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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
M 161
Dienstag den 14. Juli
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1874
Der unterzeichnete Bezirksausschuß bescheinigt auf Grund des Oberpräsidial-Erlasses vom 16. Juni 1874 Nr. 2874, daß bei der am 7. Juli d. J. stattgehabten Ersatzwahl für den verstorbenen Bürgermeister Lind zu Oberissigheim, zum Abgeordneten des Standes der Landgemeinden im Kreis Hanau zu dem Kommunallandtag des Regierungsbezirks Cassel der Bürgermeister Heinrich Schuffert zu Ostheim mit 1329 Stimmen gewählt ist.
Die Gesammtzahl der abgegebenen Stimmen beträgt 1370.
Hanau den 13. Juli 1874.
Der Wahlkommissar: Schrötter, Landrath.
Die Beisitzer: Kopp, Bürgermeister. S ch o e p f, Bürgermeister.
Zeh, Bürgermeister.
Die Herrn Bürgermeister der Gemeinden, in welchen im Laufe des II. Quartals d. J. Scharlachfälle aufgetreten sind, wollen sofort Tabellen nach folgendem Schema zusammenstellen und an den Königlichen Kreisphysikus hier einsenden.
Hanau am 11. Juli 1874.
Der Landrath. J. V. Loock.
Namen der Gemeinde
Tag des Ausbruchs der Krankheit
Zahl der
Zahl der noch in Behandlung gebliebenen
Bemerkung über Einschleppung der Krankheit.
Erkrankten
Genesenen
Verstorbenen
, Tagesschau.
— Gestern Nachmittag beförderte von Kissingen aus der Draht nach allen Richtungen der Windrose die Sensationsnachricht, daß auf den deutschen Reichskanzler Fürsten Bismarck ein Attentat verübt worden sei. Man darf wohl mit Gewißheit annehmen, daß dieselbe fast überall gerechteste Entrüstung hervorrief und mit Unruhe und Spannung sah man weiteren Nachrichten entgegen. Die bis jetzt eingelaufenen Depeschen melden übereinstimmend, daß die Verletzung — ein Streifschuß am Vorderarm, den der Reichskanzler auf freiem Felde bei einer Fahrt nach der Saline erhielt — eine leichte ist, was auch daraus hervorgeht, daß Se. Durchlaucht nach dem Attentat in Begleitung des Grafen Pappenheim durch die Stadt fuhr und sich der aufgeregten Bevölkerung zur Beruhigung zeigte. Abends hier eingetroffene Nachrichten melden, daß der Attentäter ein Böttchergeselle Namens Kulmann aus Magdeburg und Mitglied des katholischen Gesellenvereins in Salzwedel, einer fast vorherrschend protestantischen (Kreis-) Stadt von ca. 8000 Einwohnern in der Preuß. Provinz Sachsen, ist, den man mehrmals in verdächtigem Verkehre mit einem katholischen Priester gesehen habe. — Kulmann ist bereits verhaftet und zeigte die Bevölkerung bei seiner Abführung eine solche Aufregung, daß die Behörde alle Mühe hatte ihn der Lynchjustiz zu entziehen. — Hoffentlich wird die Untersuchung klar stellen, ob dieses so leicht folgenschwere Attentat von Kulmann allein ersonnen, oder ob eine andere finstere Macht die Anleitung zu dieser Frevelthat gegeben hat.
— Se. Majestät der Kaiser und König haben im Namen des Deutschen Reichs den Herrn John William Nichol in Blyth (England) zum Vice-Consul des Deutschen Reiches zu ernennen geruht.
— In Folge des §. 3 der Bekanntmachung vom 6. Dezember 1873 (R.-G.-Bl. S. 375), betreffend die Außerkurssetzung der Landesgoldmünzen und der landesgesetzlich den inländischen Münzen gleichgestellten ausländischen Goldmünzen, sind von den deutschen Bundesstaaten in den Monaten April und Mai, nach dem „R. u. St.-A.", an deut
schen Landesgoldmünzen eingelöst: preußische Friedrichsd'ore bezw. kurhessische Pistolen zu 5% Thlr. 2,89b,252ffz Stück; Württembergische Goldmünzen zu 10 Fl. 467 >tück und 3 Karolins; zu 5 Fl. 1471 Stück, zu 5 Fl. 45 Kr. 34,077 Stück (Dukaten), zu 5 Fl. 45 Kr. 4 Dukaten, zu 5 Fl. 35 Kr. 921 Stück Dukaten, zu 23 Fl. 921 Stück; badische Goldmünzen zu 10 Fl. 144 Stück, zu 5 Fl. 583 Stück, zu 5 Fl. 35 Kr. 979 Stück (Dukaten), zu 500 Kr. 45 Stück; hessische Goldmünzen zu 10 Fl. 2418 Stück, zu 5 Fl. 245 Stück.
