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Sorgen empfindet über die Ordnungen, die neuerdings eingeführt werden, und große Trauer hat ihn erfüllt, daß ihm das liebge­wonnene Alte nun genommen wird. Und bange Zweifel haben sich seiner Seele bemächtigt, ob diese Neuerungen auch zum Heile der Frommen ausfallen werden? All dieses Kreuz und die Noth des vergangenen Jahres zieht heute in der Scheidestunde durch unsere Herzen" u. s. W. Es ist wünschenswerth, daß diese Be­feindungen der neuen Gesetzgebung, die ein dringender Nothstand geboren hat, geahndet werden, damit der Geistliche, der sich ohne Controle dünkt, das öffentliche Urtheil fürchten lernt.

Berlin, 5. Jan. Die Sächsische und die Leipziger Bank haben ihren Wechseldiskont auf 5, den Lombardzinsfuß auf 6^2 Prozent herabgesetzt.

Volksaufklärung. Die Schwarzen sind gegenüber der bevorstehenden Einführung der Civilehe ganz aus dem Häuschen, obwohl die Perle von Meppen im Abgeordnetenhause wiederholt versichert hatte, die Katholiken wurden von dem Gesetze nicht im mindesten berührt, es gehe nur die evangelische Kirche an, deren Untergang dadurch unabwendbar sei. In Schlesien predigen die katholischen Priester von den Kanzeln herab, nach Einführung der Civilehe würden die Brautleute durch berittene Gendarmen vom Pferde herab kopulirr werden, dagegen müßte man sich wehren. Das ist Volksaufklären im Sinne der Ultramontanen.

(Der DampferKönig Wilhelm I.") Der an der hol­ländischen Küste gestrandete DampferKönig Wilhelm I." ist dieser Tage nach England für die Summe von 105,000 Tha­ler verkauft worden. Die neuen Eigenthümer wollen den Ver­such machen, das Schiff wieder vom Strande herab zu bringen.

Neue Frankf. Pr.

München, 4. Jan. An alle dem kgl. Staatsministe­rium des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten unter­geordneten Unterrichtsstellen und Behörden ist die Verfügung desselben ergangen, daß nächsten Samstag, dem Tage der Reichs­tagswahlen, der Unterricht an sämmtlichen Unterrichtsanstalten auszusetzen ist, damit das Lehrerpersonal in der Ausübung seines Wahlrechtes nicht behindert ist.

M annheim. Das Comito für das Arndt-Denkmal auf dem Rugard erläßt folgenden Aufruf an die deutschen Ge­sangvereine :Vier Jahre sind verflossen, seit von einigen deut­schen Männern auf der Insel Rügen die Idee- ausging, Ernst Moritz Arndt an seinem hundertjährigen Geburtstage auf seiner Heimathinsel auf dem Rugard bei Bergen ein Denkmal zu er­richten. Der Ruf an's deutsche Volk, Beiträge zu spenden, ver­hallte nicht erfolglos. Von Nah und Fern gingen Geldsendun­gen und Geschenke ein, hinreichend, um das Werk in Angriff zu nehmen. Soll jedoch das nunmehr bis zum dritten Theil des Ganzen geförderte Denkmal, ein Thurm in romanischem Styl, der auf dem Scheitel des Rugard fchon kühn sich erhebt, weiter geführt werden, so bedarf es noch bedeutender Spenden. Die ewig denkwürdigen Ereignisse des Jahres 1870 und 1871 haben dem deutschen Volke gebracht, was es seit länger als 50 Jahren erstrebt, wofür Arndt sein Lebenlang gesungen und gerungen, gestritten und gelitten hat. Sein Denkmal darf darüber nicht vergessen sein. Das Comitö hofft, sich nicht vergeblich an den Patriotismus der Gesangvereine in Deutschland zu wenden, wenn es diesen die dringende Bitte an's Herz legt, für das Denkmal des heldenmüthigen vaterländischen Sängers im Laufe des be­vorstehenden Winters geneigtes! zu konzertiren und den Erlös an das Comitö, zu Händen des Justizrath Biel in Bergen auf Rügen, gütigst einsenden zu wollen."

St raßburg, 5. Januar. Heute Nacht wurde in Schlettstadt ein abscheulicher Mord verübt. Der Lokomotivfüh­rer Schäfer dort hatte vor einigen Tagen an die Eisenbahnver­waltung ein Grundstück verkauft und die Kaufsumme zu Hause liegen. Heute Nacht war er in Markirch in Dienst. Mitter­nachts 12 Uhr nun wurde sein in der Nähe des Bahnhofes ge­legenes Haus erbrochen zweifellos von einem Bekannten und die Frau Schäfers erschlagen. Seine Kinder entsprangen durchs Fenster. Hilferufe wurden am Bahnhöfe gehört. Der Thäter ist ohne das gesuchte Geld entsprungen und bis jetzt nicht verhaftet.

