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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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J£ 84. Samstag den 11. April. 1874.

Tagesschau.

Berlin, 10. April. Der Deutsche Reichstag hat im Verlaufe seiner gestrigen Sitzung den Antrag der Abgg. Ber­nards und Dr. Windthorst auf Wiederherstellung der Rednerliste und alle dazu gestellten Anträge nach längerer Debatte, an wel­cher die Abgg. Dr. Harnier (Berichterstatter der Geschäftsord- nungskommission), Bernards, Dr. Braun, Dr. Reichensperger (Crefeld), Dr. Bähr (Cassel), Dr. Lasker, Bahlteich und Dr. Windthorst in verschiedenem Sinne sich beteiligten, abgelehnt. Es bleibt also bei der alten Bestimmung der Geschäftsordnung, daß der Präsident ohne schriftliche Rednerliste nach seinem Er­messen das Wort ertheilt. Das Haus trat dann in die Be­rathung des Antrages des Abgeordneten von Unruh (Magdeburg) bezüglich der Abänderung der Geschäftsordnung in Betreff der namentlichen Abstimmung ein. Nach diesem Anträge soll bei einer zweifelhaften Abstimmung statt des Namensaufrufes der dem englischen Parlamente nachgeahmte Modus eingeführt wer­den: Sämmtliche Mitglieder verlassen den Saal; auf ein vom Präsidenten mit der Glocke gegebenes Zeichen treten diejenigen Mitglieder, welche mitJa" stimmen wollen, durch die Thür an der Oftseite rechts vom Büreau, diejenigen, welche mitNein" stimmen wollen, durch die Thür an der Westseite, links vom Büreau, in den Saal ein. Die Schriftführer stehen an den Thüren und zählen die Abgeordneten, welche letztere gleichzeitig einen Zettel mit ihrem Namen abgeben.. An der Debatte über diesen Antrag betheiligten sich, außer dem Antragsteller Abg. von Unruh, die Abgg. Freiherr von Stauffenberg, welcher bei zweifelhaften Abstimmungen Auszählung des Hauses empfahl, Graf Frankenberg, der einen Versuch mit dem elektrischen Ab­stimmungs-Apparat der Firma Siemens und Halske befürwortete, v. Denzin und v. Mallinckrodt. Bei der Abstimmung wurde der Antrag des Abg. v. Unruh mit einigen Modifikationen an­genommen; derselbe soll jedoch nur für den Rest der jetzigen Sitzungsperiode und die ersten 4 Wochen der nächsten gelten. Außerdem wurde dem Präsidium die Ermächtigung ertheilt, mit der Firma Siemens u. Halske wegen probeweiser Aufstellung nnes Abstimmungs-Telegraphen in Verbindung zu treten. Schließlich erklärte der Reichstag die Wahl des Abg. v. Klein- forgen für Sigmaringen für gültig, da die vorliegenden Proteste unerheblich sind.

In der heutigen (28) Sitzung des Deutschen Reichstages wurden zunächst einige Wahlprüfungen erledigt. Bis zum Schluß des Blattes war die Wahl des Abgeordneten v. Seydewitz für den 10. Liegnitzer Wahlkreis beanstandet und die Beantragung einer näheren Untersuchung der vorgekommenen Unregelmäßig­keiten beschlossen. (». u st«.)

Allen Bedeorten zur Nachahmung

Bad Nauheim. Allen Bedeorten zur Nachahmung empfohlen! In Bad Nauheim haben die Logis-Vermiether am d' 3s. in einer Versammlung gemeinsame Schritte beschlossen, welche in erster Linie bezwecken, den Kurgast vor Prellereien und Uebervortheilungen zu schützen. Es wurde zu dem Ende ein Reglement vereinbart und genehmigt, welches ge­naue Bestimmungen für das Miethwèsen enthä t, und durch welches der Miether gleich von vornherein auf alle Punkte auf­merksam gemacht wird, die etwa später zu Differenzen führen konnten, damit er feste Vereinbarungen treffen kann. Herr Med.-