— Eisenach, 13. Juli. Gestern Abend ist hier der Dichtet Fritz Reuter in Folge eines Schlagflusses plötzlich gestorben.
— Ueber die unfreundliche Gesinnung, welche das officielle Sachsen dem Reich gegenüber zur Schau trägt, schreibt die Berliner Autogr. Korr.: Es genügt für einen Staatsangehörigen des Königr. Sachsen, daß er seiner Freude über die neue Ordnung der Dinge im Reiche öffentlich Ausdruck ^ibt, daß er den Einrichtungen, welche vom Reiche ausgehen, lautes Lob spendest daß er den Personen, welche um die Ehre und Größe des Reichs sich mühen, Zeichen der Theilnahme zugewendet, za, daß er bei irgend welcher feierlichen Gelegenheit im Schmucke seines Hauses den Farben des Reichs neben den sächsischen Landesfarben eine etwas reichlichere Entfaltung gestattet, um von den diensteifrigen Orga- ■ men der k. sächs. Regierung als ein „Landesverräther" der Verachtung ■ aller guten Sachsen überantwortet zu werden. Gewiß, man würde vergeblich eine Haussuchung in den Bureaux der sächsischen Behörden an- fftellen, um amtliche Schriftstücke ausfindig zu machen, in welchen von den Vorgesetzten den Untergebenen Weisungen in dem eben gedachten Sinne ertheilt Werden; indessen müssen die Untergebenen doch wissen, daß es ihnen bei ihren Vorgesetzten besondere Gunst einträgt, wenn sie den reichsfreundlichen Elementen, über welche sich ihre Amtsbefugnisse erstrecken, die ganze Verwerflichkeit ihrer Abwendung von dem allein gestatteten Kultus eines ungetrübten Sachsenthums fühlbar machen. Der Reichstag wird nicht umhin können, bei seinen Entschließungen jene dem Reiche unfreundliche Tendenz der k. sächs. Regierung sich vor Augen zu halten. . . In den letzten Tagen hat sich etwas ereignet, was geradezu zur ernstesten Kritik der sächsischen Regierung herausfordert. Während ein in Leipzig erscheinendes, durch seine Reichsfreundlichkeit hervorragendes Blatt, das Leipziger Tageblatt, unter dem Vorgeben daß dasselbe gegen die k. sächs. Regierung feindselig gesinnt sei, dadurch zu bestrafen versucht wird, daß den städtischen Behörden Leipzigs, deren reichsfreundliche Gesinnung ebenfalls bekannt ist, verboten wird, demselben ihre amtlichen -Bekanntmachungen zugehen zu lassen, erscheint als hervorragender und mit Namen genauster Mitarbeiter einer in Dresden neu begrünbeten (nach einigen Tagen aber auch schon wieder eingegangenen) Zeitung, „Debatte", welche gegen das Deutsche Reich ganz offenen WiderstaÄ predigt und für das Königreich Sachsen auf Grund des zum großen Theil „slawischen Ursprungs" seiner Bevölkerung eine „Mittelstellung" zwischen der deutschen und slawischen Staatenwelt in Anspruch nimmt, der Bureauchef des statistischen Bureaus im k. sächsischen Ministerium des Innern, Dr. Th. Petermann I Schw. Merkur.
— Heidelberg, 11. Juli. Mit Aufmerksamkeit werden, nach dem „Schw. Werk.", die Vorgänge in den hiesigen kirchenpolitischeu unb theologischen Kreisen verfolgt. Nachdem Professor Holtzmann, hier besonders im neutestameutlichem Felde thätig, den Rus nach Straßburg angenommen, wurde der dort für Dogmatik angestellte Professor Hermann Schultz hierher, wie man hört vorzugsweise für praktische Theologie berufen. Nun berichtet aber vorgestern der „Neue Mannh. Anz.", er habe die Berufung abgelehnt. Uebrigens soll auch jetzt noch vorzugsweise die praktische Theologie den Gesichtspunkt bilden, der für die nöthige Neuberufung maßgebend sein wird. Gleichzeitig vernimmt man, die Herren Geheimrath Bluntschli, Prof. Holtzmann und Stadtpfarrer Hönig hätten ihre leitende Stellung im Protestantenverein niedergelegt und es werde in Folge dessen mindestens eine Verlegung des sog. geschäftführenden Bureaus/ d. h. der eigentlichen Centralleitung des Vereines von hier eintreten. Endlich verabschiedete sich Prof. Holtzmann gestern Abend in einer öffentlichen Versammlung des Vereins mit einer Erklärung, welche darauf hinauslief, daß er die Uebertragung diesseitiger Parteiverhältnisse auf das linksrheinische Gebiet für unpraktisch und