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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
Samstag den 17. Januar
Insertious. Preiss
Die ispaltige Garmoudzeile ob deren SReumi
Die 2,palt. Zeile 2 Sgr.
Die âlpalti»- Zeil, 3 60t.
1874
Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.
Nach den gemäß §. 14 der Instruktion vom 29. Mai v. I. hier eingegangenen Haupt-Nachweisungen hat sich der Jahresbetrag der aus der Veranlagung der Klassensteuer für 1874 zu erzielenden Soll-Einnahme auf insgesammt:
11,076,516 Thaler herausgestellt.
Eine Ausgleichung des Ueberschusses von 76,516 Thaler über den nach §. 6 des Gesetzes vom ^’ Mai^l^è^ ^^' stellten Normalbetrag der Klassensteuer findet in dem Jahre 1874 zufolge der a. a. O. dieserhalb gegebenen Bestimmungen nicht statt; die Haupt- und Kreisnachweisungen bedürfen daher nicht der im §. 18 der erwähnten Instruktion vorgesehenen Berichtigung, vielmehr hat die Erhebung der Klassensteuer im Jahre 1874 durchweg nach den in §. 7 des Gesetzes angegebenen Steuersätzen zu erfolgen.
Hanau am 9. Januar 1874.
Friedrich Hoffmann zu Hüttengesäß ist als Bürgermeister verpflichtet.
Hanau am 12. Januar 1874.
Tagesschau.
— Se Majestät der Kaiser und König haben der von dem verstorbenen Kommerzien-Rath Lüders in Görlitz zu Gunsten invalider Fabrikarbeiter errichteten Stiftung die Rechte einer juristischen Person zu verleihen geruht.
— Der Berliner Korrespondent der „Times" telegraphirte am Vorabend der Wahlen seinem Blatte Folgendes: „Immer mehr greift in der liberalen Partei die Ueberzeugung Platz, daß das allgemeine Stimmrecht nach Art des in Preußen üblichen Wahlsystems reformirt werden muß. Dieses letztere System re- duzirt den politischen Einfluß der niederen Volksklassen auf das Niveau, welches sie in gesellschaftlicher Beziehung einnehmen und macht es doch Jedem möglich, ein Votum auszuüben, indem es das Stimmrecht zwischen den oberen, mittleren und niederen Klassen vertheilt. Diese Ueberzeugung der liberalen Partei wird noch durch die Erwägung gestärkt, daß selbst, wenn es billig wäre, einer Klasse ein absolutes Uebergewicht bei den Wahlen zu verleihen, diejenige Klasse, welche jetzt dieses Privilegium unter der Herrschaft des allgemeinen und geheimen Stimmrechts genießt, am wenigsten befähigt sei, dasselbe auszuüben. Die unteren Volksklassen Deutschlands, insbesondere der katholischen Gegenden, sind noch nicht genügend unterrichtet, die Tragweite ihrer politischen Thätigkeit an der Wahlurne richtig zu schätzen und die Nothwendigkeit einzusehen, ihr Votum ihrer Lage und Stellung im Alltagsleben anzupassen. Es ist eine bekannte Thatsache, daß die unteren Volksklassen, obgleich sie den Priestern an die Wahlurne folgen, doch nirgends die geringste Absicht zeigen, dem Beispiel ihrer geistlichen Führer zu folgen und den Gesetzen den Gehorsam zu versagen. Für den Augenblick kann dieser Gegensatz zwischen dem Votum und der Handlungsweise der niederen Volksklassen nur den Kirchenstreit vergrößern. Die Priester werden durch das Anwachsen der Zahl der ultramontanen Volksvertreter ermuthigt, während Parlament
und Regierung, sich stützend auf eine starke liberale Majorität, zu neuen Zwangsmaßregeln getrieben werden, die nothwendige Folge der Vermehrung der ultramontanen Abgeordneten. Die liberale Presse der katholischen Bezirke hat die Priester ernstlich davor gewarnt, daß sie mit zu viel Eifer die Wahlordre ihrer Bischöfe ausführen, aber Niemand scheint zu erwarten, daß man auf die Warnung hören wird. Man erwartet aber, daß die große Majorität der gebildeten Katholiken für die Liberalen stimmen werde, wie bei den letzten Landtagswahlen in Preußen/
— Der Gasmotoren-Fabrik Deutz zu Deutz bei Cöln ist unter dem 14. Januar d. J. ein Patent auf eine atmosphärische Gaskraftmaschine in der durch Zeichnung, Beschreibung und Modell nachgewiesenen Zusammensetzung auf drei Jahre, von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang des preußischen Staats ertheilt worden.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." bringt folgende offiziöse Notiz: Vor einigen Tagen haben wir den Lesern den Wortlaut der Ansprache mitgetheilt, mit welcher der General Ladmirault, der Gouverneur von Paris, die Gratulation des Offizierskorps der Pariser Garnison erwiderte. Die Rede, ein treffliches Seitenstück zum Hirtenbriefe des Mgr. Plantier, darf in Deutschland nicht überhört werden, denn Herr Ladmirault weist dem Offizierskorps darin vor Allem die Aufgabe zu, „an der Reorganisation der Armee in der Sphäre, die Jedem eigen ist, zu arbeiten, um Frankreich seine Stellung in Europa nnd das ihm gebührende Uebergewicht wieder zurückzugeben." Das ist die Frucht der Erfahrungen in Frankreich. Wir aber antworten darauf: So lange die Franzosen von Präponderanz reden, können wir mit diesem Volke nicht Frieden halten. Wir wollen keine Präponderanz — weder ertragen noch üben.
— Auch am Rhein gibt es trotz des tiesschwarzen Wahlergebnisses noch immer Pfarrer, welche den Muth der Ueberzeugung haben. Ein solcher ist der Pfarrer Pesch im Wahlkreise Adenau. Die „K. V.-Z." machte sich jüngst über ihn lustig, weil er am 4. November v. I. gegen die Centrums-Partei gestimmt und einstimmig den Kanonikus Dr. Künzer in Breslau gewählt hatte. Der betreffende Geistliche erläßt darauf in der „Bonner Ztg." folgende Erklärung:
„1) Hätten wir nur Geistliche, wie Dr. Künzer und Domprobst Holzer, wir würden nicht in den gegenwärtigen trostlosen Wirrwarr hineingerathen sein; wir würden auch die Mai-Gesetze nicht haben. 2) Die Bildung der Centrums-Partei war ein gewaltiger politischer Mißgriff — zum großen Schaden für die Kirche, und wer das jetzt noch nicht einsieht (nach den Bestrafungen der Bischöfe und Priester, der Tempotaliensperre, der Schließung der Seminare rc. rc.), der muß völlig blind sein. 3) Die Stellen der h. Schrift, welche zum Gehorsam gegen die weltliche Obrigkeit und zur Unterthaventreue (um des Gewissens willen) auffordern, sind eben so wichtig wie alle anderen; sie verpflichten in demselben Maße, wie die übrigen. Bei meiner Abstimmung hat mich nur mein Gewissen geleitet."
— Wien. Der auf Antrag der Staats-Eisenbahn-Gesell- schaft in Gemeinschaft mit mehreren österreichischen Eisenbahn- Gesellschaften für den 28. ds. Mts. nach Leipzig einberufenen Konferenz der deutschen Eisenbahnverbände stellt sich eine große Schwierigkeit entgegen, da mehrere deutsche, insbesondere preußi-