Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correipondenz.
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M 23.
Mittwoch den 28. Januar.
1874.
Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.
Die Herrn Bürgermeister und Ortspolizeiverwalter werden auf die im Amtsblatt der Königlichen Regierung in Cassel Nr. 4 von diesem Jahre enthaltene Instruction vom 12. Decbr. v. I. über die Erhebung der Klassensteuer und Behandlung der Ab- und Zugänge aufmerksam gemacht. Die erforderlichen Druckformulare sind in der hiesigen Waisenhausbuchdruckerei zu beziehen.
Hanau, am 21. Januar 1874.
T a g e s s ch a u.
— Der Berliner Korrespondent der „Mâgdeb. Z." berichtet : Personen, die zur hiesigen französischen Botschaft in Beziehungen stehen, versichern, daß der Marquis de Gontaut-Biron beauftragt worden, einer allerdings drohenden diplomatischen Situation Deutschlands durch die Erklärung zu begegnen, daß die französische Regierung keine thatsächliche Einwirkung auf die demonstrativen Emanationen des päpstlichen Stuhles gegen Deutschland ausgeübt habe. In hiesigen diplomatischen Kreisen wird der Schlüssel zu dieser Erklärung einfach darin gefunden, daß unsere Generale eine sofortige Initiative gegen Frankreich befürwortet haben, so lange die französische Artillerie und Kavallerie vollständig desorganisirt sei. Unrichtig ist es indessen, wenn Hinzugefügt wird, daß der jüngste Depescheuwechsel zwischen Berlin und Paris von diesseitigen Vorbereitungen zur Mobilmachung einiger Armeekorps begleitet wurde. Seitdem die Eventualität einer Thronbesteigung des päpstlichen Champions in Frohsdorf nicht mehr drohte, ist im hiesigen Kriegsministerium keine außergewöhnliche Thätigkeit bemerkt worden." Ueber die Schritte der deutschen Regierung, welche der Suspendirung des „Univers" und den Erklärungen des Herzogs von Decazes vorausgingen, schreibt der Berliner „Times"-Korrespondeut: Graf Arnim wurde vor wenigen Tagen vom deutschen Reichskanzler angewiesen, dem Herzog v. Decazes eine Note zu überreichen (oder vorzulesen), deren wesentlicher Inhalt in Folgendem bestand: Da die französische Presse unter der unbedingten Kontrole der französischen Regierung stehe und ihr jedwede weitgehende Auslassung über innere Angelegenheiten verboten sei, müsse die deutsche Regierung deren fortwährende Angriffe auf sie und das deutsche Volk nothwendigerweise als von den franz. Behörden genehmigte ansehen. Die deutsche Regierung sei davon um so mehr überrascht, als sie sehe, daß die durch die französische Presse so enthusiastisch gegen Deutschland befürwortete Politik des Papstthums und der Ultramontanen sich mit außerordentlicher Bitterkeit gegen Deutschland kehre. Obwohl die französische Regierung es in ihrer Macht habe, die Sprache ihrer Blätter in jedem beliebigen Augenblicke zu modifiziren, werde ihnen doch gestattet, einstimmig auf Seiten der eingestandenen Feinde Deutschlands zu schreiben. Die deutsche Regierung stelle es zwar der französischen Regierung anheim, nach ihrem eigenen Ermessen zu handeln, habe es jedoch unmöglich gefunden, nicht ihre eigenen Schlüsse aus der herausfordernden Haltung der französischen Presse abzuleiten. Der Herzog von Decazes legte diese Mittheilung dem französischen Kabinete vor und wurde zur Erwiederung ermächtigt, daß dw französische Regierung entschlossen sei, ihren internationalen -Verpflichtungen in jedem Punkte nachzukommen. — Der Berli
ner Berichterstatter des „Daily Telegraph" telegraphirt vom 21. Jan.: „Die Schwierigkeit mit Frankreich ist noch nicht vollständig geschlichtet. Deutschland besteht darauf, daß der Bischof Plantier von Nimes wegen seiner direkten Beleidigung gegew den Kaiser irgendwie bestraft werde. Die französische Regiernng aber möchte dieß vermeiden und diese Angelegenheit ist jetzt Gegenstand ernster diplomatischer Verhandlungen." — Auf die letzte Wendung in Paris, soll, wie man der „Köln. Ztg." schreibt, auch Hr. Thiers eingewirkt haben. Dieser sagte neulich Jemandem, der ihn auf der Durchreise in Paris besuchte: „So lange ich lebe und etwas vermag, wird Frankreich sich in keinen Krieg stürzen." sAugSb. Abdztg.)
— Dem Buchhändler Reinhold Kühn zu Berlin ist unter dem 23. Januar 1874 ein Patent auf eine Maschine zum Rammen des Straßenpflasters in der durch Zeichnung und Beschreibung nachgewiesenen Zusammensetzung, ohne Jemanden in der Anwendung bekannter Theile zu beschränken; dem Otto Küster zu Neuenhaus bei Wermelskirchen, Regierungsbezirk Düsseldorf, ein solches unter dem 23. Januar 1874 auf einen Drehbank-Support zur Herstellung von Kugel- und Kegei-Oberflächen in der durch Zeichnung und Beschreibung nachgewiesenen ganzen Zusammensetzung und ohne Jemanden in der Anwendung bekannter Theile desselben zu beschränken, und dem Cwil-Jnge- nieur Johannes Brandt zu Berlin, Theilnehmer der Firma J. Brandt und G. W. v. Nawrocki, unter dem 21. Januar d. J. ein Patent auf eine Mähmaschine in der durch" Zeichnung und Beschreibung uachgewieseuen Zusammensetzung, ohne Jemanden in Anwendung bekannter Theile zu beschränken, auf drei Jahre, von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang des preußischen Staats ertheilt worden.
— Aus Westfalen, 23. Jan. Allem Anscheine nach werden die Kohlenpreise endlich fallen, und zwar sehr erheblich. Die Zeche „Louise Tiefbau" in der Nähe von Dortmund, die eine vorzügliche Kohle liefert, hat für den Landdebit, für den im vorigen Jahre fast nichts abfiel, die Preise ihrer Kohlen, nachdem sie dieselben vor noch nicht 14 Tagen allgemein auf 10 Sgr. pro Scheffel ermäßigt hatte, auf 8 Sgr. für melkte und 71/* Sgr. für Nußkohlen herabgesetzt. Andere Zechen werden bald diesem Beispiele folgen, denn bei manchen von ihnen lagern solch enorme Quantitäten unverkaufter Kohlen, daß es bald an Raum zu deren Unterbringung fehlen muß.
— Leipzig, 27. Jan. Zwei hiesige politische Vereine (die Gemeinnützige Gesellschaft und der Städtische Verein), deren Mitglieder verschiedenen religiösen Bekenntnissen angehören, haben an das heutige Londoner Protestanten-Meeting ein Dankestelegramm abgesandt, worin ausgesprochen ist, daß das Londoner Meeting dem deutschen Reiche nicht nur eine wichtige moralische Unterstützung im Kampfe gegen den Ultramontanismus gewähre, sondern auch eine Anerkennung der Thatsache sei, daß es sich in dem Kampfe gar nicht um eine Verkümmerung der katholischen Glaubenswahrheiten handele, vielmehr durch denselben die Culturinteressen und Lebensbedingungen aller civilisirten Staaten berührt Würden. Neue Franks. $t.
— M ünchen, 25. Jan. Die Specialkommissionen für die altkatholischcu Unionsverhandlungen, welche «inzusetzen in Konstanz beschlossen wurde, sind dem „Korresp. v. u. f. D." zufolge,