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Dieeinzelne Nummer 1 Sgr.
N 17.
Mittwoch den 21. Januar. 1874.
Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.
Das Deckgeld für die Königlichen Beschäler ist im ganzen Bezirk des hiesigen Landgestüts mit der diesjährigen Deckperiode um 1 Thlr. erhöht.
Die Ortsvorstände wollen dies zur Kenntniß der Pferdebesitzer bringen.
Hanau am 17. Januar 1874.
Dem PH-lipp Friedrich Lapp zu Dörnigheim ist gestattet worden den Familiennamen Stier führen zu dürfen.
Hanau am 13. Januar 1874.
Tagesschau.
— Der Reichstag tritt nach den neuesten Entsch ießungen schon am 5. Februar zusammen. In den ersten 8 Tagen seiner Anwesenheit wird der Landtag fortarbeiten, dann aber, und zwar unter Zustimmung beider Häuser, bis eine Woche nach Ostern vertagt werden und dann bis gegen Pfingsten die meisten der ihm selbst vorliegenden Entwürfe fertig stellen. Man glaubt in- defsen nicht, daß hierzu auch die Gesetze über das Vormundschaftswesen und über die Anlage von Eisenbahnen gehören werden. Die Regierung selbst ist damit einverstanden, daß diese Materien erst in der nächsten Session zur Erledigung kommen. (Trib.)
— Liegnitz. Die er Tage kam man einem Complott von 13—14jährigen Jungen auf die Spur, welche unter sich eine förmliche Räuberbande mit einem Hauptmann an der Spitze or- ganisirt und als ihren geheimen Versammlungsort resp. Räuberhöhle ein Zimmer in dem unbewohnten Glogauer- Thorthurm gewählt hatten, wohin sie durch Uebersteigen des Drathzauues am Schloßgarten gelangten. Die jungen Räuber, Söhne sonst geachteter Eltern, haben bereits längere Zeit ihr Unwesen in gefährlicher Weise getrieben und verschiedene Einbrüche verübt, indem sie sich in Besitz von Nach-Schlüsseln und sonstigen Die- beshandwerkzeuge» zu setzen wußten. So sollen sie u. A. einem Porzellanhändler am Ringe Waaren im Werthe von 20 Thlr. gestohlen haben. Bei der Entdeckung fand man in ihrem Besitze auch einen Karabiner. Die Angelegenheit wird hier viel besprochen. iMannh. Tagbl.)
— Dresden, 19. Januar. Die hiesige gemeinnützige Gesellschaft hat, wie das „Leipziger Tageblatt" meldet, den Jahrestag der Gründung des Deutschen Reichs durch ein glänzendes Festmahl gefeiert. Prof. Zarncke, Pastor Drehdorff und Ober-Haimelügerichts-Rath Goldschmidt brachten Trinksprüche auf „Kaiser und Reich", auf „Fürst Bismarck" und auf „das wider die inneren Feinde des Reichs kämpfende deutsche Bürgerthum" aus, welche mit stürmischem Beifall ausgenommen wurden.
— München, 18. Jan. Bezüglich der diesen Abend abgehaltenen Sitzung des gejammten Gesundheitsrathes vernehmen wir vorerst, daß nach sehr umfassenden und interessanten Debatten in der Hauprsache beschlossen wurde, daß an den in Betreff der Cholera bisher erlassenen polizeilichen Anordnungen vorerst eine Abänderung nicht getroffen werden könne. Es wird sonach anch die Bewilligung zu Tanzbelustigungen rc. bis auf Weiteres noch nicht ertheilt werden können. Unter den dermaligen Ge- sundheitsverhältnissen war ein anderer Beschluß in der That auch
nicht zu erwarten. Ein näherer Bericht über die Sitzung des Gesundheitsrathes wi d wohl morgen veröffentlicht werde». Voir Freitag bis Samstag Abends sind an der Cholera 32 Personen erkrankt und 21 gestorben, und von gestern bis heute Abends ergaben sich 24 Erkrankungen und 9 Todesfälle.
Bern, 19. Januar Der Bundesratb hat heute den Be- schlüssen des Ständeraths, daß die öffentlichen Spielhäuser bis Ende 1877 sämmtlich geschlossen und alle kantonalen Eingangsgebühren bis Ende 1890 ohne Entschädigung aufgehoben werden sollen, seine Zustimmung ertheilt.
— Bern, 20. Januar. Der Bundesrath erließ, nachdem Rußland seine Theilnahme zugesagt, Einladungen zum internationalen Postcongreß, der am 15. September stattfinden soll.
Neue Frankf. Pr.
— Die Ansprache, welche der General Ladmirault, General-Gouverneur von Paris, am Neujahrstage gehalten hat, ist bekanntlich in der deutschen Presse ihrer Anmaßungen wegen vielfach commentirt worden. Die französischen Officitffen suchen, freilich etwas spät, die Sache jetzt abzuschwächen, indem sie behaupten, der General habe nicht von einer Präponderanz Frankreichs, sondern von der Wiedergewinnung der ihm gebührenden Stellung gesprochen. Man wird sich in Deutschland durch diese Erklärung nicht irreführen lassen. Jedermann weiß, was ein Franzose und noch dazu ein General unter „gebührender" Stellung Frankreichs versteht. Der General hat nur vorlaut ausgeplaudert, was das Herz jedes echten, d. h. chauvinistischen, Franzosen erfüllt, und Deutschland ist sich wohlbewußt, daß es seinem westlichen Nachbar gegenüber für lange hinaus auf den Grundsatz angewiesen ist: toujours en vedette! Trib.
— Paris, 19. Januar. Das Journal „Univers" ist wegen der in seiner letzten Nummer erfolgten Publikation des Hirtenbriefes des Bischofs von Perigueux, sowie wegen der in derselben Nummer enthaltenen Artikel auf zwei Monate suspen- dirt worden.
— Die Diskussion über die nächste Papstwahl ist in ein neues Stadium getreten. Die Wiener „Presse" erfährt aus guter Quelle von einer Circularnote der italienischen Regierung, welche die volle Freiheit des Konklave in aller Form verbürgt. Diese Note enthält thatsächlich eine Antwort auf jene Befürchtungen, mit welchen die päpstlicherseits nicht geleugnete Absicht einer theilweisen Aenderung der Wahlmodalitäten und des Wahlortes begründet werden könnte. Die Note benützt den Anlaß der jüngsten Kardinals-Ernennungen, um an diese auf Ergänzung des Konklave berechnete Thatsache in schonender Weise die Erwähnung jener Eventualität zu knüpfen, welche eine Papstwahl nöthig machen könnte. Die italienische Regierung wünscht, daß dieser Fall so spät als möglich eintrete, glaubt jedoch über die Haltung, welche sie demselben gegenüber einzunehmen gedenkt, sich nicht früh genug äußern zu können. Italien sehe vollkommen ein, daß ganz Europa ein hohes Interesse daran habe, daß die Wahl des Papstes völlig frei und unbeeinflußt erfolge. Aus dem Geiste wie aus dem Buchstaben der italienischen Garantiegesetze, deren bezügliche Stellen die Note citirt, weist die italienische Regierung hierauf nach, daß sie — und nicht nur sie — sondern jede mögliche italienische Regierung — dem Konklave zur Ausübung seiner hochwichtigen Funktion die vollste und un-