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jede Kriegsmacht, die nicht zur regulären Armee gehört, soll ver­boten werden und die gesetzliche Autorität in okkupirten Gebieten soll der okkupirenden Armee allein zukommen. Damit wäre aller „nationale Widerstand" unmöglich gemacht! Es ist nun erstens nicht richtig, daß dem Brüsseler Kongreß solche Aufgaben vor­liegen sollen. Dann aber steht auch seit der Publikation der amerikanischen Kriegsartikel das völkerrechtliche Prinzip so ziem­lich fest, daß wirklich die okkupirende Armee auf dem Gebiet, welches sie de facto beherrscht, Ordnung hält und obrigkeitliche Gewalt ausübt. Ferner erkennen alle civilisirten Völker den Grundsatz an, daß der Krieg zwischen Armee und Armee geführt wird und der einzelne Soldat nur insoweit berechtigter Krieger ist, als er seine Armeeangehörigkeit nachweisen kann und als er sie auch dem Feinde sichtbar macht. Auch der Freischärler ist berechtigt, wenn er seinen Ausweis und seine Uniform hat; soll aber die „nationale Vertheidigung" darin bestehen, daß der Pa­triot aus dem Versteck auf den Feind schießt und nachher im blauen Kittel als unschuldiger Landmann sich präsentirt, dann thäte die „Rdpublique" besser daran, nicht an solche Vorkomm­nisse zu erinnern.

— Washington, 19. Juni. Der Präsident der Verei­nigten Staaten hat für das neu errichtete General-Konsulat in Berlin den bisherigen Konsul Kreißmann daselbst zum General- Konsul ernannt und hat der Senat gestern diese Ernennung be­stätigt.

— Die „Neue. Frftr. Pr." schreibt unterm 20. Juni aus Frankfurt a. M.: Gestern wurden im zoologischen Garten die Affen in das jetzt fertiggestellte große Affenhaus verbracht. In den weiten Räumen desselben vermag die übermüthige Schaar ihre Ge­lenkigkeit im vollsten Maße zu entfalten. — Das Individuum, welches in die Kasse der Post zu Bornheim einzubrechen sich be­mühte, wurde ermittelt und zur Haft gebracht. — Ein in einem Confectionsgeschäft beschäftigt gewesener Ausläufer, welcher die Rechnungen für seinen Herrn quittirte und bereits über 200 fl. einkassirte ist durchgegangen. Ein anderer Auslauser, welcher von seiner Herrschaft ca. 200 fl. erhielt zur Bezahlung von Rechnungen, quittirte dieselben sämmtlich, worauf er seinen Oienst kündigte, die Quittungen ablieferte und auf Nimmerwiedersehen fortging. Erst jetzt, nachdem die Rechnungen zum zweitenmale einliefeu, wurde man auf die Fälschungen aufmerksam.

Lokales und Provinzielles.

Hanau, 22. Juni 1874.

Eingesandt.

Q. Nach den Mittheilungen der Samstags-Blätter sind zur feierlichen Ankündigung des 1. Sängerfesttages Böllerschüsse in das Programm ausgenommen. Ob eine so geräuschvolle Er­öffnung dem Charakter eines Sängerfestes entspricht mag dahin gestellt bleiben, man kann hierin verschiedener Ansicht sein. Zweck dieser Zeilen ist nur an das Comitâ die Erwartung und Bitte zu richten, im Interesse der jederzeit in der Stadt befindlichen Kranken das Abfeuern wie anderwärts vor der Stadt*), nicht innerhalb derselben vorzunehmen. Es wird wohl genügen die dirigirenden Kreise auf diesen Punkt aufmerksam zu machen; wer je in der Lage war an solchen Tagen Schwerkranke im Hause zu haben, wird mir sicherlich beistimmen.

— Gestern Morgen verstarb nach schwerem Leiden der Hauptmann der 1. Compagnie der freiwilligen Feuerwehr Franz Grieb im besten Mannesalter (46Jahre); dec Verstorbene hat sich sowohl seiner Zeit um das Aufblühen der hiesigen Turnge­meinde, der er manchen errungenen Preis von auswärtigen Turn­festen hennbrachte und die ihn kürzlich zum Ehrenmitgliede er­nannte, als auch um die Wellerentwickelung der freiwilligen Feuerwehr sehr verdient gemacht, bei welch letzterer er schon lange Jahre Führerdienste versehen. — Der Tod hat der Fa­milie des Heimgegangenen eine schwere Wunde geschlagen: 7 Kinder, wovon 5 noch unerzogen, beweinen den Vater; die znm Tod kranke Gattin den Mann und ein in einem elenden unheil-

*) Ist gleich bestimmt worden, die Schüsse vor der Stadt abzufeuern. Aumerk. des Setzers.

baren Zustande daliegender Vater den Sohn. — An der heute Abend stattfindenden Beerdigungsfeier betheiligen sich sowohl die Turngemeinde als die freiwillige Feuerwehr und werden die Steiger sowie die Feuerwehrleute seiner Compagnie in Uniform vertreten sein, ebenso die letzteren dm Sarg vom Friedhofe aus nach dem Grabe tragen; der philharmonische Verein, dessen sehr thätiges aktives Mitglied der Verblichene auch war, wird in ei­nem Trauermarsch seinem verstorbenen Vorstandsmitgliede die letzte Ehre erweisen und das Gesangkränzchen der Turngemeinde ein Grablied singen.

