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klärte der Cultusminister, die Regierung könne diesen Abänderungen nicht zustimmen.
— Nach einer Korrespondenz des „D. Wochenbl." aus St. Petersburg, 21. April, sollte die Verlobung des Großfürsten Wladimir, zweiten Sohnes des Kaisers, mit der Herzogin Marie Alexandrine Elisabeth Elenore von Mecklenburg-Schwerin, am Geburtstage des Großfürsten (22.) April) proklamirt werden. Der Großfürst, am 22. April 1847 geboren, ist Generalmajor der Suite des Kaisers und Vicepräsident der Akademie der Künste. Die Herzogin, einzige Tochter des regierenden Großherzogs Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin, aus seiner ersten Ehe mit der Prinzessin Mathilde Wilhelmine von Reuß-Schleitz- Köstritz, ist am 14. Mai 1854 geboren. Nach den Ehepakten wird die zukünftige Großfürstin bei der protestantischen Religion verbleiben, bie Kinder werden jedoch der Religion des Vaters folgen. Es ist im russischen Kaiserhause der erste Fall der Art seit Peter dem Großen, dessen Schwiegertochter, Prinzessin Charlotte Sophie von Braunschweig, Gemahlin des Zarewitsch Alexei Petrowitsch, ihren protestantischen Glauben beibehalten hatte. Die Vermählung wird im Laufe des Juli stattfinden.
— In den nächsten Tagen wird zum ersten Mal das neue französische Mobilmachungssystem versucht werden. Der Versuch wird zuerst im Bezirk des 6. Corps (er besteht aus den Departements Marne, Maas, Ardennen, Aube, Vogesen, Meurthe und Mosel) gemacht werden. Der Sammelplatz der Truppen, aktive Armee und Reserve, ist im Lager von Chalons.
— Madrid, 27. April. Von dem Kriegsschauplätze im Norden liegen keine neueren Meldungen vor. — Die Carlisten haben in einer Stärke von 5000 Mann die Stadt Chelva in der Provinz Valencia occupirt. — Ein Telegramm aus St. Jean de Luz vom 28. April meldet, daß die Flotte auf der Rhede von Santander vor Anker gegangen ist. Die Formation eines dritten-Armee-Corps in Laredo unter General Concha ist ihrer Vollendung nahe. Letzterer hat sich am Sonnabend nach Santona begeben. — Den Carlisten sind von der Seeseite her über Bermeo neue Waffenvorräthe zugesührt worden. Dieselben verstärken ihre Streitkräfte an der französischen Grenze.
(R. u. St. A.)
— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 28. April aus Frankfurt a. M.: Der erste Pferdemarkttag hatte eine ungewöhnlich große Masse Menschen nach Frankfurt nach dem nunmehr auf dem Bleichgarten centralisirten Markt geführt. Bei Eröffnung desselben standen auf dem Platze 459 Arbeitspferde, in den städtischen Stallungen 373 Wagen- und Reitpferde, und in Privatstallungen ca. 2Ö0, so daß im Gesammt 1032 Pferde vorhanden waren, worunter außerordentlich viel Mittelschlag von vorzüglicher Qualität. Neigung zum Kaufen war vorhanden, doch forderten die Händler für Reit- und Wagenpferde fabelhafte Preise, was auf die Realisirung von vielen entrirten Geschäften von großem Einfluß war. Kaufprotokolle wurden gestern 126 ausgenommen, in den meisten Fällen wird nicht protokollirt, zu welchen noch 17 vom Sonntag kommen, so daß in besseren Pferden bis jetzt 143 als verkauft zu bezeichnen sind; in schweren Arbeitspferden ging das Geschäft vorzugsweise gut. — Auf dem großen Bleichgarten kam gestern Mittag einem Pferdehändler die Briefrasche mit 200 Thaler abhanden. — Der zu Gunsten der Erwerbung eines Hauses für obdachlose weibliche Dienstboten von einigen Damen im Saalbau veranstaltete Bazar hatte ein Ergebniß von fl. 5000. — Der seit etwas über eine Woche vermißte hiesige Bäckermeister wurde gestern im Winterhafen als Leiche gefunden.
Lokales und Provinzielles,
Hanau, 29. April 1874.
0 Mit besonderem Vergnügen soll heute erwähnt werden, daß eine Nachpflanzung der Anlagen am Frankfurter Thor dieses Frühjahr stattgefunden hat. Angesichts der demnächst blühenden Ziersträucher rc. werden die gejammten städtischen Anlagen hiermit aus's Neue dem Schutze des Publikums dringend empfohlen.
