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M 18.

Domierstag seit 22. Januar.

Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.

Das Deckgeld für die Königlichen Beschäler ist im ganzen Bezirk des hiesigen Landgestüts mit der diesjährigen Deckpe­riode um 1 Thlr. erhöht.

Die Ortsvorstände wollen dies zur Kenntniß der Pferde­besitzer bringen.

Hanau am 17. Januar 1874.

Dem Ph'lipp Friedrich Lapp zu Dörnigheim ist gestat­tet worden den Familiennamen Stier führen zu dürfen.

Hanau am 13. Januar 1874.

Tagesschau.

Der Deutsche Reichstag ist nach einer Kaiserlichen Ver­ordnung imR. u. St.-Anz." vom 20. Jan. auf den 5. Febr. nach Berlin einberufen.

Der Eindruck, so sagt dieTrib." in ihrer Tagesschau, den die Freitags-Sitzung des Abgeordnetenhauses im Lande her­vorgebracht, ist, wie die öffentlichen Blätter aus allen Theilen Deutschlands zeigen, ein mächtiger gewesen und wird auch im Auslande nicht ohne sichtliche Spuren vorübergehen. In der That ist es schwer, aus den früheren Sessionen sich einer ähn­lich aufgeregten Sitzung zu entsinnen und ein Präcedenz zu fin­den für die Schärfe und Derbheit des Tones, wie er am Frei­tag von der Ministerbank gehört wurde. Ausdrücke wielügen­hafte Erfindung",dreiste Lüge",ruchlose Unwahrheit" vom Ministertijche her zu hören, ist einem parlamentarischen Audito­rium in unsern Verhältnissen kaum zuvor beschieden gewesen Die rücksichtslose Form, in welche Fürst Bismarck seine Demen­tis kleidete, entsprach dem Grade der Perfidie, welcher in den gegen ihn erhobenen Verleumdungen lag. Die Behauptung, daß der jetzige deutsche Kanzler der französischen Regierung jemals eine Abtretung deutschen Landesgebiets in Aussicht gestellt habe, ist für die öffentliche Meinung in Deutschland zwar kaum einer Widerlegung werth; sie bedurfte einer energischen Zurückweisung aber deshalb, weil die ultramontane Partei derartige Geschichts- fälschungen bekanntlich am liebsten für ihre Parteizwecke ver­wendet und weil außerdem hier die Gelegenheit geboten war, die frechen Verdächtigungen des Auslandes in officieller Form als solche bloszustellen. Als Bismarck im Jahre 1870 den berüch­tigten Benedetti'schen Vertrags-Entwurf über die Annexion Bel­giens an Frankreich der Oeffentlichkeit übergab, sah Jedermann sofort, was an dem Gerede der sogenanntenVerabredungen von Biarritz" war und wie der damalige Kanzler des Norddeutschen Bundes die französische Diplomatie Jahre lang am Narrenseile herumgeführt hatte. Wenn der deutsche Staatsmann auf die französischen Anmaßungen damals obenhin einging unb scheinbar selbst in Unterhandlung ihretwegen trat, so geschah es, weil er wußte, daß eine schroffe Ablehnung den Krieg mit Frankreich unvermeidlich machen würde, die Stunde desselben aber sür Deutschland noch nicht gekommen war. Jene Periode diploma­tischer Verhandlungen gehört zu den hellsten Punkten Bismarck­scher Staatskuust. Hütte die französische Regierung bei Ausbruch des Krieges auch nur ein einziges compromittirendes Zeugniß gegen Bismarck in threm Besitze gehabt, sie würde damals, als es darauf aukam, die deutschen Südstaaten mit Haß und Miß-i

trauen geacn Preußen zu erfüllen, wahrlich nicht gezögert ha­ben, es bekannt zu geben. Alles dies wußte Herr von Mallinck­rodt unstieitig so gut wie jeder Andere, und wenn er sich bei seinen dreisten Behauptungen hinter Lamarmora und Gavone zu verstecken suchte, so machte er sich dadurch zum Mitschuldigen an den Lügen und Verleumdungen Beider und wurde in ver­dienter Weite öffentlich an den Pranger gestellt.

Der Kultusminister hat verschiedene Gemeinden, die sich ohne die nöthigen Mittel aus Kirchen- und Schulbauten einge­lassen und nun bei der Regierung um Beihilfen aus Staats­mitteln petitionikt haben, darauf aufmerksam machen lassen, daß sie sich vorher über die Mittel hätten vergewissern sollen, nach­trägliche Staatsbeihilfen könnten in diesen Fällen nicht bewi ligt werden. (Berl. Tagbl.)

Dem Emile Cornely zu Paris ist unter dem 16. Jan. 1874 ein Patent auf Vorrichtungen an einer Stickmaschine zur Führung des Stoffes behufs Herstellung von Kreuz- oder Festo- nirstichnähten von konstanter oder variabeler Breite, in der durch Modell, Zeichnung und Beschreibung nachgewiesinen Zusammen­setzung und ohne Jemand in der Anwendung bekannter Theile derselben zu beschränken, auf drei Jahre von jenem Tage an ge­rechnet, und für den Umfang des Preußischen Staats ertheilt worden.

Gegen die Correction des Rheines im Rheingau waren von dort zahlreiche Proteste bei der Regierung eingegangen, scheinen aber wenig Berücksichtigung find n zu sollen. Die Re­gierung betrachtet diesen Strom vor Allem als internationale Verkehrsstraße und hält es demzufolge für ihre Pflicht, auf ein gutes Fahrwasser hinzuwirken. Die Interessen der Anwohner sollen dabei möglichst berücksichtigt werden, können aber nicht ausschließlich maßgebend sein. Am wenigsten kann die Einbuße an malerischer Schönheit nach der Auffassung der Regierung in's Gewicht fallen. Daß die Wein-Kultur bei Ausführung der Cor­rection beeinträchtigt werde, ist eine Behauptung, die keinen stichhaltigen Grund hat. Hinter ihr verbirgt sich vielmehr, wie die Regierung andeuten läßt, die Unzufriedenheit Einzelner, das Privat-Jnteresse, das sich auch in diesem Falle dem öffentlichen Interesse nnterzuordnen lernen muß.

_ Bischof Reinkens in Bonn hat dem Oberpräsidenten von Westphalen angezeigt, daß er den Gymnasiallehrer Hochstein in Köln, den Pfarrer Tangermann in Köln sowie die Professoren Reusch, Langen und Knoodt an der Universität zu Bonn, den Pfarrer Hofmann in Esfen und den Pfarrer Ra bertz in Kre­feld ermächtigt habe, in der Provinz Westfalen an allen Orten, wo man dieses wünsche, für die seiner Leitung unterstehenden Katholiken seelsorgerliche Akte, insbesondere Taufen, Spendung der übrigen Sakramente, Trauungen, Beerdigungen rc., vorzu­nehmen, desgleichen die heilige Messe zu lesen und zu predigen.

Im Erzbisthum Köln, schreibt man derK.-Z.", gibt es trotz aller Ergebenheitsadressen an den Erzbischof noch ka­tholische Geistliche genug, die der Meinung sind, die Bischöfe hätten mit ihren Protesten genug gethan und hätten nunmehr die Pflicht, sich den Gesetzen zu fügen, zumal dieselben ja auch an und für sich gar nichts Unerlaubtes ford rten. Es scheint diese Ansicht, die in geistlichen Kreisen unverholen ausgesprochen wird, stets mehr an Boden zu gewinnen, und es bleibt abzu-