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anderen Verfassungsentwurf als ein zum Ziele führender Weg nicht erachtet werden könne, daß nur eine gewählte Vertretung die neue Landesverfassung mit den Regierungen zu vereinbaren vermöge, und daß vor Allem ein Gesetz erforderlich sei, welches das Vereins- und Versammlungsrecht regele.

Ueber den Brüsseler Congreß zur Reform des Kriegs- Völkerrechts hörte man in der letzten Zeit die widersprechend­sten Nachrichten. Thatsächlich zeigten sich einige Staaten im Verlauf der Versammlung gegen das Zustandekommen des Con- gresse^ spröde; namentlich protestirte England gegen Ausdehnung der Verhandlungen auf das Seerecht, allein man hat in dieser Beziehung bereits eine Verständigung erzielt: das Seerecht wird wahrscheinlich unberührt von den Debatten bleiben. Dagegen wird sich der Beginn des Congresses, der auf den 27. Juli fest­gesetzt war, etwas verzögern und der Congreß nach seinem Zu­sammentritt und Sichtung des ihm unterbreiteten Materials sich für einige Zeit vertagen.

Wenn die französischen Journale aller Farben sich mit erbaulicher Konsequenz in den Haaren liegen, so reichen sie sich in rührender Uebereinstimmung auf einem Terrain die Hände, wenn es gilt, der Regierung Deutschlands etwas anzuhängen. Der Baron Greindl ist auf seiner Durchreise nach Madrid, wo­hin er als belgischer Gesandter geht, in Paris angekommen. Dies gab den Pariser Blättern eine willkommene Veranlassung, heraus zu finden, daß die belgische Regierung von Berlin Ordre erhalten habe, die Regierung Spaniens anzuerkennen, der sie aus Furcht vor den Gelüsten des mächtigen Nachbars nach dem Ant­werpener Hafen gehorchen müsse. Dieselbe Furcht veranlasse die belgische Regierung auch, Herrn Rochefort den Aufenthalt in Brüssel zu verweigern, weil der rücksichtslose Pamphelist mög­licherweise im Stande wäre, die preußische Regierung anzugrei­fen re. Die konsequenten Anfeindungen Deutschlands in der Presse wecken natürlich auch im Publikum ein Echo. So ist z. B. ein Impresario, der nach Paris kam, um eine Truppe für die Vorstellungen derFille d'Angot" in Straßburg und später in einigen Städten Deutschlands zu engagiren, in einem ßafé der Boulevard's, wo sich viele Schauspieler versammeln, insul- tirt,Preuße" geschimpft und zuletzt hinausgeworfen worden. Wird das etwa auch als eine Revanche betrachtet? Fast scheint es so, denn die Blätter applaudireu diesem Heldenstreich ein- müthig.

DieRevue Politique et Litteraire" schreibt:Wir er­fahren aus sicherer Quelle, daß ein bonapartistischer Staatsstreich für den verflossenen 5. Mai, den Todestag Napoleons L, vor­bereitet war. Der kaiserliche Prinz sollte nach Paris kommen, um der Messe im Jnvalidenhotxl, inmitten einer gewissen An­zahl Offiziere, deren Namen gesammelt waren, beizuwohnen. Die dem Komplott angehörigen Militärchefs hätten dann wie zu ei­ner Revue ihre Truppen auf dem Marsfelde versammelt, wo der junge Artillerist von Woolwich ihnen vorgestellt worden und, wie man glaubt, von ihnen begrüßt worden wäre. Dieses Pro­jekt wurde im letzten Augenblicke aufgegeben.Wir sind über­zeugt", fügt dieRevue" hinzu,daß es diesem militärischen Komplott hauptsächlich an Militär fehlte." Das werden aber auch die Bonapartisten gewußt haben, und deßhalb wird die be­vorstehende Enthüllung wohl nicht so ernst zu nehmen sein.

London, 26. Juni. Der englische Katholikenverein hielt gestern eine Versammlung, die sich mit dem Prinzipal­zwecke des Vereins und den Mitteln zur Erreichung desselben beschäftigte. Als hauptsächliche Aufgabe des Vereins wurde ein Zusammenwirken zur Wiederherstellung der weltlichen Macht des Papstes bezeichnet. Sodann wurde beantragt, daß die Katholi­ken sich irgendwelcher anderen politischen Parteien überhaupt nicht anschließen, sondern eine von anderen politischen Parteien vollständig unabhängige Partei bilden sollen. Zu dem Ende sollen für die Wahlen zum Parlamente Seitens des Vereins besondere Wahllisten aufgestellt werden. Ferner wurde beschlos­sen, mit den Katholiken auf dem Festlande in Verbindung zu treten und dem Vorgehen der Katholiken daselbst alle mögliche Unterstütznng angedeihen zu lassen. Der Herzog von Norfolk führte den Vorsitz bei der Versammlung.

