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eines ewig ruhelosen, streitsüchtigen Nachbarn zu haben. Es ist daher ganz natürlich, daß wir ein lebhaftes Interesse haben, zu erfahren, wie denn unsere Abgeordneten zu dieser Frage Stellung genommen haben, was sie, wenn nach Ostern die Entscheidung fällt, zu thun, wie sie zu stimmen gedenken, und wir glauben, einem in den Kreisen der Wähler allgemein gehegten Wunsch Ausdruck zu geben, wenn wir an unsere Abgeordneten die Auf­forderung richten, sie möchten die Muße der Osterferien dazu benützen, hierüber entweder schriftlich oder noch lieber mündlich ihren Wählern Aufklärung zu geben. Nicht bloß den letzteren wäre damit ein Dienst geleistet, auch die Abgeordneten würden einen nicht zu unterschätzenden Vortheil daraus ziehen, wenn sie sich mit ihren Wählern in Berührung und ins Benehmen setzen würden. Die Stimmung der Bevölkerung ist allerdings für den Abgeordneten nicht maßgebend, sondern seine Ueberzeugung und gewissenhafte Erwägung; aber ein beachtenswerther Faktor bleibt sie immer auch für ihn, namentlich in zweifelhaften Dingen, wozu wir nach dem bisherigen unentschlossenen Benehmen der nationalliberalen Partei des Reichstags das Militärgesetz wohl rechnen dürfen. Ein Volksvertreter mag sich bedenken, wenn es gilt, dem Volk Lasten aufzuerlegen; aber seine Bedenken werden erheblich gemindert werden, wenn er erfährt, daß das Volk diese Lasten selbst für gerechtfertigt hält. Man hat gesagt, der Mili­tarismus, soll sagen die Wehrpflicht, treibe bei uns jo viele Leute zur Auswanderung. Nein, nicht die Wehrpflicht ist's, sondern die Furcht vor einem neuen Krieg mit seinen furchtbaren Opfern an Menschenleben; den Krieg aber vermeiden wir am besten durch eine ausreichende Rüstung, die es dem Gegner verleidet, uns anzugreifen.

' — Wien, 31. März. Der „Pester Korrespondent" wird aus Wien gemeldet: Im heutigen gemeinsamen Ministerrathe wurde unter Präsidium Sr. Majestät die gemeinsame Budget­vorlage endgültig.festgestellt. Mit Ausnahme der Posten für Naturalienverpflegung und Mannschaftskost, welche höher präli- minirt sind, werden die übrigen Posten gleich hoch, einige sogar etwas niedriger veranschlagt sein als die für dieses Jahr notir- ten Summen. Der Finanz-Minister Ghyczy hat weder bezüglich der Bankangelegenheit, noch wegen Anlehen irgend welche Ver­handlungen gepflogen. Der Minister-Präsident Bitto und der Kommunikations-Minister Zichy reisen heute Abends, der Finanz- Minister Ghyczy morgen Nachmittags nach Budapest zurück.

....... — Aus Genf, 28. März, wird dem „Brschw. Tgbl." geschrieben: Gestern Abend 6 Uhr ist auf dem Stadthaus der Austausch der Ratifikationen des Vertrags erfolgt, welcher zwischen der Stadt und dem regierenden Herzog Wilhelm von Braunschweig, betreffend das Testament seines Bruders Karl, abgeschlossen worden ist. Die Unterzeichnung der Ratifikation geschah im Namen der Stadt durch die Präsidenten und Vice- präsidenten, ihres. Administrativrathes, Le Royer und Turettini, und im Namen des Herzogs durch den deutschen Konsul in Genf, Bankier. Brodhag. Außerdem waren anwesend die Testaments- Exekutoren. und Dr. Bohlmann, welcher die Vertragsverhand- lungen für Genf in Braunschweig geführt hatte. Nach dem Ratifikationsaustausch fand sofort die Zurückgabe der Onyxvase und des -Saphirrings der Maria.Stuart an den Direktor des Herzoglichen Museums in Braunschweig, Dr. Riegel, statt, welcher zu diesem Zwecke als Abgeordneter des Herzogs nach Genf gekommen war.

— Aus Paris, 29. März, telegraphirt man der „Nat.- Ztg.": Die „Republique Franyaise" hatte gestern die Mittheilung gebracht, daß der Bischof von Nancy von der deutschen Staats­anwaltschaft als Mitschuldiger der reichsländischen Geistlichen, welche seinen Hirtenbrief verlesen hatten, citirt worden sei. Das Blatt verlangte deßhalb das Einschreiten der französischen Diplo­matie. Hierauf veröffentlichte der „Univers" gestern Abend ein Telegramm aus Nancy, worin behauptet wird, es sei nicht wahr, daß der Bischof eine Vorladung vor das deutsche Gericht erhal­ten habe. Ich kann nun aber versichern, daß diese Vorladung dem Bischöfe in Der That zugegangen ist, und zwar auf diplo­matischem Wege durch Vermittlung des französischen Ministers des Auswärtigen, wie dies bezüglich der beiderseitigen gericht­

lichen Vorladungen in dem zwischen Deutschland und Frankreich abgeschlossenen Frankfurter Friedensvertrage bestimmt ist.