rath, Dr. Bode jun., welcher die gemeinsame öffentliche Behand­lung dieser Frage angeregt hatte, wies nach, wie Nauheim jetzt unter den nachtt-eiligen Einwirkungen der ehemaligen Spielbank zu leiden habe, da das schlechte Renommee, welches sich die Ba­degesellschaft durch ihre Geschäftsführung zugezogen habe, jetzt unwillkürlich auf das Gesundheitsbad übertragen werde. Er führte aus, wie Nauheim als ehemaliges Spielbad fast überall, wo man es nicht kenne, in dem ganz unverdienten Geruch gro­ßer Theuerung stehe. Wie wenig der Vorwurf gerechtfertigt ist, daß in Nauheim die Logis zu theuer seien, geht am deutlichsten hervor, daß mehrere Logisvermiether den Mieth-Ertrag ihrer Häuser statistisch zusammengestellt hatten und da ergab sich nicht bei einem Einzigen ein Prozentsatz von 5 pCt. des Kapitals, zu dem das Haus in der Brandkasse versichert ist. Neue Frankf. Pr.

Die kürzlich in Offenbach zum Besten der dortigen alt­katholischen Gemeinde veranstaltete Verloosung von Gegenständen, die von der Bürgerschaft daselbst zum Geschenk gemacht wurden, hat für die Gemeinde den sehr erfreulichen Erfolg von 4000 fl. erzielt.

Die inBonn erscheinendeDeutscheReichszeitung", die Blüthe des rheinischen ultramontanen Journalismus, verziert sich seit einigen Tagen wegen der Gefangennehmung des Erzbischofs Melchers mit einem breiten schwarzen Leichenzettel-Rande. Der uneingeweihte Leser könnte dadurch leicht auf den Gedanken kom­men, daß die Zeitung ihre eigene Existenz betrauere, und vielleicht hat er dabei so Unrecht nicht. Die Preßprozesse des Blattes häufen sich immer mehr. Jetzt ist der Verleger auch wegen Ver­öffentlichung des Aufrufs zu Sammlungen für den Baseler Bischof Lachat undgesperrte Geistliche" von der Behörde zur Verant­wortung gezogen worden.

Während der Ostermesse soll in Leipzig auf Anlaß des Reichsvereins für Sachsen" eine Versammlung liberaler Partei­genossen zur Förderung der Bewegung zur Bildung reichstreuer Vereine durch ganz Deutschland veranstaltet werden, an welcher hoffentlich nicht blos aus Sachsen, sondern auch aus deutschen Ländern von den zur Messe anwesenden Fremden recht Viele sich betheiligen werden. Das Nähere wird alsbald bei Beginn der Messe bekannt gemacht werden.

München, 8. April. Das Programm, auf Grund dessen sich der KatholikenvereinKonkordia" in München gegrün­det hat, entspringt, nach derAugsb. Abdztg.", dem Grundgedan­ken: es können die gesellschaftlichen und politischen Uebel nur durch die Rückkehr zu der kirchlichen Vormundschaft geheilt wer­den. Deßhalb legt es den hauptsächlichen Accent auf die reli­giöse Frage und verlangt vor Allem eine vollständige Unterord­nung des Staates unter die Kirche. Was von der katholischen Kirche innerhalb seiner Grenzen angestiftet, gethan und beschlossen wird, hat ihn nichts anzugehen, danach hat er nicht zu fragen, genug, daß es die Kirche ist, die es will und thut. Der Staal soll möglichst geschwächt, der Einfluß Noms möglichst gestärkt werden, den Eltern soll es freistehen zu bestimmen, in welchem Geiste und nach welchen sittlichen Grundsätzen sie ihre Kinder heranbilden lassen wollen, aber deßhalb darf es doch keine Ämul- tan- oder Kommunalschulen geben, den Schulen muß nach dem Programm derKonkordia" der konfessionelle Charakter gewahrt werden. Das deutsche Reich, wie es jetzt besteht, soll