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Montag den 2* März.
Tagesschau.
— Die „Tribüne" schreibt: „Wenn es die Aufgabe des Fürsten ist seinem Volke allzeit der „Fürderste" zu sein, so wird die Geschichte unserm Kaiser dereinst das Zeugniß treu erfüllter Fürstenpflicht nicht versagen. Wie in den Kämpfen für die äußere Unabhängigkeit und Sicherheit des Staates, so nicht minder in dem Streite für die Gewissensfreiheit und Autorität der Gesetze hat Kaiser Wilhelm sich mannhaft und entschlossen an die Spitze seines Volkes gestellt, sich nicht etwa hinter die „öffentliche Meinung" versteckt, sondern laut und in alle Welt hinein verkündet: er sei der Führer seines Volks in diesem Kampfe und betrachte diese Führung als eine Erfüllung seiner königlichen Pflicht. Wie hell beleuchtet das kaiserliche Schreiben an Lord Russel, das seit einigen Tagen Gemeingut der Nation geworden, die Situation! Schon begann man wieder zu munkeln von allerlei „Hinterwegen", auf denen die Jesuitenpartei sich dem Monarchen zu nähern versuche, um den Preis des Militärgesetzes — so calculirte man — ist dem Kaiser Alles feil. Schon hörte man wieder Schürzen und Unterröcke rascheln, wenn man in den Zeitungen las, es hätten sich neuerdings wieder „sehr gewichtige" Einflüsse bei Hofe geltend gemacht, welche befürchten ließen u. s. w. Da durchbricht ein Sonnenstrahl diese düsteren Nebel und mit blitzendem Helm und hochgeschwungenem Degen erscheint uns der Kaiser kampfbereit an der Spitze seines siegesgewissen Volkes zum Zuge gegen den römischen Feind. Das ist der moralische Eindruck, den der denkwürdige Brief an den englischen Staatsmann in Deutschland gemacht hat; das Ausland wird in den nächsten Tagen wohl auch von sich hören lassen. — Die „Germania" behauptet, ihr sei bei der Lectüre dieses Briefes die Lehninfche Weissagung eingefallen; in derselben wird bekanntlich außer andern erbaulichen Dingen der Untergang des Hauses Hohenzollern — wir wissen nicht gleich für welches Jahr prophezeit. Wenn kein Arzt mehr helfen will, gehen geistesschwache Leute in der Regel zum Schäfer, der baierische Bauer geht in die Kirche, um seinen mit ihm im Streit liegenden Nachbar „todtzubeten", und noch vor ein paar Tagen apostrophirte ein Pariser Blatt „die Pest, die liebe Pest", sich doch in Deutschland niederzulassen, damit wir uns „erst ordentlich ausheulen könnten, bevor wir unsern Geist aufgäben". Auf derselben Stufe steht die „Germania" mit ihrer „Lehninschen Weisfagung". Möge der Trost ihr und ihren Lesern rechte Befriedigung verschaffen.
— Berlin, 26. Febr. Die Pferdeankäufe für Rechnung fremder Regierungen in den Pferde züchtenden Distrikten der Provinz Preußen haben in letzter Zeit einen solchen Umfang angenommen, daß das Oberpräsidium der Provinz sich veranlaßt gesehen hat, die Bezirksregierungen auf diesen die Bedürfnisse des eigenen Landes beeinträchtigenden Handel aufmerksam zu machen und gegen eine weitere Ausbreitung desselben die gesetzlichen Schranken in Anwendung zu bringen.
— Der Ministeral-Direktor im Handels-Ministerium, Wirkt. Geh. Ober-Regierungsrath Moser, welcher während der Wiener Weltausstellung als Vorsitzender der Central-Kommission des Deutschen Reichs fungirte und von Wien bereits in leidendem Zustande hierher zurückkehrte, ist am 26. d. M., Abends 6V2 Uhr, im 58. Lebensjahre hierselbst verstorben.
— München, 26. Febr. Der beste Beweis für die vorzüglichen Resultate der diesmaligen Prüfungen an der Kriegsschule mag wohl der sein, daß trotz der bedeutend erhöhten Anforderungen sämmtliche Frequentanten (110 Secondlieutenants und Fähnriche) die Offiziersprüfung bestanden haben und nur 3 sich einer mündlichen Nachprüfung in demjenigen Fache, in welchem sie bei den schriftlichen Arbeiten nicht vollkommen entsprachen, zu unterziehen hatten. Der gestern stattgehabten besonderen schriftlichen und mündlichen Prüfung behufs Erlangung derjenigen Qualifikation, welche zu seinerzeitiger Aufnahme in die Militärakademie berechtigt, haben sich 16 Examinanden (4 Secondlieutenants und 12 Portepeefähnriche) unterzogen. Heute findet die Vorstellung im Reiten, Turnen und Fechten statt.
(Xugèb. Abdztg.)
— Einer Mittheilung der „Danz. Ztg." zufolge hat der Bischof Reinkens außer dem Pfarrer Grunert in Königsberg auch noch die Herren Prof. Michelis und Religionslehrer Dr. Wollmann in Braunsberg ermächtigt, in der Provinz Preußen seelsorgerische Akte zu verrichten.
— Unter Vorbehalt gibt der Versailler Korrespondent der offiziösen „Presse" folgende Nachrichten: Herr v. Broglie soll die Absicht haben, zu beantragen, daß das Dekret des Herrn Dufaure, durch welches den Prinzen der exkaiserlichen Familie der Zutritt zu dem französischen Gebiet untersagt werde, wieder in Kraft gesetzt werde. §err Rouher soll dafür sorgen, daß der kaiserl. Prinz in der Rede, welche er am 16. März halten wird, die von dem Prinzen Napoleon gepredigten Lehren entschieden verdamme.
— Die Budgetkommission der franz. Nationalversammlung hat nach Anhörung von Vertretern der Pianofabrikationsindustrie die von Herrn v. Belcastel vorgeschlagene Klaviersteuer verworfen. Folgende von diesen Industriellen mitgetheilte Ziffern werden vielleicht auch anderwärts interessiren: Es werden in Frankreich jährlich circa 25,000 Klaviere fabricirt; davon ist die Hälfte für den Export bestimmt. Da nun ein Klavier durchschnittlich zwanzig Jahre gebraucht werden kann, so würden nach Abzug derjenigen, welche zur Reparatur gegeben sind und welche den Musiklehrern gehören, höchstens 140—150,000 Klaviere der Steuer unterliegen, so daß das Erträgniß derselben eine Million nicht übersteigen würde.
— Paris, 27. Febr. In der heutigen gemeinschaftlichen Sitzung aller vereinigten Kammern des Appellationshofes wurde die von den Erben des Uhrmachers Naundorf, als angeblichen Abkömmlingen Ludwigs XVII., wider das erstinstanzliche Urtheil eingelegte Appellation verworfen. Das Urtheil des Appellationshofs erklärte die Appellanten für dreiste und ränkevolle Abenteuerer (aventuriers hardis es pleins d’astuce) und verurtheilte dieselben in die erwachsenen Kosten.
— London, 28. Februar, Vormittags. Nach hier einge- troffenen Meldungen aus Hongkong vom 30. v. Mts. soll die chinesische Regierung den fremden Gesandten in Peking die Mittheilung haben zugehen lassen, daß sie in Tientsin den Ausbruch eines gegen die Europäer gerichteten Aufstandes befürchte und daß sie für den Schutz der Fremden keine Garantie übernehmen könne. Die Behörden in Hongkong hatten Befehl erhalten, Kriegsschiffe nach dem Norden zu senden. R. u. St.-A.