— Die Lage Frankreichs ist durch die kurz vor Schluß der Nationalversammlung eingebrachten Interpellationen, wie das „Berl. Tgbl." schreibt, in vieler Hinsicht geklärt worden. Es ist unverkennbar, daß Marschall Mac Mahon wenigstens augen­blicklich gewillt ist das Septennium im vollen Ernste aufrecht zu erhalten. Leider scheint er sich aber noch immer nicht dazu entschließen zu können, mit der Koalition der Orleanisten, Bona­partisten und Legitimisten völlig zu brechen und seine Stütze in den republikanischen Parteien zu suchen. Daß er dies schließlich doch , thun muß und eine Verzögerung den Uebergang nur ver­schlimmert, wird ihm die Zukunft beweisen. Herzog v. Broglie, die Kreatur der Koalition vom 24. Mai, sucht selbstverständlich dieses Schwanken in der innern Politik möglichst weit hiuaus- zuschieben, denn er fürchtet, und wohl nicht mit Unrecht, daß er nicht der Mann ist, der sich einem republikanischen Regime aus die Nase setzen darf. Bis jetzt sind seine Anstrengungen noch mit Erfolg gekrönt worden. In den konstitutionellen Vorlagen, welche nach den Osterferien berathen werden sollen, balll sich aber ein Sturm zusammen, dem gegenüber er Hände und Füße krampfhaft gebrauchen wird, um sich auf seinem Ministerstühlchen sestzuhalten.

— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 2. April aus Frankfurt a. M.: Der Bau der Cronberger Eisenbahn ist, wie wir mit Freude constatiren können, nun auch vom Rödelheimer Bahnhöfe aus, nach Eschborn zu, energisch in Angriff genommen worden. Die Bahnstrecke soll bis Ende Juli d. I. dem Verkehr übergeben werden. — Verflossene Woche wurde in einer der Standesbuchführung nahe gelegenen Weinwirthschaft, wo eben fast alle Hochzeitchen kleiner Leute gefeiert werden, eine Hochzeit­feier abgehalten. Braut, Bräutigam und beide Zeugen fingen an, die Weinkarte von oben herunter zu trinken. Endlich schlief die ganze Gesellschaft ein und es gelang nur mit Mühe, das Braut­paar und den einen Zeugen zu wecken, sie in einen Wagen zu packen und nach Haus fahren zu lassen. Die. vierte Person schlief bis 6 Uhr Abends. — Die Main-Neckar-Eisenbahn hat die Gül­tigkeitsdauer der Retourbillets über die Osterfeiertage in der Weise verlängert, daß die am 2., 3. und 4. April gelösten Fahr­karten dieser Art Gültigkeit bis einschließlich den 6. April be­halten.

Lokales und Provinzielles.

Hanau, 4. April 1874.

^ Die am Donnerstag Abend unter dem Vorsitze des Alters­präsidenten Herrn C. Zimmermann zur Wahl des Vorstandes versammelten Mitglieder des am 29. v. M. gewählten Wahlcolle­giums der Actien-Gesellschaft „Bürgerverein" bestimmten den Herrn H. F. Ziegler zum Direktor und Herrn Rechtsanwalt Manns II. zu seinem Stellvertreter, den Herrn I. C. Lerpp zum Cassirer nnd Herrn C. Kehl zum Stellvertreter, Herrn Aug. Horn zuw Oekonomen und Herrn Leonh. Huber zum SteHücrttetet.

Es bilden also nach §. 19 der Statuten die folgenden 12 Herren C. Thyriot, Carl Schröter, Aug. Schleißner, Dr. Duncker, W. Eberhard, Ad. Hengsberger, H. Herold, C. Zimmermann, Ed. Rößler, H. Weis­haupt, Mart. Krug und A. Robb den Aufsichtsrath und die HerrenL. Both, I. Ott, F. Pelissier, A. Hoffmann, H. Lucas und W. Heraeus die Stellvertreter.

Der Aufsichtsrath constituirte sich und wählte zu seinem Präsidenten den Herrn C. Zimmermann, zum Vicepräsidenten den Herrn Ed. Rößler und zum Protokollführer den Herrn H. Herold.

— Für Diejenigen, denen es nicht möglich während der Osterfeiertage den „Palmengarten" zu besuchen, dürfte sich ein nicht zu unterschätzendes Aequivalent im Phlippsruher Schloß­garten, wenn auch ohne Musik, bieten, denn die Blumen-Ausstellung ist in ihrer seltenen Farbenpracht, selbst für Denjenigen sehens- werth der nicht eigentlich Blumenfreund ist, sowie die golden