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vK 34.
Dienstag den 10. Februar.
Tagesschau.
— Am Sonnabend, den 7., Abends, fand in dem Festsaale des Berliner Rathhauses die Versammlung zur Votirung einer Dankadresse auf die Resolutionen der englischen Sympathie- Meetings vom 27, Januar d. J. statt.
Der Versammlung präsidirte Prof. Dr. Gneist. Nachdem der Genannte, Prof. Dr. Dorner und der Reichstags-Abgeordnete Dr. Völk gesprochen, wurden die eingegangenen ZustimmungsTelegramme aus Bochum, München, Dresden und Bad-Nauheim verlesen und über folgende Resolution abgestimmt:
„Mitglieder des deutschen Reichstages und beider Häuser des preußischen Landtages, Vertreter der hauptstädtischen Verwaltung und Bürgerschaft und Männer der Wissenschaft, Kunst und aller Berufsklassen, versammelt im Rathhause zu Berlin, sagen der Versammlung in Saint James Hall und Exeter-Hall tief empfundenen Dank für die am 27. Januar gefaßten Beschlüsse. Dieser warme Ausdruck der Sympathien Englands für den deutschen Kaiser und die deutsche Nation in ihrem Widerstande gegen die Politik der ultramontanen Partei, ist ein Unterpfand, daß die beiden Nationen auch in Zukunft treu zusammenstehen werden in dem mannhaften Kampfe für die bürgerliche und religiöse Freiheit.
Berlin, den 7. Februar 1874.
Gneist, Kochhann, v. Bernuth, v. Bethmann-Hollweg, Graf Bethusy-Huc, A. Borsig, Legationsrath v. Bunsen, A. Delbrück, Prof. Drake, Prof. Dr. Dorner, Prof. Dr. Dove, Bürgermeister Duncker, v. Etzel, Dr. Fischer, Dr. Göschen, v. Haakèf Prof. Dr. Helmholtz, v. d. Heydt, Hobrecht, Prof. Hofmann, Fürst Hohenlohe, Dr. Löwe-Calbe, Mendelssohn, Miquel, Graf Moltke, Mommsen, Fürst Pleß, Schulze-Delitzsch, Dr. Simens, Stephan, Dr. Sydow, Graf Usedom, Völk, Graf Wintzingerode, Graf Wrangel, Dr. Zabel, Vollgold, Präsident Dr. Simson.
Diese Resolution wurde darauf, ohne Widerspruch zu finden, angenommen, und das Komite beauftragt, dieselbe durch den deutschen Botschafter dem Präsidium der englischen Versammlung übermitteln zu lassen. Professor Gneist schloß die Versammlung mit folgenden Worten:
„Erlauben Sie mir, meine Herren, noch zu erinnern an die Worte eines ehrwürdigen englischen Staatsmannes, eines alten, weltberühmten Kämpfers für bürgerliche und religiöse Freiheit, an die Worte Lord John Russells, welche an die Adresse des Deutschen Kaisers gerichtet sind. Er sagt:
„Mögen auch die Einzelheiten aller dieser Kirchengesetze mir nicht^vollkommen klar sein, das weiß ich, daß die Seite, auf der die Dache des Kaisers steht, die der Freiheit ist, und daß der im Kampfe gegen ihn befindliche Papismus die Sache der Sklaverei ist. Lassen Sie uns also danken dem verdienten alten Küinpfer der Freiheit und im Anschluß an seine Worte geloben, daß wir eben deshalb treu halten zu Kaiser und zu Reich, und lassen Sie uns schließen mit einem herzlichen Hoch auf Seine Majestät Kaiser Wilhelm. Unser Kaiser lebe hoch!"
Die Versammlung stimmte dreimal enthusiastisch in dieses Hoch ein.
