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Abstempelung der Aktien im Verhältniß zum Kapitalsverluste gestatten wolle.
— Bern, 22. Jan. Die Regierung geht in der Pazifi- kation des Iura energisch vorwärts. Auf die Nachricht, daß in Saulcy in Coursaivie bei Delsberg und in Cerneux-Godat bei Les Bois neue Unruhen stattgefunden, hat (wie schon telegraphisch gemeldet) die Regierung heute drei weitere Scharfschützen- Kompagnikn aufgeboten, welche sofort nach dem Jura abmar- schiren und jene drei Gemeinden okkupiren werden. In Saulcy wurde der einzige Bürger, Lovy mit Namen, der bei der Abstimmung über das Kirchengesetz sein Ja in die Urne legte, mit 17 Messerstichen so mißhandelt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Seine Angreifer hatten ihm im Augenblicke des Attentates, welches erfolgte, sobald seine Stimmeabgabe bekannt geworden war, zugerufen: „Wir wollen Dich lehren, gegen die Majorität zu stimmen." Lovy blieb für todt auf dem Platze. Seine Angreifer kehrten nach einiger Zeit auf den Schauplatz ihres Verbrechens zurück, um zu sehen, ob ihr Opfer noch lebe; inzwischen konnte sich Lovy unter einen Schuppen schleppen. Die Scheusale holten eine Laterne herbei, entdeckten mit Hilfe derselben den Zufluchtsort Lovy's und schlugen auf's Neue mit Knütteln auf denselben los. Wunderbarer Weise widerstand der Unglückliche allen diesen Mißhandlungen und die Aerzte zweifeln nicht an seiner Rettung. Drei der Schuldigen sind verhaftet.— In Courfaivre wurde der Sohn des Schulmeisters Bandelier von mehreren Personen mit einem Scheit Holz und in Cerneux- Godat der Landjäger, welcher zum Frieden mahnte, von der fanalisirten Menge mißhandelt. — Oberstlieutenant Hofer, welcher von der Regierung von Bern zum Militärkommandanten des Jura ernannt worden, wird morgen ebenfalls nach dem Jura verreisen. — Der Berner „Bund" schreibt: „Das „Genfer Journal" veröffentlicht Auszüge aus einem Dokument von höchster Wichtigkeit. Es ist dasselbe eine „im Namen der schweizerischen Katholiken" redigirte direkte Anrufung fremder Intervention, nämlich der Mächte, welche die Wiener Akte unterzeichnet haben, in die innern Angelegenheiten unseres Vaterlandes. Das Dokument ist in Frankreich aus einer Klosterdruckerei hervorgegangen und nach der Schweiz gesandt worden, um die Unterschrift schweizerischer Katholiken zu erhalten. Wir wollen hoffen und voraussetzen, daß unter diesem landesverrätherischen Machwerk kein Name eines irgend hervorragenden schweizerischen Katholiken je zu lesen sein werde." (Augsr. vbdztg.)
— Bern, 25. Jan. Die aus dem Berner Jura in die benachbarten französischen Grenzortschaften geflüchteten Geistlichen orgauisireu, den jüngsten Meldungen zufolge, daselbst den Gottes- bmift und fahren fort, Manifeste zu verbreiten, durch welche sie die Bevölkerung anfzureizen suchen.
— In officiellen Kreisen zeigt man sich, wie die N. Frkf. Presse schreibt, durch den geringen Erfolg, den die Erklärungen des Duc Decazes und die Suspension des „Univers" in Deutschland gehabt zu haben scheinen, sehr unangenehm berührt und man schickte sich gestern bereits an, durch die Suspension der „Union", die in die Fußtapfen des „Univers" zu treten drohte, „einen Druck auf den Fürsten von Bismarck zu üben." Da jedoch die „Union" gerade das platonische Schreiben ihres Roy veröffentlicht hatte, so verzichtete man um der dem Roy schuld gen Rücksichten willen vorläufig auf diese Maßregel. Dafür hat aber die „Assemblèe nationale", die früher bekanntlich zu wiederholten Malen den „Wahnsinn des Herrn Bismarck" nachwies, den Versuch gewagt, „einen Druck zu üben" und überhäuft den deutschen Reichskanzler, „den unvergleichlichen Politiker, den Schöpfer eines neuen deutschen Kaiierreichs u. s. w.", mit solchen Lobes- erhrbungen, daß sie schließlich nicht umhin kann, sich für ihren Pauegyrikus zu entschuldigen. Der heilsame Schrecken, den man den Franzosen eingejagt hat, erzeugt denn doch eine kaum erwartete Wirkung.
— Spanien. Nach einer Mittheilung des klerikalen „Monde" vom 24. d M. hätte der Marschall Serrano an die päpstliche Kurie das Verlangen gestellt, die Bulle über die letzte Präkon, sinnig von spanischen Bischöfen zurückzuziehen, resp. Modifikationen derselben eintreten zu lassen.
