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ser Napoleon hatte derStaatsanzeiger" nicht Alles enthüllt. Das läßt sich nun ergänzen, sagt dieNordd. Allg. Ztg."Es sind die eigenhändigen, mit Bleistift geschriebenen Bemerkungen und Amendements des Kaisers Napoleon zu dem Entwurf seines Botschafters, daneben mit Tinte geschrieben von Ronher's Hand. Die Komposition stammt also von Benedetti, Napoleon III. und Rouher. Im auswärtigen Amte des Deutschen Reichs wird die Original-Urkunde aufbewahrt. Das sind die Quellen, bemerkt das ministerielle Blatt, aus denen dieGermania" schöpft, in­dem sieBeiträge und Nachträge zur Beurtheilung der Politik von 1866", zur Verurtheilung des deutschen Reichskanzlers, bei­bringt. Mit solchen Waffen wird nur eine verlorene Sache ver­fochten." (Berl. Tagebl.)

Dem Civil-Jngenieur und Baumeister Johannes Guter­milch zu Berlin ist unter dem 7. Febr. d. I. ein Patent auf eine durch zwei Zeichnungen und Beschreibung nachgewiefene Vor­richtung zum Pressen von Ziegeln und trockenen Körnern, ohne Jemanden in Anwendung bekannter Theile zu beschränken auf 3 Jahre, von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang des preußischen Staats ertheilt worden.

Dem Goldleisten-Fabrikanten und Vergoldermeister Gustav Bergemann zu Berlin ist unter dem 9. Februar 1874 ein Patent auf eine Leisten-Verfilberungs-Maschine in der durch Beschreibung und Modell nachgewiesenen ganzen Zusammensetzung, ohne Je­manden in der Benutzung bekannter Theile zu beschränken, auf drei Jahre, von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang des preußischen Staats ertheilt worden.

Nach Absicht der Regierung sollen die Provinzialfonds auch die Mittel darbieten, um das Elementarschulwesen zu heben, soweit die Kommunen hierzu nicht genug beisteuern können, doch soll erst daS Unterrichtsgesetz näher bestimmen, welche Zweige des Elementarschulwesens den Provinzen zur eigenen Verwaltung überlassen werden sollen.

Die Regierung in Köln hat nunmehr auch untersagt, daß von den Religionslehrern bei dem Unterricht in den Ele­mentarschulen Geld zu religiösen Zwecken von den Kindern in Empfang genommen werde, und die Lehrer dafür verantwortlich gemacht, daß solches nicht mehr geschehe.

In Weimar ist ein interessanter Versuch gemacht das System der Theilnehmerschaft der Arbeiter an Gewerbsunter- uehmungcn einzubürgern. Das unter der Firma Kellner und Comp. bekannte photolithographische Landkartengeschäft ist durch Kauf in die Hände einer Genossenschaft übergegaugen, die, aus den Beamten und Arbeitern desselben bestehend, eine glückliche Lösung des so lebhaft entbrannten Streites zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer erstrebt. Als Besitzer des Geschäfts können die Arbeiter in der Generalversammlung frei wählen und stim­men, als Arbeiter haben sie sich freiwillig unter selbst gewählte Oberleiter gestellt. Sie genießen als Besitzer verhältnißmäßigen Antheil am Reingewinn, als Arbeiter höheren Lohn und eine Arbeitszeit, die es ihnen ermöglicht, auch ihren Familien sich widmen zu können. Außerdem versichert die Genossenschaft ihre Mitglieder mit ihrer beweglichen Habe gegen Feuergefahr und kaufte sie mit 500 Thalern, zahlbar drei Monate nach ihrem Tode, in die Lebensversicherung ein. Unterstützung der Kranken, Wittwen und Waisen, Beschaffung aller Lebensbedürfnisse im Großen und gesellige Vereinigung aller Mitglieder vollendeten das Unternehmen. Gelingt es der Genossenschaft, ihre schwierige Aufgabe erfolgreich durchzusühren, so dürfte sie dann leicht ein Vorbild werden für so viele Arbeiter, ihren Frieden mit der Gesellschaft zu machen. (Mannh. Tagm.)

St. Petersburg, 12. Febr. Zum Empfange des Kaisers von Oesterreich, dessen Ankunft morgen Nachmittag um 2^2 Uhr hier erwartet wird, werden am Bahnhöfe und vor dem Winterpalais Ehrenwachen aufgestellt werden. Vor der Festung, auf welcher die Kaiserlich österreichische Standarte aufgezogen werden wird, werden 21 Salutschüsse abgegeben werden.

Warschau, 12. Febr. Der Kaiser von Oesterreich ist heute früh 7 Uhr im besten Wohlsein hier eingetroffen. Nach Besichtigung der auf dem festlich geschmückten Bahnhöfe aufge­stellten Ehren-Compagnie fuhr der Kaiser, welcher die Uniform

seines Keksholm-Regiments trug, nach der Stadt, um das ge­nannte Regiment in der Kaserne in Augenschein zu nehmen. Um 9 Uhr setzte der Kaiser unter den Klängen der österreichi­schen Volkshymne und dem sympathischen Zurufen des zahlreich am Bahnhöfe anwesenden Publikums seine Reise nach St. Peters­burg fort.

