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M 1531
Samstag den 4. Juli.
1874.
Das diesjährige Departements-Ersatz-Geschäft für den Kreis Hanau wird am 30. und 31 Juli und 1. August er. im Locale des Gastwirths Müller zu Kesselstadt abgehalten werden und an jedem Tage Morgens präcis 9 Uhr beginnen. Die Militairpflichtigen haben behufs Verlesens sich schon um 8 Uhr einzufinden.
Hierzu haben sich alle in den Jahren 1852 bis incl. 1854 geborenen Militairpflichtigen, sowie diejenigen älteren, welche eine definitive Entscheidung noch nicht erhalten haben, hier gestellungspflichtig sind, und von der Kreis-Ersatz-Kommission:
1. als dauernd unbrauchbar bezeichnet,
2. zur Ersatz-Reserve in Vorschlag gebracht,
3. für brauchbar und einstellungsfähig erachtet und
4. alle diejenigen Soldaten, welche vor beendeter Dienstzeit von den Truppentheilen entlassen worden sind, einzufinden.
Die Eltern oder sonstigen Angehörigen, zu deren Gunsten wegen Arbeitsunfähigkeit Ansprüche auf Zurückstellung begründet werden sollen, haben bei Meidung der Nichtberücksichtigung ihrer Ansprüche im Termin persönlich zu erscheinen.
Militairpflichtige, welche ohne genügenden Entschuldigungsgrund der Vorladung zum Termin keine Folge leisten, oder welche bei Aufrufung ihres Namens im Termin nicht anwesend sind, werden mit einer Geldstrafe bis zu 10 Thaler, oder entsprechender Gefängnißstrafe belegt und verlieren gleichzeitig den aus etwaigen Reclamationsgründen erwachsenden Anspruch auf Zurückstellung oder Befreiung vom Militair- dienst.
Jede Störung der Ordnung während des Geschäfts wird mit einer Geldstrafe bis zu 5 Thaler, oder entsprechender Gefängnißstrafe geahndet. Eine gleiche Strafe trifft die Militairpflichtigen, welche im Termin ohne Erlaubniß der Ersatz-Kommission sich vom Sammelplätze entfernen.
Dann haben sämmtliche Militairpflichtige mit vollständig reinen Körper und in sauberer Kleidung zu erscheinen.
Die Herren Bürgermeister haben diese Bekanntmachung aus ortsübliche Weise zu veröffentlichen, die denselben per Couvert zugehenden speciellen Ladungen an die betreffenden Militairpflichtigen auszuhändigen, wenn solche abgereiset, ihnen die Ladung nachzusxnden und über Empfang und Behändigung fämmtlicher Ladungen eine Bescheinigung anher, spätestens bis zum 20. Juli er., einzusenden, auch dem Geschäfte an den drei Tagen persönlich beizuwohnen.
Hanau den 24. Juni 1874.
Der Lândrath.
J. V.: Baabe, Kreis-Secretair,
T a g e s s ch a u.
— Nach dem Civilehe-Gesetz sollen die Personenstands-Register und die Formulare zu den Auszügen aus denselben den Standesämtern kostenfrei geliefert werden. Die Schemata dazu sind vom Minister des Innern im Einverständniß mit dem Justizminister festgestellt worden. Bekanntlich sind drei solche Register zu führen: ein Geburtsregister, ein Heirathsregister, ein Sterberegister. Der Minister des Innern hat, der „Elb. Ztg." zufolge, die Beschaffung dieser Register für die Standesämter den Oberpräsidenten übertragen, mit dem Anheimstellen, die- selben unmittelbar auszuführen oder durch die Bezirksregierungen und Landdrosteien vermitteln zu lassen. Bei Einführung in ihr Amt sollen die Standesbeamten umständlich über ihre Geschäftsführung unterrichtet werden. Auch sollen dieselben noch nähere Anweisung erhalten über das materielle Recht, besonders das Eheschließungsrecht, soweit dasselbe dre besonderen Zweige der Verwaltung berührt- mit denen die Standesbeamten vertraut sein müssen. Endlich sollen die Provinzial-Behörden angewiesen werden, dafür zu folgen, daß entsprechende Lokalitäten für
Standesbeamten bereitgestellt und die Geschäftsstunden in angemessener Weise bestimmt worden.
'Mordd. A. Z." schreibt: Zu den gänzlich unbegründeten Gerüchten, die von Zeit zu Zeit, namentlich aber in der morte saison
aufzutauchen pflegen, hat sich neuerdings die „Enthüllung" der „Wiener Presse" gesellt, daß der deutsche Botschafter in Wien, Generallieutenant v. Schweinitz, nicht wieder auf seinen Posten zurückkehren werde. Wir wollen, obwohl zum Ueberfluß, dazu nur bemerken, daß Herr v. Schweinitz von seiner Reise in das Heimathland seiner Gemahlin (Nordamerika) Ende Juli in Wien eintreffen wird, um die Geschäfte der Botschaft wieder zu übernehmen.
