den Völtaufschlag.
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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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^§50.
Samstag den 28. Februar.
1874.
Tagesschau.
— Die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahn-Gesellschaft ist zur Ausführung der generellen Vorarbeiten für die Herstellung einer Eisenbahn aus der Berlin-Lehrter Bahn bei Spandau nach Charlottenburg zum Anschlusse an die projektirte Berliner Stadt- Eisenbahn resp, an die der Gesellschaft bereits concessionirte Zweigbahn nach Charlottenburg verstattet worden.
— Als der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland im Sommer 1870 unmittelbar bevorstand, richtete der Papst bekanntlich an beide Souveräne, den damaligen König, jetzigen Kaiser Wilhelm, und Napoleon III., mahnende Briefe zu dem Zwecke, den Ausbruch des furchtbaren Krieges zu verhindern. Die Antwort des nunmehrigen Kaisers von Deutschland ward alsbald und lautete friedlich: „Er sei bereit, die Waffen niederzulegen, falls es der Gegner auch thun wolle." Die Antwort Napoleon's aber blieb lange ein Geheimniß und ist erst jetzt an's Licht gezogen worden. Napoleon schrieb: „Es sei zu spät, er habe schon die Hauptstadt verlassen, um sich in das Lager zu begeben; obwohl die Feindseligkeiten noch nicht angefangen, so könne er doch nicht, ohne seiner Würde Eintrag zu thun, zurücktreten." (Berl. Tagbl.)
— Es ist ein neues Prüfungsreglement für die Einjährig- Freiwilligen ausgearbeitet worden.
— Zur Ausarbeitung einer deutschen Militär-Strafprozeßordnung war, wie man sich erinnern wird, im vorigen Jahre hier eine Spezial-Kommission zusanimengetreten, die ihre Arbeiten im August beendet hatte; inzwischen sind nun auch die Motive ausgearbeitet und das Werk, welches das Verfahren und die ge- sammte Organisation der Militärgerichte umfaßt, ist soeben dem preußischen Kriegs-Minister General v. Kameke zu weiterem Befinden überreicht worden.
— Das dem Professor Edouard Gand in Amiens unter dem 11. Dezember 1872 auf die Dauer von 3 Jahren für den ganzen Umfang des preußischen Staates ertheilte Patent auf eine Composttionslade an Jacquardmaschinen zur Bewegung von Nadeln ohne Anwendung von Musterpappen, ist aufgehoben.
— Bei dem großen Mangel an Kupfermünzen haben sich Geschäftsleute dadurch zu helfen gesucht, daß sie Messingmarken mit einem darauf geprägten Werthzeichen zur Ausgleichung im Geschäftsverkehr ausgegeben. Die Regierungen sind, der „Voss. Ztg." zufolge jetzt angewiesen worden, dies zu verbieten, da die Ordnung im Münzwesen gestört und die Einführung der Reichsscheidemünzen erschwert werde, wenn Privatpersonen, insbesondere während der Uebergangsperiode von dem einen zum andern Münzsystem selbstgeschaffene und bei wenig umsichtigen Personen leicht Irrungen hervorrufende Verkehrsmittel im Umlauf setzten, und der darin liegende Eingriff in das landesherrliche Münzgesetz um so weniger geduldet werden dürfe, als derselbe leicht zu empfindlicher Beeinträchtigung des Publikums führen könne.
— Mangel an preußischer Scheidemünze. Da in Norddeutschland über den Mangel an Scheidemünze Klage geführt wird, so hat die Königl. Bank zu Berlin die Weisung erhalten, ihre Bestände von Fünf-Groschenstücken, welche sich auf mehrere Millionen belaufen, dem öffentlichen Verkehr zu übergeben. Ebenso wird die General-Staatskasse am 1. April mehrere Millionen
kleiner Münzen den verschiedenen öffentlichen Kassen zur Verfügung stellen.
— Die Steuer von Obstwein und Wein wird im Groß- herzogthum Hessen zunächst in den Jahren 1874 und 1875 nicht erhoben; es bedarf deshalb bei Versendung von Wein nach dem Großherzogthum Hessen der Beigabe von Uebergangs- scheinen behufs Ueberweisung des Steueranspruchs für die Folge nicht mehr.
— Aus Trier, 26. Febr., telegraphirt man der „Germania" : Der Herr Bischof empfing gestern Abend eine Zustellung des Oberprocurators, sich zum Haftantritt bereit zu halten.
Neue Franks. Pr.
— Das Zuchtpolizeigericht in Köln hat einen Mann, der bei der letzten Reichstägswahl, nachdem er seine eigene Stimme schon abgegeben hatte, auch noch für einen seiner Bekannten unter Angabe von dessen Namen einen Stimmzettel abgeben wollte, aber erkannt wurde, zu drei Tagen Gefängniß verurtheilt.
— München, 25. Febr. Die bayerische Hypotheken- und Wechselbank hat heute den Diskonto für Lombard von ö1^ auf 5 Prozent ermäßigt. Der Diskonto für Wechsel bleibt unverändert auf 4^2 Prozent.
— Ostrowo, 27. Febr. Heute ist dem Erzbischof Le- dochowski die Requisition des Gnesener Kreisgerichts um Vollstreckung der einjährigen Gefängnißstrafe publicirt worden, die ihm das Preisgericht unterm 19. Dezember 1873 wegen Vergehens gegen die Maigesetze für die zuerkannten 8000 Thlr. stubstituirt hat. Neue Franks- Pr.
— Metz, 20. Febr. Eine der Hauptursachen, warum man sich hier in Lothringen der deutschen Regierung gegenüber seither passiv oder geradezu feindlich verhielt, besteht wohl darin, daß die von Frankreich aus eifrigst genährte Meinung sich erhielt, die an Deutschland erfolgte Abtretung unserer Provinz werde nur eine vorübergehende sein. Unmittelbar nach dem Kriege schon ließen sich prophetische Stimmen hören, welche die in kürzester Zeit erfolgende Rückgabe derselben voraussagten, und immer wieder Gläubige fanden, trotzdem sich diese stets in ihrer Hoffnung getäuscht sahen. Auch in hiesiger Stadt gab es zahlreiche Familien, welche der Ansicht waren, daß die Prussiens nur kurze Zeit die anneklirten Provinzen behalten werden und welche daher ruhig hier blieben, um die Rückkehr der Franzosen abzuwarten. Unterdessen aber hat die neue Regierung Metz auf eine Weise befestigt, daß auch dem Laien auf den ersten Anblick ersichtlich ist, wie schwierig eine Belagerung unserer Festung sein würde. Da zudem die Deutschen unhöflich genug sind, die freiwillige Herausgabe Lothringens zu verweigern, so ist in letzter Zeit eine Anzahl hiesiger Familien, des langen Wartens müde, nach Frankreich ausgewandert und weitere werden ihnen Nachfolgen. Hieraus, sowie aus verschiedenen andern Anzeichen können wir entnehmen, daß man beginnt, an die Stabilität der jetzigen Verhältnisse zu glauben. Ist dieser Glaube einmal in alle Schichten der Bevölkerung eingedrungen, so läßt sich erwarten, daß sich unter letzterer nach und nach das Bestreben bemerklich machen wird, auch unter der deutschen Regierung sich behaglich einzurichten. Damit ist zwar noch nicht viel gewonnen, aber es ist dann doch die Grundlage gegeben, auf welcher sich in naturgemäßer Weise alles Weitere entwickeln wird. («ugsb. Htbjtg.)