Madrid, 25. Juni. Vom Marschall Serrano sind heute die Verfügungen über die neuen Finanzmaßregeln unter­zeichnet worden. Die Einnahmen dürften sich dadurch auf 2500 Millionen Realen erhöhen.

Das Gros der Regierungsarmee befindet sich noch bei Lerin. Eine Entscheidungsschlacht scheint unmittelbar be­vorzustehen.

Sant ander, 25. Juni. Die Carlisten haben zum Schutze Estellas drei verschanzte Linien eingerichtet. In einer Entfernung von etwa 5 Meilen vorwärts dieser Linien führen die Generale Jturmendi, Mendiri, Lerga und Berriz den Be­fehl. Die Linie von Castillo bis Puente Reyna steht unter dem Befehle von Dorregaray. Die Regierungstruppen haben zur Erleichterung ihrer Bewegungen die Brücke von Larraga wieder­hergestellt.

Falsches Papiergeld. In der Provinz Posen sind dieser Tage falsche preußische Zehnthaler-Banknoten aufgetaucht, die sich durch folgende Kennzeichen von den ächten unterscheiden: Während bei den ächten der auf der Vorderseite, linker Hand, befindliche Controlstempel (grüner Adler auf schwarzem Grunde) scharfe und bestimmte Zeichnung aufweist, ist die Zeichnung bei den unächten Scheinen schmierig und verwischt, der Adler ist unscharf gezeichnet, und der aus den Buchstaben F und R gebil­dete Namenszug auf der Brust des Adlers zeigt durchaus nicht die Schärfe, wie auf den ächten Scheinen. Auf der Rückseite sind die 6 reliefartigen Köpfe, die bei den ächten mit der Guillo- chirmaschine derartig hergestellt sind, daß jede Linie von oben bis unten durchgeht, und durch das Zusammen- oder Auseinan­derrücken dieser Linien Licht und Schalten, und dadurch das reliesartige Bild erzeugt wird, durchaus incorrcct gezeichnet; wäh­rend bei den ächten Scheinen die Linien in den Lichtseiten viele Abweichungen von der Senkrechten zeigen, gehen bei den unäch­ten Scheinen alle Linien in senkrechter Richtung.

DieNeue Frftr. Pr." schreibt unterm 26. Juni aus Frankfurt a. M.: Mit Zustimmung der Stadtverordneten-Ver- sammlung hat der Magistrat behufs Fortführung der Trambahn von der Constabler-Wache nach dem Ostende die Linie: Aller- heiligenstraße (westlicher Theil), Breitegasse, vormals Raven- steinsches Grundstück, Pfingstweidstraße, Pfingstweide und kleine Pfingstweidstraße und bezüglich der herzustellenden Zweigbahn nach Bornheim die Linie: Ravensteinsches Grundstück, Sandweg, Arnèburgerstraße nunmehr definitiv sestgestellt und genehmigt, so daß jetzt nur noch die polizeiliche Genehmigung dieser Rich­tungen und die entsprechende Cvncessions-Erweiterung für die hiesige Trambahn-Gesellschaft erübrigt. Ueber die von dem Herrn Polizei-Präsidenten im Interesse des öffentlchen Verkehrs befür­wortete Herstellung einer Zweiglinie der Trambahn nach den Westbahnhöfen, fchweben noch Verhandlungen. Das neunte mittelrheinische Turnfest, welches nächsten Monat in Gießen statt­findet, wird allem Anschein nach sehr lebhaft werden, während man sich für den Turntag selbst heiße Debatten verspricht. Zum Besuch des Festes sind von den Frankfurter Vereinen bis jetzt 128 Turner angemeldet, darunter die Turngemeinde mit 27, Turnverein 59, Turn- und Fechtclub 28, Turngesellschaft 6, Sachsenhäuser Turnverein 17 rc.

Lokales und Provinzielles.

Hanau, 27. Juni 1874.

Achtes Mainthal-Sängerfest zu Hanau.

Noch 6 Tage und wir stehen am Vorabend des Hanauer Sängerfestes. Je mehr hie Zeit her Einlösung der lange ge­stundeten Ehrenschuld herranrückt, desto wärmer wird auch in weiteren Kreisen das Interesse an der uns bevorstehenden echt volksthümlichen Feierlichkeit. Und wahrlich, was mit den be­schränkten Geldmitteln unternommen werden konnte, ist Seitens des Comitè's erfolgt, die ausgegebene Festbeschreibung (Preis kr.) unterrichtet hierüber in ausführlichster Weise. Das Concer- selbst am Sonntag Nachmittag verspricht in hohem Grade geyuß-