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JK 158.
Freitag den 10. Juli.
1874.
Tagesschau.
— Der,, R. u. St.-A." enthält folgende Verordnungen rc.: 1) Verordnung, betreffend die Kautionen der bei dem Auswärtigen Amte, bei der Verwaltung des Reichs-Jnvalidenfonds und im Bureau des Reichstages angestellten Beamten. Vom 6. Juli 1874. 2) Bekanntmachung, betreffend das Verbot des Umlaufs der niederländischen Halbguldenstücke, sowie der österreichischen und ungarischen Viertelguldenstücke. Vom 29. Juni 1874. 3) Bekanntmachung, betreffend die Außercourssetzung der Zweiguldenstücke süddeutscher Währung. Vom 2. Juli 1874. (Den Wortlaut der beiden letzteren für Jedermann wichtigen Bekanntmachungen werden wir morgen abdrucken.)
— Durch Allerhöchste Ordre vom 22. Juni d. I. ist in Abänderung des Reglements vom 5. Dezember 1858 für die Uniformen der Beamten der Verwaltung der indirekten Steuern genehmigt, daß die Zolleinnehmer II. Klasse, die Assistenten der Nebenzoll- und Untersteuer- Aemter, die Thorcontroleure, die Zoll-, Steuer- und Brückengeld-Erheber, wenn diese Beamten Officiere außer Dienst oder Landwehr-Osficiere sind, auf ihrer Dienstkleidung Contre-Epaulettes wie die Ober-Controleure, jedoch ohne das Wappenschild tragen dürfen.
— In Folge eines am 7. April 1873 zwischen Preußen und Oldenburg ausgeführten Gebietsaustausches haben sich die nach der Zählung vom 3. Dezember 1871 festgestellten Bevölkerungsziffern wie folgt geändert: Preußen, ortsanwesende Bevölkerung 24,606,400, ortsanwesende staatsangehörige Bevölkerung 24,367,168, ortsangehörige Bevölkerung des preußischen Zollgebiets 24,509,585 Einwohner. — Oldenburg, ortsanwesende Bewohner 312,718, ortsamvesende staatsangehörige Bewohner 291,334, ortsanwesende Bewohner des oldenburgischen Zollgebiets 310,486 Einwohner.
— Die Einnahme an Zöllen und gemeinschaftlichen Steuern u. f. W. im deutschen Reiche fahren fort, eine Abnahme zu zeigen. Den Mehreinnahmen in den ersten fünf Monaten des Jahres 1874, mit denen im Jahre 1873 verglichen, und im Gesammtbetrage von 3,183,926 Thlr. stehen Mindereinnahmen im Gesammtbetrage von 6,260,442 Thlr. entgegen und der Ausfall stellt sich auf 3,076,516 Thlr.
— Berlin. Der Kaiser von Brasilien hat an unseren Kaiser ein Telegramm gesendet, in welchem derselbe sich wegen der durch das neue unterseeische Kabel nunmehr hergestellten nahen Verbindung mit Deutschland beglückwünscht. Unser Kaiser hat sofort von Ems aus auch auf telegraphischem Wege eine freundliche Antwort nach Rio de Janeiro abgeschickt.
— Berlin, 9. Juli. Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet, die spanische Regierung habe in Folge der von den Grafen Kanitz und Hatzfeldt über die Entschädigung deutscher Kaufleute in Cartagena geführten Verhandlungen die vertragsmäßig vereinbarte Summe am 11. Juni bei dem Bankhaus Weißwciler in Madrid zur Verfügung gestellt. Graf Hatzfeldt habe den Auftrag erhalten, den diesseitigen Dank in Madrid auszusprechen. N. grants. Pr.
— Posen. Der erzbischöfliche „Kuryer Poznanski" berichtet: „Wie wir erfahren, nahm die Polizei am vergangenen Sonnabend Nachmittag 3 Uhr eine sehr eingehende gleichzeitige Revision bei dem Wethbischof Janiszewski und dem Domherrn Granke vor. Beim Bi- schof wurden nicht nur das ganze Haus, sondern auch alle Winkel durch-
Sämmtliche Papiere wurden durchstöbert; es wurde sogar eifrig "Ä Lehemren Aufbewahrungsorten gesucht. Der Polizei ging es an= gedUch um die Auffindung einer römischen Correspondenz und der Er- machtung, kraft welcher der Bischof die Diözese verwalte. Auf eine Anfrage soll der Bischof geantwortet haben, daß er auf Grund einer Ermächtigung des heiligen Vaters die Diözese verwalte. Auch nach diesem Dokumente recherchirte daher die Polizei. Die Revision dauerte vor 3 bis 6 /2 Uhr, war jedoch erfolglos." So der „Kuryer." Da- gegen kann die „Pos. Ztg." auf Grund von „Informationen, welche
A. âpetenten Kreisen" eingezogen hat, mittheilen, daß bei dem Welhbtschos Janiszewski eine Anzahl von Schriftstücken mit Beschlag belegt worden und daß das Resultat der Revision überhaupt von weittragender Bedeutung gewesen ist.
