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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
Die Sjhaltige Zeil« 3 Sgr.
Mittwoch Len 18. März.
Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.
Am 18. d. M. Mittags wird die Lamboybrücke für den
Verkehr frei gegeben.
Hanau den 16. März 1874.
Tagesschau.
— Berlin, 16. März. Die Verhandlungen der durch Beschluß des Bundesraths vom 21. Dezember 1873 zur Vorbe- rathung des Entwurfs einer deutschen Gemeinschuldordnung berufene Kommission wurden heute durch den Präsidenten des Rèichs- kanzler-Anits Staats-Minister Delbrück eröffnet. Den Vorsitz in der Kommission führte der Präsident des Königlich bayerischen obersten Gerichtshofes Dr. von Neumayr, die übrigen Mitglieder find: der Königlich preußische Geheime Ober-Justizrath Hertz, der Königlich preußische Geheime Justizrath Harrassowitz, der Königlich preußische Geheime Kommerzien-Rath R. Warschauer, der Königlich preußische Rechtsanwalt Makower, der Königlich bayerische Ministerial-Rath Dr. Schmitt, der stellvertretende Vorsitzende der Handelskammer zu Leipzig P. Bassenge, der Königlich Württembergische Ober-Tribunal-Rath von Kohlhaas, der Großherzoglich mecklenburgische Ober-Appellations- Rath von Amsberg, der Präses des Handelsgerichts zu Hamburg, Albrecht und das Mitglied der Handelskammer zu Bremen F. Schütte; als Schriftführer fungiren der Königlich preußische Stadtgerichts-Rath R. Hagens und der Königlich preußische Landgerichts-Rath Lingen. Zum Berichterstatter wurde der Geheime Ober-Justiz-Rath Hertz erwählt.
— Das Thema der Leichenverbrennungen beginnt auch, wie die „Trib." schreibt, in Berlin die allgemeine Aufmerksamkeit zu erregen. Es wird vielfach darüber discutirt, einstweilen scheinen sich mehr Stimmen dagegen als dafür auszusprechen. Jedenfalls ist die Frage noch lange nicht spruchreif, und die Regierung scheint der öffentlichen Discussion noch einen weiten Spielraum gönnen zu wollen, bevor sie ein Machtwort spricht. Personen, welche sich als Agitatoren für die Leichenverbrennung in den Vordergrund gestellt haben, find der Gegenstand zahlreicher Zuschriften, theils in anerkennendem, theils in ablehnendem Sinn geworden. Ein Fanatiker gegen die Leichenverbrennung beginnt ein uns vorgelegtes Schreiben an einen der Agitatoren mit fol- den Complimenten: „Sie Gotteslästerer, sind werth bei lebendigem Leibe verbrannt zu werden."
— München. Dem „Volksfreund" ist die Nachricht zugegangen, daß sämmtliche 32 Reichstagsabgeordnete des katholischen Bayerns an König Ludwig II. sich gewendet haben mit der Bitte, die bayerischen Vertreter im Bundesrathe anzuweisen, allen Einfluß Bayerns gegen die Annahme des „Jnternirungs- und Ausweisungsgesetzes der Geistlichen" geltend zu machen. Das Blatt hofft, „daß diese Bitte Erfolg haben werde, da das Schicksal der Dynastie Wittelsbach an das Schicksal des katholischen Volkes in Bayern unzertrennlich geknüpft sei."
— (Die Kohlenverkaufspreise auf der Steinkohlengrube St. Ingbert) werden mit dem 1. April L I. festgesetzt wie folgt: bei der I. Qualität auf 34 kr., bei der II. auf 30 kr. und bei der III. auf 25^2 ft. per Centner einschließlich des Ladegeldes.
Mannh. Tgbl.
— Wien, 17. März. In der heutigen Sitzung des Her
renhauses überreichten die fast vollzählig erschienenen Kirchenfürsten ein Schriftstück des Inhalts, daß sie an der im Jahre 1868 ausgesprochenen Ueberzeugung von dem Rechtsbestand des Concordates festhielten und an den Verhandlungen des Herrenhauses so lange Theil nehmen würden, als es nicht in die Spe- cialberathung über die confessionellen Gesetze einginge. Das Haus nahm das Schriftstück zur Kenntniß. In dem Ausschüsse für die Gesetze haben die Verfassungstreuen die Majorität. — Das Abgeordnetenhaus setzte die Debatte über die konfessionelle Vorlage fort. Kultusminister Dr. Stremayer entwickelte die Grundsätze der Regierungsvorlage, betreffs Bedeckung der Bedürfnisse des katholischen Cultus und hebt namentlich hervor, daß die Lage des niederen Clerus verbessert werden solle, wozu der Episcopat durch freiwillige Beisteuer bisher nichts Nennens- werthes geleistet habe. Nachdem der Minister des Innern auf die gestrige Rede Hohenwart's in gemäßigter Weise replicirt und dessen Idee einer Art allgemeinen Verfassungsconcordats als politisches Ideal bezeichnet tjatte, beschloß das Haus mit allen gegen 38 Stimmen in die Specialdebatte einzutreten. Neue grants. Pr.
— Die republikanische Freiheit in Frankreich treibt immer ergötzlichere Blüthen. Neununddreißig Departements befinden sich bekanntlich im Belagerungszustände ohne jede gesetzliche Verwaltung. Die Summe aller Machtbefugnisse vereinigt sich in den commandirenden Generalen. Einer derselben, Bourbaki, hat es kürzlich für nöthig befunden, zu verordnen, daß kein politisches oder unpolitisches Blatt ohne Ermächtigung des militärischen Censors erscheinen darf. Der commandirende General von Marseille hat sich diesem Verbote alsbald angeschlvffen, und nach und nach werden wohl sämmtliche neununddreißig Departements mit ihm beglückt werden. Warum haben die Herren Gerber und Teutsch nicht für Frankreich optirt? Sie würden ihre im deutschen Reichstag gehaltenen Reden gewiß dankbarer in Versailles haben zu Markte bringen können; oder ist die crasse Dictatur jenseits der Vogesen etwa das Zeichen einer gebildeten Nation?
(Trib.)
— Paris, 14. März. Daß der deutsche Militär-Gesetz- entwurf auf so viele Schwierigkeiten stößt und so starke Opposition findet, erregt hier große Befriedigung. Die ultramontane Partei, hört man hier, hat von Rom Weisung erhalten, Alles aufzubieten, damit das Gesetz nicht angenommen werde. Das offiziöse Blatt „la Presse" freut sich, daß Bismarck durch seine Krankheit verhindert sei, für das Militärgesetz einzutreten und daß letzteres unter diesen Umständen wahrscheinlich nicht zu Stande kommen werde. (Eitle Hoffnung!) Die Erkrankung des Fürsten von Bismarck gibt den Journalen überhaupt Veranlassung zu den albernsten Betrachtungen. Das bekannte, dem Fürsten Talley- rand zugeschriebene Wort: „Welches Interesse kann er haben, krank zu sein?" muß natürlich wieder herhalten, um daran die seltsamsten Kombinationen zu knüpfen. Der „Soir" entnimmt dem in Brüffel erscheinenden orleanistischen „L'Etoile Belge" die Nachricht, daß sich der Fürst Reichskanzler nach Varzin zurückgezogen habe, „um dort über die Schwierigkeiten nachzudenken, welche ihm der Kampf mit der katholischen Geistlichkeit bereite." Ein ultramontanes Blatt sieht in der „plötzlichen schweren Erkrankung" des Fürsten von Bismarck „gleich nach seiner Rede in der elsässischen Debatte eine Strafe des Himmels."