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Wir kennzeichnen einfach diese Situation, ohne uns zu Vertretern einer Politik der Vergeltung und der Repressalien zu machen. Wir sind überzeugt, daß Preußen keine Lust hat, den Spuren Ludwigs XIV. und Napoleons I. zu folgen. Es wünscht nichts, als sich im Innern zu konsolidnen und im Westen wie im Osten die Aufrechterhaltung des Status quo in Europa zu sichern. Der Charakter des neuen deutschen Reich s ist friedlich und kou servativ, und Diej nigen, die das Gege itheil glauben mach n wollen, entfernen sich von der Wahrheit. — Das deutsche Reich ist aber eben so wenig der katholischen Religion feindlich gesinnt. Es wird das Papstthum so lange bekämpfen, als dasselbe sich als Feind der bürgerlichen Gesellschaft zeigt und den Zweck verfolgt, die weltliche Macht, die nicht minder göttlichen Ursprungs ist, als die geistl che, zu stürzen." (Berl. Tagbl.)
— Wie verlautet, hat nun die russische Regierung offiziell den Cabineten den Entwurf einer Convention vorgelegt, deren Berathung Gegenstand dis Brüsseler Cougresses weiden soll, und deren Inhalt die gesummten VeeHältnisse der Kriegführenden unter e.nander und zur Cvilbevölkernng regelt.
— Wie der „Kölusichen Zeitung" gemeldet wird, hätte betreffs Rocheforts und der anderen aus Nencaledonien entflohenen Deportirten ein Schriftenwechsel zwischen der französischen und der englischen Regierung stattgesunden und wäre letztere angeblich bereit, die Flüchtlinge im Falle ihrer Landung in England anszuliefern. Die Kronjuristen seien der Ansicht, daß Verbrechen vorlägen, welche die Stattgebung eines Auslieferungsantrages begründeten.
— Der neu ernannte spanische Finanzminister hat die Versickerung abgegeben, daß das zur Bezahlung der verfallenen Coupons vom früheren Ministerium abgeschlossene Uebereinkommen auf das Ehrenhafteste gehalten werden soll.
— Santander, 9. Juni. Zwischen Bitoria und Miranda ist die Verbindung durch carttslische Streiscorps unterbrochen. — Die Nordarmee hat Logrono und Tafulla beietzt. — Zwischen dem Concha und dem Carlistenchef Dorregaray finden Verhandlungen wegen Wiedereröffnung und Offenerhaltung der Eisenbahn von Miranda nach der französischen Grenze statt.
— Bukarest, 10 Juni. Der „R. u. St. A." meldet: Die Regierung hat dem Antrag, das Gesetz über die neue Anleihe bis zur Winlersefsion zu vertagen, ihre Zustimmung ertheilt und hat dagegen die Kammer die Prolongation des Umlaufs der Schatzbonds in Höhe von 17 Millionen bis zum 30. Juni 1875 genehmigt.
— Die „Neue Frftr. Pr." ichreibt unterm 10 Juni aus Frankfurt a. M.: Heute Nachmittag um 21 Minuten nach 2 Uhr schlug ein vorbeiziehendes Gewitter in den Eschenheimer Thurm ein. Der Strahl warf die Wetterfahne herab, fuhr erst südwestlich und sprang dann nach Süden über und glitt am Thurm, ohne weiteren Schaden anzurichten, herab. — G stern Abend um 10 Uhr fand man auf einem Steinhaufen, gegenüber dem Weiher am Hellerhof einen etwa 60 Jahre alten Mann, welcher sich durch einen Schuß in den Mund mit einer alten Sieinschloßpistole getödtet hatte. Seinen Papieren nach ist derselbe am Mittelrhein zu Hause. — Gestern Abend wurde im Niederwald die Leiche eines unbekannten Mannes gefunden, derselbe hatte seinem Leben mit einem Pistolenschuß durch den Kopf ein Ende gemacht.
Lokales und Provinzielles.
Hanau, 11. Juni 1874. Eingesandt.
— In Nr. 132 des „Hanauer Anzeiger" findet sich in dem Lokalartikel „Eintheilung der Stadt in 14 Bezirke behufs Beschaffung von Sänger-Quartieren" unter dem 4. Bezirk eine „Neue Schulstraße" aufgeführt, welche Einsender bis jetzt nicht auffinden konnte, obgleich er sich lebhaft denken kann, daß die Straße gemeint ist, in welcher das neue Mädchenschnihaus steht. Gegen diese Benennung würde nichts einzuwenden sein, wenn nicht schon eine Schulgasse in Hanau zu finden wäre, doch dürfte es geboten erscheinen quaest. Straße recht bald einen
Namen zu geben, ehe der Volksw'tz w'cder, wie zu anderen Plätzen hiesiger Stadt, sich einen sucht (Einsender erinnert nur an „Affenthor", „Patrontasche", „Wiener Spitz" re). In unserer Nachbarstadt Frankfurt ist der Name der neuen Straße bestimmt, sobald nur einmal ein Anfang mit Anlegung derselben gemacht ist und dies scheint auch das richtige zu ie n. Frankfurt legt feinen neuen Straßen größtentheils die Namen großer Männer bei, und so dürfte auch hier, mit Rücksicht auf das neue Mädchenschulgebäude der Name eines bedeutenden Schulmannes (Pestalozzi oder Tüesterweg) ganz gut Anwendung finden können, und schlägt Einsender vor die neue schöne Straße „Pestalozzi- Straße" zu nennen.
