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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

DiebiPalttgeAeil« 3 Sgt.

^ 24. Donnerstag den 29. Januar. 1874.

Tagesschau.

Der Bundesrath hat in seiner Sitzung am 12. d. M. beschlossen, daß fortan auch Fünfpfennigstücke geprägt werden sollen.

In Folge des starken Sturmes in der vorletzten Nacht sind sämmtliche östliche Leitungen gestört. Für Paris und Frankfurt zusammen ist nur eine Leitung disponibel. München und Mal- moe ebenfalls gestört, Wien nur in einer Leitung. R. u. St.-Anz.

Folgende, sich ebenfalls auf die verläumderischen An­griffe der Ultramontanen gegen Hrn. v. Bismarck beziehende Notiz derNordd. Allg. Ztg." ist ebenfalls beachtenswerth. Dieses Blatt schreibt:Aus Graz in Steiermark werden wir auf eine Stelle in der von dem italienischen Minister Jacini verfaßten Geschichte der italienischen Politik von 1866 aufmerk­sam gemacht, worin mitgetheilt wird, daß Bismarck durchaus dabei beharrt habe, auch nicht das kleinste Stückchen deutscher Erde an Frankreich und ebenso wenig ehemals deutsches Bundes­gebiet an Italien abzutreten, obgleich er wußte und sah, wie durch feine Weigerung das Zusammengehen Italiens mit Preußen wesentlich erschwert, ja gefährdet wurde."

Auf Grund der letzten Konferenzen über das höhere Töchtcrschulwesen ist zunächst der Entwurf einer neuen Prüfungs- Ordnung ausgearbeitet worden, die wahrscheinlich bald nach dem Schluffe des Landtages veröffentlicht werden wird. Die Prü- fungs-Ordnung bezieht sich auf die Lehrerinnen an Volksschulen, höheren Mädchenschulen und die Schulvorsteherinnen. Bisher bestanden solche Verordnungen wohl für einzelne Provinzen, doch wurde die Gleichmäßigkeit des Verfahrens vermißt. (Berl. Tagebl.)

Auf Veranlassung des Ministeriums der Medicinalan­gelegenheiten ist den sämmtlichen Kreisphysikern ein Exemplar der preußischen Arzneitaxe pro 1874 mit dem Auftrage zuge- gangen, darauf zu halten, daß die Taxe bei Vermeidung von Geld- dezw. Gefängnißstrafen von den Apothekern in Anwen­dung gebracht werde. Fuld. Anz.

Das Leiborgan des Erzbischofs von Posen, derKur. Pozn.", veröffentlicht wieder drei Anerkennungsschreiben, welche demPrimas" aus allen Weltgegenden von hochgestellten Per­sönlichkeiten, Geistlichen wie Laien zugegangen sind. Das erste stammt von dem Fürstbischof der Diözese Seckau, Zwerger in Graz, und enthält Worte der Anerkennung und Bewunderung über das heldenmäßige Verhalten und die Bereitwilligkeit zum Leiden, welche Se. Erzbischöflichen Gnaden zur Ehre Gottes, zum Besten der Kirche und zur Erlösung der Seelen (!) an den Tag legt. Das zweite rührt von dem Primas von Belgien und Erzbischof von Mecheln her und das dritte Schreiben endlich hat seinen Ursprung in England, und ist u. A., wie derKuryer" besonders betont, von drei Peers und diversen Ladies unter­schrieben. Für diese, meint diePos. Ztg.", könnte man auch mit den Worten beten:Herr verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun."

Die Polytechniker von Aachen haben am Anfang dieses Jahres noch ein kurzes treffliches Dankschreiben an den Kaiser gerichtet für seine Antwort an den Papst vom 7. August v. J. Dieser Vorgang in dem altkatholischen Aachen hat natürlich die ultramontanen Blätter in Harnisch gejagt und sie greifen in allen Tonarten die jungen Leute an, die ihnen dann in den Lo­

kalblättern die Antwort nicht schuldig bleiben. Als ein Zeichen des auch in jenem ultramontanen Hauptbollwerk erwachenden Geistes ist der Vorgang immerhin bemerkenswerth.

