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Freitag den 3. Juli
1874.
Tagesschau.
— Der „R. u. St.-Anz." macht heute folgendes bekannt: Wiederholte Anfragen aus allen Theilen des Deutschen Reiches veranlassen die unterzeichnete Kommission den Betheiligten hierdurch bekannt zu machen, daß die von der internationalen Jury zu Wien zuerkannten Medaillen voraussichtlich erst in einigen Monaten zur Vertheilung gelangen werden. Berlin, den 1. Juli 1874. Central-Kommission für die Wiener Ausstellung von 1873.
— Berlin, 2. Juli. Der 3. Cötus der Kriegs-Akademie hat , • sich von heute ab bis Ende Juli auf Generalstabs-Üebungsreisen begeben.
— Es ist, so schreibt die „Trib.", jetzt das Gesetz publicirt worden, welches die Staatsbeamten von der Verwaltung der Actien- und Actiencommandit-Gesellschaften ausschließt. Wir halten dies Gesetz für ein sehr heilsames, wenn auch gegenwärtig die Zeit vorüber ist, wo ein besonderes Hindrängen der Beamten nach solchen Stellen stattfand. Was wir an „Gründungen" erlebten, beweist, wie sehr das Ansehen der Staatsgewalt darunter leiden muß, wenn ihre Beamte betheiligt sind an der Verwaltung solcher Gesellschaften, die entweder als nicht auf vollkommen ehrenhaften Grundlagen beruhend sich erweisen oder durch welche zum Mindesten mehr Nachtheil als Vortheil gefördert worden ist. Der gegenwärtige Zeitpunkt ist für das Jnslebentreten des Gesetzes geeigneter, als dies ein früherer Termin gewesen wäre. So viel uns bekannt, denken von den bei der Verwaltung von Actienge- sellschaften betheiligten Staatsbeamten, welche vor zwei Jahren, ja vor einem Jahre noch der Meinung waren, daß sie lieber ihre amtliche Stellung niederlegen, als auf das Einkommen aus ihrer Stellung bei der Verwaltung dieser oder jener Actiengesellschast verzichten würden, viele darüber heute schon ganz anders. Es kann die Wendung, welche in den Anschauungen dieser Kreise eingetreten ist, nur mit Freuden begrüßt werden, weil in der That die Geschäfte des Amtes darunter leiden müssen, wenn der Beamte ein größeres Interesse an der Sicherung einer Stellung hat, aus der ihm ohne viel Mühe — wie denn in der That die Mühewaltung bei der Wahrnehmung der Pflichten eines Verwaltungsraths meist ein ganz minimale ist, — eine weit größere Einnahme als aus seinem Amtsberuf zufließt. Es werden die Zeiten wie- derkommen, wo es leicht sein wird, in ähnlicher müheloser Weise, wenn auch nur vorübergehend, viel Geld zu erwerben; jeder Beamte wird dann wissen, was er zu thun hat, er hat zu wählen zwischen seinem Staatsamte und zwischen der auf einen reicheren und demgemäß minder sichern Erwerb Aussicht bietenden Stellung bei der Verwaltung einer Actiengesellschast.
— Paderborn, 2. Juli. Bischof Martin erhielt die kreisgerichtliche Aufforderung, binnen dreitägiger Frist die ihm zuerkannte Gefängnißstrafe anzutreten. Der Bischof von Ermeland und der Bischof von Mainz sind angeblich zum Besuche des Bischofs Martin hier anwesend.
— Der altkatholische Bischof Dr. Reinkens in Bonn hat den Professor Dr. Reusch daselbst zu seinem Generalvikar zunächst für das Königreich Preußen ernannt. Herr Dr. Reusch wird in Abwesenheitsfällen des Bischofs auch den Behörden gegenüber in dessen Namen vertretungsweise zeichnen dürfen, wovon die sämmtlichen Behörden in Kenntniß gesetzt sind.
— In Hamm waren neulich 36 Eisengießereien des nördlichen und mittleren Deutschlands vertreten, um in Folge der allgemeinen Bewegung des Eisenmarktes eine Besprechung bezüglich der Handelsgußwaaren zu pflegen. Nachdem rücksichtlich des Rückganges der Preise für Walzeisenfabrikate die Erwägung Platz gefunden, daß, während die Walzeisenpreise seit dem Jahre 1871—72 eine Steigerung von über 100 pCt. erlitten, die Gußwaarenpreise in der nämlichen Zeit nur eine Erhöhung von ungefähr 50 pCt. erfahren haben, wurde allseitig hervorgehoben, daß es dringend geboten sei, an den bestehenden Preisen für Handelsgußwaaren festzuhalten.
