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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
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Erscheint täglich mit Arisnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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Freitag den 5. Juni.
Um ansteckenden Krankheiten bei Zeiten möglichst vorzubeugen, erscheint es noch vor Beginn der heißeren Jahreszeit dringend geboten eine Entleerung bezw. Deèinficirung sämmtlicher Abtrittsgruben, Dungkauten und sonstiger Ablagerungs- Plätze von Unrath vorzunehmen.
Die Hausbesitzer werden deshalb ersucht, sowohl im eignen als allgemeinen Interesse die Entleerung der bezeichneten Gruben rc. baldigst bewerkstelligen zu lassen, da die Erfahrung lehrte, daß im Falle des Ausbruches einer Epidemie zu schneller Durchführung dieser Maßregel es an hinreichendem Fuhrwerk fehlt.
Ebenso werden die Vorstände aller staatlichen und städtischen Gebäude und Schulen, die Besitzer von Fabriketablissements, die Leiter von Privatschulen und Pensionaten, Gasthofbefitzer, Wirthe und Restaurateurs dringend ersucht in den unter ihrer Aufsicht stehenden Gebäuden rc. das Erforderliche veranlassen zu wollen. Eine regelmäßige Desinfektion der Gruben rc. von acht zu acht Tagen muß dringend empfohlen werden. Das geeignete Material ist in jeder Apotheke und Materialienhandlung billig zu beziehen.
Hanau am 28. Mai 1874.
Der Landrath: Schrötter.
Die polizeiliche Anordnung vom 7. Juli 1819, nach welcher an heißen Tagen im Sommer die Straßen der Stadttäglich mit frischem Wasser begossen, bezw. die Flösser von Unreinigkeiten gesäubert werden sollen, wird zur pünktlichen Befolgung Seitens der zur Straßenreinigung Verpflichteten in Erinnerung gebracht.
Hanau am 3. Juni 1874.
Der Landrath: Schrötter.
Tagesschau.
— Ueber eine neue Folge von Kirchengesetz-Entwürfen in der nächstrn Landtagssession ist in den letzten Tagen Allerlei berichtet worden. Es steht damit thatsächlich wie folgt. Beabsichtigt wird die gesetzliche Regelung der Verwaltung des Vermögens katholischer Kirchengemeinden und sind dazu erforderliche Vorarbeiten bereits angeordnet, doch vielfache Schwierigkeiten wegen der Verschiedenartigkeit der zu berücksichtigenden Provin- zialrechte zu überwinden. Hinsichtlich des Kloster- und Ordenswesens bestehen ähnliche Absichten, doch finden in Bezug hierauf erst statistische Erhebungen statt, welche wahrscheinlich vor weiterer Beschreitung legislatorischer Stadien veröffentlicht werden möchten. Trib.
— Nach einer vom Reichskanzleramte veröffentlichten Uebersicht der Einnahmen an Zöllen und gemeinschaftlichen Steuern fo wie anderer Einnahmen im Deutschen Reiche für die Zeit vom 1. Jan. bis zum Schluffe des Monats April 1874 betrugen diese etwa 45 Mill. Thlr.
— Fürst Bismarck hat, wie man hört, vor seiner Abreise mehrfach Anordnungen bezüglich der Elsaß-Lothringischen Angelegenheiten getroffen, um den an ihn gerichteten Wünschen der dortigen Bevölkerung entgegen zu kommen. Die Erweiterung Straßburgs soll so weit als thunlich befördert werden, aber auch andere Maßregeln sind in Aussicht genommen, um nament
lich Erleichterungen in Handel und Verkehr in den Reichslanden herbeizuführen. Allem Anschein nach bereitet sich auch ein Umschlag in der Stimmung zu Gunsten Deutschlands vor.
— Den Fabrikanten, Gebrüdern Schmidt zu Schwelm ist unter dem 30. Mai 1874 ein Patent auf eine Maschine zum Vorschmieden sechskantiger Schraubenmuttern in der durch Zeichnung und Beschreibung nachgewiesenen Zusammensetzung, ohne Jemanden in der Anwendung bekannter Theile derselben zu beschränken, auf drei Jahre, von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang des preußischen Staats ertheilt worden.
— Fabrikinspektoren. Dem Vernehmen nach ist jetzt Seitens des Handelsministeriums für jede Provinz die Errichtung der Stelle eines Fabrikinspektors in Aussicht genommen worden. Dem Fabrikinfpektor liegt die Aufsicht über die Ausführung der gesetzlichen Bestimmungen bezüglich der Beschäftigung jugendlicher Arbeiter ob, und steht ihm das Recht der Revision der Fabriken zu. Außerdem ist derselbe zur Wahrnehmung der fortlaufenden Controle des concessionsmäßigen Bestandes und Betriebes der im § 16 der Gewerbeordnung bezeichneten Anlagen befugt. (Trib.)
— In Köln hat die Verurtheilung wegen Uebertretung der Maigefetze in der letzten Woche eine bis dahin ungekannte Höhe erreicht. Der Erzbischof wurde zwei Mal zu je 1000 Thalern oder 10 Monaten Gefängniß, und 4 Geistliche zu kleineren Geldbußen oder 3 Monaten Gefängniß verurtheilt. Die gesummte trafsumme der einen Woche belief sich auf 2300 Thlr. Geldbuße oder 1 Jahr und 11 Monate Gefängniß. Der Erzbischof gab übrigens auf eine an ihn gerichtete Anfrage die Erklärung ab, daß er derartigen gerichtlichen Verhandlungen „ein für alle Mal" nicht beiwohnen wolle.
— In Hamburg wurde vor einigen Tagen von zwei englischen Detectives der Kaufmann David Klau aus Bayern (Theilfeld) eingeliefert und sofort durch zwei Polizeibeamte nach Ansbach weiter transportirt. Klau ist nach langem Suchen in London endlich verhaftet worden. Er war 1866 Armeelieferant für die bayerischen Truppen und hat sich hierbei erhebliche Unterschlagungen zu Schulden kommen lassen. Als die Sache ruchbar wurde, entfloh der Genannte kurz vor Ertheilung des Haftbefehls.
— In Dresden hat während der Beurlaubung des preußischen Gesandten, Grafen Solms, der Sohu des Reichskanzlers, Graf Herbert von Bismarck, die Geschäfte der Gesandtschaft übernommen.
— Unter den militärischen Mittheilungen der „Köln. Ztg." finden sich folgende Angaben, welch für Süddeutschland von besonderem Interesse sind, für deren Richtigkeit wir jedoch keine Bürgschaft übernehmen können: „Die Eisenbahnbefestigung, welche sich bekanntlich in Norddeutschland namentlich in Betreff wichtiger Flußübergänge schon vielfach ausgeführt findet, scheint jetzt auch in Süddeutschland, dort jedoch in der Bedeutung von Sperrforts für wichtige Eisenbahnknotenpunkte, Platz greifen zu sollen. Neuerdings ist nämlich süddeutscherseits die Wiederbefestigung von Hohentwiel als Sperrfort für den nur eine Viertelstunde von diesem einstigen schwäbischen Fürstensitz entfernten Eisenbahnknotenpunkte Singen in Vorschlag gebracht worden, in welchem drei der vier von der Schweiz nach Stuttgart, Ulm, und überhaupt nach Süddeutschland führenden Eisenbahnen sich