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Gewächsen, aufgestellt. Es wurden nur zwei offizielle Toaste ausgebracht: Auf Se. Majestät den König und auf Se. Majestät den Kaiser. Den ersten Toast brachte Herr Geh. Rath Prof. V. Giesebrecht aus: Die erste Huldigung und das erste Glas gebühre unserem Könige, denn ihm danken wir es, daß wir heute ein Kaiserfest feiern können. Redner gedachte der Vergangenheit durch Erwähnung Ludwigs des Deutschen und Ludwigs des Bayern und der Gegenwart, indem er hervorhob, daß unser jetziger König Ludwig durch Schließung von Verträgen ein Reich und wieder einen Kaiser geschaffen: uns zum Nutz, den Feinden zum Trutz. König Ludwig II. habe den nie ganz erloschenen deutschen Kaisernamen wieder aufgefrischt und dem Namen Ludwig der Deutsche eine neue lebendige Bedeutung gegeben. Dafür sei ihm tausendfacher Dank und dreimal donnerndes Hoch. In dieses Hoch stimmten alle Anwesenden begeistert ein. Den zweiten Toast brachte Staatsanwalt Wülfert aus. Redner erinnerte, daß vor wenigen Jahren noch der heutige Tag wie jeder andere ohne besondere Weihe begangen worden, daß dies von nun an aber nicht mehr der Fall sein werde; er gedachte des 22. März 1797 als des Geburtsfestes unseres Kaisers. Wer hätte damals ahnen können, fuhr er fort, daß dieser Prinz dazu bestimmt gewesen, das untergehende Reich aufzurichten und zu Glanz und Macht emporzuführen. Uns, denen es vergönnt gewesen, in den Jahren 1870/71 zu sehen, welcher Held uns geboren an jenem Tage, ist dieser Tag ein Tag der heiligen Erinnerung. Daß wir die Siege nicht vergessen, dafür sorgt jene Partei, die den Grundsatz aufgestellt, man müsse Gott mehr ehren als den Menschen, denn sie drängt den greisen Kämpfer zu neuen Siegen, die dem Reiche den Frieden und dem Kaiser wieder geben, was des Kaisers ist. Wir sind versammelt, um des Kaisers Geburtstag zu feiern in Freude, aber nicht ohne bange Befürchtungen, er, der im Jahre 1797 geboren, stehe an der Ausgangspforte menschlichen Lebens; den wahrsten Ausdruck des heißesten Dankes und der innigsten Bewunderung spreche ich aus, wenn ich sage: „Lange lebe der Kaiser!“ Brausende Hochs, allgemeiner Jubel, Singen und Spielen der Nationathyme bewiesen die Zustimmung und Begeisterung aller Anwesenden. Professor von Holtzendorff schlug vor, daß dem Kaiser der Gruß heutiger Versammlung auf telegraphischem Wege gemeldet werde und ersuchte den anwesenden preußischen Gesandten, Freiherrn von Werthern, sich zum Organe heutiger Versammlung zu machen, was dieser auch bereit- w lligft zutagte. Professor Thomas beantragte auch einen Gruß au den Rei skanzler verbunden mit dem Wunsche baldiger Wiederherstellung. Auch dieser Wunsch fand allgemeinen Anklang. Schließlich erinnerte Professor Förster durch Citirung eines älteren Gedichtes an die Vereinigung der preußischen und bayerischen Fahnen und sprach den Wunsch aus, daß es stets so bleiben möge. Vielseitige Hochrufe. Das schöne Fest verlief in der freudigsten und heitersten Stimmung. (Augsb. Abdztg.)
— Die Verordnung des Präfekten der Seine und Oise Betreffs der Absetzung des Maires Herzog von Padua lautet: In Eiwäguug, daß der Herzog von Padua, Maire von Courson l'Aülnay, der Kundgebung anwohnte, welche in England am 16. d M. staltsand, nachdem er einen thätigen Antheil an ihrer Or- ganiialion genommen; in Erwägung, daß diese Kundgebung augeiischeinlich einen politischen Charakter hatte, welche einem Maire nicht erlaubte, ihr anzuwohnen; und daß der Herr Maire von Cvurivn l'Äuluay dadurch, daß er sich nicht enthielt, ihr auzuwohnen, gegen die ihm von seinen Funktionen aufgezwungene Pflicht handelte; in Anbetracht des Circulars des Herrn Ministers des Innern rc. verordnet der Präfekt der Seine und O se nach Art. 1: Der Herzog von Padua, Maire von Courion l'Anluay, ist seiner Funktion enthöbe rc.
— Die „Tribüne" schreibt: Die Thronrede, mit welcher das englische Parlament vor einigen Tagen eröffnet worden ist, hat eine w. vergehende Beachtung im Allgemeinen nicht gefunden; für das Ausland sind nur wenige Stellen derselben von einigem Interesse.
