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Montag den 23. Februar.
1874.
Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.
Zu Kesselstadt ist ein Zirkel gefunden worden, welcher bei dem Bürgermeister daselbst in Empfang genommen werden kann.
Hanau am 17. Februar 1874.
Tagesschau.
— Der „Reichs- u. Staats-Anzeiger" enthält: Gesetz, betreffend die Feststellung eines Nachtrags zum Haushaltsetat des Deutschen Reichs für das Jahr 1874, vom 18. Februar 1874.
— Berlin, 21. Febr. Im weiteren Verlaufe der gestrigen Sitzung des deutschen Reichstages war am Tisch des Bundesrathes der Reichskanzler Fürst von Bismarck erschienen. Nach der Rede des Abg. Dr. Lasker über den Gesetzentwurf, betreffend die Aenderung einiger Bestimmungen der Gewerbeordnung, ergriff dec Abg. Müller (Pleß) das Wort, der die schwierigen Verhältnisse zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber aus dem häufigen Wechsel herleitete und zur Abhülfe die Wiedereinführung der Arbeisbücher empfahl. Der Abg. Duncker erklärte sich gegen die Vorlage und wies auf die schon vom Abg. Schultze (Delitzsch) empfohlenen Gewerkvereine hin. Der Gesetzentwurf wurde darnach an eine Commission von 21 Mitgliedern verwiesen. — Ohne erhebliche Diskussion wurde das Gesetz, betreffend die einer besonderen Genehmigung bedürfenden gewerblichen Anlagen, in erster und zweiter Berathung angenommen.
Die Berathung des Preßgesetzes wurde von dem Bundes- kommissar Geh. Justizrath Held eingeleitet. Der Abg. Reichensperger (Olpe) sprach gegen die Vorlage und beschwerte sich darüber, daß gewissen Zeitungen der Postdebit in Elsaß-Lothringen entzogen wäre. Nachdem der Abg. Geib sich ebenfalls gegen die Vorlage erklärt, erwidert der Reichskanzler Fürst von Bismarck auf die Beschwerde des Abg. Reichensperger. Der Abg. Dr. Ewald sprach gegen die Vorlage, während der Abg. Majunke auf die Beschwerde des Abg. Reichensperger zurückkam. Nachdem der Reichskanzler Fürst Bismarck auf diese Bemerkungen und auf ähnliche Seitens des Abg. Schröder (Lippstadt) geantwortet hatte, schloß die Debatte. Das Gesetz wnrde an eine Commission von 14 Mitgliedern überwiesen. Schluß 5 Uhr. Nächste Sitzung Montag 12 Uhr. cR.«. st. A.,
— Aus der famosen Sitzung des Reichstages am 18. d. wird noch nachträglich berichtet, daß sich vor der Sitzung die Elsaß-Lothringer an den Präsidenten v. Forckenbeck mit der Bitte wandten, ihre Reden Französisch halten zu dürfen. Der Präsident wies dies auf Grund der Geschäftsordnung zurück. Sie verlangten darauf, der Präsident möge das Haus befragen, da aber erwidert wurde, daß auch dies nicht zulässig sei, wandten sie sich an den eben eintretenden Fürsten Bismarck, den sie Französisch anredeten- Der Reichskanzler antwortete ihnen, er spreche hier nicht Französisch. „Aber Sie verstehen es doch", riefen ihm die Herren zu. „Hier nicht", lautete die kurze Antwort. Darauf wurde dann der Antrag von Herrn Teutsch eingebracht. (Trib.)
— Berlin, 21. Febr. Der „Reichsanzeiger" erinnert an Art. 8 des Münzgesetzes, wonach eine Außercourssetzung deutscher Landesmünzen erst dann eintreten kann, wenn solche 3 Monate vorher bekannt gemacht und mindestens eine vierwöchentliche Frist zur Einlösung durch die Staatskassen festgesetzt ist und weist darauf hin, daß zu den deutschen Münzen,
welche nach dem Eintritt der Reichswährung gesetzlichen Umlauf behalten, auch die braunschweig-lüueburgischen Einzwölftelthalerstücke mit springendem Pferde gehören, die mit 25 Reichsmark- Pfennigen tarifirt sind.
— Der evangelische Oberkirchenrath in Berlin hat neuerdings dem Kultusminister in einem Schreiben dringend ans Herz gelegt, daß er die evangelische Kirche vor der pekuniären Schädigung, welche das Civilehe-Gesetz ihr bringt, bewahre, zumal dessen „wesentliche Veranlassung außerhalb der Verhältnisse dieser Kirche liegt." Sich über den sonstigen Inhalt des Gesetzes zu äußern, hält der Oberkirchenrath „bei dem jetzigen Stande der Verhandlungen nicht für angemessen", und hierin liegt die Hauptbedeutung des Briefes als eines Tadels für die evangelischen Geistlichen, die jüngst zu Hunderten mit öffentlichen Protesten gegen das Gesetz hervorgetreten sind.
— Der Advokat Dr. jur. Carl August Scherlenzky in Frankfurt a. M. ist zugleich zum Notar im Departement des Appellationsgerichts daselbst mit dem Wohnsitze in Frankfurt a. M. ernannt worden.
— Der Pfarrer Löwe in Hirschberg wurde vom Magistrat daselbst zur Auslieferung der Kirchenschlüssel aufgefordert. Auf seine Weigerung hat der Magistrat kurz entschlossen die Kirchen« thüren aussprengen und neue Schlösser anfertigen lassen. Der bisherige Administrator der betreffenden Kirche, Rentier Schüttrich, ist durch den Magistrat seiner Stellung enthoben worden.
— Straßburg, 21. Febr. Zwischen den zurückgekehrten Reichstagsabgeordneten und einer Anzahl von deren Parteigenossen findet heute Abend eine Berathung statt. Dem Vernehmen nach wird hier und an einigen anderen Orten für den Erlaß von Adresfen agitirt, durch welche der Erklärung des Bischofs Räß im Reichstag ein Dementi entgegengesetzt werden soll. Neue Franks. Pr.
— Die Elsaß-Lothringischen Abgeordneten haben Berlin nicht verlassen, sondern zum Theih sogar Privatwohnungen statt der bisher in den Hotels gemietheten bezogen, man schließt daraus auf ein längeres Verweilen der Herren in Berlin. Sie wollen an den Verhandlungen des Reichstages namentlich bei Gelegenheit des Rechenschaftsberichts über die Verwaltung in den Reichslanden Theil nehmen und wo möglich eine eigene Landesvertretung beantragen.
— Paris, 18. Febr. Eine Depesche der „Agence Havas", welche die vorgestrige Rede des Grafen V. Moltke im Reichstage auszugsweise brachte, hatte anstatt: „Was wir in sechs Monaten mit den Waffen errungen haben" übersetzt: „Was wir in sechs Monaten erlangen werden." Diese dunkle Phrase rief an der hiesigen Börse Unruhe hervor, bis die „Agence Havas" die Berichtigung mittheilte.
— Madrid, 21. Febr. Die Blokade der cantabrischen Küste ist bis zum 5. März verlängert. — Nachrichten von Mo- riones fehlen wegen der durch Sturm verursachten Unterbrechung der Telegraphenverbinvungen und der Verbindungen zur See. — „Correspondencia" sieht die Zahlung der fälligen Coupons der auswärtigen Schuld durch die finanziellen Maßregeln Echa- garay's für gesichert an.
— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 21. Februar ans