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^§16.
Dienstag den 20. Januar.
1874.
Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.
Gemäß §. 27 des Wahlregelements vom 28. Mai 1870 wird publizirt, daß Herr Dr. Hermann Weigel zu Cassel zum Abgeordneten für den Reichstag mit 8775 Stimmen gewählt ist.
Außerdem haben Stimmen erhalten:
E. A. B. Richter zu Hannover 3908
Professor Dr. Glaser zu Marburg 1996
Zersplitterte Stimmen sind ... 9
Hanau am 15 Januar 1874.
Der Wahl-Commissarius für den Wahlbezirk Hanau-Gelnhauseu-Orb.
Schrötter.
Tagesschau.
— In der Freitags-Sitzung des Abgeordnetenhauses erklärte es der Abgeordnete v. Mallinckrodt für die Absicht der Regierung, zuerst auf das Gewissen der katholischen Kinder und dadurch auf das der Eltern zu drücken. Wie sehr diese Beschuldigung der Wahrheit entspricht, ergibt sich aus einer Verfügung des Kultusministers, in welcher es als eine Forderung der Gerechtigkeit und Billigkeit bezeichnet wird, daß den Eltern oder Vormündern katholischer Kinder gestattet werde, ihre Kinder von dem Religionsunterricht in den Elementarschulen zurückzuhalten, sofern sie nachweisen könnten, daß ihnen entweder katholische Geistliche oder geprüfte Lehrer anderweiten Religionsunterricht ertheilen. Wo bleibt da der Druck auf Kinder und Eltern?
— Von den beiden Gesetzvorlagen zur Ergänzung der Mai- Gesetze liegt auch diejenige, welche die Verwaltung unbesetzter Diözesen betrifft, jetzt im Kabinet und es ist nach dem „D. W.-Bl." anzunehmen, daß die Vorlagen schon in der nächsten Woche der Kammer werden zugehen können.
— Der Diskont der preußischen Bank ist auf 4 pCt. und der Lombardzinsfuß auf 5 pCt. erniedrigt.
— Dem Ingenieur G. Oesten zu Berlin ist unter dem 16. Januar d. J. ein Patent auf einen in seiner ganzen Zusammensetzung als neu und eigenthümlich erkannten Heizmesser auf drei Jähre, von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang des preußischen Staates ertheilt worden.
— Nach Mittheilungen aus Mecklenburg-Schwerin, die der „Voss. Ztg." zugehen, soll es sich nach der angekündigten Verfassungsmodifikation um folgende Zusammensetzung der Landesvertretung handeln. Die Ritterschaft wählt 31 Vertreter, der befestigte Großgrundbesitz 9, die Magistrate von Rostock, Schwerin, Wismar, Parchim, Güstrow 5, die Bürgerausschüsse der übrigen Städte 26, die Ortsvorstände des Dominiums ebenfalls 26 und endlich ernennt der Großherzog nach Willkür noch
5 Vertreter. In ähnlicher Weise soll Mecklenburg-Strelitz 23 Vertreter stellen. —Auf diesen Zopf werden die Mecklenburger sicherlich nicht anbeißen. Alle Zumuthungen, Lockspeisen, Aufstachelungen zum Judenhaffe u. s. w. hat das Volk mit eiserner Ruhe durch die Wahlurne beantwortet! Um so mehr sind wir aber berechtigt, heißt es in einer Mecklenburger Korrespondenz der „Köln. Ztg.", Hülfe vom Reiche zu erwarten, denn ohne diese erhalten wir eine den Bedürfnissen und der Zeit angemessene
Verfassung nicht, und ohne eine solche Verfassung laufen wir ernstlich Gefahr, schweren Verwicklungen entgegenzugehen.
— Weimar, 18. Januar. Der ordentliche Landtag des Großherzogthums ist heute in der herkömmlichen Weise eröffnet worden. In der landesherrlichen Propositionsschrift wird der erfolgten Vermählung des Erbgoßherzogs gedacht; die fortschreitende Befestigung des Deutschen Reichs und der weitere Ausbau der Reichsinstitutionen werden besonders hervorgehoben, ebenso der Abschluß der neuen Militärkonvention mit Preußen. Die für den Landtag bestimmten Vorlagen umfassen ein neues Volksschulgesetz, eine neue Gemeindeordnung, die Einführung von Friedensgerichten und ein neues Wahlgesetz.
— München, den 18. Januar. Der König hat den Freiherrn Schenk v. Stauffenberg, anläßlich seines 25jährigen Jubiläums als erster Präsident der Kammer der Reichsräthe, in den erblichen Grafenstand erhoben.
— Ultramontane Wahlhetzereien in Bayern. Aus Lechbruck, so schreibt die „N. Frankf. Pr.", wird über die Reichstagswahlen geschrieben: Bei der hier stattgehabten Reichstagswahl wurden von 290 Stimmberechtigten 225 Stimmen abgegeben, und fielen 173 derselben auf Merkle, 51 auf Sensburg und 1 Stimme auf Fischer, Bürgermeister von Augsburg. Vor drei Jahren fiel das Resultat der Reichstagswahlen ungleich günstiger für die liberale Partei aus, und fragen wir nach den Ursachen, so müssen wir uns gestehen, daß es nicht anders kommen konnte, und wir müssen uns geradezu verwundern, 52 Männer gefunden zu haben, welche den Muth besitzen, angesichts solcher Hetzereien für die gute Sache zu stimmen. Es wurde vorzüglich den armen und unwissenden Leuten Folgendes vorgelogen: Wenn die Wahlen liberal ausfielen, werde man in kurzer Zeit die Kirchenthüren vermauern, und man müsse wohl 6 Stunden weit gehen, wenn man eine heil. Messe anhören wolle, die Kinder würden lutherisch geschult, man müsse nochmal soviel Steuern bezahlen, die Stiftungsgelder und Kirchengüter werde der Staat an sich reißen, die Bischöfe und Priester werde man in den Gefängnissen aushungern, das Volk werde neuprotestantisch gemacht u. s. w. Ferner wurde ein salbungsvoller Hirtenbrief von der Kanzel verlesen, Versammlungen bei Tag und Nacht abgehalten, von Betschwestern Flugschriften verbreitet, die Leute mit Strafe bedroht, welche sich der Wahl enthalten u. s. f.; man beschwor die Leute, von einem Liberalen keinen Zettel anzunehmen, sowie auch von denselben kein Wort anzuhören; die Weiber wurden angehalten, ihre Männer für die klerikale Sache zu bearbeiten. Was konnten wir gegen solche Umtriebe thun Leuten gegenüber, welche nur ein paar schwarze Blätter lesen und von der Politik soviel verstehen wie ein unwissender Hirtenknabe. Man hörte sie ausrufen : „Lieber französisch verrecken als preußisch sterben!" König und Vaterland, Regierung, Gesetz und Recht gilt diesen Leuten nichts mehr; es braucht nur noch den Befehl eines Bischofsund man schlägt uns Alle todt. Wer schützt uns? Haben wir ja schon sagen hören, daß es keine läßliche Sünde wäre, die fortschrittlichen Lumpen todtzuschlagen. Wohin werden wir kommen, wenn die Regierung nicht Mittel findet, dem revolutionären Treiben Einhalt zu thun? Was ist für die Zukunft zu hoffen, wenn man in Kirche und Schule die schwarzen Rebellen so forthausen läßt? Unser einziger Trost ist noch, die Regierung werde