Der toryistische Standpunkt des neuen Ministeriums zeißt sich in dem Passus über die auswärtige Politik; die britische Reg. eraug wird ihre guten Beziehungen zu allen fremden Mächten
dazu benutzen/ den europäischen Frieden und die „Erfüllung der internationalen Pflichten" sicher zu stellen. Die Prätensionen des höchsten Schiedsrichteramtes in Europa und die Erhabenheit über alle Fragen des Continents will den conservativen englischen Staatsmännern eben nicht aus dem Kopf. Bezeichnend ist übrigens auch, daß die Thronrede der Vermählung des Herzogs von Edinburg mit einer russischen Prinzessin ausdrücklich eine politische Bedeutung beilegt, indem sie dieselbe als ein Freundschaftsband auch zwischen den beiden Staaten bezeichnet. Der bevorstehende Besuch des Kaisers Alexander am englischen Hofe wird diesen Gedanken noch zu weiterer Entwickelung führen. —
— In Spanien sieht man einer Entscheidungsschlacht zwischen Regierungstruppen und Carlisten mit jedem Tage entgegen. Marschall Serrano hat die politischen Geschäfte und die Hauptstadt verlassen, und sich an die Spitze der Armee gestellt; Lorbeeren hat dieselbe aber auch unter dieser Führung noch nicht gepflückt, und wenn die Nachrichten englischer Journale richtig sind, so steht die Sache der Carlisten durchaus nicht schlecht. Im schlimmsten Falle würde sich das jetzige Verhältniß nur umkehren, d. h. die republikanische Partei als die aufständische bezeichnet, der Bürgerkrieg aber unter bourbonischer Herrschaft in unveränderter Form fortgesetzt werden.
— Paris, 24. März, Morgens. Der vor einigen Tagen in Gewahrsam genommene Pfarrer Santa Cruz soll dem Vernehmen nach wieder freigelaffen und über die spanische Grenze gebracht werden. (R. u. St. A.)
— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 24. März aus Frankfurt a. M.: Auch der Main-Weserbahnhof ist nun durch eine am Eingänge desselben errichtete, geschmackvolle Tafel in einer den Fremdenverkehr anerkennenswerth erleichternden Weise kenntlich gemacht. Hoffentlich wird nun auch der Main-Neckarbahnhof in gleicher Weise bezeichnet, denn die gegenwärtig vor demselben befindlichen Tafeln, welche die Bez ichnung des Bahnhofes tragen, sind in den Farben so wenig hervortretend, daß sie schon aus geringer Entfernung nicht lesbar, bei eintretender Dunkelheit aber gar nicht bemerkbar sind, wenigstens so nicht, um den Fremden einen augenfälligen Hinweis zu geben. — Der Raubmörder Völker ist am verflossenen Samstag in die Strafanstalt Diez transportirt worden, um dort seine lebenslängliche Zuchthausstrafe abzubüßen. Dem ihn begleitenden „Transporteur" drückte er u. A. seinen Aerger darüber aus, daß das von ihm geraubte Geld ihm wieder gestohlen worden sei. Als er nach demselben an der Stelle, wo er es vergraben hatte, suchte, war Alles verschwunden. Uebrigens erklärt Völker, die Ermordung Hamburger's sei niemals seine Absicht gewesen; er habe den Ermordeten durch den Schlag auf den Kopf nur betäuben wollen, um ihm dann bequem das Geld wegnehmen zu können.
Lokales und Provinzielles.
Hanau, 25. März 1874.
R—. Seiner Zeit war im „Hanauer Anzeiger" mit kurzen Worten erwähnt, daß auf der Delegirtenversammlung des Mainthal-Sängerbundes zu Frankfurt Hanau durch einstimmige Wahl als der Ort zur Abhaltung des diesjährigen Mainthal- Sängerfestes gewünscht wurde. — Unsere Delegirten nahmen diesen Wunsch mit Freuden auf, weil es galt, eine längst fällige Ehrenschuld, deren Tilgung unter früheren Verhältnissen unmöglich geworden, abzutragen, und weil sie sich mit Sicherheit der Hoffnung hingeben zu dürfen glaubten, daß die Einwohnerschaft Hanau's diesen Entschluß gutheißen und dessen Ausführung die nöthige Unterstützung angedeihen lassen werde. — Zur Abhaltung des Festes sind die Tage des 5. und 6. Juli d. I. festgesetzt und sind die Delegirten der vereinigten Gesangvereine hier schon einige Zeit rührig die nöthigen Vorarbeiten abzuwickeln, so daß demnächst zur Bildung des großen Comitö's geschritten werden kann.
R—. Gestern Nachmittag zog ein Trupp von der Musterung Gekommener mit einem Trompeter an der Spitze durch die Straßen, wogegen begreiflicher Weise an einem solchen Tage so lange Niemand etwas einzuwenden hat, als die Sache nicht zu