— Bei einer kürzlich wiederholt unverhofft vorgenommenen Revision in hiesigen Verkaufsläden hat es sich gezeigt, daß eine Anzahl Verkäufer Versündigungen gegen die Maß- und Gewichtsordnung halber zur Anzeige gebracht werden mußten und sicher ihre wohlverdiente Strafe empfangen. Es könnte durchaus nichts schaden, wenn die Namen Solcher, die sich auf eine verwerfliche Art einen Vortheil suchen, bekannt gemacht würden, damit unsere soliden Geschäftsleute wenigstens nicht in den Verdacht einer solchen Handlung kommen.
X Eine heute Morgen vorgenommene unverhoffte Milchrevision vor den Thoren von Seiten der Polizeibehörde hat ergeben, daß bei verschiedenen Milchführern die Pumpe wieder ihr gut Theil beitragen mußte, „nicht um die Qualität zu verbessern sondern um das Quantum zu vergrößern"; — dieselben werden behufs Bestrafung zur Anzeige gebracht.
— Geaichte Schenkmaße. Nach einer neuen Entscheidung des Handelsministers soll, nach der „N. Frftr. Pr.", durch die über eine Jnhaltèbezeichnung der Schankgefäße ergehenden Polizei-Verordnungen den Gästen nur die Möglichkeit gewährt werden, in den Schankwirthjchaften die Menge des in dem einzelnen Schankgefäße verabreichten Getränkes an dem Gefäße selbst zu controliren, dadurch aber nicht der freien Verständigung der Betheiligten über irgend ein außerhalb der Maßabstufungen des §. 5 der Aichordnung liegendes Quantum von Getränken hindernd entgegengetreten werden. Danach würden also die bisher über diesen Gegenstand ergangenen Polizei-Verordnungen, wonach die betreffenden Gefäße nur zur Verabreichung eines dem Soll- Inhalte wirklich entsprechenden Quantums benutzt werden dürfen, wieder aufzuheben sein.
— In dem —m-Artikel des gestrigen Anzeigers (Locales und Provinzielles) lese man Zeile 8 von oben statt unermahnt „unerwähnt" und in Zeile 11 von oben statt Frisches Lied „Irisches Lied." -
— Wasserstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 0,37 Meter.
— Aus guter Quelle vernimmt das „Fr. I.", der Oberpräsident habe neuerdings den Verweser des Bisthums Fulda aufgefordert, die seit etwa einem Jahre erledigte und dem jetzt „gesperrten" Pfarrer Helferich übertragene Pfarrstelle in Dipperz schleunigst anderweit zu besetzen.
— Marburg, 26. April. Bis zum Sonnabend (25. ds.) sind immatriculirt 85 Studirende, dieselben studiren: 1) Theologie 7, 2) Jura 19, 3) Medicin 19, 4) Philosophie, Philologie und Geschichte 21, 5) Mathematik und Naturwissenschaft 13, 6) Pharmacie und Zahnheilkunst 6.
— Volkmarsen, 19. April. Gestern haben die hiesigen Gemeindebehörden die Anstellung eines besonderen Standesbeamten beschlossen und hierzu den Jnspector Kiel und zum Stellvertreter den Oekonomen J. A. Thielemann in Vorschlag gebracht. (Hess Mgztg.)
— Hünfeld, 27. April. Die Lehrer des hiesigen Kreises sind der „Fuld. Zig." zufolge aufgefordert worden, zu erklären, ob sie dem Mainzer Katholikenverein angehören.
— Für die Wittwe des in sehr bedürftigen Verhältnissen lebenden, erstochenen Cigarrenarbeiters Andreas Knödel von Großauheim sind durch Herrn Carl Ihm, Glockengasse, kingeliefert worden:
Von der Dienstagsgesellschaft in den 3 Gänsen 2 fl. 12, F. D. 30 kr., S. K. 30 kr., Th. L. 30 kr., I. C. M. 30 kr. H. U. 17V» kr., J. B. L. 12 kr., Frau S. 1 fl. 45 kr., P. K. 30 kr., Frau C. 12 kr., A. B. 18 kr., I. M. 24 kr., A V. 30 kr., I. H. 30 kr., C. A. G. 30 kr., G. G. 30 kr., Frau C—ß 30 kr., H. L. 30 kr.
Weitere Gaben entgegenzunehmen und abzuliefern ist die Redaktion des „Hanauer Anzeigers" gerne bereit.
Hâtel Adler.
Fremdeu-Liste vom 29. April 1874.
Die Herren: 1) Bier, Kaufmann aus Darmstadt. 2) Deichler nebst Frau, Kaufmann aus Frankfurt. 3) Mertens, Kaufmann aus Cöln. 4) Rothschild, Kaufmann aus Cöln. 5) Humer, Holzhändler aus Kronach. 6) Paß, Fabrikant aus Remagen. 7) Cloß, Arzt aus Bremen. 8) Seligmann, Steinhändler aus Wien. 9) Bauer, Lieutenant aus Darmstadt.