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fianniirrAnzeiger
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
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M124. Samstag den 30. Mai. 1874.
Bekanntmachungen Köngl. LandraLhsamts dahier.
Dem Bernhard Bildhäuser in Dörnigheim ist ein Huhn zugelaufen.
Hanau am 23. Mai 1874.
Tagesschau.
— Der „R. u. St.-A." enthält: Konzessions-Urkunde, betreffend den Bau und Betrieb einer Eisenbahn von Cottbus nach Frankfurt a./O. durch die Cottbus-Großenhainer Eisenbahn-Gesellschaft. Vom 11. Mai 1874.
— Seit Sonntag tagt in Berlin die Versammlung der Delegirten des deutschen Kriegerbundes. Dieselbe wurde Sonntag Vormittag 11 Uhr in dem großen Saale des Concerthauses in der Leipziger Straße eröffnet. Den Eröffnungsakt vollzog der Ehrenpräsident des Kriegerbundes, Generallieutenant v. Stockmar aus Dessau durch eine Ansprache, die mit einem von der Versammlung begeistert aufgenommenen Hoch auf den Kaiser schloß. Das Präsidium meldete diese Kundgebung sofort telegraphisch nach Wiesbaden. Kaum eine Stunde darauf ging von dort ein Dank- und Begrüßungstelegramm des Kaisers ein. Zur Theilnahme an der Versammlung sind etwa 139 auswärtige Delegirte in Berlin eingetroffen, namentlich aus Sachsen, Würtemberg, Baden, Mecklenburg und den thüringischen Staaten. Dieselben vertreten im Ganzen gegen 376 Kriegervereine. Die Vertretung von 15 bayerischen Vereinen ist Berliner Delegirten übertragen worden. Bei den Verhandlungen am Sonntag führte zuerst der Geheimsekretär Blank den Vorsitz. Von den Gegenständen der Tagesordnung wurden die Anträge angenommen, welche eine Vermehrung der Zahl der Beisitzer im Präsidium, sowie die Verlängerung der Frist für den Beitritt von Vereinen zu dem Bunde bis zum 1. Dezember 1875 bezweckten. Der vom Präsidium erstatte Geschäftsbericht konstatirte ein ruhiges und sicheres Vorwärtsschreiten der Entwickelung des Bundes. Der Zweck des Bundes, die Kameradschaft zu pflegen, das Nationalbewußtsein zu beleben, die Liebe zu Kaiser und Reich wach zu erhalten, trete immer deutlicher in die Erscheinung, wie beispielsweise letzthin auch die bayer. Kriegervereine beschlossen, den Geburtstag des Kaisers alljährlich als Nationalfest zu feiern. Die dann unter dem Vorsitz des Redakteurs Mathias gehaltenen Berathungen über die Errichtung einer Wittwen- und Unterstützungskaffe des deutschen Kriegerbundes gelangte nicht bis zur Beschlußnahme und werden fortgesetzt. Nach der Sitzung, welche um S1^ Uhr Nachmittags ihr Ende erreichte, fand in dem Saale des Concerthauses ein gemeinsames Diner statt, an welchem gegen 300 Versammlungsmitgliedec sich betheiligten. Unter den Toasten, die bei der Tafel ausgebracht wurden, befand sich einer auf die verbündeten Fürsten und Regierungen. Abends besuchten die Mitglieder der Versammlung die Vorstellung im Opernhause, zu welcher auf Anordnung des Kaisers 400 Freibillets zur Verfügung gestellt waren. sarur. stg.
— Die Fuß-Artillerie scheidet jetzt, nach dem „R. u. St.-A.", aus dem Verbände der bestehenden vier Artillerie-Jnspectionen aus und wird in zwei Fuß-Artillerie-Jnspektionen (I. Berlin, II. Mainz) zu je zwei Fuß-Artillerie-Brigaden eingetheilt. Die Feld-Artillerie erhält nunmehr definitiv die in der Allerhöchsten Ordre vom 18. Juli 1872 vorgesehene Formation. Die Regi
menter und Batterien führen fortan die ebendaselbst bezeichneten Namen und Nummern.
— Bonn, 28. Mai. In der heute Vormittag abgehaltenen dritten Sitzung der altkatholischen Synode wurden die Berathungen über die bezüglich der Enthaltung von den Fasten, der Katechismen und der liturgischen Bücher einzuführenden kirchlichen Reformen fortgesetzt. In einer vierten, am Nachmittag stattgehabten Sitzung wurde die Vereifachung des Dispensationswesens bei Ehesachen, sowie die Abschaffung der Reverse über die Religionserziehung der Kinder aus gemischten Ehen beschlossen.
— Die Mitglieder des „katholischen Volksvereins" in Cöln haben sich verpflichtet, während der Dauer der gegenwärtigen ,,Bedrängniß" der Kirche: 1) sich mit ihren Familien des Besuchs der öffentlichen Theater, namentlich der Sommertheater zu enthalten; 2) sich nicht an Bällen und sonstigen Tanz-Vergnügungen zu beseitigen; 3) ohne Noth kein Wirthshaus zu besuchen, in welchem neben anerkanntermaßen kirchenfeindlichen Blättern nicht wenigstens eine katholische Zeitung aufliegt.
— Dem Führer des Memeler Schiffes „Fearnot", Kapi- tain S. F. Berding, ist von der norwegischen Regierung die goldne „Medaille für Bürgerthaten" verliehen worden. Diese Auszeichnung, die höchste, die Seitens der norwegischen Regierung verliehen werden kann, besitzen außer Genanntem nur noch ein nordamerikanischer und ein norwegischer Schiffskapitain. Ka- pitain Berding rettete im vorigen Jahre im Atlantischen Ocean unter schwierigen Verhältnissen und kurz hintereinander die Besatzungen der im Sinken begriffenen Schiffe „Hirondo" von Arendal und „17. Mai" von Kragerö.
— Die „Neuesten Nachrichten" führen Klage über die Intoleranz des neu ernannten Pfarres in Neuhausen nächst München. Dieser Pfarrer scheint es sich zur Aufgabe zu machen, in der ohnehin durch innere Zerwürfnisse aufgeregten Gemeinde noch weitere Zwietracht zu säen, indem derselbe in kleinlicher Weise die Benützung des Kreuzes und Bahrtuches bei protestantischen Beerdigungen verweigert, was bisher von den früheren Geistlichen ohne Anstand gewährt wurde, ja derselbe geht so weit, daß er kürzlich bei einem protestantischen Begräbniß die Sakristei occupirte und während der Begräbnißceremonien dieselbe besetzt hielt, so daß der von München gekommene protestantische Geistliche gezwungen war, den Ornat in der Leichenhalle anzuziehen.
— Wien, 28. Mai. Wie die „Wiener Abendpost" erfährt, hat der Kaiser von Rußland bei dem Empfange der Chefs der einzelnen Missionen während seiner Anwesenheit in London an mehrere Botschafter und Gesandte verbindliche Worte gerichtet. Insbesondere betonte er dem Botschafter der hohen Pforte gegenüber, daß der ungestörte Friede zwischen Rußland und der Pforte gesichert sei, und daß er Alles thun werde, um das gute Einvernehmen zu befestigen. Der Kaiser habe sich übrigens auch bei anderen Gelegenheiten, hervorragenden Persönlichkeiten gegenüber im Sinne der Erhaltung des Friedens und der Verträge ausgesprochen.
— Bern, 28. Mai. Heute Vormittag um 10 Uhr ist die Bundesversammlung zusammengetreten, um das vom Bundesrathe festgestellte Resultat der Volksabstimmung vom 19. April