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HanAmMeiaer
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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Donnerstag den 30. April
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Die ifpaltige Garmondzeile ob deren Raum
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Die «spalt. Seile 2 Sgr.
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1874.
Steckbrief.
Unter den Namen eines Seilermeisters Hugo Klages hat ein Mann auf Grund gefälschter Atteste von Behörden, die ihm Unglücksfälle bescheinigen, briefliche Gesuche um Unterstützung an verschiedene auch hochgestellte Personen gerichtet, und sich die Beträge post restant nach vielen Orten Deutschlands erbeten.
In Karlsruhe ist er bei Abnahme solcher Sendung verhaftet, und hat bei seiner gerichtlichen Vernehmung angegeben, daß er Gotthilf Debert heiße, am 22. März 1833 zu Burg bei Magdeburg geboren, Wittwer sei. Auf dem Transport hierher, ist derselbe in Hanau entsprungen.
Er ist mittlerer Statur, hat dunkelblonde Haare, einen kleinen hellblonden Schnurrbart, rundes kleines Gesicht, frische Farbe und war bekleidet mit einem dunklen Ueberrock, seidener Mütze, Zugstiefeln; Er ist circa 40 Jahre alt.
Es wird gebeten, denselben zu verhaften, hierher zu trans- portiren und Nachricht zu geben.
Prenzlau den 17. April 1874.
Königl. Kreisgericht. Der Untersuchungsrichter.
Tagesschau.
— Berlin, 27. April. Je näher unseren Ultramontanen die Gewißheit auf den Leib rückt, daß die Staatsregierung fest entschlossen ist, die kirchlichen Gesetze bis zur letzten Konsequenz durchzuführen, um so ängstlicher fangen sie an, von ihren „stets ausgeübten Befugnissen", von ihren „heiligsten Pflichten" u. s. w. eine erbauliche Litanei zu singen. So hat das Domcapitel zu Paderborn eine lange Eingabe an das Abgeordnetenhaus und an das Herrenhaus gerichtet, in der es die demnächst wohl bevorstehende Erledigung des bischöflichen Stuhles durch das Absetzungsurtheil des kirchlichen Gerichtshofs ins Auge faßt und versichert, es könnte in solchen Fällen zu einer Neuwahl nicht mitwirken; diese Mitwirkung sei „nach Amt und Eid moralisch unmöglich." Die Herren „beweisen" sodann auch, daß eine solche Wahl „nichtig", ferner, daß sie „völlig erfolglos" sein werde, denn das katholische Volk werde einen andern als vom Papste bestätigten Bischof nun und nimmermehr anerkennen. Wir glauben, daß die Hochwürdigen sich ganz unnütze Mühe machen. Wenn nicht sie selbst, so haben doch die Bischöfe, ihre großmächtigen Gebieter, schon längst erklärt, daß sie zur Ausführung der vom Staate erlassenen Gesetze nicht mitwirken könnten, und mehr als das, sie haben seitdem schon ganz lustig gegen die Gesetze gewirkt und gehandelt. Daß von den Domherren nichts Besseres zu erwarten sei, war wohl vorauszusehen, und es war daher ganz überflüssig, daß diese Herren sich mit ihrer „Eingabe" wichtig zu machen suchen. Wenn sie wirklich den Gesetzen sich nicht fügen wollen, so wird die Entwicklung des Gesetzes und die Geschichte auch über sie hinweg zur Tagesordnung übergehen, ohne sich durch ihre „Eingaben" beirren lassen. (Berl. Tagbl.)
— Das Bureau des Reichstages war am Sonntag noch zu einer Sitzung behufs Abwickelung der Geschäfte zusammengetreten. Es wurde u. A. beschlossen, von dem elektrischen Abstimmungs-Telegraphen an Stelle der namentlichen Abstimmungen keinen Gebrauch zu machen. Man ist hierbei von der Erwägung ausgegangen, daß die Parteien bei wichtigen Anlässen doch auf
den feierlichen Akt des Namensaufrufs nicht verzichten möchten und durch die eingeführte itio in partes, welche sich so gut bewährt hat, der Namensaufruf nur in seltenen Fällen vorkommen wird. Der Versuch mit dem einen Apparat sollte übrigens 6000 Thlr. kosten.
— Ueber die Fassung des Preßgesetzes, wie es aus den Beschlüssen des Reichstages hervorgegangen, haben bereits private Besprechungen stattgefunden; in bundesräthlichen Kreisen hält man die Annahme des Entwurfs trotz der Annahme des Amendements v. Stauffenberg, welches bekanntlich die Minister Delbrück und Leonhardt im Namen des Bundesraths bekämpften, für gesichert. Man erwartet in den nächsten Tagen eine Plenarsitzung, in welcher die sämmtlichen Beschlüsse des Reichstages zur Verhandlung, beziehungsweise Beschlußnahme kommen sollen.
— In Pesth hat die Session der Delegationen begonnen. Die österreichische Delegation hat den Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Dr. Rechbauer, die ungarische Hrn. Govone zum Vorsitzenden gewählt. Die wichtigste Aufgabe der Delegationen ist jedesmal die Votirung des beide Reichshälften betreffenden Militärbudgets, und dabei wird es voraussichtlich dießmal wieder nicht ohne Erregung abgehen. Die Eröffnungsreden der Präsidenten und die Anreden an den Kaiser beim Empfang der De!e« girten, sowie die Erwiderung des letzteren ließen bereits ein gewisses Wetterleuchten erkennen. Auf der einen Seite wurde mit Nachdruck auf die ungünstigen ökonomischen Verhältnisse und daher auf eine weise Sparsamkeit im Haushalte, sowie auf den für Oesterreich gesicherten Friedensstand, auf der anderen Seite darauf hingewiesen, daß die Budget-Vorlage bereits diesen Umständen Rechnung trage. Diesmal wird die stets streichlustige österreichische Delegation von der ungarischen unterstützt werden, was bisher nicht der Fall gewesen. Die Ungarn, welche im Sinne des 67er Ausgleiches zu den „gemeinsamen Lasten" nur 30 Proz. beizutragen haben, waren bisher immer generös gegen die Forderungen des Kriegsministers gewesen. Bei dem gegenwärtigen Zustande der ungarischen Landesfinanzen aber sind auch die 30 Proz. einer so hohen Summe (98 Mill. 474,160 fl. österr. Währ.) schwer aufzubringen. Leider ist durch die Wahl Dr. Rechbauer's zum Präsidenten dem bereits bekannten „Streich- Quartette" der österreichischen Delegation der frühere Primgeiger entzogen. Es wird übrigens kaum zu thatsächlichen Abstrichen an den Regierungsforderungen kommen, da die Landesregierungen im Einvernehmen mit dem gemeinsamen Ministerium stehen und bei den schwierigen Zeitläuften hinsichtlich der kirchenpolitischen Fragen eine ernste Mißstimmung gegen die Landesministerien nicht im Interesse der Abgeordneten liegen kann. Das paßt zwar nicht zur ernsten Prinzipientreue, desto besser aber zur lieben Opportunitätspolitik. (Augsb. Abdztg.)
— Es scheint jetzt erwiesen, daß Graf Chambord bisher nicht in Versailles eingetroffen ist, daß aber seine Freunde die größten Anstrengungen machen, ihn zu diesem Besuche zu bewegen. Die Ex-Kaiserin Eugenie, die man in Paris gesehen haben will, soll England nicht verlassen haben.
ü — Nickel- und Kupfermünzen. In Bezug auf die neu ausgeprägten Nickel- und Kupfermünzen dürfte Folgendes von allgemeinerem Interesse sein. In den Münzstätten Les