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Die SspaMgeZeilr

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M 128.

Donnerstag den 4. Juni.

1874.

Um ansteckenden Krankheiten bei Zeiten möglichst vorzu­beugen, erscheint es noch vor Beginn der heißeren Jahreszeit dringend geboten eine Entleerung bezw. Desinficirung sämmt­licher Abtrittsgruben, Dungkauten und sonstiger Ablagerungs­plätze von Unrath vorzunehmen.

Die Hausbesitzer werden deshalb ersucht, sowohl im eig­nen als allgemeinen Interesse die Entleerung der bezeichneten Gruben rc. baldigst bewerkstelligen zu lassen, da die Erfahrung lehrte, daß im Falle des Ausbruches einer Epidemie zu schnel­ler Durchführung dieser Maßregel es an hinreichendem Fuhr­werk fehlt.

Ebenso werden die Vorstände aller staatlichen und städtischen Gebäude und Schulen, die Besitzer von Fa- briketabliffements, die Leiter von Privatschulen und Pensionaten, Gasthofbesitzer, Wirthe und Restaurateurs dringend ersucht in den unter ihrer Aufsicht stehenden Gebäu­den rc. das Erforderliche veranlassen zu wollen. Eine regel­mäßige Desinfektion 'der Gruben rc. von acht zu acht Tagen muß dringend empfohlen werden. Das geeignete Material ist in jeder Apotheke und Materialienhandlung billig zu beziehen.

Hanan am 28. Mai 1874.

Der Landrath: Schrötter.

Die polizeiliche Anordnung vom 7. Juli 1819, nach wel­cher an heißen Tagen im Sommer die Straßen der Stadt täglich mit frischem Wasser begossen, bezw. die Flösser von Unreinig­keiten gesäubert werden sollen, wird zur pünktlichen Befol­gung Seitens der zur Straßenreinigung Verpflichteten in Er­innerung gebracht.

Hanau am 3. Juni 1874.

Der Landrath : Schrötter.

Tagesschau.

Berlin, 2. Juni. Von den 18 zur Theilnahme an dem internationalen Postcongresse eingeladenen Regierungen ist die französische bisher die einzige, welche den Congreß nicht be­schicken zu wollen scheint. Bei dem rein geschäftlichen Charakter, welchen das jetzige französische Ministerium in so prononcirter Weise zur Schau trägt, ist nicht anzunehmen, daß es das seit dem letzten Kriege befolgte Postsystem, welches nur die augen­blickliche Vermehrung der Steuern im Auge hat, aufgeben und zu jenen freisinnigeren Ideen znrückkehren wird, welche in Frank­reich unter Napoleon III. befolgt wurden, und die auch dem von der deutschen Regierung angebahnten internationalen Post­vereine zu Grunde gelegt sind.

Die Vorarbeiten zu dem Gesetzentwurf über den Fa­brikzeichen und Marken zu gewährenden gesetzlichen Schutz sind endlich soweit gediehen, daß ein bezüglicher Entwurf demnächst an den Brilidesrath gelangen wird. Dieser Entwurf betrifft indessen keineswegs den Musterschutz, welcher zusammen mit dem, den Nachbildungen von Werken der Kunst zu gewährenden Schutz erörtert werden soll.

Die berliner Altkatholiken constituirten sich am 30. v. M. als altkathvlische Gemeinde.

Das deni Stellmacher und Mechaniker Alexander Mac Steile in England unter dem 7. März v. J. auf -eine Maschine

zur Herstellung fayonnirter Gegenstände aus Holz in der durch Zeichnung und Beschreibung nachgewiesenen Zusammensetzung ohne Jemanden in der Anwendung bekannter Theile zu be­schränken ertheilte Patent ist aufgehoben.

In anerkennenswertster Art hat sich das officiöse Blatt wiederholt der Interessen der deutschen Kolonisten in Brasilien angenommen, diesmal aus Anlaß einer Widerlegung welche der brasilianische Consul Witte in Bremen versucht hat. DieN. A. 3 " fertigt den würdigen Consul mit der treffenden Bemer­kung ab, daß es im Uebrigen wenig im Interesse der brasilia­nischen Regierung liegen könne, wenn deren Organe in dieser Art über Vorgänge an die Oeffentlichkeit treten, über welche nicht nur 600 Gräber in Brasilien und das zum Himmel schrei­ende Elend mehrerer Hunderte von Rückwanderern Zeugniß ab­legen, sondern auch die öffentliche Meinung in Deutschland durch unwiderlegliche Aussagen der Heimgekehrten sich zu orientiren in der Lage ist. (Berl. Tagbl.)

Der russische Reichskanzler Fürst Gortschakoff hat kürz­lich von Baden aus die europäischen Regierungen zu einem inter­nationalen Kongresse eingeladen, welcher den Zweck haben soll, eine Vereinbarung über Fragen des Völkerrechts im Kriege, na­mentlich über die Behandlung der Kriegsgesangenen zu treffen. Der Kongreß, zu welchem jeder Staat einen militärischen Be­vollmächtigten absenden soll, tritt am 15. Juli in Brüssel zu­sammen. Ueber das Programm der Berathungen und darüber, welche Staaten an demselben theilnehmeu, sind die Verhandlungen noch in Schwebe. Wohlgesinnte, edeldenkende Privatleute, Mit­glieder der in England, Frankreich, Belgien, der Schweiz und Deutschland seit drei Jahren im Stillen wirkendenAlliance universelle sind die eigentlichen Urheber des Gedankens, sie sind es, welche durch eine Deputation, die der Czar während seines Londoner Aufenthalts am 20. Mai d. Js. empfing, den Kaiser von Rußland überhaupt erst für eine Idee gewannen, welche sein Staatskanzler heute den Regierungen und der öffent­lichen Meinung gegenüber zu vertreten hat. Noch mehr: Diese Alliance universelle hat ein vollständig ausgearbeitetes Pro­gramm vorbereitet, welches dem Kongreß als Grundlage für seine Arbeiten dienen soll. (Augsr. Wdztg.)

Düsseldorf. Alle noch hier hausenden Dominikaner- Mönche sind mit Ausnahme eines einzigen, der das städtische Bürgerrecht besitzt, ausgewiesen worden. Die in dem berühm­ten Spring-Prozessions-Eden Echternach hausenden Redemtoristen- Patres haben von der preußischen Regierung die strikte Weisung erhalten, das jenseitige Ufer der Sauer (welches bekanntlich preußisches Gebiet ist) nicht mehr zu betreten.

Von Elsaß-Lothringen wird mitgetheilt, daß Viceprä­sident Ledderhose sehr befriedigt über das Entgegenkommen war, welches ihm in Paris bei den Verhandlungen über die Abgren­zung der bischöflichen Diöcesen zu Theil wurde. Die neue Ab­grenzung wurde, hauptsächlich durch Vermittelung Zier franzö­sischen Regierung beim päpstlichen Stuhl, ohne Schwierigkeit zwischen, den beiden Mächten unter Zustimmung der Curie erledigt.

Straßburg, 2. Juni. Dem von Edmond Abont herausgegebenen PariserXIX. Siècle" ist der Vertrieb in El- saß-Lothringen auf drei Monate untersagt worden.