— Der von den Schuhmachern Deutschlands zu Ehren des Hans Sachs-Denkmals gespendete goldene Eichenkranz wurde dem Germanischen Museum überlassen. Als Zeichen der Erkenntlichkeit hat nun die Verwaltung des Germ. Mus. den sämmtlichen Schuhmachern Deutschlands und ihren Gehülfen freien Eintritt für alle Zeiten bewilligt.
— München, 2. Juli. Die Abgeordnetenkammer erledigte in der heutigen Sitzung den Cultusetat vollständig nach den Anträgen des Ausschusses und genehmigte die Aufbesserung der gering dotirten katholischen Pfarreien.
— Wien. Im Ackerbauministerium zeigt man sich sehr zuversichtlich in Bezug auf die Ernte. Nach amtlichen Berichten zeigen in den ausschlaggebenden Distrikten namentlich die schweren Getreidegattungen Gerste und Waizen einen so günstigen Stand, wie er seit dem Glanzjahre 1867 nicht mehr constatirt werden konnte. Das Marchfeld, Böhmen und Mähren, sind über die Maaßen gesegnet, und selbst ärmer bedachte Provinzen, wie Salzburg und Oberösterreich, können diesmal reichlich zufrieden sein. Die Erwartungen, welche man an diese Thatsachen knüpft, werden noch durch den Umstand erhöht, daß die im Frühjahr jo glänzend gewesenen Aussichten in Südfrankreich, am Rhein und theilweise selbst in Rußland hinterher eine ziemliche Abschwächung erfahren haben. Man rechnet, daß das österreichische Getreide, dies Jahr durch die Witterungsverhältnisse auffallend in der Reife begünstigt, das erste auf dem internationalen Markte sein werde. Es knüpfen sich an dies voraussichtliche Ernteergebniß nicht wenig sanguinische Hoffnungen, und zwar nicht blos in ausschließlich finanziellen Kreisen.
— In Holland bleibt der Krieg mit Atchin der Angelpunkt, um den sich alles öffentliche Interesse und die Situation der Minister dreht. Auch in der letzten Dienstags-Sitzung der ersten Kammer verlangte der Minister der Kolonien und der Marine, Fransen van de Putte, wiederholt und entschieden, daß die Kammer in eine Diskussion über die ihr mitgetheilten offiziellen Dokumente über den Krieg mit Atchin eintrete. Derselbe wies darauf hin, daß anderen Falls geschlossen werden müsse, die Kammer sei mit dem Inhalte der ihr von der Regierung gemachten Mittheilungen vollständig einverstanden, und hob weiter hervor, daß die Kammer, wenn sie auf eine Diskussion über die gemachten Vorlagen nicht eingehen sollte, einen Minister, der um seine Entlassung gebeten, hindern würde, sich gegen etwaige Anschuldigungen zu vertheidigen. Gleichwohl beschloß die Kammer mit 33 gegen 3 Stimmen, auf eine Besprechung der ihr über den Krieg mit Atchin mitgetheilten Dokumente nicht einzugehen. (®eri. sagst.)
Madrid, 2. Juli. Heute fand das feierliche Leichenbegängniß des General Concha statt, welchem Marschall Serrano, sämmtliche Minister und eine zahllose Volksmenge beiwohnten. — Die Zahl der bei Estella konzentrirten Carlisten wird in hier eingetroffenen Berichten aus 38,000 Mann angegeben. Gleichwohl rechnet man-auf einen Sieg der Regierungstruppen, die 106 Geschütze bei sich führen.
— Portsmouth, 3. Juli, Morgens. Ihre Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin des Deutschen Reichs sind, geleitet von dem Panzergeschwader, heute früh in Spithead eingetroffen.
— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 3. Juli aus Frankfurt a. M.: In allen an Flüssen liegenden Städten werden öffentliche Badeanstalten errichtet, in denen auch Arme die Wohlthat des Bades genießen können. Frankfurt hat Geld für Palmhüuser, Zoologische Gärten rc. Für die ersten Erfordernisse der Reinlichkeit und Gesundheit scheint aber nichts vorhanden zu sein. — Die Sterblichkeit unter den Fischen des Rechneigrabens hat nach der ergiebigen Wasserzulassung aus der Vogelsberger Quellwasserleitung gänzlich aufgehört.