werden, nota bene vorbei!Der fanatische Bauernjunge" hat feine Schuldigkeit gethan und kann durch den Gerichtssaal mit einem schönen Stück Geld aus dem Rep­tilienfond in aller Stille nach Amerika gehen. Das ist ja schon öf­ter dagewesen in der Weltgeschichte! Mit einem Worte: Wir glauben nicht an ein ernstes Attentat, sondern nur an eine Comödie, mit der man dembestgehaßten Manne Europas" wieder etwas auf die Beine der Popularität helfen wollte. Denn ein Feind Bismarcks, und wenn er auch nur einfanatischer" Bauernbub wäre, muß wünschen, daß dieser Mann noch ein paar Jahre länger lebe, damit er noch den Zu­sammensturz seines Werkes erlebe, damit er sich krümme unter den Schlägen einer höheren Macht, damit er selbst doch davon später. Ein Feind Bismarcks kann seinen Tod zur Zeit, wo sein Stern in jä­hem Falle begriffen ist, nicht wünschen, denn jetzt wäre er eine Wohl- that für ihn, weil er ihn retten würde vor Aergerem als einer mitlei­digen Kugel. DerAttentäter" muß also entweder ein alsFanatiker" maskirtes Reptil oder ein Narr sein."

München, 15. Juli. Von den Ausschüssen der hiesigen liberalen Korporationen wurde heute beschlossen, an den Reichskanzler eine Beglückwünschungs-Adresse zu erlassen und dieselbe zur Unterzeich­nung an verschiedenen Plätzen mehrere Tage lang aufzulegen. Es nn-