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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correfpondenz.

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M 126.

Dienstag den 2. Juni.

1874

Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.

Für die diesjährige Badezeit werden, zur Verhütung von Unglücksfällen und zur Wahrung des nöthigen Anstandes beim Baden, die nachstehenden Vorschriften in Erinnerung gebracht:

1. das Baden in der Kinzig und in den Stadtgräben ist gänz­lich verboten.

2. Außerhalb der öffentlichen Bade- und Schwimmanstalten darf im Main nur an denjenigen Plätzen gebadet werden, welche durch am Ufer stehende Pfähle als ungefährlich und erlaubt bezeichnet sind.

3. Kindern unter 14 Jahren ist das Baden nur unter Auf­sicht erwachsener Personen gestattet.

4. Uebertretungen dieser Vorschriften oder Ungebührlichkeiten gegen den mit Handhabung der ersteren beauftragten Bade­aufseher werden mit Geldstrafen oder bei Unvermögen mit Hast geahndet.

Hanau am 27. Mai 1874.

Fabrikant Friedrich Philipp Karl Brachmann von hier, jetzt in B.-Ayres ansässig, erhielt Gestattung für sich und seine Familie den FamiliennamenRoß" führen zu dürfen.

Hanau am 27. Mai 1874.

Diejenigen Ortsvorstände des Kreises, welche mit dem Be­richte über die Anzahl der in ihrer Gemeinde befindlichen taub­stummen Kinder (conf. meine Kreisblattverfügung vom 8. Mai er.) noch in Rückstände sind, wollen dies ungesäumt und zwar binnen 3 Tagen erledigen.

Hanau den 1. Juni 1874.

Tagesschau.

Mönche n, 31. Mai. In Dresden werden alsbald Beamte aller betheiligten Eisenbahnverwaltungen zusammentrcten, um über Einführung eines direkten Eisenbahnzuges zwischen Ber­lin und Rom Verabredungen zu treffen. Es wird durch einen solchen Zug nicht nur eine Beschleunigung der Fahrt zwischen der deutschen und der italienischen Hauptstadt erzielt, sondern auch auf der ganzen Tour nur noch ein Wagenwechsel in Mün­chen und in Verona erforderlich sein, wie denn auch bereits zwischen München und Verona ein Wagenwechsel nicht mehr stattfindet.

In den Augenblicken, da die Franzosen am meisten Ur­sache hätten, mit Beschämung an ihre eigenen Sachen zu denken, pflegen ihre Wortführer sich mit Begierde auf irgend eine das Ausland betreffende Ente loszustürzen, gleichsam als wollten sie durch die Aufregung, in welche sie sich dann künstlich hinein­steigern, das eigene Gewissen übertäuben, oder doch wenigstens das, was sie zu Hause bedrückt, für eine Zeitlang glücklich ver­gessen. Für jeden vernünftigen Menschen kann es nach den Er­fahrungen der letzten Jahre nichts Unwahrscheinlicheres geben, als daß ein deutscher Prinz Lust tragen sollte, sich die Krone Spaniens auf's Haupt zu setzen; aber es gibt keine noch so al­berne Erfindung, die nicht in der französischen Presse begierig ausgegriffen würde, wenn sie halbwegs geeignet ist, die nationale Empfindlichkeit aufzuregen und. in Harnisch zu bringen. So ist denn jetzt die Mähre von einer neuen deutschen Thronkandidatur

' für Spanien abermals aufgewärmt worden. Das orleanistifche Blatt,Journal de Paris", hat das Verdienst, die neue Ente in die Welt gesetzt zu haben, auf welche dann aber . auch die übrige Presse herzhaft angebissen hat. Graf Hatzfeld, der neue deutsche Vertreter in Madrid, so erzählt das Organ des Herzogs v. Aumale, habe von Bismarck den Auftrag mitgenommen, die Thronkandidatur eines preußischen Prinzen und zwar handelt es sich diesmal um den Prinzen Friedrich Karl! daselbst auf's Tapet zu bringen. Drei der spanischen Minister seien be­reits für diese Idee gewonnen, unter ihnen der einflußreichste, Sagasta. Im entscheidenden Augenblick hoffe man auch Serrano fortzureißen, der bis jetzt für die konservative Republik sei, und den Marschall Concha, der bis jetzt noch die Kandidatur des Prinzen Alfons begünstige, t-illein dieser sei noch zu jung, so daß der Einfluß seiner Mutter und der verworfenen Umgebung derselben zu fürchten wäre. Was den Herzog und die Herzogin von Montpensier betrifft, fährt das orleanistifche Blatt fort, so hätten sie alle Anerbietungen, die man ihnen gemacht, den Platz ihres Neffen Alfons einzunehmen, stets auf's Bestimmteste und Tugendhafteste zurückgewiesen. Man sieht schon aus dieser Faf sung, daß man es hier mit einem ganz gewöhnlichen und recht durchsichtigen Manöver der Orleanisten zu thun hat. In Frank­reich sind die Aussichten zur Zeit herzlich schlecht, und so er­scheint es zwcckmäßig, die Aufmerksamkeit zur Abwechslung wie­der auf den spanischen Thron zu lenken, auf den ja längst gleich­falls ein Orleanist sich setzen möchte. Die Absicht ist einfach die, die öffentliche Meinung Frankreichs, indem man ihr den Sand einer neuen hohenzoller'schen Kandidatur in die Äugen streut, für den Ehrgeiz der Familie L. Philipps zu interessiren. So durchsichtig nun dieses Manöver ist, so sind doch bereits repu­blikanische und legitimistische Blätter auf den Leim der Orlea- nisten gegangen. DasJournal des Debats", das sich an Feind­seligkeit gegen Deutschland von Niemanden übertreffen lassen will, versichert, die Nachricht desJournal de Paris" bestätigen zu können, und derUnivers" versichert sogar mit wichtiger Miene, Don Carlos habe den General Elio nach Frankreich ge­schickt, um dem Kabinet von Versailles über diesen Gegenstand genaue Mittheilungen zu machen. Man wird es schwerlich der Mühe werth erachten, das Gerücht ernsthaft zu dementiren. Es wird von selbst in Kurzem vergessen sein, nachdem es zu Paris ein paar Tag lang eine angenehme Aufregung verurfacht hat. Vermuthlich wird es auch noch öfter auftauchen, und es darf sicher fein, immer wieder glaubensstarke Gemüther zu finden. Wir brauchen blos noch hinzuzufügen, daß, wenn jemals die Spanier wiederum auf den unglücklichen Gedanken kommen soll­ten, sich nach einem deutschen Prinzen umzusehen, dies doch le­diglich Sache der Spanier und des betreffenden Prinzen wäre, das deutsche Volk aber nichts anginge, und noch weniger das französische. (Schw. Merk.)

Man versichert, die Ultramontanen der Kammer würden den Antrag einbringen, daß das Freimaurerthum in Frankreich verboten werde. Der Tod Mallinckrodt's wird von klerikalen und konservativen B-ättern als ein großer Verlust für Frank­reich und die Kirche tief bedauert; alle vereinigen sich zu dem

NEx- Fortsetzung der Tagesschau auf der Seite 610.