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Erzbischof verhängten gerichtlichen Geldstrafen (ungefähr 1500 Thlr.) gepfändeten Gegenstände: Mobiliar, Bilder, Silberzeug, Tischgeräthe, eine Equipage u. s. w., statt. Eine große Menschenmenge hatte sich schon vor Beginn der Auktion in dem Hrusflur, wo dieselbe vor sich ging, und auf dem Platze vor der Wohnung des Gepfändeten eingefunden. Während Anfangs Ler Verkaufsaktus ruhig vor sich ging, wurde es doch nachher im Hause des Erzbischofs unter der dort anwesenden, dicht gedrängten Menge sehr lebhaft, laute Rufe, wüstes Schreien pflanzten sich von dort auf die Straße fort. Mehrere hiesige Ultramontane hatten, wie es heißt, ein Komite gebildet und mehrere Trödlerinnen gedungen, welche sämmtliche ausgesetzte Stücke an sich boten, worauf dann einer der besagten Klerikalen bezahlte. Die Anfangs ausgesetzten Sachen wurden etwas in die Höhe getrieben, auf die spätern aber geschahen kaum ein, zwei Gebote. Ein junger Mensch, der angeblich das letzte Gebot auf einen Gegenstand gethan, wurde, als er denselben für sich beanspruchen und bezahlen wollte, einfach zu der Thur hinausgedrängt; ein anderer junger Mann, angeblich ein Israelit, der auch ein Angebot auf ein Möbel that, wurde ebenfalls, und zwar unter rohem Geschrei, auf die Straße geschoben und von der dort versammelten Menge mit Hohngelächter und Schreien empfangen, za, wie vielfach behauptet wird, von einem alten Weibe geohrfeigt. Der Verfolgte flüchtete sich in das erzbischöfliche Haus zurück. Eine Frau, der zwei Herren die Mittheilung machten, daß ihr Gemahl auch ein Angebot gethan, rief aus: „Ich well nicks, ich well nicks Gesühntes (gesegnetes) em Huhs hau!" Die Equipage des Hrn. Melchers, welche zuletzt ausgestellt wurde, brachte die Summe von 181 Thlr. ein. Der ganze Erlös soll sich auf etwas mehr als 400 Thlr. beziffern. (Köln. Ztg.)
— Magistrat und Stadtverordnete von Bonn haben den Altkatholiken die Mitbenutzung der sogenannten Kirchhofskapelle «ingeräumt, wogegen nun die Neukatholiken einen Massenprotest in Scene setzen wollen. Nach einer Mittheilung des „Franks. Sonnt." hat sich bereits ein Comitö zusammengethan, das einen Aufruf an die Katholiken Bonns veröffentlicht, worin auf die „Beeinträchtigung unerhörter Art", welche der neukatholischen Gemeinde droht; in dem bekannten Vergewaltigungs-Jargon hingewiesen und u. A. behauptet wird, „mehr als 20,000 Katholiken der Stadt Bonn sollten aus der Kirchhofskapelle hinausgedrängt und die Erfüllung der Stiftungen an derselben unmöglich gemacht werden." Wie die Korrespondenz weiter bemerkt, faßt die Kapelle überhaupt höchstens einige Hundert Personen.
— Nach einer Bekanntmachung der Königl. Bergwerksdircc- tion in Saarbrücken, findet vom 1. März d. I. an eine Ermäßigung der Kohlcnpreise für den Eisenbahndebit der königlichen Kohlengruben bei Saarbrücken statt. Für den Canal- und Land- absatz findet eine Preisermäßigung bereits am 23. Febr. statt.
— Bielefeld, 20. Febr. Der wegen Verausgabung falscher Silbermünzen vor einigen Tagen tn Haft genommene Schlosser Wiedemeyer hat gestern Vormittag bei Gelegenheit seiner Vernehmung beim hiesigen Kreisgericht sich die Freiheit zu verschaffen gewußt und hat seine Wiederergreifung bis jetzt noch nicht bewerkstelligt werden können.
— Leipzig, 23. Febr., Vormittags. Eine zahlreich besuchte Versammlung von liberalen Reichstagswählern des Leipziger Landkreises hat beschlossen, dem General-Feldmarschall Grasen von Moltke wegen seiner im Reichstage bei der Debatte über das Reichs-Mllitärgesetz am 16. d. Mts. gehaltenen Rede ihren Dank und ihre Zustimmung aussprechen. R. u. St.-A.
— W i e n, 17. Febr. Man berichtet aus St. Petersburg Las folgende interessante Detail: Jm Gespräche mit einem Diplomaten, welcher offenbar gerne Näheres über die Tragweite des Besuches des österreichischen Kaisers am russischen $oie erfahren hätte, bestritt Fürst Gortschakoff, daß eine förmliche Allianz .zwischen den drei nordischen Mächten bestehe, gab aber zu, daß die drei Mächte eine Friedensliga bilden. Der russische Staats- kanzler erläuterte sogar den Ausdruck dahin, daß von dieser Liga mit mehr Recht als von der englischen Politik das Wort Lord Palmerston's gelten werde: „Wir schlagen den nieder, der den Frieden bricht."