— Saarbrücken-St. Johann im Juni. Das „Deutschlands Helden 1870/71" auf hiesigem Winterberg errichtete Denkmal, ein staatlicher altdeutscher Wartthurm mit dem Reichsadler am Fronton, wird
am 9. August seierlich eingeweiht werden. Der 9. Aug., ein Sonntag, ist zwar nicht der eigentliche 'Schlachttag bei Spichern (6. August), der hiesigen Einwohnerschaft aber darum doppelt werth, weil an diesem Tage der greise Heldenkönig Wilhelm hier eintraf, um seinen siegreich vorangestürmten eisernen Legionen nach Frankreich hinein zu folgen. — Auch unser neuer Rathhaussaal wird ein Erinnerungszeichen au das große Jahr 1870/71 erhalten. Der Kultusminister richtete nämlich im April an den hiesigen Stadtrath die Anfrage, ob sich hier oder in der Nähe ein auf den Krieg mit Frankreich bezügliches Werk monumentaler Malerei unterbringen lasse, worauf der neue Rathhaussaal als der hierzu geeignetste Platz in Vorschlag gebracht wurde, der Kultusminister hat sich damit einverstanden erklärt und mittelst Reskript vom 3. d. M. den hiesigen Stadtrath um Angabe der Raumverhältnisse des neuen Rathhaussaales ersucht, damit darnach jenes Wandgemälde, dessen Vollendung voraussichtlich zwei Jahre in Anspruch nehmen wird und das einen Theil der Dekoration des Rathhaussaales bilden soll, angefertigt werden kann.
— Darmstadt, 1. Juli. Die Gendarmerie wird dermalen mit den neuen Chassepotgewehren einexercirt und sind zu diesem Zweck auch auswärts stationirte Gendarmen hier anwesend,
— Nach verschiedenen Blättern ist sowohl in der Bergstraße als im Odenwald Nachfrage nach einem neuen Handelsartikel, der samentragenden Herbstzeitlose, und sollen unter den Käufern solche sein, die sich sonst mit dem Hopfengeschäfte befaßten.
— München, Anfang Juli. Da leider im Finanz-Ausschuß der Kammer der Abgeordnete» die Position für: „die neuen schweren gezogenen Festungs- und Belagerungs-Geschütze nebst Granatkartätschen mit Zeitzündern" gestrichen wurde, so kann Bayern seine Festungen mit dem nun veralteten Artillerie-Msterial nicht mehr als verthei- digungsfähig erachten. Nach den Erfahrungen des französischen Festungskrieges haben sich selbst gezogene deutsche 4- und 6- Pfünder-Feldge- schütze den großen aber glatten feindlichen Festungsgeschützeu überlegen gezeigt, so daß die glatten Rohre nur mehr zur Grabenbestreichung dienen können, auf den Wällen aber ausschließlich gezogene Geschütze allein verwendet werden müssen. Wir brauchen daher, wie bei allen europäischen Festungen, dem modernen Festungskriege nach solchen maßgebenden Erfahrungen entsprechend, eine größere Anzahl neuer gezogener Festungs- und Belagerungsgeschütze, um den jetzigen technischen Anforderungen zu genügen. Ueberdies hat sich Bayern in den Versailler Verträgen Artikel XIV. §. 1 verpflichtet, die Festungen Germersheim, Neu-Ulm und Ingolstadt in vollkommenem vertheidigungsfähigem Zustande zu erhalten, was auch ohne Vertrag eigentlich selbstverständlich sein dürfte. Es steht daher zu erwarten, daß das bayerische Kriegsministerium aus diesen wichtigen militärischen und politischen Gründen die im Finanz-Ausschusse gestrichene obenerwähnte Position für das neue Festungs-Artillerie-Material im Plenum der Kammer aufrecht zu erhalten suchen wird. (Augsb. Mdztg.)
— Würzburg, 1. Juli. Die gestern begonnenen Verhandlungen in dem Untersuchungsprozesse wegen Mißhandlung und Beleidigung des Soldaten Plattner von Neumarkt von Seiten seiner militärischen Vorgesetzten sind heute beendigt worden. Die sämmtlichen Schuldfragen sind von den Geschworenen verneint und alle Angeklagten, Premier-Lieutenant Fürthmaier, Sekonde-Lieutenant v. Geuder, Vice- Wachtmeister Hartung, Unterofficier Bräunig und Unteroffizier Müller freigesprochen worden.
— Ulm, 27. Juni. Die von Preußen, Bayern und Würtem- berg beschickte Militärkommissson zur Regelung der Verhältnisse der Festung Ulm hat folgende Resultate erzielt: Das Gouvernement über die gesammte Festung würtembergischen wie bayerischen Antheils wird künftig vom Reich gestellt; den Kommandanten über beide Antheile ernennt Bayern, derselbe ist aber auch auf das Reich zu vereidigen. Fachchargen vertheilen sich zwischen den beiden in Frage kommenden Territorialstaaten Bayern und Würtemberg. Die Uebereiukunft unterliegt noch der Genehmigung der Kriegsherren. ■
— Freiburg, 28. Juni. Eine Schandthat, wie sie zum Glucke sehr selten Vorkommen, soll sich dem Vernehmen nach gestern Nacht ui