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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Die einzelne Num­mer 1 Sgr.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Die ripaltige GarmonLzeNe ob deren Raum

1 6gt.

Die Sipalt. Zeile * Sgr.

Die Sipaliige Zeile 3 Sgr.

M 25.

Freitag den 30. Januar.

1874.

Tagesschau.

Kaum ist der Staub, so schreibt dieBerl. Trib." in ihrer Tagesschau welchen der letzte deutsch-französische Zwischen­fall aufgewirbelt, den friedlichen Erklärungen beider Seiten wieder gewichen, so kommt die Nachricht von einerneuen Recla- mation, welche die deutsche Regierung wegen der Maßlosigkeit der Presse bei einer anderen europäischen Macht angeblich er­hoben hat. Diesmal ist es Belgien, wohin, wie behaustet wird, in den letzten Tagen eindringliche Vorstellungen aus Berlin ge­langt sein sollen. Die Belgischen Zeitungen haben in der That an der Feindseligkeit des Tones gegen Deutschland den franzö­sischen nie nachgestanden, so daß, wenn gegen die letzteren Be­schwerde erhoben wurde, es nur folgerichtig gewesen wäre, die­selbe gleichzeitig auch nach Brüssel gelangen zu lassen. In wie weit ein solcher Schritt thatsächliche Folgen gehabt haben wurde, ist allerdings sehr fraglich. Zwei Umstände sind es, die einen praktischen Erfolg zweifelhaft machen; erstens die Neutralität Belgiens, welche nothwendig die Sprache des Berliner Cabinets vorsichtiger machen müßte, als gegen Frankreich, und zweitens die Ohnmacht der belgischen Regierung gegenüber dem katholi­schen Clerus und seinen Organen. Der Gegenstand gelangte vorgestern in der Deputirtenkammer auf Veranlassung einer In­terpellation zur Sprache. Man verwahrte sich gegen eine Be­einträchtigung der Preßfreiheit von außen - her und wollte die Regierung nicht für Zeitungsartikel verantwortlich gemacht wissen. Der Minister des Auswärtigen stellte hierauf in. Abrede, eine derartige Nöte von der deutschen Regierung erhalten zu haben, sah sich aber veranlaßt, hieran die ernste Mahnung an die Presse zur maßvollen und unparteiischen Haltung zu knüpfen. Wir werden abwartcn, ob die belgische Presse diese Aufforderung be­achten wird. Sollte die deutsche Regierung in die Lage kommen, auch von dem Brüsfeler Cabinet Genugthuung zu fordern und das letztere, wie wahrscheinlich ist, zu schwach sein, solche zu gewähren, so wird die öffentliche Meinung im Lande vermuthlich erkennen, daß eine ultramontane Regierung die Interessen des Landes compromittirt und bei den für den Sommer bevorstehen­den Neuwahlen einen Umschwung in liberalem Sinne erwirken.

Die Nachrichten der Officiösen über das Befinden des Kaisers, welches sich in der erfreulichsten Weise gebessert hat, werden auch von Personen aus der königlichen Umgebung be­stätigt. Wie wir hören, ist es der persönliche Wunsch des Kai­sers, den am 5. Februar einberufenen Reichstag selbst zu eröff­nen. Ein Entschluß darüber würde voraussichtlich erst kurz vor dem Eröffnungstage erfolgen und von dem Rathe der Aerzte abhängig gemacht werden.

Das dem Redacteur Karl Hirsch zu Berlin unter dem 26. Oktober 1872 ans die Dauer von drei Jahren für den Um­fang des preußischen Staats ertheilte Patent auf ein durch Zeichluing und Beschreibung nachgewiesenes Schaltwerk bei Schrift- setzmaschinen, ohne Jemanden in der Benutzung bekannter Theile zu beschränken, ist aufgehoben.

