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— Karlsruhe. Die Erste Kammer hat heute das früher von der Zweiten Kammer angenommene Einkommensteuergesetz mit 9 gegen 6 Stimmen abgelehnt.
— Ueber alle schweizerischen Pfarrer, welche sich durch das Volk zu ihren Nennern wählen lassen, hat der Vatikan die große Ex-Commumkation verhängt.
— Paris, 20. Juni. Die Schritte für die Restauration der Monarchie werden aus's Eifrigste betrieben. Es bestätigt sich, daß Delegirte nach Frohsdorf gesandt worden sind. Die Rede, welche Lucien Brun im Dreißiger-Ausschuß seiner Erklärung voraussandte, machte gewisses Aufiehen, unv wie verlautet, ist das rechte Centrum nicht abgeneigt, sich von Neuem auf eine monarchische Lösung einzulassen, in der Hoffnung, dadurch der Republik und dem Kaiserreich vorzubeugen.
— Wie erinnerlich, wurde kurz nach dem Kriege in Paris eine „Réunion des officiers“ gegründet, welche namentlich zum Zwecke hatte, die Offiziere der Armee mit Rücksicht auf den unvermeidlichen Revanchekrieg geistig zu entwickeln. Namentlich wurde dazu der regelmäßige Unterricht der deutschen Sprache in Aussicht genommen. Der Vorstand der Reunion zeigt nunmehr an, daß letzterer Plan keinen Fortgang haben könne, da sich bis jetzt nur ein einziger Theilnehmer anmeldete!
— Santan der, 22. Juni. Die Carlisten haben Kontributionen von Geld und Pferden in Aguera und den an der Grenze von Astunen gelegenen Dörfern erhoben. Der CarlistiN- anführer Dorregaray hat beträchtliche Verstärkungen an Mannschaften, sowie Kanonen von Guipuzcoa aus erhalten. Der Carlistenchef Partades, der sich unweit Miranda gezeigt, ist mit erheblichen Verlusten zurückgeworfen worden.
— Es hat sich jetzt eine Gesellschaft zur Legung eines telegraphischen Kabels durch das Schwarze Meer zwischen Odessa Konstantinopel unter dem Namen: „Schwarze Meer- Tilegraphen Gesellschaft" gebildet. Die Taxe für die einfache telegraphische Depesche von 20 Worten ist auf 6 Fr. in Aussicht genommen. Die Gesellschaft hat die Absicht, das Kabel von Konstantinopel aus weiter nach den Inseln des Archipelagus zu legen.
— (Falsches Papiergeld.) In M.-Gladbach wurden vor einigen Tagen Falsifikate der oldenburgischen Zehnthaler-Bank- noten, Emission vom 1. Januar 1869 L>t. B, angehalten. Dieselben sind sehr geschickt nachgemacht; das Papier ist im Ganzen etwas dunkler als bei den ächten und fühlt sich fettig an in Folge der Operationen, welche zur Nachahmung des Wasserzeichens vorgenommen wurden; dieselben sind im übrigen ziemlich gelungen, so daß dieses Merkm l für den Laien wenig brauchbar ist. Ein in die Augen springender Druckfehler ist das beste Unierscheidungèmittel. Am Fuße der Vord rseite findet sich nämlich statt: GROSSHERZ. OLDENB. PAPIERGELD auf den falschen die Inschrift: GROSSHERZ.OLDENR. PAPIER-GELD.
— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 23. Juni aus Frankfurt a. M.: Die Polizeimannschaft, welche den Sitzungssaal bei den Assisen und der Strafkammer zu überwachen hat, richtet in der letzten Zeit in aneikenueuswerther Weise ihre Aufmerksamkeit darauf, daß nicht mehr Kinder oder Knaben unter 16 Jahren den Kriminalverhandlungen beiwohnen können, indem sie dieselben, wie gestern massenhaft geschehen, von der Schwelle des Gerichtssaales zurückweist. — Ein hiesiger Bürger ist mit Hinterlassung einer Schuldenlast von 42,000 fl. durch gegangen. — Behufs Verlängerung der Schnurgasse müssen 37 Häuser expropriirt werden.
Lokales und Provinzielles.
Hanau, 24. Juni 1874.
— Herr Schreinermeister Helm hat in dem Garten seiner Behausung (früher Ulrich'sche Badeanstalt) einen prächtigen Pavillon (Dlillagearbeit) ausstellen lassen, der sich von allen
Seiten auf's Vortheilhafteste vorstellt; derselbe wurde von den Herren Siesmeyer in Bockenheim angefertigt.
