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— Berlin, 26. April. Im ferneren Verlaufe dergestrigen Sitzung erledigte der Deutsche Reichstag in dritter Berathung das Gesetz, betreffend die Verhinderung der unbefugten Ausübung von Kircheuämtern. In der Generaldiskussion sprach der Abg. Dr. Ewald gegen, der Abg. Dr. Völk für das Gesetz; zu §. 1 erklärte sich der Abg. v. Mallinckrodt in längerer Rede gegen das Gesetz und kritisirte die bei den früheren Berathungen gehaltenen Reden der Abgg. Miquel, Grafen Frankenberg, Dr. Hinschius, Baron v. Minnigerode, Dr. v. Schulte und der Bundes-Bevollmächtigten Minister-Resident Dr. Krüger und Mi- nisterial-Präsident v. Freydorf, welcher letztere eine Aeußerung des Redners rektifizirte. Bei den folgenden Paragraphen ergriffen noch die Abgeordneten Kegel, Dr. Westermayer, Dr. Zinn und Dr. Reichensperger das Wort, um einige kurze Bemerkungen zu machen. Dann wurde das ganze Gesetz in der in zweiter Lesung veränderten Fassung mit 214 gegen 108 Stimmen angenommen, und die Sitzung bis Abends 9 Uhr vertagt. — Schluß 502 Uhr.
In der Abendsitzung des Deutschen Reichstages, welcher am Tische des Bundesrathes der Staats-Minister Dr. Delbrück, der Direktor im Reichskanzler-Amt, Wirkliche Geh. Ober-Regie- rungs-Rath Herzog u. A. beiwohnten, wurden zunächst die Abgeordneten Dr. Friedenthal, v. Benda und Hagen zu Mitgliedern der Reichsschuldenkommission durch Akklamation wieder gewählt. — Dann berieth das Haus die dritte Uebersicht über die Gesetzgebung, sowie die Einrichtung und den Gang der Verwaltung in Elsaß-Lothringen. Der Abg. Simonis brachte in ausführlicher Rede vielfache Klagen der Elsaß-Lothringer zum Ausdruck, die aber von dem Bundeskommissar, Wirklicher Geheimer Ober-Regie- rungs-Rath Herzog, als unbegründet nachgewiesen wurden. Der Abgeordnete Dr. Löwe behielt sich eine Kritik der Rede des Abgeordneten Simonis bis zur Etatsberathung vor. Nachdem dann der Staats-Minister Dr. Delbrück die Allerhöchste Botschaft, betreffend den Schluß der Session, verlesen und der Präsident v. Forckenbeck die Uebersicht über die Arbeiten des Hauses gegeben, trennte sich das Haus unter dreimaligem lebhaften Hoch auf Se. Majestät den Deutschen Kaiser, König Wilhelm von Preußen, gegen 11 Uhr Nachts.
— In der Woche vom 5. März bis 11. April 1874 sind geprägt worden an Goldmünzen: 800,000 Mark in 10-Mark- stückeu; an Silbermünzen: 517,972 Mark 1-Markstücke, 222,601 Mark 60 Pfennige 20-Pfennigstücke; an Nickelmünzen: 51,740 Mark 10 Pf. 10-Pfennigstücke; an Kupfermünzen: 14,553 Mark 30 Pf. 2-Pfennigstücke, 9177 Mark 5 Pf. 1-Pfen- nigstücke. Vorher waren geprägt: an Goldmünzen: 819,369,060 Mark 20-Markstücke, 202,966,750 Mark 10-Markstücke; an Silbermünzen: 11,931,873 Mark 1-Markstücke, 4,112,173 Mark 40 Pf. 20-Pfennigstücke; an Nickelmünzen: 1,460,032 Mark 20 Pf. 10-Pfennigstücke; an Kupfermünzen: 233,112 Mark — Pf. 2-Pfennigstücke, 62,581 Mark 63 Pf. 1-Pfennigstücke. Mithin sind im Ganzen geprägt: an Goldmünzen: 1,022,335,810 Mark; an Silbermünzen: 16,784,620 Mark — Pf.; an Nickelmünzen: 1,511,772 Mark 30 Pf.; an Kupfermünzen: 319,423 Mark 98 Pf.
Patent-Crtheilung.
Dem Maschinenmeister F. W. Eichholz zu Stargard in Pommern unter dem 22. April 1874 auf eine Eisenbahnwagen- Kuppelung, so weit dieselbe nach der vorgelegten Zeichnung und Beschreibung für neu und eigenthümlich erachtet ist, ohne Jemanden in der Anwendung bekannter Theile derselben zu beschränken,
auf drei Jahre, für den Umfang des preußischen Staates.
— Köln, 27. April. Durch das heute verkündigte Urtheil der hiesigen Apellinstanz in dem Proceß Reinkens gegen die „Deutsche Reichszeitung" wird das Erkenntniß des ersten Richters (fünf Monate Gefängniß gegen den Redacteur Emons und 500 Thlr. Geldbuße event, fünf Monat Gefängniß gegen den Verleger Hauptmann) bestätigt.