Dem Ingenieur G. Scherenberg in Marxen bei Winsen a./L. ist unter dem 26. Januar 1874 ein Patent auf einen Appa­rat zur Erdförderung in der durch Zeichnung und Beschreibung nachgewiesenen Zusammensetzung, ohne Jemanden in der Anwen­dung bekannter Theile desselben zu beschränken, auf drei Jahre,

von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang des preußi­schen Staats ertheilt worden.

(Frankfurter Bankdiskonto.) Die Frankfurter Bank hat heute, 29. Januar, den Diskonto auf S1^ Prozent herab­gesetzt. /

Braunschweig, 28. Jan. Heute hat die Landes­versammlung die Berathung des Wahlgesetzes begonnen und be­schlossen, zwei Lesungen desselben vorzunehmen. Bei der Debatte machten sich über die Einführung des allgemeinen Wahlrechts und die Beibehaltung der Interessenvertretung noch sehr weit auseinandergehende Ansichten geltend. Morgen soll die Bera­thung fortgesetzt werden.

In Mecklenburg hat dieser Tage, wie derVoss. Ztg." mitgetheilt wird, einer der konservativen Pastoren für die reni­tenten hessischen Pastoren eine Kirchenkollekte veranstaltet und dieselbe feierlichst von der Kanzel verkündigt. Die Herren thun, was sie können, um die preußische Regierung und mittelbar auch den Reichskanzler in den Ruf zu bringen, daß sie Verfolger der christlichen Kirche sind; sie erreichen damit im Großen aber nur, sich selbst und das von ihnen vertheidigte mecklenburgische Kir­chen- und Staatsregime in noch tieferen Mißkredit zu bringen.

Dem Dr. Petermann in Gotha ist von dem deutschen Reisenden Richard Brenner in Zanzibar die bestätigende Mel­dung zugegangen, daß der Tod Livingstone's am 15. August v. I. auf der Reise vom See Bembe ostwärts nach Uniamjembe an der Ruhr erfolgt sein soll.

Karls ruhe, 25. Jan. Als Nachtragskredit ist in das ordentliche Budget für kirchliche Bedürfnisse der Altkatholiken ein Staatsbeitrag von 3500 fl. eingestellt worden, und zwar auf die Bitte des von der Regierung anerkannten katholischen Bischofs Reinkens, indem es durchaus gerechtfertigt erscheint, daß, da die erheblichen Beiträge des Staates für den katholischen Kultus zur Zeit und thatsächlich lediglich demjenigen Theil der Katho­liken zu Gute kommen, welcher sich den (rechtlich für Baden nicht existirenden) vatikanischen Konstitutionen unterworfen hat, auch für die kirchlichen Bedürfnisse der (Alt-) Katholiken ein ent­sprechender Beitrag in das Budget ausgenommen werde. Derselbe soll durch den Bischof namentlich verwendet werden zur Leistung von Beiträgen zu den Kosten der kirchlichen Gesammtverwaltung, zur Gewährung von Unterstützungen an (alt-) katholische Studirende der Theologie, zur Unterstützung kranker und emeritirter Geist­licher und zur Beihilfe an arme Gemeinden zur Bestreitung des Aufwandes für die Seelsorge.

In Ehingen wurde am Sonntag der Wahlsieg der Reichstreuen im 15. würtembergischeu Wahlkreis festlich began­gen. Während des Festessens ging folgendes Telegramm an den Reichskanzler Fürsten Bismarck ab:Eine Versammlung reichs­treuer Wahler des mit ihrem nationalen Kandidaten nach schwe­ren Kämpfen siegreichen 15. Wahlbezirks versichert Ew. Durch!., daß Sie auch an der Südgrenze des deutschen Reiches ein gelieb­ter und nicht gehaßter Mann sind."

Zu den ultramontanen Wahlwühlereien noch einen kleinen Beitrag. Der Pfarrer Kinzelmann, eines der Häupter der ultramontanen Partei im Algäu in Bayern, sagte in seiner am Weihnachtstage in der Pfarrkirche in Gestratz gehaltenen Predigt: Wir können gegen diese gräßliche Verfolgung jetzt nichts Aude-