Wien, 5. Jan. Von Seiten des päpstlichen Stuhles ist die Ernennung der Erzbischöfe von Salzburg und Gran zu Kardinälen dem Kaiser amtlich notifizirt und um die Vornahme des Aktes der Investitur nachgesucht worden.

Bern, 5. Jan. In Folge der neuesten Demonstratio­nen von Seiten der Ultramontanen im Berner Jura sind in dem Orte Saignelögier Seitens der Regierung energische Maßregeln angeordnet worden, auch find zwei Kommissare der Regierung an Ort und Stelle abgegangen.

Der franz. Kriegsminister hat alle Maßregeln ergriffen, da­mit bis zum 4. März die Cadres der Territorial-Armee herge­stellt sind. Bekanntlich soll bis zu dieser Zeit die Armee auch mit den neuen Kanonen versehen sein, so daß Frankreichden Ereignissen mit größerer Ruhe zusehen kann." DasUnivers" behauptet, daß die Rechte nichts dagegen haben werde, wenn die Offizierstitel der Prinzen von Orleans, die bis jetzt noch pro­visorisch sind, zu endgültigen gemacht würden.

General Ladmirault, Gouverneur von Paris, hat zu den Offizieren der Pariser Garnison beim Nenjahrsempfange unter Auderm gesagt:Sie haben auch an der Reorganisation der Armee in der «Sphäre, die Jedem eigen ist, zu arbeiten, um Frankreich seine Stellung in Europa und die Oberherrschaft, die es haben muß, zurückzugeben". Diese Worte haben selbst in Paris Aufsehen erregt. Uns lassen sie kalt. Wir unsererseits werden keineOberherrschaft" der Franzosen dulden und jeden Versuch,die alten Zeiten zurückzuführen", mit den Waffen von Gravelotte und Sedan zurückweisen. (SW

Rom, 31. Dez. Am 29. Dez. starb hier ganz uner­wartet der Oberst de La Haye, Militär-Attache der französischen Gesandtschaft bei Viktor Emanuel. Die Exequien sollten in der französischen, nach dem heiligen Ludwig genannten Kirche statt­finden, aber der Rektor derselben weigerte sich, dieselbe für die­sen Zweck herzugeben, und zwar unter dem Vorwande, weil italienische Truppen der Feier beiwohnen würden. Das war ein Grund, der, wenn er als gültig angenommen wurde, dem Todten jede katholische Kirche hätte versperren müssen. Prinz Humbert indessen legte sich ins Mittel und erwirkte, daß das Traueramt in San Marcello abgehalten wurde. Das diplomatische Korps, die Civil- und Militärbehörden und eine Abtheilung Truppen wohnten dem Begräbnisse bei. (Telegraphisch wird gemeldet: Es ist positiv, daß die Weigerung der Geistlichkeit der Ludwigs­kirche, die Funeralien sür den verstorbenen französ. Oberst de la Haye abzuhalten, direkt durch den Gesandten Frankreichs beim päpstlichen Stuhle veranlaßt wurde, da man wußte, daß das italienische Offizierskorps und Militär offiziell den Exequien beiwohnen würde.)

Neapel, 3. Jan. Aus dem Innern des Vesuvs ist dumpfes Grollen vernehmbar. Der Astronom Palmerie meldet aus seinem dortigen Observatorium, er halte einen bedeutenden Ausbruch des Vesuvs für nahe bevorstehend.

London. Nach der Marineliste pro 1874 sind gegen­wärtig für die britische Marine die folgenden Schiffe im Bau begriffen: 4 Schrauben-Schaluppen, 7 eiserne Schrauben-Korvet- ten, 1 eisernes Schrauben-Truppenschiff, 8 Kanonenboote, 2 Schaufel-Schleppdampfer, 3 eiserne gepanzerte L-chraubenschiffe, 2 gepanzerte Thurmjchiffe und 1 eisernes Torpedoschiff, im Gan­zen 28 Kriegsfahrzeuge.

Madrid, 5. Jan. Für die vergangene Nacht waren in Voraussicht etwa bevorstehender Unordnungen besondere mili­tärische Vorsichtsmaßregeln getroffen worden; die Nacht ist aber ruhig verlausen. Ein weiteres Telegramm meldet: Marschall Serrano hat als Präsident der Exekutivgewalt ferner Citona zum General der Kavallerie, Izquierdo zum General der Infanterie und Ros Olano zum General der Artillerie ernannt. Aus den Provinzen sind Seitens der Civil- und Militär-Autoritäten sehr zahlreiche Telegramme eingelaufen, in denen erklärt wird, daß die neue Regierung auf deren Ergebenheit mit Sicherheit zählen dürfe. Gleichzeitig wird gemeldet, daß die Ruhe im Ganzen überall aufrecht erhalten worden sei. Nur in Taragona und Valladolid kam es zu Unruhen, die Ordnung ist aber auch dort wieder hergestellt. tR. u. st. A.)