Paris, 8. Februar. Die Nachricht derKöln. Ztg." über die Circular-Instruktion des Fürsten Bismarck erregt hier ein gewisses Aufsehen, namentlich die Stelle, wo gesagt ist, daß Deutschland, wenn es einen Krieg unvermeidlich glaube, nicht abwarten würde, bis seine Gegner den Augenblick zum Losschla­gen für gekommen hielten. Der Satz enthält für die Deutschen eigentlich nicht viel Ueberraschendes; denn wenn einmal die Mög­lichkeit ernster Verwicklungen in's Auge gefaßt ist, wird es all' unseren Landsleuten nur natürlich erscheinen, daß die leitenden Kreise auch darauf rechnen, sich die Gunst des Zeitpunkts zu sichern. Für französische Ohren enthält er aber allerdings etwas Neues. Die Franzosen sind seit Jahrhunderten daran gewöhnt, daß sie ihre Kriege angreifend beginnen, und so haben sie nach ihrer Art es als selbstverständlich aufgefaßt, daß sie dies auch in Zukunft thun würden. Es ist eigentlich ein wunderliches Schauspiel, welches sie in dieser naiven Voraussetzung gegeben haben. Einzeln und kollektiv, privatim und offiziös hörte man sie gegen alle Welt versichern, daß der jetzige Zustand ihnen un­leidlich sei, daß Frankreich um feinet- und um Europas willen wieder sine prüponderirende Rolle spielen müsse, daß sie nur Kräfte sammeln, um sich an Deutschland zu rächen. Und dabei betrachten sie es als etwas ganz Natürliches, daß man abwar­ten werde, bis sie fertig seien, und daß es nur von ihnen ab­hangen werde, dereinst zu sagen:Jetzt sind wir gerüstet, jetzt kann der Tanz beginnen!" Nun werden sie auf einmal daran erinnert, daß es doch auch Andern unbenommen ist, die Initia­tive gegen sie zu kehren, wenn es Noth thut, und das durch diese Wahrnehmung erzeugte Gefühl hat eine leichte Aehnlichkeit mit der Empfindung, die ein Guß kalten Wassers hervorruft.

Die spanische Regierung hat mittels eines in der Ma­drider Zeitung veröffentlichten Dekrets Die kantabrische Küste zwischen dem Cap Penas und Fuenterrabia, mit Ausnahme der Häfen Gijon Santander und San Sebastian, in Blokadezustand erklärt. Die Regierung wird für die einheimischen, wie für die fremden Schiffe, welche mit erlaubter Ladung nach den ausge­nommenen Häfen bestimmt sind, Vorschriften erlassen, deren Nicht­beachtung die Festnahme des Schiffs und Bestrafung nach Maß­gabe des internationalen Seerechts zur Folge gaben soll.

DieNeue Frftr. Pr." schreibt unterm 12. Februar aus Frankfurt a. M.: Unser verdienter Gesangesveteran, Herr W. Dettmer, langjähriges und verdientes Mitglied der hiesigen Bühne, wird am 25. d. seine Abschiedsvorstellung im Stadttheater geben. Wir wünschen ihm besten Erfolg. Gestern Nachmittag wurde einem Schmiedegescllen in der Beschlaghalle im Fritschengäßchen von einem Pferde, welches er vorher beschlagen hatte, mit dem Hufe derartig vor die Stirne geschlagen, daß er schwer verletzt und besinnungslos in das Heiligengeist-Hospital verbracht werden mußte. Der hiesige Frauenverband hat nun auch Brod bei sich eingeführt. Dasselbe, Prima-Qualität, ist 8 kr. billiger als bei den Bäckern. Der Verstand zählt bereits 1000 Mitglieder.

Katholische Kirchenangelegenheit.

Herr Dechant Pfarrer Müller hierselbst wird freundlichst gebeten dafür Sorge zu tragen, daß der unter seiner Leitung stehende Kaplan den Sonntags-Gottesdienst pünktlich beginne und dessen Predigten, sowie von demselben eingeschobene Gebete nicht in solche Länge ziehe, was namentlich bei gegenwärtiger Kälte (im Sommer bei großer Hitze) sehr unangenehm, ja störend zu bezeichnen ist, indem viele Gläubigen den Gottesdienst vor Be­endigung verlassen müssen und es kath. Dienstboten ganz unmög­lich wird demselben anzuwohnen. Von Herrn Dechant Müller selbst sind wir einen solchen sich in die Länge ziehenden Gottesdienst niemals gewohnt (derselbe dauerte nie länger als 11 Uhr) und bedauern deßhalb sehr, daß derselbe fast gar nicht mehr dw Kan-