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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanan.
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Mittwoch den 1. April
1874.
Tagesschau.
— Aus Berlin, 27. März, schreibt man der „Köln. Z.": Am Schluffe der Berathungen der Militärkommission des Reichstages herrschte in nationalen Abgeordnetenkreisen Mißstimmung über die Haltung der bayerischen Bundesrathsbevollmächtigten bezüglich ihres Festhaltens an den äußersten Konsequenzen der bayerischen Reservatrechte. Namentlich hatten die Erklärungen des bayerischen Justiz-Ministers vom bayerischen Standpunkte aus nichts zu wünschen übrig gelassen. Dem gegenüber wirkt es geradezu komisch, wenn die Agitation der Ultramontanen in Bayern gegen die Mitglieder des jetzigen Ministeriums auch diesen Vorgang als einen willkommenen Anlaß ausbeutet, die bayerischen Bundeskommissäre zu verdächtigen, wie dies durch die „Augsburger Postzeitung" neuerdings wieder geschehen ist. Gegenüber den dort ausgesprochenen Vorwürfen, durch die Haltung des bayerischen Justizministers seien gar „der bayerischen Justizhoheit tödtliche Wunden geschlagen", darf unter manchem Anderen daraus hingewiesen werden, welche feste und entschiedene Haltung der bayerische Justizminister vom ersten Anfang an bis zuletzt bezüglich der Frage der Erhaltung der Schwurgerichte beobachtete. Die Stellung der süddeutschen Bevollmächtigten im Bundesrath ist eine überaus schwierige, und es spricht jedenfalls für den Beruf zu einer solchen, wenn es bei ihrer Lösung gelingt, sich eine so allgemein geachtete Stellung im Bundesrathe zu erwerben, wie sie der Minister v. Fäustle gerade durch die Offenheit und Entschiedenheit einnimmt, mit welcher er die Rechte seiner Regierung und die Interessen seines Landes vertritt, ohne an der loyalen Erfüllung der verfassungsmäßigen Pflichten Bayerns gegen das Reich einen Zweifel aufkommen zu lassen. Man dürfte wahrlich begierig sein zu erfahren, welche Erfolge die Mitglieder eines ultramontanen bayerischen Ministeriums im Bundesrathe wohl zu erzielen vermöchten.
■ — Der Stand der Parteien zu dem Militärgesetz möchte jetzt dahin zu präcisiren sein, daß absolut gegen die Vorlage stimmen: das Centrum, die Polen, Socialdemokraten, Welfen, Elsaß-Lothringer rc.; für Herabminderung der Friedensziffer auf 370,000 Mann und jährliche Contingentirung: die Fortschrittspartei und ein kleines Fähnlein Nationalliberaler unter Lasker; für Bewilligung von 384,000 Mann auf 5 Jahre: das Gros der Nationalliberalen; unbedingt für das Gesetz stimmen Con- servative und Freiconservative. Das Entgegenkommen der Regierung möchte sich auf das Zugeständniß von 384,000 Mann, aber nicht auf Zeit beschränken; doch fehlt auch für diese Annahme noch eine feste Unterlage. Trib.
— ■ Der Posten eines deutschen Gesandten in Brüssel, welcher durch den plötzlichen Tod des Herrn von Balan erledigt worden ist, dürfte bald wieder besetzt werden. Man nennt den Grafen von Hatzfeld als die dafür bezeichnete Persönlichkeit. Aus den Fürsten Bismarck hat der Tod des Herrn von Balan einen sehr deprimirenden Eindruck gemacht. Balan war ein Jugendfreund Bismarcks, welcher sich denn auch sofort erinnerte, daß der Verstorbene schon in jungen Jahre» zuweilen von Unterleibsleiden befallen war, ähnlich demjenigen, durch welches er den Tod fand.
— Köln, 31. März. Erzbischof Melchers ist heute früh
81/* Uhr gefänglich eingezogen worden. Die Ruhe blieb ungestört.
— Offenbach, 28. März. Gestern hielt die hiesige Polizei wieder einmal eine Razzia nach gewässerter Milch, die nicht ohne Resultat war. Bei fünf verschiedenen Händlern wurden mehrere Kannen confiscirt, deren Inhalt allzugroße Bekanntschaft mit der Wasserleitung gemacht hatte. In einzelnen Kannen soll mehr Wasser wie Milch gewesen sein. Einer der Händler wurde sogar zweimal in zwei verschiedenen Straßen visitirt und da auch bei der zweiten Visitation gefälschte Milch bei ihm vorgefunden wurde, so wird er wohl eine recht empfindliche Strafe erhalten.
— München, 29. März. Wenn der Reichstag seine Thätigkeit vor Ostern geschlossen hätte, so würde unser Landtag auf den 13. April wieder einberufen worden sein: nachdem nun aber der Reichstag am 9. April seine Sitzungen. wieder aufnimmt und — wie uns versichert wird — noch mindestens 14 Tage versammelt sein wird, so kann der Wiederzusammentritt der bayerischen Kammern erst gegen Ende des nächsten Monats erfolgen. Die Dauer des Landtages dürfte sich in Anbetracht des noch zu erledigenden Materials wohl bis Ende Juni erstrecken. — Die Concentrirung der ersten Division zu den diesjährigen Herbstwaffenübungen wird, wie wir vernehmen, an der Ilm, in der Umgegend von Pfaffenhofen, stattfinden. (Augsb. Abdztg.)
— Das Comitä der internationalen landwirthschaftlichen Ausstellung, die im Sommer in Bremen abgehalten wird, hat dem rheinischen Brieftauben-Bund 14,000 Mark behufs eines Preis-Wettfliegens unter der Bedingung zugesagt, daß die Preistauben für einige Zeit der Ausstellung einverleibt werden.
*— Königsberg, 26. März. Heute wurde ein Schwindler in der Uniform eines Eisenbahnbeamten dingfest gemacht, der schon Jahre lang den halben Kontinent durchschwärmt und überall Betrügereien und Erpressungen verübt hatte.
_ — Straßburg, 30. März. Von den Mitgliedern des hiesigen fuspendirten Gemeinderaths ist am Sonnabend mit allen gegen zwei Stimmen der Beschluß gefaßt worden, durch eine Deputation von 5 Gemeinderäthen heute Vormittag dem Ober- Präsidenten die Mittheilung zugehen zu lassen, daß der Gemeinderath jeden Maire, welchen die Regierung aus der Mitte desselben ernennen werde, anerkennen und bis dahin seine Funktionen unter einem provisorischen Vorsitzenden wiederausnehmen wolle.
— Paris, 28. März. Die Legitimisten haben, nach der „Augsb. Abdzg.", der Regierung eröffnet, daß neue Versuche gemacht werden würden, um den Grafen von Chambord zu Konzessionen zu bewegen. Diese Angelegenheit kam im Ministerrath zur Sprache und hatte eine lebhafte Debatte zur Folge. Die liberalen Kabinetsmitglieder, wie Fourton und Desseilligny, bestanden auf allsvgleicher Vorlage der konstitutionellen Gesetze, um neue Agitationen zu hintertreiben, worauf Larcy und Depeyre mit ihrer Demission drohten, wenn die konstitutionellen Gesetze ohne vorherige Genehmigung des Dreißiger-Ausschusses der Kammer vorgelegt werden würden. — Die Führer der klerikal-legi- timistischen Partei organisiren in ganz Frankreich öffentliche Gebete für die Rückkehr Heinrich's V. Die Bischöfe und ein großer Theil des Klerus betheiligen sich an dieser Manifestation.
— Paris, 30. März. Die Bank von Paris ist heute