Das „Leipz. Tagebl." gibt folgende, zwar nur halbverbürgte,
aber jedenfalls bezeichnende Anekdote zum Besten. Vor kurzer Zeit sei der preußische Cultusminister Dr. Falk in Zeitz zu Besuch bei dortigen Verwandten gewesen und habe bei dieser Gelegenheit, als die Unterhaltung auf den schweren Kampf sich richtete, den die preußische Regierung gegen die ultramontane Partei zu führen gezwungen sei, von einer darauf bezüglichen Aeußerung des Kaisers Kenntniß gegeben. Der Kaiser habe danach seiner Zeit, als er die Kirchen-Gesetze vollzogen, zu dem Cultusminister geprochen: „Handhaben Sie die Gesetze im Allgemeinen mild, indessen wo Ihnen ernstlicher, unberechtigter Widerstand entgegentritt, da rechnen Sie auf mich!" —
— München, 8. Juli. Wie in Abgeordnetenkreisen verlautet, soll in Folge der letzten bedeutenden Bewilligungen auf den Kultus- Etat und zu sonstigen öffentlichen Zwecken in der Höhe, wie selbe im Budget für 1874—75 nicht vorgesehen waren, die Bilanzirung des Budgets, d. h. der Siaatsausgaben mit den Einnahmen, sehr in Frage gestellt sein, indem jetzt schon über eine Million mehr in den Ausgabeposten bewilligt sind, als die Einnahmefestsetzungen betragen.
(Augèb. Abdztg.)
— Straßburg, 7. Juli. Der „Niederrh. Kur." erhält nachstehende Mittheilung: Bei Gelegenheit der landwirthschaftl. Ausstellung in Bremen wurden am 19. Juni, 9 Uhr Abends, durch den Präsidenten, Konsul Mei r, neben den Senatoren der Stadt auch die Delegir- ten Lothringens dem Kronprinzen vorgestellt. Als sich der Prinz uns Delegirten näherte, nahm Herr Ludwig Bruch von Neumatt, Delegirter des Kreises Saargemünd, das Wort, und richtete an den Prinzen folgende Worte auf Französisch: „Kaiserliche Hoheit! Delegirter des land- wirthschaftlichen Vereines des Kreises Saargemünd, einer Gesellschaft von Männern, welche die Arbeit, den Fortschritt der Arbeit, das Wohlergehen und Gedeihen unseres Landes wollen, bitte ich Sie, es uns nicht übel zu nehmen, wenn meine Mitbürger wie ich, wenn Alle ohne Unterschied über den Verlust unseres vormaligen Vaterlandes und über sein Unglücks tiefe Trauer empfinden. Die Kriegsereignisse, tapferer Prinz, haben die Führung des Geschickes unseres theuren Landes in Ihre Hände gelegt. Wir haben Hoffnung auf die Zukunft und wir zweifeln nicht, daß Ihr Wohlwollen, Ihre Gerechtigkeit und Humanität Sie bestimmen werden, unsere Lage in Erwägung zu ziehen und Ihre ganze Sorgfalt unserem Lande zuzuwenden. Unter diesen für mich so feierlichen Umständen empfangen Sie, Kaiserl. Hoheit, im Namen einer großen Zahl der Mitglieder des Vereines, welcher mich hieher gesendet hat, den Ausdruck unserer Huldigung und Ehrerbietung." Der Prinz erwiderte in gutem Französisch: „Ich sage Ihnen für ihre Loyalität und Freimüthigkeit Dank. Ich begreife vollkommen, daß man sich nicht ohne Schmerz von einer großen Nation trennt, aber seien Sie überzeugt, die Gemüther werden sich mit der Zeit beruhigen, sie werden später erkennen, daß Sie nichts verloren haben, daß Sie heute einer sehr großen Nation angehören, welche in der Lage ist, Ihnen Ruhe und Frieden zu garantiren. Sagen Sie Ihren Mitbürgern, daß meine Bestrebungen für das Wohlergehen Ihres Landes Ihnen niemals fehlen werden.' Nach diesen Reden wechselte man noch einige Worte in deutscher Sprache.
— Das Haus Habsburg, welches doch selbst aus der Schweiz stammte, verschuldete einst, daß sich die Schweiz vom deutschen Reiche losriß. Dennoch ist das innerste Wesen des Schweizers und des Deutschen ein und dasselbe geblieben. Das klingt wieder durch in dem Trinkspruch, welchen der Thurgauische Altnationalrath Haberlin am Weinfelder Musiksest in Gegenwart einer Anzahl süddeutscher Gäste auf „die gute Nachbarschaft zwischen Deutschland und der Schweiz" ausbrachte. Nachdem er die Gemeinsamkeit der Bestrebungen in beiden Ländern, namentlich auch die beiderseitige Bekämpfung der Hierarchie hervorgehoben, fuhr er fort: „Hangen wir Schweizer zwar mit ganzer Seele an dem Lebensprincip unseres politischen Daseins, an der Selbstbestimmung und Souveränität des Volkes als der einzigen Quelle aller Gewalt im Staate, so hindert uns das nicht, ohne Besorgniß und ohne Neid das Schwergewicht der europäischen Politik an einen Ort verlegt zu sehen, wo die Kraft und der Wille herrschen, die