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-U 48.
Donnerstag den 26. Februar.
1874.
Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.
Bewerber um die neu errichtete 4. Schulstelle in Langendiebach, mit welcher ein Einkommen von 280 Thlr. neben freier Wohnung und 30 Thlr. jährlich für Feuerung verbunden ist, werden zur Einreichung ihrer Gesuche nebst Zeugnissen binnen 4 Wochen veranlaßt.
Hanau am 21. Februar 1874.
Die Eisenbahnverwaltung hat wegen den Vorkehrungen zu den Belastuugsversuchen und zu der Brückenprobe die Mainbrücke für den Landverkehr bis auf Weiteres sperren müssen.
Der Personenverkehr zwischen Hanau und Steinheim muß daher vorläufig wieder mittelst Nachen geschehen.
Hanau den 26. Februar 1874.
Tagesschau.
— Berlin, 25. Febr. In der heutigen (11.) Sitzung des Deutschen Reichstages wurde zunächst die Constituirung der Verwaltungsbehörde des Reichsinvalidenfonds mitgetheilt. Dann trat das Haus in die Berathung über die Protokolle der Commission für die Vorbereitungen zur Erbauung eines Reichstagsgebäudes, für welche zahlreiche Anträge Vorlagen. Bei Schluß des Blattes empfahl der Abg. Duncker einen von ihm gestellten Antrag.
— Das Herrenhaus hielt heute Vormittag 11 Uhr seine 16. Sitzung, welcher die Staatsminister Graf zu Eulenburg und Dr. Falk beiwohnten, und beschloß auf Antrag des Referenten von Sulzer, dem Anträge der Königlichen Staatsregierung entsprechend, der Vertagung des Landtages bis zum 13. April d. I. zuzustimmen. Demnächst wurde die Sitzung auf eine halbe Stunde vertagt, worauf der Minister des Innern, Graf zu Eulenburg, die Allerhöchste Ordre vom heutigen Tage verlas, durch welche die Vertagung des Landtages bis zum 13. April d. J. ausgesprochen wurde. Hierauf wurde die Sitzung um 12 Uhr 20 Minuten geschlossen. <R. u. st x.)
— Der Reichskanzler hat dem Reichstag folgende Militär- Conventionen : 1) mit dem Großherzogthum Sachsen, Sachsen- Meiningen, Sachsen-Altenburg, Sachsen-Coburg-Gotha, Schwarz- burg-Rndolstadt, Reuß älterer Linie und Reuß jüngerer Linie, vom 15. September v. I.; 2) mit Anhalt vom 16. dess. Mts.; 3) mit Schwarzburg-Sondershausen vom 17. dess. Mts.; 4) mit Schaumburg-Lippe vom 25. dess. Mts., 5) mit Lippe vom 14. November v. I., nebst zugehörigen Schlußprotokollen übersendet.
— Die Revision des Strafgesetzbuches ist allgemein als ein dringendes Bedürfniß empfunden worden, es hat sich herausgestellt, daß viele Vergehen und Verbrechen zu milde behandelt sind. Die Revision wird nun vor Allem die Beseitigung der Antragsvergehen- und Verbrechen anstreben, dann aber auch auf strengere Bestrafung der Verbrechen gegen die öffentliche Sicherheit, auf Strenge gegen jugendliche Verbrecher, schärfere Bestrafung der Vergehen der Dienstboten, Körperverletzungen rc. gerichtet sein; endlich sollen auch die zweifelhaften Bestimmungen des Strafgesetzbuches eine unzweideutige Fassung erhalten. (Trib.)
— Berlin. Trotz der Geschäftsstille, die augenblicklich hier wie überall herrscht, findet noch fortwährend eine Zuwande
rung von Handlungsgehilfen aus den Provinzialstädten Statt. Der Reiz, welchen die Hauptstadt auf solche junge Leute ausübt, ist trotz aller Warnungen zu groß; die Berliner Blätter bringen täglich Anzeigen von Vacanzen, und so meint man, die Abmahnungen von dem Zuzug nach Berlin seien unbegründet. Man bedenkt eben nicht, daß für jede Vacanz sich, wörtlich zu nehmen, Hunderte von Bewerbern melden und von diesen natürlich stets die vorgezogen werden, we.che mit den hiesigen Verhältnissen bereits vertraut sind. Die Fälle, in denen es Auswärtigen gelingt, bald nach ihrer Ankunft hier Stellen zu erlangen, sind äußerst selten. Eine Schätzung der Gehilfen, welche augenblicklich in Berlin stellenlos sind, ist schwierig, aber die Anzahl derselben ist vielleicht größer als sie je gewesen. Die Gründungsperiode mit ihren vielen Schöpfungen hatte eine Menge junger Kaufleute nach Berlin gezogen, die nun zum großen Theil durch die Geschäftskrisis brodlos geworden sind. Ändere Bankhäuser und größere Firmen haben die Hälfte ihrer Angestellten (ein einziges Bankinstitut ca. 200 junge Leute) entlassen, und es ist daher sehr erklärlich, daß bei solcher Ueberfülle von ganz tüchtigen Kräften auf jede einzelne Vacanz Hunderte von Bewerbern kommen, die jungen Kaufleute, welche stellesuchend nach Berlin gehen, sind keine großen Capitalisten. Die kleinen Ersparnisse verflüchtigen sich sehr schnell, dann geht es rapide bergab und manche junge vielversprechende Kraft versinkt im Schlamm der Großstadt.
— Der so plötzlich verschiedene August Metz ist, nach der „N. Frankf. Pr.", am 20. Äpril 1818 in Dreieichenhain geboren, wurde in Buchen im badischen Baulande bis zum 11. Jahre erzogen, besuchte alsdann das hiesige Gymnasium, wurde Hauslehrer im Odenwald und studirte 1836 in Heidelberg, später in Gießen die Rechte. Als Rechtsanwalt verweilte er als Curator der Nachlaßmasse des Landgrafen Georg Carl von Hessen 1845, 1846, 1848 und in den 50er Jahren vielfach in Broich, um in dem dortigen Archiv das Material für wichtige Processe gegen den preußischen Fiskus und verschiedene Bauernhosbesitzer zu sammeln. Von 1850, 1851—1856 und endlich seit 1862 bis jetzt Mitglied der zweiten Kammer, von 1862—66 und 1872 bis zu seinem Tode Präsident des Finanzausschusses.
— Neunkirchen a. d. Saar. Die altkatholische Bewegung an der Saar nimmt, der „N. Frankf. Pr." zufolge, einen erfreulichen Fortgang. Gestern wurde auch hier der Anfang mit Bildung einer altkatholischen Gemeinde gemacht. Es war zu diesem Zweck eine Versammlung ausgeschrieben worden, welcher Altkatholiken aus Kaiserslautern, Saarbrücken und Sulzbach beiwohnten. Die Herren, Maschinenmeister Nepilly von Saarbrücken, Friedensrichter Maubach von Sulzbach und Bezirksgerichtsrath Reuthner von Kaiserslautern legten Zweck und Ziel der altkatholischen Bewegung dar, in Folge dessen zahlreiche Einzeichnungen in die Mitgliederlisten stattfanden. Die Seelsorge für die Gemeinden an der Saar wird bis auf weiteres, mit Zustimmung des altkatholischen Bischofs Reinkens, von Herrn Pfarrer Duren aus Zweibrücken mit versehen werden; derselbe wird nächsten Sonntag in Saarbrücken in der vom protestantischen Consistorium gewährten Ludwigskirche den ersten Gottesdienst abhalten; Sonntag über 8 Tage wird dort Herr Professor Knoodt