In einem Artikel derAugsb. Abdztg.", welcher den Ausfall der Reichstagswahlen in Bayern befpricht, heißt es am Schluffe:Im Großen und Ganzen haben die Römlinge nicht schlechtweggesiegt", mit der Aussicht etwa, bei etwas weniger günstigen Chancen das nächste Mal zu unterliegen, sondern sie haben durch ihr Massenaufgebot die Reichsfreunde meist geradezu erdrückt. Eine Zusammenstellung der Abstimmungen im Jahre 1871 und jetzt gibt folgendes wenig tröstliche Bild (bei den Gegnern" sind neben den Ultramontanen auch die verhältniß- mäßig geringfügigen Stimmen der Socialdemokraten, Volkspar­teiler und orthodoxen Lutheraner mit eingerechnet),

1871

1874

Wahl-

liberale

liberale

Provinz:

kreise

Stimmen

Gegner

Stimmen

Gegner

Oberbayern

8

50,323

58,309

28,685

114,165

Niederbayern

6

30,001

38,688

10,012

76,442

Oberpfalz

5

20,259

35,036

11,880

66,261

Schwaben

6

51,548

36,474

38,967

78,402

Mittelsranken

1

7,984

6,254

6,690

11,049

Oberfranken

2

13,602

13,453

12,445

21,793

Unterfranken

6

38,730

37,778

35,656

72,089

Summa:

34

212,447 !

225,992

144,335

440,201

438,439

584,536

Während hiernach die Reichsfreunde, trotz des größeren Andranges zn den Wahlurnen im Allgemeinen, fast ein Drittel ihrer frühe­ren Anhänger verloren haben, hat sich am 10. Jan. d. Js. der reichsfeindliche Trotz fast doppelt so stark erwiesen, als am 3. März 1871. In manchen Wahlkreisen war der Umschlag selbst den Unterrichteten unglaublich so z. B. in Weilheim, das 1871 den liberalen Kottmüller mit 8127 Stimmen gegen 4100, welche auf den ultramontanen Erzgießer v. Miller fielen, zum Abgeordneten wählte, während jetzt.umgekehrt v. Miller 14,116, derselbe Kottmüller aber nur 3051 Stimmen erhielt; ein beson­ders charakteristischer Fall, weil hier bei beiden Wahlen dieselben Persönlichkeiten einander gegenüber standen. So sind die Wahl­kreise München II, Pfarrkirchen, Kelheim, Augsburg (!), Dillin­gen, Illertissen, Kaufbeuren, Kronach, Eichstädt, Kitzingen, Kiffin- gen, Sckweinfurt und Würzburg den reichsfreundlichen Parteien verloren gegangen. Und es ist nothwendig, den Freunden im weiten Reich die ganze Wahrheit zu sagen: an eine baldige Wiedergewinnung dieser verlorenen Posten ist nicht zu denken! Drei Jahre specifisch bayerischen Kirchen- und Schulregiments haben genügt, um unsere durch die Kriegsereignisse und das Jn- fallibilitätsdogma ins Schwanken gerathene Hierarchie so sättel­fest zu machen, daß kein Jesuitenverbot und keinMaigesetz" es vermag, ihr die Seelen ihrer Schäflein wieder zu entwinden. Mehr denn je bewährt sich unter den ungebildeten denkunfähigen Massen der Zauber, den der katholische Priester als unentbehr­licher Vermittler zwischen Gott und den Menschen ausübt.So ein geistlicher Herr hat ja doch, wenn's auf die Letzt geht, unsere Seel' in der Hand." Das ist katholische Wahlphilosophie, und unsere guten lutherischen Orthodoxen sind auf und daran, mit