— München, 26. April. In militärischen Kreisen verlautet, daß der Kriegsminister dem Könige neuerdings Vorschlägen werde, den Raupenhelm in der bayerischen Armee abzuschaffen
und anstatt desselben Pickelhauben, wie jetzt bereits von der Gensdarmerie getragen werden, einzuführen.
— Madrid, 25. April. Gegenüber anderweitigen Nachrichten über die Verproviantirung von Bilbao wird von der Regierung mitgetheilt, daß für einen Monat noch reichlich Lebensmittel vorhanden sind, und daß der Proviant bei einiger Einschränkung auch noch für einen zweiten Monat ausreichen wird. — Die Carlisten sind in einer Stärke von 18,000 Mann bei Balmaseda concentrirt. Ihre Artillerie ist durch eine Anzahl von bisher vor Bilbao verwendeten Geschützen verstärkt worden. — 26. Apr'l. Nach aus Balmaseda vom 24. April hier eingetroffenen Nachrichten sind carlistische Truppenabtheilungen in der Stärke von etwa 2000 Mann bereits seit 8 Tagen damit beschäftigt, die Uebergänge über den Fluß Cadagua unpassir- bar zu machen. Dem General Velasco ist mit 10 castilianischen und 3 asturischen Bataillonen die Vertheidigung dieser Uebergänge anvertraut. — Der vor Bilbao verwundete General Primo di Rivero ist hier augekommen. — 26. April. Aus Santander wird gemeldet, daß es gelungen ist, das von den Carlisten zerschnittene alte Telegraphenkabel zwischen Bilbao und England wieder aufzufischen und bei Sardiners (in der Nähe von Santander) zu verankern.
— New-Jork, 26. April. Nach einem auf 73 ver- fchiedene Abschätzungen gestützten Ueberschlag ist der mittlere Durchschnittsertrag der diesjährigen Baumwollenernte in den Unionsstaaten auf 4,132,000 Ballen anzuschlagen. (R. u. St. A.)
— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 27. April aus Frankfurt a. M.: Wie wir hören, finden im Zoologischen Garten keine Secbskreuzer-Tage mehr statt. An ihre Stelle treten Zwölfkreuzer-Tage, deren erster nächsten Sonntag Morgen ist. — In der Nacht vom 25. zum 26. d. Mts. wurde auf der Vilbelerstraße ein Pflasterer aus Martinsheim todt aufgefunden. Einer Stichwunde am rechten Schlüsselbein nach zu urtheilen, die an der Leiche wahrgenommen wurde, scheint hier ein Verbrechen vorzuliegen. — Heute Morgen 6 Uhr wurde in der Paulsgasse die Leiche eines neugeborenen Kindes aufgefunden. — Am Samstag wurden auf dem hiesigen Markt die Spargeln von Händlern massenhaft für Berlin und Hannover aufgekauft.
Lokales und Provinzielles.
Hanau, 28. April 1874.
—in. Obgleich die jetzige sog. Civilkapelle auch Wilhelmsbader Kurkapelle nicht mehr die Zusammensetzung wie früher hat und es sehr im Interesse der übrigen getrennten Kräfte liegen würde eine Wiedervereinigung nicht länger zu verschieben, welche auch Seitens des Publikums freudig begrüßt würde, so kann man wohl mit Ihrem —r-Berichterstatter anerkennen, daß die Leistungen der Kapelle den Verhältnissen entsprechen. Etwas, was jedoch nicht unermahnt bleiben kann und getadelt werden muß, ist die oste Wiederholung einzelner Musikstücke. Es gibt ein halbes bis ein ganzes Dutzend Conzertnummern: „Zikoff, Auf hoher Alp, Frisches Lied, Lang ist es her, Chor ans den Lombarden, einige Märsche und Tänze,, u. A. m., welche man immer und immer wieder zu hören bekommt. Würde der Herr Dirigent Programme — es brauchen nur 2—3 geschriebene zu sein, — anheften und sich ein Exemplar aufheben, so würde dieses ewige Einerlei sicher vermieden werden, da das Reportoir für kleinere Orchester ja groß genug ist. Zudem hätte das Publikum schon längst die Ausgabe und das Aufhängen dieses Orien- tirungsmittels verlangen können und ist es kaum zu begreifen, daß dieser mangelhafte Zustand nicht längst von andrer Seite gerügt wurde.
— Als gestern Nachmittag gegen 6 Uhr die Leiche des erstochenen Cigarrenarbeiters Andreas Knödel, der, wie man von verschiedener Seite hört, ein braber Arbeiter und Familienvater gewesen sein soll, nach dem Friedhof (am Dörr'schen Felsenkeller vorbei, früher Schnabel), verbracht wurde, veranstalteten die gerade zu dieser Zeit dortselbst anwesenden Gäste unter sich eine Sammlung für die Hinterbliebenen desselben, welche die Summe von 7 fl. 48 kr. ergab. — Knödel ist von Großau-