— Wien, 20. Febr. DaS Abgeordnetenhaus hat heute den vom betreffenden Ausschüsse beantragten Gesetzentwurf wegen Aufhebung des Zeitungsstempels in namentlicher Abstimmung mit 129 gegen 114 Stimmen abgelehnt. Der Finanzminister hatte sich im Namen der Regierung gegen den Gesetzentwurf ausgesprochen.
— Bern, 21. Febr. Die Regierung von Neuenburg hat der Berner Regierung in einer besonderen Zuschrift zugesichert, daß sie Seitens der auf ihr Gebiet geflüchteten Geistlichen aus dem Berner Jura keinerlei Agitationen dulden werde.
— Die Berliner „Tribüne" schreibt in ihrer Tagesschau: In Frankreich tummeln sich indessen trotz alles Segens des Septennats die Prätendenten lustiger denn je. Wenn Mac Mahon geglaubt hat, dem Lande Ruhe zu bringen, so hat er sich stark geirrt. Die allgemeine Unsicherheit und Geschäftslosigkeit ist heute so groß wie vor 2 Jahren. Ehe noch die ersten Monate des neuen Regimes verstrichen sind, streiten sich bereits die Hoffnungserben desselben in ihren Organen um die Nachfolge. Die Lilienritter suchen auf den Grafen Chambord einzu- wirken, um ihn endlich zu modernen Anschauungen zu bekehren; die Orleanisten drängen in Aumale, eine hervorragende Stellung in der Hauptstadt einzunehmen; am kühnsten aber erhebt der Bo- napartismus das Haupt. In einem Brief, den der ehemalige Vicekaiser Rouher an einen Journalisten gerichtet, spricht er ganz offen und unumwunden von Ereignissen, die das Septennat abkürzen und unterbrechen konnten. Steht etwa eine abermalige Landung in Boulogne bevor, oder wo werden die Adler diesmal fett gemacht? Am 16. künftigen Monats begeht der kaiserliche Prinz das Fest seiner Großjährigkeit. Man beabsichtigt unter den Imperialisten, ihm eine großartige Ovation zu bringen und vielleicht ist dieser Zeitpunkt für den Beginn weiterer Operationen ausersehen worden. Mac Mahon soll kürzlich, als Jemand ihm bemerkte, er steuere ja gerade auf das Kaiserreich zu, geantwortet haben: „Das ist mir noch lieber, als gehängt werden." Sollte der Augenblick schon so nahe sein, wo in Frankreich wieder Jemand die „Gesellschaft und — den — Schein retten" müßte?
— London, 18. Febr. Eine bemerkenswerthe Thatsache ist, daß bei den diesmaligen Wahlen in England, Schottland und Wales (von Irland natürlich abgesehen) kein einziger Katholik gewählt, daß, mit alleiniger Ausnahme von Glasgow, kein einziger Katholik auch nur als Candivat vorgeschlagen wurde, während doch seit der Katholiken-Emanzipation (1829) fast in jedem Parlament katholische Herren für englische Wahlbezirke gesessen hatten und zwar meist Sprößlinge der ersten katholischen Adelsfamilien.
— London, 23. Febr. Der deutsche Botschafter, Graf Münster, überreichte dem Earl Russel ein eigenhändiges Schreiben des Kaisers, in welchem er Russel und Murray für die warmen Sympathien Englands für Deutschland im Kampfe mit dem Ultramontanismus dankt. Es heißt, eine Deputation brittischer Protestanten werde in allernächster Zeit nach Berlin gehen und dem Kaiser für das an den jüngst stattgefundenen Pcotestanten- meeting genommene Interesse zu danken und ihre Genugthuung über das Reciprocitätsmeeting in Berlin auszudrücken. — Die Verhandlungen zwischen den hiesigen Ausschüssen der Inhaber fremder Staatspapiere und der spanischen Regierung verlaufen, wie aus Madrid gemeldet wird, günstig und führen voraussichtlich die Zahlung der beiden fälligen Coupons von der spanischen ausländischen Schuld herbei. — „Standard" meldet: Der Friedensvertrag mit dem König der Aschantis ist unterzeichnet.
Neue Franks. Pr.
— Madrid, 21. Februar. Die Carlisten haben die Stadt Vinaroz in der Provinz Valencia nach einem sechsstündigen Kampfe besetzt und die Garnison von 200 Mann gefangen genommen.
— Falsches Papiergeld. Neuerdings sind, nach der „N. Franks. Pr.", mehrfach falsche badische Zehn-Guldenscheine, Serie A. Nr. 589,583 in Umlauf gebracht worden. Dieselben sind auf photographischem Wege hergestellt. Was deren Unechtheit