— Heute Abend 8 Uhr findet im Vereinshause eine Außerordentliche Generalversammlung für die Mitglieder des „Verein für gemeinnützige Zwecke", und um 9 Uhr eine Generalversammlung für die Mitgl.eder des „Hanauer Kriegerverein" statt, in welch letzterer Vorstandswahl, sowie Wahl dreier Delegirten nach Aschaffenburg vorgenommen, sowie über das Lamboifest Rücksprache genommen werden soll.
— Gestern Mittag kurz nach 12 Uhr verstarb der taubstumme Armeupflegling Heinrich Braun auf der Treppe des Eingangs zur Schnabet'schen Brauerei in der Lindengasse ganz plötzlich, wahrscheinlich in Folge eines Schlaganfalls.
— Gestern Nachmittag gegen 3 Uhr schlug der Blitz in die Scheune des Kvibmachers Ebert zu Dörnigheim (am ausgangs des O-tes nach Hochstadt zu) und zündete, so datz außer erwähnter Scheune noch zwü andere obbrannten. — Die hiesige Feuerwehr, welche gegen Vzö Uhr auf der Brandstätte erschien, faub das Feuer schon bewältigt und deshalb keine Arbeit mehr. Wie uns von Seiten hiesiger Feuerwehrmitglieder mitgetheilt wurde, haben die Dörnigheimer wacker gearbeitet und verdienen insbesondere die Frauen und Mädchen, welche durch ihr äußerst thätiges Eingreifen ein gut Theil zur Löschung des Brandes beitrugen, alles Lob. In den abgebrannten Scheunen befanden sich noch ziemliche Vorräthe an Heu und Stroh.
— In der Hirschgasse Nr. 4 stürzte gestern Abend eine Frau aus dem dritten Stock auf die Straße, ohne gerade erhebliche Verletzungen davon zu tragen.
— Nachdem die Reisesaison begonnen hat, wollen wir nicht verfehlen, auf die vielen bestehenden Rundreisetouren nach dem Rhein aufmerksam zu machen, zu denen von fast allen westdeutschen Bahnen Billets mit zwei- bis vierwöchentlicher Gültigkeit und zu erheblich ermäßigten Preisen bei fast stets 50 Pfd. Freigepäck ausgegeben werden. Diese Billets (Rundreisekarten oder Couponhefte) haben zu ollen fahrplanmäßigen Zügen, welche die betreffende Classe fuhren, Gü tigkeit. Auf den Stationen der Main-Weser-Bahn allein werden zu 18 verschiedenen Touren solche Karten ausgegeben.
— Wasi erstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 0,30 Meter. Mainwasserwärme Moigens 7 Uhr 17 Grad.
— Kassel, 10. Juni. Nachdem der Communal-Landtag des Regierungsbezirks Kassel auf den 17. d. Mts. einberufen worden ist, sind die Mitglieder des ständischen Verwaltungsaus- schusses zur Sitzung auf Donnerstag den 11. d. M., Vormittags lO1^ Uhr, eingeladen worden. (Hess. Mgztg.)
— Der Lehrer Sch üßler an der höheren Töchterichule zu Cassel ist als ordentlicher Lehrer an das Schullehrer-Seminar zu Dillenburg berufen worden.
Thermometerstand.
10. Juni: Höchster Stand des Thermometers Z-22^/»°, Abends 7 Uhr + IS1?!0. 11. Juni: Morgens 6 Uhr -s- lOW, Vormittags 10 Uhr + 15°.
»Stet Adler.
Fremdeu-Liste vom 11. Juni 1874.
Die Herren: 1) Borkeloh, Kaufmann aus Gmünd. 2) Auf der Heid, Kaufmann aus Mainz. 3) Mallmann, Holzhändlcr aus Boppardt. 4) Halle, Kaufmann aus Bremen. 5) Bratfisch, Fabrikant aus Schlüchtern. 6) Herzog, Kaufmann aus Erfurt. 7) Hartnagel, Kaufmann aus München. 8) Ernst, Kausmann aus Berlin. 9) Stummer, Fabrikant aus Dresden. 10) Hart mit Frau aus Berlin.