— Santander, 25. Jan. Nach hier eingegangeuen Nachrichten hat sich Portugalete am 22. d. den Carlisten auf Gnade und Ungnade ergeben. — Das Bataillon Legobre und eine Abtheilung Artillerie und Genietruppen sind in die Hände der Carlisten gefallen, auch wurden zwei Geschütze und eine große Anzahl Gewehre erbeutet.
— Außer Cours gesetztes Papiergeld. Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung vom 1. Juni 1871 und vom 20/21. September 1871 bringt die bayerische Hypotheken- und Wechselbank in Erinnerung, daß der Termin zur Einlösung a. der gelb und schwarz gedruckten Hundertgulden-Noten erster Emission d. d. 1. Juni 1839 am 1. Juni 1874; b. der violett (Jrisdruck) und hellblau gedruckten Zehngulden-Noten vierter Emission vom 1. August 1857, am 1. October 1874 endigt, und vorbeschriebene Banknoten von obigen Terminen an ihre Giltigkeit verlieren. Neue Frankf. Pr.
— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 26. Januar aus Frankfurt a. M.: Bei dem gestrigen Brande in der kl. Hochstraße hat die Quellwasserleitung ihre erste Feuertaufe gegeben. Die ständige Feuerwehr hatte mit einer Spritze zu arbeiten angefangen, als die Angestellten der Wasserleitung zur Stelle kamen und ihren Schlauch an den vor dem Hause liegenden Hydrauten anschraubten. Unter dem directen wuchtigen Strahle der Leitung stürzte bald der brennende Dachgiebel zusammen und reichlich in Regenform herabsallendes Wasser vollendete dann das Löschwerk. Bedauerlich ist bei solcher Art zu löschen nur der durch das Wasser selbst angerichtete übergroße Schaden. — In der verflossenen Nacht' erhängte sich in der Constablerwache an dem Gitter seiner Zelle ein wegen Wirthschaftsscandal verhafteter schon vielfach bestrafter Mensch. — Wie wir vernehmen, wird die reiche, auf 80,000 Gulden geschätzte Münzsammlung des verstorbenen Rath Finger nach England wandern. — Angeregt von hier aus hat sich auch in Aschaffenburg ein Frauenverband gebildet, und sollen im Laufe dieser Woche auch in Mainz, Mannheim und Alsfeld Frauenverbände in's Leben gerufen werden.
Lokales und Provinzielles.
Hana«, 27. Januar 1874.
R—. Weil es in dieser Saison schon zweimal während der Theater-Vorstellung gebrannt hat und nicht ausgeschlossen ist, daß dieser Fall sich wiederholen könnte, so dürfte Folgendes von Seiten des Publikums „recht sehr" zu beherzigen sein. — Ein schon zu verschiedenen Malen zur Theaterbrandwache gehöriger Feuerwehrmann machte es sich zur Aufgabe zu ermitteln, in welcher Zeit nach Schluß einer Vorstellung das Theater von Seiten des Publikums geräumt ist und hat gefunden, daß bei der jetzt so zweckmäßigen inneren Einrichtung nie mehr als „drei Minuten" nöthig waren. Demzufolge ist es durchaus unklug bei entstehendem Feuerlärm, wie es leider mehrfach geschehen, den Kopf zu verlieren, um so mehr unklug, weil die Theaterwache sofort Mittheilung erhält, wo der Brand ausgebrochen ist und welche Dimensionen er angenommen hat. Also, wie gesagt, sollte — was wir nicht hoffen wollen — ein derartiger Fall sich wiederholen, dann nur ruhiges Blut und es wird Alles gut gehen. — Bei dieser Gelegenheit ergeht an die Administration des Theaters auch die Bitte, falls es noch nicht geschehen sein sollte, ähnlich wie in anderen Städten, auf den Gängen Stearin- oder O e l l i ch t e anzubringen, um bei einem etwa entstehenden Brande im Theater selbst, bei welcher Eventualität sofort das Gas gelöscht werden müßte, eine Panik durch plötzlich entstehende Dunkelheit zu vermeiden.
— Vom geschäftsführenden Ausschuß des Central-Comitè's zur Errichtung eines Landesdenkmals für die Angehörigen und Gefallenen der Großh. Hess. (25.) Division in Darmstadt ergeht eine Einladung an Deutschlands Künstler für dieses Denkmal Entwürfe einzusenden, deren .beste prämiirt werden sollen. Die verfügbaren Mittel zur Errichtung dieses Denkmals sind auf 35,000 fl. veranschlagt.
— Wasserstand des Main-Pegels heute früh 9 Uhr 0,88 Meter.
— Fulda, 24. Jan. Von competenter Seite wird uns