— Wer sich einige Stunden sehr angenehmer Unterhaltung verschaffen will versäume nicht das „Griechische Theater" von Professor Herrmann zu besuchen, welches gestern bei seinen 3 Vorstellungen bis auf das letzte Plätzchen besetzt war. Was Herr Herrmann vor ähnlichen Künstlern in der Magie vortheilhaft auszeichnet ist sein schnelles, sicheres und vor dem Publikum freies Arbeiten, so daß es bei der größten Aufmerksamkeit nicht möglich ist, die im Geheimen mitwirkenden Faktoren zu erschauen; die Leistungen des Herrn Herrmann wurden deshalb auch auf's beifälligste ausgenommen. Ein hierauf sich producirender Athlet kann sich der Bewunderung unserer Turner, sowie ein Trommel- Virtuose, der mit 50 Trommelschlägern 20 Trommeln mit den Händen und nebenbei große Trommel nebst Ciuellen mit den Füßen wahrhaft staunenerregend bearbeitete, der Bewunderung aller Tambours versichert halten. Die gezeigten Wandllbilder sind recht nett und einzelne komische Figuren brachten größte Heiter­keit hervor, ebenso gewährten die kaleidoskopischen Figuren mit ihrer herrlichen Farbenpracht und ihrer außerordentlichen Reich­haltigkeit im Changiren einen recht freundlichen Anblick. Der Besuch des griechischen Theaters kann somit Jedem bestens em­pfohlen werden.

—r. Nach vielen vergeblichen Versuchen wurde gestern Nach­mittag in den Dickichten der Bulau eine Ringelnatter (Coluber natrix) ein wahres Prachtexemplar in Länge und Stärke, wel­ches ;chon mehrere Jahre an demselben Platz beobachtet wurde, gefangen.

— Gestern wurde das Maingau-Sängerfest in Bürgel bei Offenbach, au welchem 19 Vereine — unter anderen gehören hierzu Bockenheim, Bergen, Fechenheim, Hochstadt Dörnigheim, Kesselstadt, Großauheim rc. — mit ca. 400 Sängern Theil nahmen, die alle dortselbst einquartirt waren, abgehalten, und war der ZuzUg, besonders aus Offenbach und den umliegenden Ortschaften ein enormer; die Gesammtchöre dirigirte Lehrer Heil in Bürgel, ein geborener Offenbacher, und die musikalischen Pieqen wurden vom 5. Rhein. Dragouerregiinent aus geführt. Besucher des Festes sprachen sich sehr befriedigend sowohl über das Arrangement (an Fahnenschmuck und sonstigen Dekorationen war viel geleistet worden) als über die Leistungen aus. Im Laufe des heutigen Tages finden der Sängertag und sonstige Festlichkeiten statt. — Bei dem gestrigen Maingau-Schau- und Preisturnen wurde der 13. Preis von Herrn Thomas Glaser hier, Mitglied des „Turn- und Fechtclub", errungen; von der Turngemeinde h i e r war kein Preisturner in Rödelheim an­wesend.

— Wasserstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 0,21 Meter. Mainwasserwärme Morgens 7 Uhr 16 Grad.

— Marbnrg, 19. Juni. Heute Vormittag wurde mit schweren Ketten geschlossen und unter Begleitung sämmtlicher Schutzmannschaft der aus dem Zuchthau ) in Kassel entwichene Sträfling Hund aus Asterode vor die Strafkammer königl. Kreis­gerichts geführt, um für einige weitere Verbrechen des Straßen­raubs und des Diebstahls abgeurtheilt zu werden. Derselbe war bereits in seiner Haftzelle mit Ketten belastet, trotzdem demolirte er Pritsche, Fenster rc. und widersetzte sich den Gefangeuwärtern der Ärt, daß diese die Schutzmannschaft requiriren mußten, um die Vorführung zu ermöglichen. Inzwischen hatte Hund seinen Kittel zu einem Seile gedreht und sich mit demselben erhängt. Als die Schutzmannschaft die Zellenthür öffnete, reißt jedoch der Kittel und der an einem Fenster zwischen Himmel und Erde Schwebende faßte auf letzterer wieder festen Fuß, um wohlver-