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Entwurf einer Strandungsordnung. Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Einrichtung und die Befugnisse des Rechnungshofes. Entwurf eines Gesetzes, über die Verwaltungen der Einnahmen und Ausgaben des Reichs.
— Der „R. u. St.-A." enthält: Bekanntmachung, betreffend die Ausgabe, sowie die Form und das Gepräge der ReichZ- münzen, welche in Gemäßheit der Reichsgesetze vom 4. Dezember 1871 und 9. Juli 1873 ausgeprägt werden.
— Berlin, 9. Febr. Die heutige 2. Sitzung des Deutschen Reichstags wurde um VU Uhr von dem Alterspräsidenten v. Bonin eröffnet. Am Tische des Vundeèraths befanden sich der Reichskanzler Fürst v. Bismarck, von Bundesbevollmächtigten die Staats-Minister Delbrück, v. Kaineke, Dr. v. Fäustlc, v. Mittnacht u. A. Nach einigen geschäftlichen Mittheilungen wurde zur Präsidentenwahl geschritten. Bei der Wahl des ersten Präsidenten wurden im Ganzen 294 Stimmzettel abgegeben, von welchen die Abgg. von Forckenbeck mit 263, von Bennigsen 2 erhielten, 29 unbeschrieben waren. Der Abg. v. Forckenbeck ist somit auf vier Wochen zum ersten Präsidenten des Reichstags gewählt.
— Der altkatholische Bischof Reinkens hat am Mariälicht- meßtage in der evangelischen Kirche zu Krefeld ein feierliches Hochamt abgehalten. Tausende von Andächtigen hatten sich dazu eingefunden, unter ihnen auch mancher Katholik, der dem Altkatholicismus noch nicht öffentlich beigetreten ist. Nach der kirchlichen Feierlichkeit wurde ein Festmahl veranstaltet, an dem sich u. A. die protestantische und mennonitische Gemeinde mit ihren Predigern betheiligten.
— Die bayerischen Reichstagswahlen, welche fast alle ultra- montan ausgefallen sind, nennt der „Bayer. Kurier" .... „einen Protest, welchen die (blauweiß) katholisch-patriotischen Herzen erhoben haben, Angesichts des unverhüllten und unverblümten Unterfangens (der Preußen), ihnen ihr Kostbares und Theuerstes, ihren Glauben und ihren König, zu rauben." Die Ultramontanen hüllen sich also in den Schafspelz der partikula- ristischen Vaterlandsliebe. Glücklicherweise guckt aber der Wolfsschwanz dabei so breit hervor, daß sich nur ein ganz Blinder dadurch täuschen lassen kann. Man lese z. B. nur, was das Sigl'sche „Vaterland" über die sogenannte Königssage äußert: „König Max lebt allerdings noch, nämlich in der Geschichte und seit einiger Zeit in diversen dummen Wirthshausgesprächen. Auch ist an seiner Wiederkehr nicht zu zweifeln — am jüngsten Tage. Bis dahin werden wir schon mit seinen Nachfolgern vorlieb nehmen müssen.
— Wien, 9. Februar. Der Finanz-Minister wird, wie die „Montagsrevue" meldet, in der morgenden Sitzung des Abgeordnetenhauses einen Gesetzentwurf einbringen, wonach die Baubanken bei Fusionirungen von Uebertragungsgebühren befreit sein sollen. Dasselbe Blatt will wissen, es sei den türkischen Unterhändlern bereits gelungen, wegen einer neuen Anleihe für die türkische Regierung, im Betrage von 8 Mill. Psd. Sterl, abzuschließen. w- “• ©t. A.)
—■ Bern, 9. Febr. Die neue strafgesetzliche Bestimmung des Cantons St. Gallen, welche die Geistlichen im Falle Kanzelmißbrauchs mit einer Geldbuße bis zu 1000 Fr. und bis zu vierjährigem Gefängnisse belegt, wurde in der Volksabstimmung mit 19,800 gegen 16,500 Stimmen angenommen.
— Paris, 9. Februar, Vormittags. Das Ergebniß der Ersatzwahl für die Nationalversammlung liegt jetzt im Departement Haute-Saöne endgültig vor. Darnach ist Hèrisson (radikalrepublikanisch) mit 37,000 Stimmen gewählt worden; auf den Gegenkandidaten Herzon von Marmier (Monarchist) sind 29,000 Stimmen gefallen.
— Madrid, 7. Febr. Die Regierung hat ein Dekret erlassen, nach welchem alle steuerpflichtigen Unterthanen an der National-Anleihe Theil nehmen sollen.