— Seit vorgestern wird im Altstädter Schloßhof wacker an den baulichen Herrichtungen für das Sängerfest gearbeitet, so daß der Unterbau für das Podium nahezu fertig ist.
** Vergangenen Sonntag wurde zu Neuengronau, Kreis Schlüchtern, der dortselst stationirte Förster Rüdenglau am s. g. Westensteg erschossen aufgefunden. Näheres ist noch nicht bekannt.
— Wasserstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 0,21 Meter. Mainwasserwärme Morgens 7 Uhr 17 Grad.
— Namens der Agnaten hat der Herr Rechtsanwalt Dr. Renner zu Kassel R chtsverwahrung bei den betreffenden Amtsgerichten gegen die Verfügung des Herrn Oberpräsiventen eingelegt, welche die Eintragung der Erbfolgerechte der Agnaten auf das Fideicommißvermögen in die neuen Grundbücher untersagt. Wie der „Neue Kass. Anz." vernimmt, ist übrigens der Eintrag der agnatifchen Rechte der Linien Hessen-Philippsthal und Hessen- Phillppsthal-Barchield Seitens der Amtsgerichte Grebenstein und Rodenberg bezüglich der F^deicommiß-Besitzungen zu Wilhelmsthal und Nenndorf bereits erfolgt und sind von verschiedenen anderen Amtsgerichten die Jmplorationen der Agnaten zugelassen und Vormerkungen der Ansprüche derselben Hinsicht ich der in den Bezirken der erwähnten Amtsgerichte belegenen Fideicommiß« Objekte verfügt worden, während bei königlichem Appellationsgerichte zu Kassel eine Klage gegen die Generalverwaltung und den Staat auf Anerkennung der agnatischrn Rechte bezüglich aller zum hessischen Familienfideicommiß gehörigen Objecte eingebracht ist.
— Fulda, 22. Juni. Die neuerlichen Bischofsconferenzeu sollen, so weit bis jetzt feststeht, 3 Tage dauern (Mittwoch bis Freitag); die preußiichen Bischöfe, der von Mainz, ein Domherr von Köln und die Generalvikare von Posen und Trier werden alle im Laufe des morgigen Tages dahier eintreffen und im Priesterjeminare wohnen. Neben mehreren anderen kirchlichen Fragen sollen allerdings, wie mir von durchaus glaubhafter Seite mitgetheilt wird, die Friedensproposttionen besprochen werden, welche man der Regierung zu machen gedenkt. Vor allem soll es der Homagialeid sein, für den man wesentliche Modifi- cationen erstrebt. Die Bischöfe werden au jedem Morgen in der Domkirche die Messe celebriren und am Freitag Abend und Sonnabend Morgen wieder abreisen. (Hess. Mgztg.)
— Vom 1. Juli ab werden die Postverwallungsgeschäfte für den Kreis Schmalkalden von dem Geschäftsbereiche der Kaiserlichen Ober-Postoirektiou in Kassel abgezweigt und der Kaiserlichen Ober-Postdirektion in Erfurt übertragen werden.
— Der „R. u. Staats-Anz." schreibt: Im Regierungsbezirk Cassel versprechen die Saaten eine sehr gute Ernte Die kalten Nächte im April und Mai haben nur dem Raps, hin und wieder auch den Kleefeldern und den Obstbäumen geschadet.
Thermometerstand.
23. Juni: Höchster Staub des Thermometers + 20°, Abends 7 Uhr + 173/4o. 24. Juni: Morgens 6 Uhr -f- 9“, Vormittags 10 Uhr + 19°.
Berichtigung:
Im gestrigen Anzeiger hat sich bet der Notiz über das Begräbniß des Feuerwehrhauptmaiintts der 1. Comp. Franz Grieb ein Fehler einge- schlichen, unv zwar hat der Philharmonische Verein die Feier nicht mit dem Choral „Nun danket Alle Gott" sondern mit „Was Gott thut, das ist tvohlgethan" beschlossen, was hiermit berichtigt werd.
Hötel Adler.
Fremden-Liste vom 24. Juni 1874.
Die Herren: 1) Sauer, Gutsbesitzer aus Rossa im Herzogtum Meiningen. 2) Gungerich, Inspektor aus Gießen. 3) Hirschfeld, Kausmann aus Bielefeld. 4) Auler, Holzhändler aus Bensheim, b) Schaller, Kaufmann aus Berlin. 6) Händel, Kaufmann aus Nürnberg. 7) Dittmann, Kaufmann aus Leipzig. 8, Grün, Kaufmann aus Magdeburg. 10) Schmidt, Kaufmann aus München.