— Das „Berl. Tgbl." schreibt in seiner politischen Wochenschau unter Andrem: „In mannigfacher Beziehung zeigte die vergangene Woche eine interessante politische Physiognomie. Zunächst!
war unser deutsches Reich Gegenstand der lebhaftesten diplomatischen Diskussion geworden. Eine Reihe vorangegangener Thatsachen, wie jene bekannten bischöflichen Hirtenbriefe, die Entgegnung in der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", die weiteren Schritte von Seiten der französischen Regierung, endlich die Gerüchte jener Bismarck'schen Circularnote, waren ganz dazu geeignet, mitten im tiefsten Frieden eine Verwickelung diplomatischer Natur entstehen zu lassen, deren Konsequenzen nicht zu übersehen waren. Hierzu kam noch die zwischen Deutschland und Italien nach Ansicht gewisser Politiker eingetretene Kühle, um in den Köpfen Vieler eine ernste Besorgniß aufsteigen zu Tassen. Als nun noch gar zum Ueberfluß Herr v. Beust in Wien erschien und daselbst seine bekannte ameisenartige Geschäftigkeit entwickelte, da sah bereits die erregte Phantasie der Furchtsamen kriegerische Eventualitäten als nahe bevorstehend an. Der unsichtbare Lenker aller dieser Figuren auf dem politischen Puppentheater ist natürlich Niemand anders als der Ultramontanismus, dessen einziges Streben ja in der That auf nichts Anderes abzielt, als auf eine völlige Jsolirung Deutschlands. Nun, so ernst auch immer die gegenwärtige Lage der Dinge ist, man thut doch nicht gut daran, sic für noch schlimmer zu halten. Bei all den alarmirenden Nachrichten vergesse man den einen Umstand nicht, daß unsere Feinde nicht gerüstet sind, und daß sie andererseits auch nicht thöricht genug sind, um uns in unserer jetzigen starken Position anzugreifen. Dies allerdings müssen wir zugestehen, daß die allgemeine Situation eine höchst unsichere, unbehagliche ist.
Um nun von der allgemeinen Politik auf die speciellen Vorkommnisse der letzten Woche zurückzukommen, so müssen wir wiederum und zwar aus rein sachlichen Gründen an erster Stelle Deutschlands erwähnen. Die Wahlen aus dem Elsaß und Lothringen zum Reichstage beschäftigen die öffentliche Meinung in hohem Maße. Sie ist durch den Ausfall derselben überrascht — nur die Ultramontanen jubeln. Sie sind an Zahl durch die neuen Abgordneten beträchtlich verstärkt worden — und mehr noch, wie sie behaupten, durch den moralischen Werth dieser Wahlsiege. Allein so peinlich für uns auch der Ausfall jener Wahlen in den Reichsstaaten sein mag, so muß man sich doch bei einigermaßen nüchterner Betrachtung sagen, daß in drei Jahren ein allgemeiner Umschwung in der Gesinnuug einer eben wiedereroberten Provinz sich unmöglich vollziehen könne! Wir sind eben in der Lage, die Worte jenes Oberpriesters auf Elsaß- Lothringen anwenden zu müssen: „zur Liebe kann ich Dich nicht zwingen, doch geb' ich Dir die Freiheit nicht." Wir müssen eben jene Grenzlande haben und wir werden sie auch behalten. Nach und nach wird es den Bewohnern derselben schon unter dem Fittich des deutschen Reichsadlers behaglich werden."
Eine sehr merkwürdige Enthüllung ist durch die Rechnungsrevision im schwedischen Reichstage gemacht worden. Im Jahre 1870 ist nämlich, wie jetzt endgiltig feststeht, von Seiten der schwedischen Regierung die'Kriegserklärung an Deutschland eine beschlossene Sache gewesen. Die Armee sollte mobil, gemacht werden und es waren zu dem Zwecke bereits 1,700,000 Rigsdaler verausgabt worden.
— Berlin, 9. Februar. Dem Reichstag sind vorgelegt worden: Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Gewährung von nachträglichen Vergütungen für Kriegsleistungen der Gemeinden.