— Frankfu rt a. M. Der hiesige internationale Maschinen-Markt findet hier vom 14.—18. Mai in der neuerbauten Halle des landwirthschaft- lichen Vereins und deren Umgebungen statt. Mit demselben ist eine Ver- loosung verbunden, die den Zweck hat, neue Maschinen und Geräthe einzu
bürgern und Verbesserungen in Haus- und Landwirthschaft in weiteren Kreisen bekannt zu machen. Zugleich soll dieselbe die Aussteller einigermaßen für gehabte Unkosten entschädigen. Die Anmeldungsfrist dauert bis 31. März. Bon den meisten Eisenbahnen ist bereits Frachtermäßigung, bezw. freie Rückfracht zugesichert. Ein Standgeld wird für die ausgestellten Gegenstände nicht berechnet. Das Institut der Maschinen-Märkte hat wegen der großen Vortheile, die es vor Ausstellungen bietet, rasch Anklang gefunden und scheint sich gerade für die Landwirthschaft, welche erst anfängt zum Ma- schinen-Bètrieb überzugehen, sehr gut zu bewähren.
— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 9. Februar aus Frankfurt a. M.: Heute Morgen 9 Uhr brachte der Güterzug der Hessischen Ludwigsbahn einen Bremser im Packwagen todt hierher. Derselbe war in der Nähe von Niederrad von der Bremse gefallen, wodurch beide Beine ihm abgefahren wurden. — Am Samstag wurde dahier ein Frauenzimmer verhaftet, welches in Gießen ein Kind gestohlen hatte, um solches, um Mitleid zu erregen, auf ihren Bettelgängen zu benutzen. Das Kind ist bereits den Eltern, welche die Diebin verfolgten, wieder zugestellt. — Der Haase-Enthusiasmus veranlaßte eine ziemliche Anzahl Personen, sich von Freitag Abend bis Samstag Morgen 9 Uhr, wo das Theater zum Kartenverkauf geöffnet wurde, vor der Thüre hinzustellen, bezw. da es in der Nacht ansing kalt zu werden, durch Dienstmänner sich vertreten zu lassen. Eine solche Vertretung während der Nacht wurde mit 10—12 fl. bezahlt.
Lokales und Provinzielles.
Hanau, 10. Februar 1874.
Eingesandt.
E—1. Vorigen Samstag war Einsender Gelegenheit geboten die neue Brücke über den Main auf dem nun fertig gestellten Fußpfad zu passiren und war hierbei keine weitere Erlaubniß dazu erforderlich; beim Rückweg gewahrte derselbe zu seinem Erstaunen, daß der Bauleiter wieder absperren ließ und man genöthigt war auf der hiesigen Seite eine kleine Barrière mit Hindernissen zu passiren. Manche Neugierige hatten sich inzwischen angesammelt, um die Brücke zu überschreiten, wurden jedoch davon zurückgehalten.
Sollte es nicht geeignet sein, während einiger Tagesstunden den Uebergang über die Brücke zuzulassen?
H. Soviel erinnerlich, war vor dem Mühlthor, am Körner- schen Garten, eine der neuen Straßentafeln mit der Bezeichnung „Vor dem Mühlthor" angebracht. Seit einiger Zeit ist diese Tafel verschwunden und jedenfalls frevelhafterweise abgerissen worden, denn davon ist doch nichts bekannt, daß genannter Platz eine andere Benennung erhalten hätte und die Tafel deshalb absichtlich entfernt worden wäre.
*** Vergangenen Samstag Morgen wurde ein Dienstmädchen, welche sich bei ihrer Herrschaft eigenmächtig Plüsch zu einem Paar Pantoffeln abgeschnitten hatte, ertappt und in Sicherheit gebracht.
— Kohlentransport von der Ruhr. Die Frachten für Steinkohlen und Coaks von Schalke, Station der Cöln-Mindener Bahn nach Hanau und Aschaffenburg via Gießen find neuerdings ermäßigt worden, und zwar nach Hanau auf Thlr. 29. 10 Sgr. per 200 Ctr., nach Aschaffenburg auf Thlr. 31.12 Sgr. per 200 Ctr.
—R. Zu dem Adreßbuch ist der annoncirte Nachtrag nunmehr erschienen, er enthält ca. 180 Zusätze und Verbesserungen, darunter auch noch 11 hinzugekommene Häuser-Namen. Diejenigen unserer Leser, well e denselben noch nicht erhielten, mögen nicht versäumen, sich ein Explr. in der König'schen Buchhandlung holen zu lassen.
— Wasserstand des Main-Pegels heute früh 9 Uhr 0,56 Meter.
—f. Langenselbold, 8. Februar. Im Anschluß an Ihre gestrige Notiz aus Steinau, berichte ich Ihnen, daß auf dem zur hiesigen Gemeinde gehörigen Bruderdiebacher Hof am 9. v. M. der Knecht Johannes Atzert aus Pfaffenrod starb, der auf Petri 1812 daselbst in Dienst trat und 62 Jahre lang treu auf demselben Gute ohne Unterbrechung gedient hat. An ihm sind vier Generationen derselben Herrschaft vorübergegangen, der vierte Pachter hat den treuen Knecht beerdigen lassen. Gewiß ein außergewöhnlich seltener Fall.