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Montag den 23. März.

Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.

Die 21. allgemeine deutsche Lehrerversammlung soll in Breslau und zwar in der Zeit vom 27.30. Mai d. I. abge­halten werden. Die Herren Schulinspektoren werden ergebenst benachrichtigt, daß nach Anordnung des Herrn Ministers den­jenigen Lehrern, welche an der Versammlung Theil zu nehmen wünschen, der erforderliche Urlaub für die nicht schulfreie Zeit in der Pfingstwoche ertheilt werde.

Die Herren Bürgermeister wollen diesen Erlaß den Herren Schulinspektoren vorlegen.

Hanau am 15. März 1874.

Berlin, 21. März. In der heutigen Sitzung des Deutschen Reichstages wurde zunächst die Interpellation des Abg. Fürsten Hohenlohe-Langenburg verlesen:

ob von den verbündeten Regierungen beabsichtigt wird, die in Folge des Münzvertrages vom 24. Januar 1857 als ge­setzliches Zahlungsmittel geltenden Vereinsthaler Oesterreichi­schen Gepräges demnächst außer Coürs zn setzen?

Der Präsident des Reichskanzler-Amtes Staats-Minister Delbrück erklärte, die Interpellation am Dienstag beantworten zu wollen.

Dann wurde der Antrag des Abg. Sonnemann angenommen: Der Reichstag wolle beschließen: 1) Aus Grund des Art. 31 der Reichsverfassung zu verlangen, daß das gegen den Reichstags-Abgeordneten Most (Chemnitz) bei dem Bezirksge­richte zu Leipzig beziehungsweise dem Ober-Appellationsgerichte zu Dresden, wegen Beleidigung durch die Presse schwebende Strafverfahren für die Dauer der gegenwärtigen Sitzungs­periode des Reichstages aufgehoben werde. 2) Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, zur Ausführung dieses Beschlusses das Nöthige zu veranlassen.

Es folgte die erste und zweite Berathung des Gesetzentwur­fes, betreffend die Erwerbung eines Grundstückes Behufs Errich­tung eines Gebäudes für die Kaiserliche Botschaft in Wien. An der sehr lebhaften Debatte betheiligten sich der Präsident des Reichskanzler-Amtes Staats-Minister Delbrück, die Abgg. Frhr. v. Hoverbeck, Dr. Windthorst, v. Ludwig, v. Mallinckrodt, Graf Frankenberg, v. Unruh (Magdeburg), Dr. Bamberger und Mosle. In namentlicher Abstimmung wurde daun das Gesetz mit 169 gegen 133 Stimmen angenommen.

Bei Schluß des Blattes setzte das Haus die zweite Bera­thung des Preßgesetzes fort.

Die in London erbaute deutsche PanzerfregatteKaiser" ist am 19. d. glücklich vom Stapel gelaufen. S. M. S. Augusta" ist am 19. d. früh in See gegangen.

Berlin. Die Bierpreise bleiben also erhalten, trotz des erneuten Versuches, sie zu erhöhen. Schon bevor der jüngste Anlauf zur Preiserhöhung genommen, legten einige Brauereien Protest ein und erklärten unter keinen Umständen mitthun zu wollen; ohne Einhelligkeit ist aber da absolut nichts zu machen. Die Erhöhungslustigen werden nun die Einführung des Mark- Pfennigs abwarten, um daun noch einmal ihr Glück zu wagen, fchwerlich mit besserem Erfolge.

Aus Baden, 15. März. Die am 12. d. in dem nicht großen Dorfe Schwaningen auf Veranlassung des Gemein­deraths vorgenommene Abstimmung über das Ünfehlbarbeits- Dogma ist deßhalb bemerkenswerth, als sich Aehuliches bald öf­

ters ereignen dürfte. Von einer vor dem Pfarrhause errichteten Tribüne gab zuerst der Bürgermeister in Kürze den Zweck der Versammlung an, worauf Pfarrer Hosemann eine sehr beifällig aufgenommene Rede gegen die Unfehlbarkeit hielt. Die Abstim­mung ergab folgendes Resultat: von 104 Stimmberechtigten waren 57 erschienen, von denen 54 gegen das Dogma stimmten, 3 sich der Abstimmung enthielten.

Straßburg, 19. März. Heute Nachmittag ist Bi­schof Raeß aus Berlin hierher zurückgekehrt. Vorsichtshalber, wegen möglicher Demonstrationen, war der Perron des Bahn­hofes mit etwa 10 in Civil gekleideten Polizisten besetzt. Diese Vorsicht erwies sich aber als überflüssig; denn der Bischof hatte wohlweislich seine Ankunft erst ganz kurz vorher telegraphisch angezeigt, und es wußte also Niemand, außer der Polizei und der Dienerschaft, von derselben. Er fuhr unangefochten in sein Palais. (Pfälz. Kur.)

DerKöln. Ztg.' schreibt man: Die Frage wegen Aus­schließung der österreichischen Thaler von den öffentlichen Zah­lungsmitteln beschäftigte die zustehenden Ausschüsse des Bundes­rathes, ist aber auch dort nicht zum Austrage gekommen, da die Meinungen über die Einziehung dieser Münzen noch zu weit auseinander gehen, und Vorschläge, diese Münzen auf Reichs­kosten einzuziehen, noch der Entscheidung harren, welche indessen wohl schon in der nächsten Bundesraths-Sitzung zu erwarten steht.

Bern, 20. März. Aus dem Berner Jura sind weitere fünf Geistliche ausgewiesen und Delsperg und Laufen die Loka­litäten, in denen Privatgottesdienst abgehalten wurde, geschlossen worden.

Das französische Cabinet hat in diesen Tagen aber­mals eine Feuerprobe bestanden. Die Interpellation Challemel Latour, welcher es zu beantworten hatte, versuchte die Re­gierung des Marschall Mac-Mahon zum offenen Bekennen ihrer Farbe zu zwingen. Man wollte wissen ob das Septennat als ein Vorläufer der Republik oder ein Asyl der Monarchie anzu­sehen sei. Herr von Broglie ging auf diese Gewissensfrageu gar nicht ein, sondern gab der Kammer und dem Lande nur die tröstliche Versicherung, daß die jetzigen Machthaber gar nicht daran dächten, während der nächsten sieben Jahre ihre Gewalt aufzugeben. Es gelang der Regierung mit dieser Erklärung wirklich eine Majorität für die einfache Tagesordnung in der Kammer zu finden; ob man im Lande ebenso gewillt ist, sich das jetzt herrschende System dermoralischen Ordnung" sieben Jahre gefallen zu lassen, ist eine andere Frage. (»a.j

Paris, 19. März. Der gestrige 18. März, Jahrestag des Ausbruchs des kommunistischen Aufstandes, ist in ganz Frankreich ohne die geringste Ruhestörung vorübergegangen. In Paris hatten die Behörden Vorsichtsmaßregeln ergriffen; von Offizieren befehligte starke Reiterpatrouillen durchstreiften die ganze Nacht hindurch die Stadt. Alle Wachposten waren ver­stärkt. Der Herzog von Padua ist wegen Theilnahme an der Chiselhurster Wallfahrt seiner Stelle als Bürgermeister von Bourton d'Aulnay entsetzt worden.

London, 21. März. Das Unterhaus genehmigte die Vorlage des Schatzkanzlers betreffs Vermehrung des Supple­mentarcredits im Gesammtbetrage von 900,000 Lstr. zur Be­streitung der durch den Aschantikrieg veranlaßten Auslagen. 800,000 Lstr. dieses Betrages werden für 1874 beansprucht.